Untersuchung der Schlupflöcher für die Wiederverheiratung geschiedener Personen

David F. Myer

Heutzutage könnte man den Ehebund fast als eine vom Aussterben bedrohte Gattung klassifizieren. Ein vor einigen Jahren populärer Film trug den Titel "Das letzte verheiratete Paar". Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wird es in vielen Staaten leichter, mit der Scheidung durchzukommen. Und wir wissen nie, wann wir von dem nächsten Paar erfahren, das sich scheiden lässt. Die meisten von uns haben in unserem eigenen unmittelbaren Familienkreis jemanden, der in ein Scheidungs-Wieder-verheiratungsverhältnis verwickelt ist. Ohne Zweifel ist es wichtig, dass die Gemeinde einen klaren Ausspruch darüber macht, was die Bibel über Ehescheidung und Wiederverheiratung zu sagen hat. Wir müssen entscheiden, ob wir uns auf die Schriftstellen des Neuen Testaments stützen, die sich mit dem Thema beschäftigen, oder auf die vielen unterschiedlichen Meinungen.

Zu Jesu Zeit war es sehr leicht, sich scheiden zu lassen. Die Pharisäer kamen zu Jesus und fragten Ihn hierüber und Er antwortete ihnen (Mt 19:4-5), indem Er zurück zum ersten Buch Moses ging und aus 1Mo 2:24 zitierte: "Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen, und sie werden zu einem Fleisch werden." Das ist Gottes Idealvorstellung von der Ehe. Dies ist der ursprüngliche Plan und du wirst feststellen, dass für das Beenden der Ehe kein Raum gelassen wurde.

Heutzutage enden immer mehr Ehen mit der Scheidung. Was ist passiert? Hat sich Gottes Idealvorstellung für die Ehe geändert? Die Hauptursache für den Wandel liegt meiner Beurteilung nach daran, dass die Kirche ihre Maßstäbe, was Scheidung und Wiederverheiratung betrifft, herabgesetzt hat. Wir haben versucht, die Bibel an unsere Zeit anzupassen und das ist immer ein Fehler. Wir müssen danach trachten, unsere Zeit mit der Botschaft der Bibel in Einklang zu bringen. Während wir uns für das Evangelium engagieren, geraten wir in manch heikle Lagen. Wir berufen Konferenzen und Diskussionen ein und stellen Untersuchungen an über dieses Thema und versuchen herauszufinden, ob da nicht ein Weg ist, die Schrift so zu interpretieren, dass es manche "Schlupflöcher" gibt, welche die Scheidung und die Wiederverheiratung von geschiedenen Personen (deren Partner noch leben) erlauben. Viele in der Gemeinde haben um dieses Thema herumgeredet und gesagt: "Gott kann einen Alkoholiker heilen; Gott kann einen Drogensüchtigen heilen; Gott kann einem das Verlangen nach Prostitution wegnehmen - aber o weh - wenn ein eheliches Problem aufkommt, das zu einer Trennung führt, kann man von einer jungen Ehefrau doch nicht erwarten, ohne einen Ehemann durch das Leben zu gehen." Und so geht die Suche nach Schlupflöchern weiter. Wir wollen nun einige der Schlupflöcher untersuchen, die in den letzten Jahren vorgebracht wurden, und mit denen versucht wurde, die Wiederverheiratung geschiedener Personen zu rechtfertigen.

1. Die Ausnahmeregelung, die an zwei Stellen in dem Buch des Matthäus gefunden wird.

In Mt 5:32 heißt es: "Jeder, der seine Frau entlassen wird, außer auf Grund von Hurerei, macht, dass mit ihr Ehebruch begangen wird; und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch." Mt 19:9 wiederholt dieselbe Ausnahme. Diese Ausnahmeregelung ("außer auf Grund von Hurerei") wird gewöhnlich so verstanden, dass Scheidung und Wiederverheiratung in Ordnung sind, wenn sexuelle Untreue von Seiten eines der verheirateten Partner vorgekommen ist. Bevor wir allerdings zu tief auf die Bedeutung der Worte eingehen, ist es wichtig, dass wir berücksichtigen, an wen das Matthäus-Evangelium geschrieben ist. Das Evangelium nach Markus wurde in erster Linie an die Römer geschrieben und die Ausnahmeregelung wurde hier ausgelassen. Das Buch des Lukas war an die Griechen geschrieben und die Ausnahmeregelung wurde ausgelassen. Matthäus wurde in erster Linie an die Juden geschrieben und die Ausnahmeregelung ist eingeschlossen.

