Frauen in der morgenzeitlichen Gemeinde

„Eure Frauen sollen in den Gemeinden schweigen“, unterwies Paulus die Korinther, „denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden“ (1Kor 14:34). Viele legen diese Schriftstelle so aus, dass Frauen keine führende Stellung in der Gemeinde einnehmen dürfen. Frauen sollen stille, untertänige Geschöpfe sein. Sie sollen sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern und das Lehren, Predigen und die Lehrgespräche den Männern überlassen – oder etwa doch nicht?

Haben Frauen in der morgenzeitlichen Gemeinde geschwiegen? Führten ausschließlich christliche Männer den Missionsbefehl aus, während die Frauen sich selbstgefällig im Hintergrund aufhielten? Konnten christliche Frauen schweigen, da Christus so viel für sie getan hatte – da Sein Wort in ihren Herzen wie ein Feuer in ihren Gebeinen brannte (Jer 20:9)? Konnten sie ihre Kräfte auf ihren Haushalt beschränken, während Christus die Kraft Seines Lebens und Sterbens ausgegossen hatte, um sie von der Sünde zu befreien? Wir lesen oft von Paulus, Petrus, Philippus und anderen großen Männern, die das Evangelium während des ersten Jahrhunderts nach Christus verbreiteten; es waren jedoch nicht nur Männer, die diese Heldentaten vollbrachten. Ein gründliches Studieren des Neuen Testaments offenbart, dass Frauen eine sehr aktive Rolle in der Förderung der morgenzeitlichen Gemeinde spiel­ten.

Das Christentum befreite die Frauen. Es hob nicht ihre rechtmäßige Stellung im Heim auf, sondern bot ihnen mehr geistliche Möglichkeiten, als ihnen jemals im Juden- oder Hei­­­dentum eingeräumt wurden. Das Judentum machte erhebliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen und bestimmte sogar gesonderte Vorhöfe im Tempel, in denen Männer und Frauen anbeten konnten. Das Christentum hingegen machte keinen geistlichen Unterschied zwischen Mann und Frau. All diese Barrieren wurden in Christus aufgehoben (siehe Gal 3:27-29).

Die Schrift dokumentiert wiederholt die Bekehrung von Frauen, insbesondere die Bekehrung Lydias, welche möglicherweise die erste Christin Mazedoniens war (Apg 16:13-15). Frauen waren zu Pfingsten unter denen, die auf dem Söller beteten, und als der Heilige Geist ausgegossen wurde, waren sie unter denen, die in Sprachen redeten und den Scharen von Menschen in Jerusalem prophezeiten (Apg 1:14, 2:1-4). Petrus war sich dieser Tatsache bewusst, als er das Volk an die Worte Joels erinnerte: „Ja, auch über meine Knechte und über meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie werden weissagen.“ (Apg 2:18).

Da Männer und Frauen ein gemeinsames Heil besaßen, hatten sie ebenfalls Zugang zu denselben geistlichen Gaben. Paulus’ Aufforderung, dass eine Frau, die betet oder weissagt, ihr Haupt bedeckt haben soll (1Kor 11:5), bestätigt, dass es für Frauen üblich war, in der Gemeinde zu beten und zu weissagen.

So mancher hat Paulus’ Ermahnungen in 1Kor 14:34-35 und in 1Tim 2:12 als Beweis dafür genutzt, dass Paulus den Frauen verbot, öffentlich in der Gemeinde zu reden. Eine sorgfältige Betrachtung dieser Texte offenbart jedoch, dass Derartiges nicht Paulus’ Absicht war. Paulus’ Unterweisung an die Frauen zu Korinth wurde an die Unmündigen in Christus geschrieben (1Kor 3:1), die offensichtlich die Ordnung in den Gottesdiensten der Gemeinde gestört hatten (1Kor 14:40). Da es eine Schande für sie war, ihre fleischlichen Ansichten mitzuteilen, wurden sie ermahnt „[zu] schweigen“ und „sich [zu] un­terordnen“ (1Kor 14:34). Hätten sie unter der Salbung des Heiligen Geistes geredet, wären sie nicht zum Schweigen gebracht worden. Obwohl Paulus an Timotheus schrieb, dass er „einer Frau nicht [erlaubt] zu lehren, auch nicht, dass sie … herrscht“ (1Tim 2:12), beweist sein Brief an Gajus, dass er Männern ebenfalls verbot, sich widerrechtliche Autorität anzueignen (3Joh 1:1.9-10). Als Petrus aus der Ordnung geriet, „widerstand [Paulus] ihm ins Angesicht“ (Gal 2:11). Ebenso würde Paulus irgendeinen Mann oder eine Frau, die aus der Ordnung des Heiligen Geistes getreten wäre, zurechtweisen. Paulus hatte kein Problem mit Frauen, die lehrten, sondern er hatte ein Problem mit Frauen, die versuchten, eine Autorität auszuüben, die Gott ihnen nicht gegeben hatte. Die Frauen, denen Gott Autorität zum Weissagen und Lehren gegeben hatte, brachte Paulus nie zum Schweigen.

