Das Evangelium

„Jesus Christus, aus dem Samen Davids, der aus den Toten auferstanden ist nach meinem Evangelium.“ (2Tim 2:8).

„Da Gott das Verborgene der Menschen durch Jesus Christus richten wird nach meinem Evangelium.“ (Röm 2:16).

Mein Evangelium. Diese autoritative Behauptung des Apostels Paulus beinhaltet ein großes Ausmaß unanfechtbarer Wahrheit. Diese einfachen Worte verkünden kühne Exklusivität. Durch diese kraftvolle Aussage wurde ein klarer unumstrittener Maßstab des wahren Evangeliums dargelegt. Paulus gibt mehr als deutlich zu verstehen, dass nur diejenigen, die sein Evangelium verkündeten, auch das Evangelium Christi predigten, und stellt dadurch eine unzertrennliche Verbindung zwischen seiner Verkündigung und dem wahren Evangelium dar. In der Tat, um irgendeine Art der Gemeinschaft mit Jesus Christus selbst zu haben, musste man mit dem Evangelium, das Paulus verkündete, verbunden sein. Alles unklare und lediglich intellektuelle Verständnis des Evangeliums wurde durch die Vereinigung des Evangeliums zu einer sichtbaren Einheit in wirksamer Weise beseitigt. Es war das Werk Gottes und nicht das eines Menschen, das die Apostel und Heiligen aus alten Zeiten zum einzigen Maßstab des Evangeliums bestimmte.

Auch heute noch ist das Evangelium des Herrn Jesus Christus, der „derselbe gestern und heute und auch in Ewigkeit“ ist, gleichermaßen unverändert geblieben. Inmitten all des verwirrenden Chaos‘ der Religionen besteht das wahre Evangelium und ist abermals unzertrennlich mit Gottes wahrem Volk verbunden. Und schon vernehmen wir von den Lippen des unabhängigen religiösen Volkes den Ruf: „Fanatismus! Rechthaberei!“. Doch alles Lärmen und Schreien prallt ohne Auswirkung an den Ohren des unveränderlichen Evangeliums ab.

Das Evangelium ist allumfassend; ein Schwert, das in jede Richtung schneidet. Dasselbe Evangelium, welches Liebe zu Gott und dem Nächsten lehrt, fordert auch einen heiligen Hass gegen die Sünde. Viele Menschen begrüßen den kühlen, erfrischenden Regen des Evangeliums, suchen aber eiligst einen Unterschlupf, wenn von demselben Himmel Hagelkörner des Gerichts fallen. Dasselbe Evangelium, das den Sünder liebevoll zur Erlösung ruft, verdammt ihn zu einer hoffnungslosen Ewigkeit, wenn er diesem Ruf nicht Folge leistet. Das Evangelium, das ein trauerndes Kind Gottes liebevoll tröstet, wird dem Sünder mit gleicher Wirksamkeit ein Schuldbewusstsein auferlegen und extremes Unbehagen verursachen. Das Evangelium Christi war nicht beschränkt auf das Werk der Liebe, des Trostes und der Ermutigung. Wer sind diese, die ausschließlich ein Evangelium der Liebe predigen und somit eine äußerst einseitige und folglich unwirksame Botschaft hervorbringen? Wir stellen ihnen dieselbe Frage, die Jesus Christus den geistlich unausgeglichenen, religiösen Führern Seiner Zeit stellte: „Habt ihr noch nie gelesen?“ Forsche in der Schrift und du wirst feststellen, dass die Geschichte des Evangeliums ständig von Kampf, Aufruhr und Gericht berichtet.

Eine einzige Botschaft des Evangeliums gegen die ehebrecherische Handlung eines Königs brachte das Haupt des Predigers auf eine Schüssel. Die Weisheit des Evangeliums, die von den Lippen des Jesuskindes hervorging, erstaunte und bestürzte die Lehrer des Gesetzes. Das Evangelium Christi war eines der Drangsal und Selbstverleugnung, welches Seinen Nachfolgern den einfachsten Lebenskomfort nicht garantieren konnte. Es war die Macht, die die Wechsler aus dem Tempel trieb und die Kraft in der geflochtenen Geißel.

Dieses Evangelium hat immer wieder einen heftigen Zorn unter dem religiösen Volk entfacht und wurde selbst vielen Jüngern Jesu zum Ärgernis.

Während heutzutage ein „Prediger des Evangeliums“ ein studierter Publikum-Sammler ist, war Jesus Christus ein ständiger Zerstreuer der Volksmenge. Da dieses Evangelium das scheinheilige Pharisäertum jener Tage verurteilte, hatte man mehrfach nach dem Leben Jesu getrachtet, und als dann alles erfüllt war, war das Evangelium die Ursache Seines qualvollen Todes am Kreuz.