Zweifellos hatte Matthäus den jüdischen Heiratsbrauch im Sinn. Wenn ein junger Mann ein Mädchen heiraten wollte, reiste er zu dem Haus der zukünftigen Braut, handelte einen Preis für das Mädchen aus, richtete einen Bund der Verlobung ein und kehrte dann für eine Zeit von ungefähr zwölf Monaten zurück zu seines Vaters Haus. Die verlobte Braut und der Bräutigam wurden "Ehemann" und "Ehefrau" genannt, obwohl es physisch noch keine Vereinigung gab. Die Heiratszeremonie (und physische Vereinigung) geschah erst nach der zwölfmonatigen Zeit der Trennung. Und die Ausnahmeregelung, die an zwei Stellen in Matthäus gefunden wird, bezieht sich nicht auf die Ehescheidung, sondern auf die Auflösung der Verlobung. Wenn der junge Mann herausfinden würde, dass seine zukünftige Braut während der Zeit der Verlobung untreu gewesen ist, könnte er sie mit einem Scheidungsschreiben zu ihrem Vater zurückbringen.

Die Ausnahmeregelung war in Markus und Lukas nicht mit eingeschlossen, weil die römischen und griechischen Hochzeitsbräuche die Einrichtung der Verlobung nicht anerkannten und so war es für sie nicht nötig, die Ausnahme überhaupt zu erwähnen.

Nimm trotz allem zur Kenntnis, dass das verwendete Wort in der Ausnahmeregelung "Hurerei" lautet - nicht "Ehebruch". Hurerei spricht von sexuellen Verhältnissen zwischen zwei unverheirateten Menschen. Es gibt Stellen in der Schrift, wo "Hurerei" dazu gebraucht wird, um von allen verbotenen Beziehungen zu sprechen, aber bemerke, dass in diesem speziellen Abschnitt der Schrift, die Worte "Hurerei" und "Ehebruch" im Gegensatz zueinander verwendet werden (innerhalb eines Abschnitts). Wenn das in der griechischen Sprache geschieht, können die zwei Worte nicht dasselbe bedeuten. Somit erkennen wir, dass Jesus hier nicht sagt, dass Scheidung und Wiederverheiratung in Ordnung sind, wenn sich nach der Ehe sexuelle Untreue entwickelt hat, sondern was Jesus klar zum Ausdruck bringt ist, dass die Verlobung aufgelöst werden kann, wenn während der Verlobungszeit sexuelle Untreue vorgekommen ist.

Dies ist die Vorkehrung, von der Josef Gebrauch machen wollte, als er herausfand, dass Maria ein Kind erwartete (siehe Mt 1:18-20). So erkennen wir, dass Jesus in dem ersten (so genannten) Schlupfloch, keinen Platz für Scheidung und Wiederverheiratung schuf (wenn sexuelle Untreue vorkam), nachdem die Eheschließung vollzogen worden ist, sondern die Ausnahme ist eine Bestimmung für die Auflösung einer Verlobung (wenn sexuelle Unmoral aufgetreten ist).

2. Die Frage, ob Ehebruch ein Zustand oder eine einzelne Handlung ist.

In der Bibel heißt es klar, dass wann immer eine Wiederverheiratung stattfindet, Hurerei die Folge davon ist und von fast jedem Bibelleser wird dies so ziemlich akzeptiert. An jeder Stelle, wo die Wiederverheiratung von geschiedenen Personen erwähnt wird, ist Ehebruch festgestellt worden. Die wichtige Frage aber ist diese: Tritt der Ehebruch nun mit der Handlung des Wiederverheiratens ein oder existiert er in dem Zustand des Wiederverheiratet-seins? Wenn Ehebruch nur die Tat der Wiederverheiratung ist, dann kann ein Paar, das wiederverheiratet ist, zum Herrn gehen, diese Sünde bekennen und Vergebung erlangen und weiterhin zusammenleben und des Ehebruchs nicht schuldig sein, und dies dann bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich wieder trennen, um dann erneut hinzugehen und zu bekennen. Wenn Ehebruch nur eine einzelne Handlung ist, dann kann diese Vorgehensweise so funktionieren. Die Tat kann vergeben werden, wie jede andere Sünde vergeben werden kann.

