Schritte zur wahren Bekehrung

Der Apostel Paulus spricht, indem er an Timotheus schreibt, von einer Zeit, die kommen würde, in der die Menschen zwar eine Form der Gottseligkeit hätten, jedoch durch ihren Wandel deren Kraft verleugnen würden (2Tim 3:5). In der Tat leben wir in einer solchen Zeit. Religionen und religiöse Gemeinschaften nehmen um uns herum zu, und dennoch weiß diese Welt praktisch nichts über die Bedeutung einer wahren Bekehrung. Ich möchte in diesem kurz gefassten Werk erläutern, was wahre Bekehrung wirklich ist, wie sie erlangt wird und warum so viele, die vorgeben bekehrt zu sein, in Wirklichkeit bestenfalls nur eine überführung von ihren Sünden erfahren haben, oder aber sehr wenig über das Werk der Gnade in einem Herzen wissen.

Als erstes möchte ich die Definition der beiden vor uns liegenden Worte betrachten. Sündenüberführung, wie sie von Webster [englisches Wörterbuch] definiert wird, ist "der Vorgang des überzeugens oder des jemanden dazu Zwingens, sich die Wahrheit einer Belastung einzugestehen; die Handlung der überzeugung von der Sünde oder Sündhaftigkeit; der Zustand, überzeugt zu sein oder überführt von dem Gewissen; der Zustand, sich einer Schuld bewusst zu sein. Die überführungen eines Sünders können zeitweilig sein, oder auch dauerhaft und wirksam. Durch die überführung wird ein Sünder zur Buße gebracht."

Bekehrung, wie sie von Webster definiert wird, ist "im theologischen oder moralischen Sinn eine Veränderung des Herzens oder der Veranlagungen. Hierbei unterwerfen sich die Feindschaft des Herzens und auch die Halsstarrigkeit des Willens Gott und Seinem Gesetz. äußerste Liebe zu Gott und Seiner moralischen Regierung, und eine Reformation des Lebens sind die Folge."

Es gibt heute eine Menge von Predigern, welche in ihrer Lehre unter der Bekehrung etwas anderes verstehen, als was die Bibel festgelegt hat. Die Bekehrung einer Seele ist keine einfache Angelegenheit, noch ist sie etwas, das zufällig erlangt wird. Die Bibel gibt uns manche Beispiele dafür, was Bekehrung ist. In Joh 3:3 heißt es, dass ein Mensch von neuem geboren werden muss. 2Kor 5:17 deklariert jeden Menschen, der in Christus ist, als eine neue Schöpfung. Eph 2:1 spricht von denen, die auferweckt (oder lebendig gemacht) wurden, welche zuvor tot waren in den Vergehungen und Sünden. Kol 1:13 bekräftigt, dass der wahre Christ aus der Macht der Finsternis errettet und in das Reich des Sohnes Seiner Liebe versetzt wurde. Wir könnten noch weitere Texte hinzufügen, welche die drastische Veränderung beim Auftreten der Bekehrung aufzeigen, aber wir lassen diese für jetzt ausreichen.

Wie anders ist doch das, was wir heute oftmals zu hören bekommen! Anstatt dass man Seelen unterweist, zum Herrn zu kommen und im Gebet zu ringen, bis dass sie die Gewissheit der Wiedergeburt haben, fordern viele Prediger lediglich ein Aufheben der Hände, um anzuzeigen, wer den Wunsch hat, sein Leben dem Herrn zu übergeben. Sie sagen: "Glaube nur an den Herrn und du wirst gerettet werden." Doch sie bringen einer Seele nie bei, wie man glaubt, oder wie man die Bedingungen des Glaubens erfüllt. Es ist wahr, dass man Erlösung durch den Glauben an Jesus Christus erlangt, aber dieser Glaube ist mehr als nur zu sagen: "Ich glaube." Wahrer Glaube an den Sohn wird gewisse Handlungen hervorrufen. Er wird einen dazu bringen, den Sünden der Vergangenheit abzusagen, alles aufzugeben, von dem man sich trennen muss und jegliche Bedingungen zu erfüllen, die Er verlangen mag, damit man den ersehnten Frieden in der Seele erlangen kann. Ein wahrer Glaube wird eine wahre Bekehrung erzeugen, eine Krisenerfahrung. Er wird einen an den Punkt bringen, wo man nur noch eine Sache im Sinn hat, und die ist, in seiner Seele Frieden mit Gott zu finden.