Da ihnen nun so viele Möglichkeiten offenstanden, konnten Frauen in der Entwicklung und Verbreitung der morgenzeitlichen Gemeinde – sowohl in privaten als auch in öffentlichen Kreisen – verschiedene Funktionen erfüllen. Zweifellos spielten gottesfürchtige Ehefrauen und Mütter gerade in ihren eigenen Heimen eine entscheidende Rolle. Die schlichte, zeitweise eintönige Arbeit, einen christlichen Haushalt zu führen, brachte eine große Verantwortung mit sich. Eine gottesfürchtige Ehefrau konnte einem christlichen Ehemann eine große Stütze sein oder als Mittel zur Erlösung eines ungläubigen Ehemanns dienen. Eine christliche Mutter war im Stande, das Evangelium gerade in ihrem eigenen Heim zu fördern, indem sie ihre Kinder zu Missionaren heranzog. Timotheus, ein vertrauter Gefährte von Paulus, schöpfte einen solch starken Einfluss aus dem „ungeheuchelten Glauben“ seiner frommen Mutter und Großmutter, dass er, ungeachtet der Tatsache, dass sein Vater möglicherweise kein Gläubiger war, ein bedeutender Evangelist der morgenzeitlichen Gemeinde wurde (Apg 16:1, 2Tim 1:5, 3:14-15).

Etliche Frauen des Neuen Testaments waren für ihre guten Werke, ihre Gastfreundschaft und ihren Dienst an den Heiligen bekannt. Tabitha, eine Jüngerin aus Joppe, vielgeliebt von den Witwen, für die sie nähte, war „reich an guten Werken und Wohltätigkeit“ (Apg 9:36). Phöbe, eine Dienerin der Gemeinde in Kenchreä, wurde von Paulus empfohlen. Von ihr heißt es, dass sie „vielen ein Beistand gewesen“ ist (Röm 16:1-2). Lydia, eine prominente Kauffrau aus Philippi, riskierte gesellschaftlichen Widerstand und einen möglichen Geschäftsrückgang, um Paulus und Silas in ihrem Haus aufzunehmen (Apg 16:14-15). Lydias Haus wurde anscheinend zum Versammlungsort der Gemeinde, die in Philippi entsprang, denn dort versammelte sich Paulus mit den Geschwistern und tröstete sie, ehe er aus der Stadt hinausgeführt wurde (Apg 16:40).

Christliche Ehemänner und Ehefrauen arbeiteten oft zusammen an der Förderung des Evangeliums. Paulus lobte das gesamte Haus des Stephanas, da sie sich dem Dienst an den Heiligen widmeten (1Kor 16:15). Er ermahnte die Frauen der Aufseher und Diakone, einen vorbildlichen, frommen Wandel zu führen, um somit den Dienst ihrer Ehemänner zu unterstützen (1Tim 3:5.11-12). Einige christliche Ehepaare reisten gemeinsam und arbeiteten zusammen am Evangelium, wie z.B. Priscilla und Aquila, bewährte Mitarbeiter des Paulus (Apg 18:2-3.18-19, Röm 16:3-4). Als Apollos nach Ephesus kam, unterwies dieses geweihte Paar ihn in der Heiligen Schrift (Apg 18:24-26). Ihr Heim wurde vermutlich ein zentraler Versammlungsort der Gemeinde in Ephesus sowie später auch in Rom (1Kor 16:19, Röm 16:3.5).

Die Schrift erwähnt einige Frauen, die sich im öffentlichen Dienst am Evangelium beteiligten. Vier jungfräuliche Töchter des Evangelisten Philippus weissagten (Apg 21:8-9). Tryphena, Tryphosa und Persis gehörten zu Paulus’ Mitarbeitern und Junias wurde „unter den Aposteln angesehen“ (Röm 16:7.12). Priscilla, wie bereits erwähnt, unterstützte ihren Mann und Paulus beim aktiven Dienst am Evangelium. Wir wissen nicht, ob Priscilla eine öffentliche Rednerin war, aber wir stellen fest, dass sie den beredten und gelehrten Apollos – ein Mann, der bereits als „mächtig in den Schriften“ bekannt war – unterrichtete, indem sie ihm half, den Weg Gottes „noch genauer“ zu verstehen (Apg 18:24-26). Es ist interessant festzustellen, dass Gott eine Frau erwählte, um einem Mann Seinen Willen zu offenbaren.

Das Christentum des ersten Jahrhunderts zog großen Nutzen aus der Freiheit und den Gelegenheiten, die es den Frauen darbot. Die Arbeit der Frauen trug zur Förderung der Sache Christi bei. Die Gemeinde Gottes wurde in ihrer Funktion als Leib durch die Mitwirkung der weiblichen Glieder vervollkommnet.

Es ist erwähnenswert, dass christliche Frauen zugleich mit ihren Brüdern verfolgt wurden (Apg 8:3, 9:2, Röm 16:7). Die Tatsache, dass die Verfolger Frauen gefangen nehmen wollten, bezeugt, dass sie die Stimme der Frauen in der Verkündigung des Evangeliums fürchteten. Um das Predigen von Jesus und die Verbreitung dieser „Sekte“ (Apg 24:5) einzustellen, lag es ihnen daran, die weiblichen Mitglieder zu unterdrücken.

Heutzutage ist es immer noch Satans Absicht, christliche Frauen zum Schweigen zu bringen. Indem er erkennt, dass das Einschränken der Frauen das gesamte Werk Gottes zunichtemachen und die Entwicklung der Wiederherstellung aufhalten würde, bedrängt er die Frauen eifrig, um ihren Eifer abzuschwächen, sowie eine weniger aktive Rolle in der Gemeinde einzunehmen. Wenn er jedoch die Frauen zum Schweigen bringen kann, wird er bald auch die Männer verstummen lassen.

Schwestern in Christus, lasst uns unseren Teil tun! Wenn die Stimme der christlichen Frauen in der Morgenzeit zur Verbreitung der Botschaft des Evangeliums erforderlich war, ist die Stimme der christlichen Frauen sicherlich auch heute noch zur Ausbreitung der Botschaft der Wiederherstellung erforderlich. Unsere Brüder können das Werk nicht alleine weiterführen. Was auch immer unsere Begabung sei, lasst uns treulich wirken! Frauen können in der Gemeinde nicht schweigen!