Nimm zur Kenntnis, dass in den Berichten der Bibel Matthäus, Markus und Lukas alle den Begriff Ehebruch "begehen" ("begeht") verwenden. Der Satz steht im Präsens, was im Griechischen fast immer eine ununterbrochene Handlung bezeichnet. Röm 7:2-3 verwendet eindeutig diese Zeitform für eine ununterbrochene Handlung, wenn es heißt: "So wird sie nun … eine Ehebrecherin genannt." Außerdem wird uns hier gesagt, warum die Wiederverheiratung von geschiedenen Personen Ehebruch ist. Sie ist Ehebruch, weil die erste Ehe immer noch bindet. Die Menschen sprechen heutzutage von dem "Beenden" einer Ehe. Das kannst du nicht tun. In Röm 7:2 heißt es eindeutig, dass die Ehefrau an ihren Ehemann gebunden ist, solange er lebt. Nicht die Scheidung, sondern der Tod beendet Ehen. Die Scheidung einer Ehe lässt lediglich den Ehebruch in den Augen der Regierung legal erscheinen. Solange ein früherer Partner am Leben ist, ist das ursprüngliche Ehebündnis in Gottes Augen sicher gestellt, und das ist ein Zustand der Ehe.

Wenn einer der verheirateten Partner sich von dem anderen trennt und sich mit jemand anderem verbindet, befreit ihn das nicht von dem Stand der Ehe, in dem er sich befindet, sondern bringt ihn stattdessen in den Stand des Ehebruchs. Ehebruch wird hierbei zuerst durch die Tat der Wiederverheiratung, und dann durch den Stand der Wiederverheiratung dargestellt. So wie die Handlung verheiratet zu werden einen in den Ehestand versetzt, so ist die Handlung wiederverheiratet zu werden Ehebruch, welche einen dann in den Stand einer ehebrecherischen Beziehung versetzt.

Dies ist nicht die populärste Ansicht, aber so sieht es die Bibel. Wenn du ehrlich sein wirst und achtsam Röm 7:2-3 liest, kannst du zu keiner anderen Schlussfolgerung kommen. Ich weiß, dass Paulus hier nicht speziell das Thema Scheidung und Wiederverheiratung anspricht, aber er gebraucht eine Illustration von unserem Verhältnis zum Gesetz. Dennoch ist die Wahrheit über Scheidung und Wiederverheiratung klar.

Die ehebrecherische Beziehung, als Resultat einer zweiten Heirat, ist eine weiterführende intime Beziehung und deswegen keine einmalige Handlung des Ehebruchs, sondern ein andauernder Zustand des Ehebruchs.

3. Der Fall der Wiederverheiratung, bevor das Paar zu Christen wurde.

Was tun wir in dem Fall, wo ein junger Mann oder eine Frau geheiratet und sich scheiden lassen haben, um danach wieder zu heiraten (vielleicht sogar drei- oder viermal) und dann erst den Herrn als Erlöser kennenlernten? Argumentiert wird jetzt, dass wir ihnen das natürlich nicht anrechnen können, weil sie es getan haben als sie keine Christen waren; zweifellos vergibt Gott das alles. Mk 10:5-9 weist uns aber darauf hin, dass die Ehe eine göttliche Einrichtung ist, die von Anfang an von Gott bestimmt war und keine speziell christliche Einrichtung ist. In Mk 10:6-9 heißt es: "Von Anfang der Schöpfung an aber hat er sie als Mann und Frau geschaffen. 'Darum wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein' … Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden." Jesus sagt, dass die Ehe bindend ist in allen Fällen und so war es von Anfang an, nicht erst seit Beginn des christlichen Zeitalters.

Ein Begriff, der dabei hilfreich ist, die alles einschließende Natur von Gottes Ehegesetzen zu klären, ist das Wort "jeder". Das Wort "jeder" wird in Bezug auf Ehe und Scheidung und Ehebruch im Neuen Testament siebenmal benutzt. Es wird im Neuen Testament häufig in Bezug auf Erlösung verwendet und jedes Mal, wenn es gebraucht wird, meint es immer "alle einschließend, irgendjemand, jedermann". (Beachte die Verwendung des Wortes in Joh 3:16.) Es spielt keine Rolle, ob jemand aus Asien, Europa, den Inseln des Meeres oder einem kleinen amerikanischen Dorf kommt - jeder, der die Bedingungen der Erlösung erfüllt, braucht nicht verloren zu gehen. Es schließt alle ein. Und genauso, wenn die Bibel das Wort in Verbindung mit der Ehe benutzt - und davon spricht, dass "Jeder, der seine Frau entlassen wird … und wer eine Entlassene heiratet, … Ehebruch" begeht - schließt es ebenso alle ein. Das ist wahr, obgleich die Person aus einer Kultur kommt, die gegen die Wiederverheiratung von geschiedenen Personen gesprochen hat oder aus einer Gesellschaft stammt, in der die Wiederverheiratung nicht missbilligt wurde. Die Eheversprechen sind bindend für alle, ob sie Christen sind oder nicht.