Ich fürchte, das Problem bei vielen bekennenden Christen ist, dass sie nie eine wahre Erfahrung der Bekehrung gemacht haben. Sie haben vielleicht das Wirken des Herrn an ihren Herzen erfahren und waren vielleicht zu einem Zeitpunkt ihres Lebens von ihren Sünden überführt worden, dennoch sind sie nie dahin gekommen, dass sie ein neues Herz erlangt haben. Sie fühlten eine zeitliche Betrübnis auf Grund ihrer Sünden und versuchten, ihr Leben umzugestalten. Viele bezeichnen dieses fälschlicherweise als Bekehrung. Ich möchte an dieser Stelle etwas klarstellen: Eine moralische Veränderung ist keine Bekehrung. Manche schlechten Angewohnheiten zu lassen ist keine Bekehrung. äußerlich anders aufzutreten ist keine Bekehrung. Obwohl alle diese Dinge sich zu der Zeit, da jemand ein wahrer Christ wird, ereignen mögen, sind sie allein nicht die Errettung der Seele. In Lk 13:3 und 5 heißt es: " … wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen." Webster definiert Buße so: "Wahre Zerknirschtheit; Betrübnis oder tiefe Reue über die Sünde, als ein Vergehen gegen Gott und Unehre Ihm gegenüber; eine Verletzung Seines heiligen Gesetzes; niederträchtigster Undank gegenüber einem Wesen voll endloser Güte. Dieses nennt man eine dem Evangelium entsprechende Buße. Sie wird begleitet von einer Umwandlung des Lebens." Ohne dieses eindeutige Werk der Buße im Herzen bleibt nur eine Möglichkeit, welche wir aus diesem Vers verstehen, nämlich umzukommen. Anhand der Bibel möchten wir nun die Schritte aufzeigen, die zu einer wahren Krisenerfahrung im Herzen des Menschen führen.

In Joh 6:44 heißt es: "Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht." Hier wird uns deutlich gezeigt, dass wir gezogen werden müssen, um zu Jesus Christus kommen zu können. Wir können aus uns selber nicht eines Tages den Entschluss fassen: Ich will jetzt ein Christ werden. Wir müssen vom Vater gezogen werden. Dieses Ziehen bezeichnen wir oftmals als Sündenüberführung. Viele haben sich irgendwann einmal an diesem Punkt befunden, und wussten nicht, was vor sich ging. Der Geist Gottes ist treu, um an jeder Menschenseele, die sich auf dieser Erde befindet, zu arbeiten. Oftmals kommt Er in der Stille der Nacht oder wenn alles ruhig ist. Manchmal lässt Er bei jemandem enttäuschende Umstände zu, in der Hoffnung, seine Gedanken über Gott zu erwecken. Ein Sünder ist durch die Sünde verblendet und braucht jemanden, der ihn auf seinen wahren Zustand aufmerksam macht. Bis er nicht die Größe seiner Sünden einsieht und das Böse, das er begangen hat, die tiefe Finsternis seines Herzens, den Schmerz, den er auf Gottes eingeborenen Sohn gebracht hat usw., kann ihm nicht leid tun, was er getan hat. Deshalb kommt der Heilige Geist, um Seelen von ihrem sündigen Zustand zu überzeugen, und ihnen den Preis zu zeigen, der bezahlt werden muss, wenn sie weiter in der Sünde verharren. Zu diesem Zeitpunkt beginnen viele, eine Art von Reue spürend, ihr Leben umzugestalten. Dies ist ein notwendiger Schritt zur Bekehrung, aber es ist nicht der endgültige Schritt.

Wenn man es zulässt, dass die Sündenüberführung ihr Werk ausrichten kann, veranlasst diese die Seele dazu, eine göttliche Betrübnis zu fühlen. "Denn die Betrübnis nach Gottes Sinn bewirkt eine nie zu bereuende Buße zum Heil; die Betrübnis der Welt aber bewirkt den Tod." (2Kor 7:10). Die Betrübnis nach Gottes Sinn wird Buße bewirken.