Dieses von den Aposteln verkündigte Evangelium stellte die Welt der Evangelium-hassenden Juden auf den Kopf. Als es den Heiden verkündet wurde, verursachte es einen gewaltigen, zweistündigen Aufruhr in Ephesus und gefährdete die Existenz der heidnischen Silberschmiede. Wegen diesem Evangelium wurde einer der Gegner mit Blindheit geschlagen und ein stolzer König von Würmern zerfressen. Durch das Evangelium wurden lästerliche Münder der Leugner zum Schweigen gebracht und kluge Philosophen beschämt. Dieses Evangelium erfüllte die ganze Gemeinde mit göttlicher Furcht, indem es den plötzlichen Tod eines habgierigen, heuchlerischen Ehepaars verursachte. Eine einzige gesalbte Botschaft des Evangeliums brachte die Hörer dazu, vor Wut mit den Zähnen zu knirschen, sich die Ohren zu verschließen und den jungen, geisterfüllten Prediger zu steinigen. Weil sie für das Evangelium standen, mussten die ersten Christen in finsteren Höhlen und Katakomben Zuflucht vor ihren blutdürstigen Verfolgern suchen.

Dieses Evangelium brachte dessen Nachfolger vor Gerichtssäle und Konzile, um vor Königen und Kaisern die Kraft des Evangeliums zu bezeugen. Treue Heilige wurden wegen ihres unnachgiebigen Festhaltens am Evangelium zu jahrelanger Gefangenschaft in dunkle Kerker und feuchte Gefängniszellen verurteilt. Unzählige Märtyrer wurden wegen ihrer Treue zum Evangelium am Marterpfahl verbrannt, von wilden Tieren in Stücke zerrissen und enthauptet. Grausame Folterungen mussten die erleiden, die nach diesem Evangelium lebten: „Sie wurden gesteinigt, zersägt… erlitten…Misshandlung.“

Was sollen wir außerdem noch sagen? Weder die Doktoren der Theologie der falschen Religionen noch ihre Väter – die „religiösen“ Menschen vergangener Zeiten – können solche heiligen Narben aufweisen. Das Blut derer, die ihr Leben um des Evangeliums willen hingaben, verurteilt das weitverbreitete „angenehme“ Christentum der Welt. So wie Golgatha für unseren Herrn nicht „angenehm“ war, wird auch das Evangelium, welches daraus resultiert, nicht leicht für dessen Nachfolger sein. Der hohe Preis des Evangeliums hat in der Tat eine abschreckende Wirkung auf jeden lauwarmen Jünger. Der reiche Jüngling war nicht die letzte Seele, die sich wegen eines hohen Preises (an der Schwelle der Hilfe) abwandte.

Dieses Evangelium kostet alles. Die anderen „Evangelien“, welche heutzutage so weit verbreitet sind, reichen von einem monatlichen Mitgliedsbeitrag bis hin zu einem simplen Handaufheben in Begleitung eines murmelnden „Ich nehme Jesus in meinem Herzen an“. Dies ist nicht das Evangelium Christi! Selbst die Pharisäer legten zu Seiner Zeit einen viel größeren religiösen Eifer an den Tag. Wenn also diese heuchlerischen Eiferer ihren Teil des „schwereren Gerichts empfangen“ werden, was soll dann aus den Liebhabern einer „billigeren“ Religion werden?

Dieses Evangelium ist nicht ein verwässertes Evangelium. Es war nicht dazu bestimmt, sich den verschiedenen Gaumen anzupassen, noch wird das jemals so sein; nicht dieses Evangelium! Noch nie wurde es versüßt, um es einem Feinschmecker angenehmer zu machen. Vielen macht es immer noch den Bauch bitter, und es enttäuscht weiterhin viele halbherzig Suchende.

Die Welt und das Evangelium? Noch nie konnten zwei größere Todfeinde gefunden werden. Während falsche Religion sich in unheiliger Gemeinschaft mit der Welt verbindet, schneidet das Evangelium direkt durch den Kern der Weltlichkeit. Wahrlich, sein ganzer Geist steht in heftiger Opposition gegen den Geist der Welt. Das Evangelium geht niemandem aus dem Weg, sondern steht unbeweglich in jedermanns Weg. Es nimmt weder auf den König noch auf den Bauern Rücksicht, ist unparteiisch zwischen Reich und Arm und ändert sich weder für Jung noch Alt. Von Anfang an hat dieses Evangelium Freunde getrennt, Familien uneins gemacht, Geister beleidigt, Egos verletzt und wütende Reaktionen ausgelöst – welches nur ein paar übliche Folgen der radikalen Gegensätzlichkeit des Evangeliums sind. In der Tat sind es die eigentlichen „Beweise“ seiner Gegenwart. Solch ein exklusives Evangelium muss unbedingt auch eine exklusive Gruppe von Nachfolgern haben. Obwohl sich unzählige „christliche“ Gemeindegruppen auf dieses Evangelium berufen, scheitern alle jämmerlich daran, die selbstverständlichen Folgen zu liefern, die es mit sich brächte, wäre das wahre Evangelium lebendig in ihrer Mitte. Eine Gemeinde, deren Jugend vom Geist dieser Welt durchtränkt ist und deren Mitglieder weiterhin in der Sünde leben, besitzt genauso wenig Evangelium in sich wie ein Stein Leben innehat. Dieses Evangelium bringt „ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums“ hervor. Alles andere – religiöse Gruppen, Kirchen, Gemeinschaften, Benennungen, Kulte – ist das Ergebnis eines Evangeliums, das durch fleischlichen Einfluss und fleischliche Gesinnung verunreinigt worden ist. Dies ist das wahre Evangelium. Es ist das Evangelium Jesu. Es war Paulus‘ Evangelium. Ist es auch dein Evangelium?

„Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium verkündigen würden…der sei verflucht!“ (Gal 1:8).