Manche zitieren 1Kor 7:17.20.24 und sagen, dass die Bibel einer Person vorschreibt, in demselben Zustand zu bleiben, in dem sie war als sie sich bekehrt hat. Dies wird zu einem Schlupfloch gemacht, um die Wiederverheiratung geschiedener Personen zu rechtfertigen, die wieder geheiratet hatten, als sie noch unbekehrt waren. Aber wir müssen den Textzusammenhang der Stelle in 1Kor 7 betrachten. Paulus spricht von zwei Dingen - Beschneidung und Dienststand. Er sagt, dass wenn Gott dich beruft und du nicht beschnitten bist, dann sorge dich nicht darum, beschnitten zu werden. Und falls du, wenn du den Herrn kennen lernen wirst, ein Diener (ein Sklave) bist, sorge dich nicht um den Versuch, frei zu werden. Bleib wo du warst als du berufen wurdest. Paulus spricht nicht über Sünde und falsche Lebensweise. Er sagt nicht: "Wenn du ein Mörder bist, sei einfach weiter ein Mörder." Er sagt nicht: "Wenn du ein Lügner bist, lüge weiter." Er sagt nicht: "Wenn du ein Unzüchtiger warst, bleibe in deiner Unsittlichkeit - das ist in Ordnung." Spr 28:13 macht es deutlich, dass Gott will, dass ein jeder von uns sich von seiner sündigen Lebensweise abkehrt.

Johannes der Täufer hat für die Verteidigung dieses Grundsatzes seinen Kopf verloren. Mk 6:17-18 berichtet wie Johannes der Täufer gesagt hatte, dass es für Herodes nicht rechtmäßig war, die Frau seines Bruders zu haben. Herodes war kein Jude. Herodes war kein Christ. Herodes war ein typischer Vertreter der Kultur des Nahen Ostens. Johannes sprach von Gottes ewigem Gesetz - dem Gesetz, dass von Anfang an ein Mann und eine Frau im Eheverhältnis waren. Johannes sagte zu Herodes: "Es ist nicht rechtmäßig, dass du sie hast."

Die Ehe ist bindend für alle - ob Christ oder Nicht-Christ. In Hebr 13:4 steht es so geschrieben. Es ist wichtig zur Kenntnis zu nehmen, dass weder Markus noch Johannes Herodes zweite Ehe als rechtsgültig anerkannten. Markus (in Mk 6:17) beschreibt die Frau als "Frau seines Bruders Philippus". Hier sehen wir, wessen Frau sie war, obwohl Herodes sie daraufhin geheiratet hatte (Mk 6:18). Sie war nicht Herodes Frau. Herodes lebte mit ihr im Ehebruch. Sie war Philippus Frau. Gott erkennt die zweite Ehe nicht an, weil die erste Ehe bis zum Tod bindet. Dies ist als ein ewiger Grundsatz in den ewigen Ratschlüssen Gottes geregelt. Die Ehe ist nicht nur eine christliche Einrichtung; sie ist eine umfassende, allgemeine Institution und ist deswegen bindend, ob du geheiratet hast als du 14 warst und in den Ghettos von New York City lebtest, oder ob du im Alter von 25 in der Ehe verbunden wurdest in einer typischen Hochzeitszeremonie der Brüdergemeinde. In Gottes Augen sind alle Ehen bindend und können nur durch den Tod gebrochen werden.

4. Der Streitpunkt, dass eine unschuldige Partei gewisse Freiheiten hat.

Zu allererst muss gesagt werden, dass es zweifelhaft ist, dass es in einem Ehestreit überhaupt eine "unschuldige Partei" gibt. Ich weiß von keinem Fall, wo es bei einer ehelichen Trennung eine Seite gab, die völlig unschuldig war. Ich stimme damit überein, dass es unterschiedliche Maße von Schuld gibt, aber zu sagen, dass jemand unschuldig sei, ist eine ziemlich starke Aussage. Es gibt Ausnahmen von der allgemeinen Regel, und somit sollten wir uns anschauen, wie die Bibel sich mit dem Streit befassen würde, falls jemand in der Tat unschuldig ist.