Sündenüberführung ist kein angenehmes Gefühl, noch ist die Betrübnis nach Gottes Sinn etwas, das jemand als Genuss empfinden würde, aber danach bringen sie die friedvolle Frucht der Gerechtigkeit hervor.
Es gibt keinen kürzeren Weg, um ein Christ zu werden. Es gibt nur eine Pforte, die Einlass auf den einen Weg gewährt, welcher zum ewigen Leben führt. Wir werden den Preis nicht durch irgendetwas Geringeres erlangen, als was die Heiligen, die uns vorausgegangen sind, zu zahlen hatten. Viele versuchen sich zu verbessern, in der Hoffnung, die Stimme des Geistes, der treu mit ihnen gerungen hat, zu beruhigen, weil sie merken, dass sie nicht willig sind, sich von so mancher Sünde, die ihnen lieb ist, zu trennen. Allerdings sagt die Schrift: Es sei denn, wir tun Buße - und verbessern uns nicht nur - werden wir alle ebenso umkommen. Es ist unmöglich, neues Leben zu erlangen, wenn einem das alte noch lieb ist. Sündenüberführung schließt ein, dass eine Seele ihre Sünden, das Leben, das sie gelebt hat, und die Werke, die sie getan hat, hassen wird. Ohne das Werk der Sündenüberführung und göttlichen Betrübnis kann eine Seele sich nicht bekehren. Sündenüberführung allein ist nicht die Errettung der Seele. Sie ist lediglich ein Schritt in Richtung inwendiger Veränderung des Herzens, die nur bei der wahren Bekehrung erlangt wird.

Während der Apostel von der göttlichen Betrübnis spricht, verweist er noch auf eine andere Betrübnis, die wir hier betrachten wollen: die Betrübnis der Welt, die den Tod bewirkt. Viele haben eine oberflächliche Betrübnis, wenn ihnen etwas zustößt. Es ist, als ob ein Räuber beim Verlassen der Bank, die er gerade ausgeraubt hat, gefangen wird. Aufgrund des Gesetzes in Haft genommen, mag er Reue zeigen. Oftmals ist diese jedoch nur oberflächlich. Es tut ihm nicht leid, dass er die Bank ausgeraubt hat, sondern dass er ertappt wurde und jetzt für sein Handeln büßen muss.

Gott lässt oftmals etwas Tragisches geschehen, in der Hoffnung, dass die Menschen ihr Bedürfnis nach Ihm erkennen und Buße tun. Leider ist die Reue aber nur eine oberflächliche. Sie sind zwar betrübt, allerdings nicht wegen dem, was sie getan haben. Es ist eher ein Bedauern darüber, dass Gott etwas nahm, das ihnen lieb war, oder weil Er ein Ereignis in ihrem Leben zuließ, das tragisch oder enttäuschend war.

Viele versprechen Gott, Ihm ihr Leben zu übergeben, wenn Er sie nur aus ihrem momentanen Leid herausbringe. Oh, wie viele vergessen aber dann von ihrem Versprechen, denn sobald alles wieder nach ihrer Gunst abläuft, kehren sie mit der alten Leidenschaft zurück zu ihrem sündigen und schändlichen Leben.
Dies ist die Betrübnis der Welt. Auf diese Art und Weise erlangt man keine Buße. Nur die göttliche Betrübnis wirkt eine nie zu bereuende Buße. Sie wird einen Kummer darüber bewirken, dass man dem eingeborenen Sohn Leid zufügte, durch Sünden, die man begangen hat, und dass man die schönen Dinge dieses Lebens, welche Gott uns allen so großzügig zuteil werden lässt, nutzte, um die selbstsüchtigen Wünsche des Fleisches und der Gesinnung zu erfüllen. Die Betrübnis der Welt mag eine zeitliche Veränderung mit sich bringen, aber sie kann niemals eine Auferstehung in einer Seele bewirken, welche tot ist in Vergehungen und Sünden.

Oft hören wir, wie behauptet wird, dass es schwer sei, dem Herrn zu dienen. Ich sage nein, schwer ist es, gegen Gott anzukämpfen. Wenn der eigene Wille dem Willen des Herrn völlig übergeben ist, ist es nicht schwer. Es scheint, als ob manche nicht sehr lange bekehrt bleiben können. Sie probieren es eine Weile, aber nach kurzer Zeit sind sie wieder am Boden. Ich fürchte, dass sie niemals wahre göttliche Betrübnis verspürt haben. Göttliche Betrübnis, die zur Buße führt, wird das Leben der Sünde so abstoßend erscheinen lassen, dass man am nächsten Tag nicht wieder zur Sünde zurückkehren wird.

Ja, ich glaube an die Möglichkeit, dass eine Seele abfallen kann, aber wenn jemand wirklich bekehrt ist, wird er nicht einen Tag oben und am nächsten wieder unten sein.

Eine echte Heilserfahrung kann nie ohne das Bezahlen eines Preises erlangt werden. Um ein wahrer Christ zu werden, muss man an den Punkt gelangen, wo man gewillt ist, alles aufzugeben und dem Herrn zu übergeben. Viele haben keine Reue, weil sie nie zu einer völligen übergabe gelangt sind, als das Werk der Sündenüberführung begann. Sie versuchen mit dem Herrn zu verhandeln. Lieber Leser, der Herr wird nur einen vollen Preis akzeptieren. Er hat noch nie jemanden angenommen, der weniger gegeben hatte.

