Urteilsvollstrecker

„… um das geschriebene Urteil an ihnen zu vollstrecken. Das ist eine Ehre für alle seine Getreuen. Halleluja!“ (Ps 149:9). Der gefallene, weltliche Zustand aller „Kirchen“ um uns herum ist denen zu verdanken, die es versäumen, das geschriebene Urteil zu vollstrecken. Hierin liegt ihre Verdammnis. Gewissenberuhigende Reden über die Frage, wie der jetzige, relativ unsichtbare „Maßstab“ wieder wie in den guten alten Zeiten erhöht werden sollte und wie die irrende Jugend reformiert werden müsste, können die Sünde der Vernachlässigung einer Urteilsvollstreckung keineswegs zudecken, noch kann diese durch das Ansprechen der Übertreter mit dem kraftlosen Betteln Elis „Warum tut ihr dies?“ gemildert werden. Das geschriebene Urteil ist nur dann ein Urteil, wenn es vollstreckt wird.

In 4Mo 25 lesen wir von einem Urteilsvollstrecker Gottes, der Pinehas hieß. Nachdem er sah, dass ein Israelit das Gesetz Gottes gebrochen hatte, indem er ohne Scham eine medianitische Frau ins Lager gebracht hatte, fand Pinehas, verzehrt von heiligem Eifer und angespornt durch gerechte Entrüstung, einen Speer, verfolgte den gottlosen Mann und seine Frau bis zu ihrem Zelt und durchbohrte sie, wobei er der Plage, die von Gott ausgegangen war, ein Ende setzte. In Ps 106:30-31 wurde die Heldentat dieses Mannes Gottes und Gottes Wohlgefallen auf ihm zum ewigen Gedächtnis an ihn eingraviert: „Aber Pinehas trat auf und übte Gericht, sodass die Plage aufgehalten wurde. Das wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet.“

Obwohl wir unbeirrt der biblischen Lehre betreffs körperlicher Gewaltlosigkeit folgen, „leidet das Reich der Himmel Gewalt, und die, welche Gewalt anwenden, reißen es an sich“ (Mt 11:12). Ein Gericht, wie es durch Pinehas damals vollstreckt wurde, muss heute im Geist ausgeübt werden. Wenn diejenigen, die nach Reformen und den guten alten Zeiten rufen, verantwortlich gewesen wären für das Gelände, auf dem sich der gottlose Israelit und die medianitische Frau aufhielten, hätten sie gegen solch schamlose Verderbtheit mit feurigen Strafpredigten protestiert, indem sie den sofortigen Gebrauch des Speeres gefordert hätten, währendem es sonst unberührt, an eine Wand gelehnt und den Staub eines Jahrhunderts sammelnd, dalag, wo es immer gewesen war. Andererseits mag der moderne Mega-Church Pastor zwar die Not erkennen, würde sich jedoch zunächst mit einem gutbesetzten Komitee zusammensetzen, um genau zu besprechen, welche rehabilitative Methode, gefunden im Kirchenhandbuch des Glaubensbekenntnisses – wenn überhaupt eine angewandt wird – in dieser Situation eingesetzt werden sollte; denn vielleicht würde sich dieser bestimmte Fall besser zur geduldigen Nachsicht eignen, verbunden mit einer liberalen Dosis dem Fleisch angenehmem Lob, anstatt der Zurechtweisung. Oder es würde sich selbst heilen, wenn man es in Ruhe ließe. Was den Gebrauch eines so veralteten, unüblichen und anstößigen Mittels wie eines Speeres betrifft, wäre es dem Protokoll moderner, menschlicher Beziehung widersprüchlich und käme somit überhaupt nicht in Frage. Wir haben es der gut dokumentierten Regulierung von Kanzel-Komitees, den von Mega-Church Pastoren empfohlenen „Erfolgs-Geschichtsbüchern“ und den erprobten Verfahren theologischer Seminare zu verdanken, dass geistliche Verwüstung in den finsteren Höfen Babels vorherrscht.

Gottes Urteilsvollstrecker sind keine gewöhnlichen Menschen. Es sind Männer und Frauen, deren ganzes Leben von der Verpflichtung des göttlichen Auftrags, die Gemeinde rein zu erhalten, motiviert wird. Diese göttliche Verantwortung nimmt unendlich höhere Priorität ein als irgendein physischer Beruf, natürliche Familienverpflichtungen oder persönliche Besorgnisse. Sie sind wahre Freunde der Heiligen und haben allem außerhalb der kostbaren Grenzen der Heiligkeit gegenüber den Krieg erklärt. Es sind Wächter, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht einen Augenblick schweigen werden (Jes 62:6). Es sind diejenigen, die, nachdem das Netz des Evangeliums allerlei Arten ans Ufer gebracht hat, sich hinsetzen und die Guten in Gefäße sammeln, die Faulen aber wegwerfen (Mt 13:47-48). Die Schriftstelle sagt nicht, dass sie die Faulen bitten oder dazu überreden werden, wegzugehen, sondern sie werfen die Faulen weg. Dieses geistliche Werk der Trennung zwischen Heiligem und Unheiligem deutet deutlich auf handanlegende Taten im heiligen Geist hin. Die modernistischen Prediger heutiger Zeit (eigentlich sollten sie „Redner“ genannt werden) schließen theologische Schulen mit hohen Auszeichnungen als geistlich verweiblichte Waschlappen ab, die nicht genug Mut (oder Urteilsvermögen) haben, ihre Hände an irgendetwas zu legen, außer vielleicht an die Frau des Chorleiters. Sie würden sich niemals wagen, persönlich zu untersuchen, ob ein bestimmtes Mitglied, dessen Bekenntnis – trotz seiner vielen Jahre „guten Standes“ im Kirchenvorstand – trocken und leblos ist, tatsächlich in der letzten Woche entsprechend seines Zeugnisses siegreich über der Sünde gelebt hat oder nicht; oder ob jener bestimmte Jugendliche, der vorgibt, Erlösung zu suchen, sein Band an Liebesromanen vernichtet hat oder nur vorübergehend dieses Lesen abbricht, jedoch ein Lesezeichen dort hinterlässt, wo er mit dem Lesen aufgehört hat. Dies ist jedoch die Aufgabe der Predigerschaft Gottes; das ist das Vollstrecken des geschriebenen Urteils.

Der Mensch behauptet: „Lächerliche Musterung!“ Gott sagt: „Vollstrecke mein Urteil!“ Und wir müssen es vollstrecken, sonst werden wir selbst verwerflich.
In der Tat ist der Erfolg der Gemeinde Gottes direkt mit der Fähigkeit, negativen Einfluss von sich selbst zu entfernen, verbunden. Babylons Fluch beruht auf ihrem sauberen Schwert, das nicht von Blut befleckt ist, und deshalb sind ihre Propheten verführerische Arbeiter geworden (Jer 48:10). Ihre Speere, die heute historische Artefakte sind, hängen ordentlich an den Wänden der Kirchenmuseen; obwohl über sie eifrig geforscht und leidenschaftlich geschrieben wird, obwohl sie immer wieder gemessen, äußerst sorgfältig dokumentiert, regelmäßig abgestaubt und peinlichst genau poliert werden, werden sie jedoch nie benutzt. Auf Grund des Mangels an einem Urteilsvollstrecker sind sie machtlos.