Erkenne den Herrn!

„Und wird keiner den andern, noch ein Bruder den andern lehren und sagen: \'Erkenne den Herrn\', sondern sie sollen mich alle kennen, beide, klein und groß, spricht der Herr“ Jer 31:34

In diesem Text finden wir eine der köstlichsten und erhabensten Eigenschaften des Evangeliums enthalten, die aber leider von nur sehr wenigen im Volke Gottes erlangt wird.

Aber was versteht man unter dem Ausdruck: „Erkenne den Herrn“? Im dritten Kapitel des ersten Buches Samuels finden wir, dass Gott den kleinen Samuel drei Mal rief, denn im siebten Vers lesen wir: „Samuel kannte den Herrn noch nicht.“ Aus diesem können wir sehen, dass um Gott zu erkennen, wir mit dem Herrn in enger Verbindung stehen müssen, so dass wir zu Ihm reden und Antworten auf unser Bitten erlangen können, und dass wenn Er zu uns redet, wir Seine Stimme erkennen können.

In alttestamentlichen Zeiten war Gott im allgemeinen nur von Juda und Israel erkannt, und in dem Sinn, von dem unser Text redet, nur von Propheten. Wenn einer der alttestamentlichen Heiligen den Willen Gottes in irgendeiner Sache wissen wollte, so sandte er zu einem Propheten, welcher den Herrn für sie ersuchte. Aber den Heiligen des Neuen Testaments verheißt der Herr durch den Mund des Propheten, dass sie Ihn alle erkennen sollen, von dem Kleinsten bis zum Größten.

Blinde Lehrer der Lehre vom tausendjährigen Reich, die Gott nicht aus Erfahrung kennen, schauen sich nach einem in der Zukunft liegenden Zeitalter um, nach einer Zeit, in der alle den Herrn kennen sollen. Aber wir, die wir uns der Süßigkeit der gänzlichen Heiligung erfreuen, können mit Leichtigkeit glauben, dass wir schon jetzt in der Zeit leben, in welcher die Erde voll ist von der Erkenntnis des Herrn (Hab 2:14). Wenn man beobachtet, dass die Weissagung „sie sollen mich alle kennen“ ein unmittelbares Resultat der Einsetzung des Neuen Testaments ist, dann können wir nicht länger zweifeln, dass diese köstliche Verheißung für uns bestimmt ist.

Darum lasst uns diese Verheißung als unser Eigentum beanspruchen, und lasst uns einen engeren Wandel mit Gott suchen, wo wir nicht so viel auf menschliche Führer schauen müssen, sondern nach dem unfehlbaren Führer, der in alle Wahrheit leitet. „Und alle deine Kinder gelehrt vom Herrn, und großen Frieden deinen Kindern“ (Jes 54:13).

„Es steht geschrieben in den Propheten: Sie werden alle von Gott gelehrt sein“ (Joh 6:45).

„Und die Völker werden herzu laufen, und viele Heiden werden gehen und sagen: Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des Herrn gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege, und wir auf seiner Straße wandeln“ (Micha 4:2).

Es scheint, dass schon Petrus eine Erfahrung machte, während Christus noch im Fleische unter uns hier auf Erden wandelte, Wer lange lebt in dieser Welt, wer seine Augen auftut und um sich schaut, der wird vieles sehen. Viel, viel Elend, viel, viel Herzeleid, ungezählte Tränen, ungestillte Not, Armut und finsteren Tod. Wie geplagt sind doch die armen Menschen unter der strahlenden Sonne, die mit jugendlicher Freude und anmutiger Schönheit jeden Morgen so sorgenfrei und mutig am Himmel heraufsteigt! Sie sind geplagt, die armen Menschen! Sie plagen sich selbst am allermeisten! Sie murren, klagen, seufzen und stöhnen unter ihren Lasten. Sie fluchen in ihrem Herzen dem harten Geschicke, sie zürnen dem Schöpfer, sie beneiden ihre Mitgeschöpfe, die es augenscheinlich leichter und angenehmer haben in dieser Welt. Und warum sind sie so unglücklich? Warum sind sie in solch großer Not, was tragen sie mit solcher Mühe, wer hat ihnen diese Lasten aufgeladen? O, es ist ihre eigene Schuld, ihre eigene Sünde, ihre Gottlosigkeit, ihr eigener Wille! Die armen Menschen quälen sich selbst!

Ist denn keine Hilfe da, keine Erlösung von diesem Elend, keine Freiheit von dieser Sklaverei? O ja, Hilfe ist genug; denn der allmächtige Gott will ja helfen. Die allmächtige Liebe hat sich ja geopfert, um den Menschen zu helfen, um ihn zu retten von allen Feinden und aller Plage. Und täglich ladet diese Liebe ein zu ihrem großen Festmahl, zur Hochzeit des großen Königs! An den Ecken der Straßen und auf den Märkten ruft diese Liebe den armen Menschen zu:„Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben!“ Das meint Hilfe, das ist Erlösung. Viele Hunderte von Jahren schon ertönte dieser Ruf in die Welt hinein aber dennoch ist den Menschen nicht gein welcher er über die Menschen hin wegschauen konnte für diese Belehrung, denn als er zu Jesu sagte: „Du bist Christus“, antwortete Jesus, und sprach zu ihm: „Selig bist du, Simon, Jonas Sohn, denn Fleisch und Blut hat dir das nicht geoffenbart, sondern mein Vater im Himmel.“

„Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, derselbe wird euch alles lehren,und euch erinnern alles des, das ich euch gesagt habe“ (Joh 14:26).

„Und die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt bei euch, und ihr bedürfet nicht, dass euch jemand lehre; sondern wie euch die Salbung alles lehrt, so ist es wahr und ist keine Lüge, und wie sie euch gelehrt hat, so bleibet bei demselben“ (1 Joh 2:27).

Wir dürfen den letzten Text nicht so auffassen, dass Gott uns nicht durch menschliche Werkzeuge lehren würde, denn Gott setzt etliche zu Lehrern in Seiner Gemeinde um zu lehren (siehe Eph 4:11); aber Johannes will uns hier lehren, dass wir über die menschlichen Lehrer wegschauen sollen zu der Salbung, und dass wir fähig sein sollen zu erkennen, dass das, was der Redner redet durch die Salbung geschieht oder nicht. In diesem Sinne sollen wir alle von Gott gelehrt werden.