Die Sünde ist vielen Seelen nie überaus sündig erschienen. Sie sind gewillt, sich von manchen eher offensichtlichen Sünden zu trennen, in dem Versuch ihr geplagtes Gewissen zu beruhigen, aber dies ist nicht das Werk der Gnade im Herzen. Solange man noch an etwas festhält, wird Gott die Erhörung verweigern.
In Jes 59:1-2 heißt es: "Siehe, die Hand des Herrn ist nicht zu kurz, um zu retten, und sein Ohr nicht zu schwer, um zu hören; sondern eure Vergehungen sind es, die eine Scheidung gemacht haben zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, dass er nicht hört."

Es liegt nicht daran, dass Gott nicht fähig ist zu hören, sondern Er weigert sich durchaus zu hören, wenn etwas im Weg steht. O ja, Gott ist immer noch wohl im Stande, eine Seele völlig zu erretten. Er ist wohl im Stande, die Toten zu neuem Leben zu erwecken. Für Ihn ist es kein Problem, all die zerbrochenen Teile des alten Lebens wieder zusammen zu setzen, und noch einmal etwas Herrliches zu schaffen.

Wenn eine Seele ihren Sünden absagt, wenn man sich entschließt, sich zu Gott zu wenden, wird Er sich sicherlich erbarmen und reichlich vergeben (Jes 55:7). Scheint es dir, als ob Gott von dir getrennt ist, oder dass Er nicht hört? Prüfe dich und sieh, ob du allen deinen Sünden abgesagt hast! Er wird von denen gefunden werden, die von ganzem Herzen nach Ihm suchen (Jer 29:13).

Manche werden sagen: "Woher weiß ich, wann ich von neuem geboren bin?" Es wird nicht schwer sein, zu wissen, wann du von neuem geboren bist. Kann ein Kind geboren werden und es nicht wissen? Kann jemand vom Tod ins Leben übergehen und nicht wissen, dass das Herz wieder angefangen hat zu schlagen? Kannst du vom Reich der Finsternis befreit und in das Reich Seines lieben Sohnes versetzt werden, und dir dennoch über deinen geistlichen Stand unsicher sein? Ich denke nicht! Ohne Zweifel wirst du spüren, wie die Gnade dort überströmt, wo einst die Sünde überreich war! Du wirst wissen, wann du alles aufgegeben hast und der Herr dein Opfer angenommen hat. Der gute blinde Mann, dem Jesus das Augenlicht wiederherstellte, sagte, als er von den Pharisäern ausgefragt wurde: "Eins weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe." Er konnte nicht erklären, wie das alles geschehen war, oder eine Auslegung dessen geben, was stattgefunden hatte, aber mit aller Sicherheit verstand er eines: Er war einmal blind gewesen, aber jetzt konnte er sehen. Das Werk der Erlösung ist so drastisch und lebensverändernd, dass es keinen Zweifel der Gewissheit geben wird, wann das Werk in der Seele vollbracht ist.

Ich möchte dich bitten, einen Augenblick über deine Erfahrung nachzudenken. Hast du dich wirklich bekehrt, oder gehörst du zu denjenigen, welche die Form der Gottseligkeit haben, aber deren Leben die Kraft derselben verleugnet?
Wir alle eilen schnell einem endgültigen Gerichtstag entgegen, an dem Gott selbst das Verborgene der Menschenherzen richten wird (Röm 2:16). Wenn du willst, kannst du an einem falschen Bekenntnis in dieser Welt festhalten, aber sei dir gewiss, dass Er dich nicht als Sein Eigen betrachten wird, es sei denn, du bist in Sein Reich hineingeboren worden. Mt 7:21 lässt uns wissen, dass nicht jeder, der sagt: "Herr, Herr" ins Leben eingehen wird, sondern nur diejenigen, welche den Willen Seines Vaters tun. In Titus 2:11 heißt es, dass die Gnade Gottes allen Menschen erschienen ist. Jeder hat die Möglichkeit, errettet zu werden.

Hat der Geist sich um dein Herz bemüht? Ich bitte dich, weise Ihn nicht ab! Jesus sagte: "Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen." Weise den nicht ab, der zu dir redet! Lass Ihn dich zerbrechen, bis du völlig ergeben bist, und die Frucht wird süß sein. übergib dich Ihm und Er wird dich zur Buße leiten. Er wird dir ein neues Herz geben. Er wird dich wieder zum Leben erwecken. Und dann wird Er gewiss Sein Eigentum kennen.

Br. John Strizu