Nicht von dieser Welt

"Nicht von der Welt" ist der Ausdruck, mit dem Jesus sich in Johannes 17 beschrieb. Kein Wunder. Ohne Frage überstieg Sein Leben das gewöhnliche Leben. Er war aus dem Himmel herabgestiegen, und eine himmlische Aufgabe verzehrte Sein Leben. Es bestand kein Zweifel daran, dass göttliche Liebe Sein Herz entflammte, Seine Denkweise steuerte, Seine Gespräche inspirierte, Seine Entscheidungen lenkte und der einzige Antrieb Seines gesamten Werdegangs auf Erden war. Seine Gedanken waren auf Seinen Vater gerichtet und Ihm ging es einzig und alleine darum, Seinen Vater zu verherrlichen. Seine Zeit und Kraft waren dermaßen damit ausgefüllt, einen himmlischen Auftrag zu erfüllen, dass Er keinerlei Bestreben nach irdischem Trachten hatte.

Es irritierte fleischlich gesinnte Menschen, dass Er ihnen nicht erlaubte, Ihn zu ihrem König zu machen; Seine Absichten überstiegen immer wieder ihr Verständnis. Warum? Weil Sein Königreich himmlischen Ursprungs war. Er war aus einer besseren Welt gekommen, und während Seines ganzen irdischen Aufenthalts hindurch atmete Er die Luft des himmlischen Landes ein. Er war weltfern.

Es ist bemerkenswert, dass unser Herr genau den gleichen Ausdruck gebraucht, um Seinen Nachfolgern dieselbe himmlische Beschreibung zu geben: "Sie sind nicht von der Welt, gleichwie auch ich nicht von der Welt bin." (Joh 17:16). Es scheint, als beabsichtigte Er, sie dem Vorbild folgen zu lassen, das Er ihnen gegeben hatte und in derselben himmlischen Weise zu wandeln. Er sollte nicht der einzige Pilger und Fremdling sein. Ihm gleich, würden auch Seine Nachfolger gehasst und missverstanden werden. Sie sollten demselben göttlichen Ruf folgen und dasselbe zweckerfüllte Leben leben - nicht als Einsiedler, denn Er selbst erklärte, dass es nicht Seine Absicht war, sie aus der Welt heraus zu nehmen, sondern dass sie sich als Pilger unter eine Gesellschaft mischen sollten, unter der sie sich wie Fremdlinge vorkamen. Auch sie sollten weltfern sein.

Es ist diese Weltferne, diese himmlische Gesinnung, welche die wahren Nachfolger Christi durch alle Zeiten hindurch absonderte. Diese Distanzierung des Geistes von der Atmosphäre und dem Umfeld der sündigen Gesellschaft bewirkt im Herzen des Gläubigen bestimmte Überzeugungen und eine Lebensweise, deren äußere Erscheinung in den Augen des Betrachters höchstwahrscheinlich merkwürdig und seltsam erscheint. Warum unsere Kleidung? Warum unsere Begrüßungsart? Warum unser Stand gegen Fernsehen und Internet oder unsere Ablehnung gegenüber der Teilnahme an weltlichen Vergnügungen? Dies sind Merkmale unserer fremdländischen Bürgerschaft. Wir kleiden uns unverkennbar, weil wir einer himmlischen Mode folgen. Unser Schmuck ist nicht "der äußerliche", durch "Haarflechten und Anlegen von Goldgeschmeide oder Kleidung", sondern der "Schmuck eines sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist" (1Pt 3:3-4). Wir reden, "wie es Heiligen geziemt", indem wir gerne unsere gemeinsame Verwandtschaft anerkennen und es vermeiden, unsere Sprache mit leichtfertigen oder schädlichen Ausdrücken zu verderben, die weder der Gnade noch der Heiligkeit entsprechen. Wir gebrauchen das Fernsehen nicht, weil "schlechter Umgang ... gute Sitten" verdirbt (1Kor 15:33) und weil sein Geist nicht himmlischen Ursprungs ist. Selbst nützliche Technologie gebrauchen wir nur in der Furcht Gottes, damit Sünde keinen Weg findet, sich hineinzuschleichen. Vergnügen, Sportarten und Feiertage, die nicht göttlich sind und zur Heiligkeit Gottes gereichen, finden in unserer Lebensweise keinen Raum. Diese Entfremdung ist mehr als ein bloßer Unterschied in äußerlichen Bräuchen. Es ist ein fundamentaler Unterschied in unserem Geschmack und unserer Denkweise. In unseren Augen sind weltliche Moden sonderbar. Wir finden keinen Gefallen an denselben Vergnügungen. Unsere Ansichten befinden sich auf unterschiedlicher Wellenlänge. Wir streben nach höheren Zielen. Dinge, die der Welt teuer sind, sind für uns von geringerem Wert, weil wir uns lediglich auf der Durchreise befinden.

Weil wir nicht von dieser Welt sind, führen wir weder ihre Kriege (Joh 18:36) noch mischen wir uns in ihre Politik. Tatsache ist, dass wir nicht in ihr politisches System passen würden, selbst wenn wir es versuchten. Wir trachten nicht nach irdischen Reichen, irdischer Ehre oder irdischen Präsidentschaften. Wir setzen unsere Hoffnung nicht auf irdisches Gold. Wir sind nicht überaus patriotisch gegenüber irdischen Nationen, nicht, weil wir nicht schätzen, was diese Länder für uns tun, sondern weil wir unserem himmlischen Land eine größere Treue schulden. Wir sind auf gleicher Weise von irdischer Gesellschaft abgesondert wie ein Reisender, der - wie sehr er auch die verschiedenen Landschaften während seiner Reise genießen mag - sein Herz auf die Heimat gerichtet hat und sich nicht in jedem Land, welches er durchzieht, ein Haus baut.

So mancher hat sich, als er uns sah, im ersten Augenblick fast die Frage gestellt, ob wir wohl vom Mars kämen, und der Gedanke ist nicht ganz unbegründet. Mach dir keine Sorgen! Wir sind keine Marsmenschen! Fremdlinge sind wir allerdings. Die Dinge dieser Welt sind uns fremd, und wir sind ihnen fremd. Wir atmen eine andere Luft ein. Falls dieser Maßstab dem Leser unzumutbar oder der Preis der Trennung zu hoch erscheint, dann möge er bedenken, dass jemand, der kein Fremdling dieser Welt ist, ein Fremdling des Himmels ist. Es wäre weitaus besser, hier ein Außenseiter zu sein, als in himmlischer Gesellschaft ein Außenseiter zu sein. Wir werden mit der Welt niemals im Einklang sein, und es wäre sinnlos, dieses zu versuchen. Manches an uns wird ihnen immer fremdartig sein und manches an ihnen wird uns immer fremdartig sein, weil wir aus unterschiedlichen Ländern sind. Wir sind fremdartig, einfach weil wir Fremdlinge sind.