alltägliche Religion

Angenommen es ist Sonntagmorgen und Menschen putzen sich heraus, um den „Gottesdienst“ zu besuchen. Lasst uns unsere Sonntagskleidung anziehen, unser Sonntagslächeln aufsetzen, unsere Sonntagsmanieren annehmen und hingehen, um Christus einen Tag unserer Woche zu widmen. Ganz egal, dass wir unseren Bibeln seit dem letzten Sonntag keine Beachtung geschenkt haben. Was macht es aus, wenn unsere Gedanken an sechs von sieben Tagen mit geschäftlichen Angelegenheiten, Vergnügungen und selbstsüchtigen Begierden beansprucht wurden? Solange wir dem Herrn am Sonntag dienen, wird es Gott gefallen und unser Gewissen wird beschwichtigt sein. Stimmt‘s? Während diese geistige Verfassung in der religiösen Welt sowie der Atmosphäre, die uns umgibt, zunimmt, ist es bei weitem nicht das, was Gott fordert.

Das Blut auf Golgatha wurde nicht für einen halbherzigen Glauben vergossen! Gott gab sich völlig in diesem Opfer hin. Sein Herz, Seine Seele, Sein Leben wurden rücksichtslos ausgegossen. Es gab etwas, worüber Gott ernstlich besorgt war, etwas, worauf Er Sein Herz fixiert hatte. Es war eine Leidenschaft, die Ihn dazu bewegte, Seinen kostbarsten Schatz zu opfern, obwohl es keinen zu kümmern schien. Diese Leidenschaft galt einem reinen Volk, einem exklusiven Volk, einem Volk, das Ihm in Heiligkeit für Zeit und Ewigkeit völlig ergeben war. Dafür konnte Er Ablehnung ertragen. Dafür konnte Er Schmerzen erdulden. Er beabsichtigte, ihnen eine starke Religion zu geben – eine Religion, die kraftvoll genug ist, um ihre Bedürfnisse an jedem Tag der Woche, des Monats, Jahres und Zeitalters zu stillen. Sie sollten Sein Volk sein, das Seine Malzeichen trägt und Ihm zu jeder Zeit ausschließlich dient.

Die gegenwärtige Generation hat die Religion wertlos gemacht. Es ist eine Sache der Bequemlichkeit, der Intensität, die auf Gefühle basiert, und eine Sache der Dauer – wie lange oder wie kurz die aufschürenden Gefühle anhalten. Die Religion wird von manchen lediglich als vorübergehende Sache, als ein „einmal-in-der-Woche“ oder „einmal-im-Jahr-Brauch“, betrachtet. Manche mögen von etwas so eingenommen sein, dass sie ein paar Wochen oder Monate lang eifrig bleiben, aber wenn der einmalige Drang sie nicht länger reizt, verfallen sie wieder in eine lauwarme Gleichgültigkeit.

Diese Geister der Sonntagsreligion und gelegentlichen Religion haben es vielleicht schon auf dich abgesehen. Es ist einfach, geistlich aktiv zu sein, wenn alles gut geht und die Heiligen dich beobachten. Du sagst ein Zeugnis, du betest, du kleidest und verhältst dich genauso wie die Heiligen. Aber was bringt dir deine Religion während der Woche? Behält dein begeistertes Zeugnis auch inmitten alltäglichen Drucks seine Kraft? Erhält es dich lieblich geduldig, wenn du versucht wirst, anders zu sein? Bleibst du mutig, wenn dich die Belastung des Lebens überwältigen will? Wie sieht es aus mit dem Segen, den du während der Lagerversammlung empfangen, dem Land, das du eingenommen, und den Vorsätzen, die du dir gemacht hast? Ist dir diese Herrlichkeit bis in dein Familienleben gefolgt oder war es bloß ein flüchtiger Impuls, der mit den Gefühlen des Augenblicks vergessen wurde?

Die Religion eines Menschen ist nur so gut, wie sie an seinem schlimmsten Tag ist; so inbrünstig, wie an einem seiner flauesten Tage; so stark wie an einem seiner schwächsten Tage und so freudig wie an einem seiner trübsten Tage. Du magst in den Sprachen der Engel reden, singen und predigen, aber wir beobachten dein alltägliches Leben, um zu sehen, was du in Wirklichkeit besitzt. Währenddem manche dazu geneigt sind, das Verhältnis eines Menschen zu Gott nach dem zu beurteilen, was er am Sonntag sagt, schenkt jedoch sein alltägliches Leben seinen frommen Behauptungen Bedeutung.

Die Schwierigkeit stellt Religion unter Beweis. Der Friede beweist seine Stärke, wenn der Sturm wütet. Die Geduld beweist ihren Wert, wenn es am schwierigsten ist, still zu sein. Die Freude beweist ihre Stärke, wenn niederschmetternde Lasten des Lebens auftreten, um sie zu stören, und der Mut zeigt sein wahres Gesicht, wenn keine menschliche Antriebskraft vorhanden ist, um ihn zu unterstützen. Erschrick nicht, wenn du herausgefordert wirst, denn jeder Mensch muss an seiner schwächsten Stelle geprüft werden, um zu erkennen, dass er es ernst meint mit dem, was er sagt. Lass nicht zu, dass Gefühlsschwankungen deine Religion beeinträchtigen! Christus ist gestorben, um dir eine beständige Erfahrung zu geben – eine Erfahrung, die gleichermaßen gut funktioniert, ob im Sonnenschein oder Sturm, an Sonntagen, an Montagen, an Freitagen oder irgendeinem anderen Tag, solange du lebst. Die Religion erweist sich dann von der besten Seite, wenn sie unter Druck steht.

Schw. Kara Wiebe