Was ist mit der Person, die das Scheitern der Ehe erlebt hat und völlig unschuldig irgendeiner Missetat, die zu der Scheidung führte, zu sein scheint? Ist es angemessen, dass diese Person wieder heiratet? Der letztere Teil von Mt 19:9 gibt die Worte Jesu wieder: " … und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch." Jesus sagt nicht, weshalb die Frau geschieden war. Vielleicht hat sie nicht richtig gekocht, oder sie ist vielleicht mit einem anderen Mann davongelaufen, oder sie mag ihr Haar in einer Weise gekämmt haben, die ihrem Mann missfiel. Auf jeden Fall macht sich einer, der jemand anderen heiratet, der geschieden ist, einer ehebrecherischen Beziehung teilhaftig. Gott sagt, dass das eheliche Verhältnis so heilig ist, dass es da keine Ausnahmen gibt - sogar wenn einer der Parteien unschuldig ist. In 1Kor 7:11 heißt es, dass wir die Ehe unversehrt halten müssen, denn in der Ehe sind wir in ein Bündnis getreten, und wir müssen unseren Teil des Bundes halten, auch wenn die andere Partei seinen oder ihren bricht. Sogar wenn es so etwas wie eine "unschuldige Partei" in einem Ehestreit gibt, ist das immer noch kein Freibrief, um wieder zu heiraten.

Manche zitieren 1Kor 7:15 und schlussfolgern, dass die Bibel sagt, dass Menschen in bestimmten Situationen "nicht gebunden" sind. Diese Leute würden behaupten, dass wenn du mit einem Ungläubigen verheiratet bist und der Ungläubige weggeht, du frei von dem Band der Ehe bist - so frei als ob du nie verheiratet gewesen wärst. Worüber Paulus aber an dieser Stelle spricht, ist dass wir nicht gebunden sind, der weggegangenen Person nachzufolgen und ihr als ein Sklave zu dienen. Wenn du mit einem Ungläubigen verheiratet bist und der Ungläubige sich dazu entscheidet dich zu verlassen, dann musst du dich nicht ehelich dazu verpflichtet fühlen, da du eine christliche Ehefrau bist, ihm überall hin nachzufolgen, an seine Tür zu klopfen und zu sagen: "Ich bin hier. Ich will dein Abendessen kochen; letzten Endes ist das meine Verpflichtung und Verantwortung. Ich bin deine Ehefrau." Er schlägt die Tür zu, zieht in eine andere Wohnung und verschafft sich eine nicht verzeichnete Telefonnummer, und irgendwie findest du heraus wie diese lautet; du rufst ihn an und sagst: "Wo wohnst du? Ich muss kommen." Nein, die Bibel sagt, dass du frei davon bist, wenn der ungläubige Partner weggeht und nichts mit dir zu tun haben will; lass ihn dann einfach gehen. Du bist nicht gebunden, ihm weiterhin nachzufolgen, ihm zu dienen und ihm hinterher zu hetzen. Lass ihn gehen! Gott hat uns zum Frieden berufen.

Diese Stelle auf irgendeine andere Weise zu deuten, würde anderen Versen in demselben Kapitel (1Kor 7) widersprechen. In Vers 11 heißt es zum Beispiel: "So bleibe sie unverheiratet." Etwas Bindendes liegt in der ersten Ehe. Die verheiratete Person muss der Versöhnung die Tür immer offen lassen. Weiter unten in Vers 39 des Kapitels lesen wir, dass die Frau gebunden ist solange der Ehemann lebt, ungeachtet dessen wie er sie behandelt oder was er ihr antut. Der Tod allein schließt eine Ehe ab. Folglich bedeutet das Wort "gebunden" in Vers 15 (von 1Kor 7) nicht, dass einer frei ist von dem Bund der Ehe, falls ein ernsthafter Konflikt entsteht.

Es gibt einen biblischen Weg, Gottes Segen zu erfahren, wenn verwirrende Eheverhältnisse vorliegen. Es muss eine freiwillige Trennung stattfinden zwischen den Partnern, die zu Unrecht verheiratet sind. Es ist wahr, die wiederverheirateten Geschiedenen scheinen manchmal glücklich zusammen zu sein. Sie haben eine Familie und ein Heim. Dennoch ist die wahre Lösung, sich zu trennen.

Wir werden gewahr, dass das Volk Israel in sündhafte eheliche Verhältnisse verwickelt war und in Esra 10:11 heißt es, dass sie folgendermaßen angewiesen wurden: "Sondert euch ab … von den ausländischen Frauen!" In Esra 10:44 heißt es, dass manche dieser Familien bereits Kinder hatten. Es waren wahrscheinlich auch einige junge Männer und Frauen in dem Lager, die inniglich ineinander verliebt waren, dennoch müssen alle von uns daran erinnert werden, dass "der Weg der Treulosen … ihr Unglück" ist. Manchmal gibt es keinen einfachen Ausweg.

Einen wichtigen Grundsatz, der mit manchen der schwierigen Angelegenheiten im Leben zusammenhängt, finden wir in 1Petr 2:19-21. In Vers 20 heißt es: "Wenn ihr aber ausharrt, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist Gnade bei Gott." Wir werden dazu ermutigt, um der Gerechtigkeit willen zu leiden. Es ist natürlich nie angenehm, das Leiden zu ermutigen. Unser natürliches Fleisch schreckt vor Leiden zurück, aber dennoch verlangt Gottes Plan dies manchmal von uns. In dieser gegenwärtigen Welt werden wir um der Gerechtigkeit willen leiden. Ich glaube das ist Gottes vollkommener Wille. Gott erkannte aber auch, dass es Menschen geben wird, die diesem nicht gewachsen sein werden. Deswegen gibt der Herr in 1Kor 7:10-11 eine ausgiebige Anweisung in Bezug auf die Ehe: "Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass eine Frau sich nicht von dem Mann scheiden lassen soll - wenn sie aber doch geschieden ist, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich mit dem Mann - und dass ein Mann seine Frau nicht entlasse." Gott erlaubt verheirateten Partnern, sich zu trennen, wenn das Verhältnis zwischen ihnen zu angespannt geworden ist. Wenn die Trennung geschieht, gibt es jedoch nur zwei Möglichkeiten: entweder unverheiratet zu bleiben oder sich mit dem verheirateten Partner zu versöhnen. Noch einmal, es gibt keine Berechtigung für Scheidung und Wiederverheiratung. Ebenfalls sprach Jesus von einer "Verschnittenen-Lösung" für Eheprobleme (Mt 19:10-12). Manche sind als Verschnittene "geboren" - geboren ohne die Fähigkeit oder das Verlangen, mit einer anderen Person sexuell involviert zu sein. Andere sind "verschnitten worden" - sexuell unfähig gemacht von ärzten, sodass sie bestimmte Fähigkeiten haben, um nützlich zu sein für ihre Herren. Ebenso gibt es welche, "die sich selbst verschnitten haben" um des Reiches Gottes willen. Oftmals sagen wir, dass es von einer Person zu viel verlangt sei, durchs Leben gehen zu müssen, ohne die Segnungen der Ehe genießen zu können. Paulus aber sagt in 1Kor 7:8, dass Ehelosigkeit zu wählen eine gute Wahl ist. Er begründet es in 1Kor 7:32-34. Gott beruft manche Menschen dazu, um des Reiches Gottes willen Verschnittene zu bleiben. Wir sollten unsere jungen Leute auf diese Einstellung aufmerksam machen. Gott hält reichlichen Segen für diejenigen bereit, die diese Richtung einschlagen. Jes 56:4-5 unterrichtet uns darüber, dass Gott einen besonderen Platz in Seinem Herzen innehält für diejenigen Menschen, die gewillt sind, auf manche der ansonsten annehmbaren Freuden dieses Lebens um des Reiches Gottes willen zu verzichten.

Wenn Gott besondere Segnungen und Gnade für diejenigen hat, die um des Reiches Gottes willen ein Leben der Ehelosigkeit wählen, dann wird ohne Zweifel auch ausreichende Gnade da sein für diejenigen, die unglückselige Ehen gehabt haben und nun entschieden sind, durch das Leben zu gehen, ohne wieder zu heiraten (solange ihr Partner lebt). Jeder treue Anhänger Christi sollte darum bemüht sein, Scheidungsopfer mit dem Entschluss, den Weg der Wiederverheiratung nicht zu wählen, zu ermutigen und ihnen zu helfen.