Der Tod - Ein Erlöser?

"Als letzter Feind wird der Tod beseitigt." (1Kor 15:26).

Dieser Vers entblößt den Tod eindeutig als das, was er ist: der Feind der Menschheit. Kaum war die Sünde in die Welt gekommen, war der Tod ihr auch schon auf den Fersen. Und so spricht Gott zum ersten Menschen: "Denn du bist Staub, und zum Staub wirst du wieder zurückkehren!" (1Mo 3:19). "Denn gleichwie in Adam alle sterben … " (1Kor 15:22). Er ist ein Produkt des paradiesischen Fluchs der Sünde, und deshalb ist "der Tod zu allen Menschen hingelangt … weil sie alle gesündigt haben". (Röm 5:12).

Der Tod war nicht Gottes ursprünglicher Plan für die Existenz des Menschen. Er ist das Ende aller irdischen Bewährung, eine Versiegelung der Taten der Menschen bis zum Tag der Auferstehung und des Gerichts. Er ist die Vereitelung aller menschlichen Hoffnungen auf das Leben und die Vitalität. Er zerreißt die Banden der Freundschaft und Familie. Der Tod hat unaussprechliches Leid über Scharen von Hinterbliebenen gebracht, und noch schrecklicher ist die immerwährende Qual unzähliger Milliarden, seitdem er dem Einzug der Sünde folgte.

Und dennoch gibt es im Angesicht all dessen tatsächlich Menschen, die dem Tod als einem Freund und Erlöser zujubeln. Sie heißen den Tod willkommen als ein Ende des Elends und des Sündenfluches, während er selbst ein Fluch der Sünde ist! Wie entsetzlich der Tod auch ist, dennoch sehnen sie sich danach, weil sie meinen, nur durch den Tod die Sünde in ihrem Leben loswerden zu können. Als ob der Tod sie von dem reinigen würde, von dem sie sich hier nicht trennen konnten (oder besser gesagt, nicht wollten)! Solchen ist das Leben nicht lang genug, um die überzeugende Gewissheit der Erlösung zu erlangen. Auch meinen sie, nicht zur christlichen Vollkommenheit gelangen zu können, als nur durch die Geißelung des Todes.

Dies ist eine absurde Lehre - eine, die absolut keine Gewährleistung in der Heiligen Schrift findet. Satan versucht, die Verführung, die er erstmals im Garten einführte, aufrecht zu erhalten. Diese Lehre verdreht ein Endprodukt der Sünde, den verdorbensten Fluch, der je die Geschichte des Menschen beschmutzte, in einen Segen. Welch ein "Segen"! Zu hoffen, dann von Dingen befreit zu werden, von denen man mit aller Gewissheit jetzt schon befreit werden kann und werden muss? Den Tag der Erlösung aufzuschieben, indem man behauptet, er könne bis dann nicht erlebt werden; all die dringenden Warnungen der heiligen Apostel und Propheten gegen die Sünde vollkommen zunichte machend; Lauheit und ausgesprochene Kälte und Desinteresse der lebendigen Religion in der Seele des Menschen fördernd?

Lieber Leser, der Tod wird keine Metamorphose der Seele herbeiführen. Niemand kann durch den Tod von dem Unrecht, das er im Leben getan hat, gereinigt werden. "Und wenn ein Baum fällt, ob nach Süden oder nach Norden - an dem Ort, wo der Baum fällt, da bleibt er liegen." (Pred 11:3b). Dies ist ein Grundsatz, der sich in jedem Deut des Geistlichen wie auch des Natürlichen bewahrheitet. Der Tod, der Feind deiner Seele, wird deinen geistlichen Zustand besiegeln, nicht verändern. Wenn Sünde im Leben beherbergt wird, wird sie dich im Tod vernichten.

"Aber dem ist nicht so", mag jemand sagen, "denn Paulus hat gesagt: 'Denn für mich ist Christus das Leben, und das Sterben ein Gewinn.' (Phil 1:21)."

Halt einmal inne! Der Tod ist dir nur dann ein Gewinn, wenn du auch Paulus' Zeugnis hast: "Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt." (2Tim 4:7). Und wie kannst du dieses Zeugnis wirklich haben, es sei denn, du bist wie Paulus "mit Christus gekreuzigt" (Gal 2:20) und in diesem Leben "für die Sünde tot" (Röm 6:11)? Wie kann der Tod ein Gewinn sein für diejenigen, deren offensichtliches Zeugnis ist, dass sie noch Sünder sind und mehr oder weniger jeden Tag weiter in der Sünde verharren? Was? Du hast einen guten Kampf gekämpft, während du jeden Tag deines Lebens von der Sünde bezwungen wurdest? Dies ist ganz bestimmt eine seltsame Rede! Der Tod, das Kind der Sünde, ein Gewinn für die Seele, die sündigt? Als ob die Sünde selbst ein Segen sei und kein Fluch!

Ich wünschte, dass diejenigen, welche diese schädliche Lehre unterstützen, das Ausmaß der Auffassung, die sie innehaben, erkennen würden! Sie erhebt den Tod über Christus und macht ihn somit anstelle von Christus zum Erlöser. Sie gibt dem Tod die Macht, die allein der Dreieinigkeit vorbehalten ist, und beschämt den heiligen Sohn Gottes, indem sie dem Tod mehr Macht zuspricht als Ihm. "Wir können nicht vollkommen sein", sagen sie, "bis wir sterben. Niemand kann während seines Lebens über der Sünde stehen." Sie machen sich nichts daraus, dass Christus "das Lamm Gottes [ist], das die Sünde der Welt hinwegnimmt" (Joh 1:29), und dass Er derjenige ist, der "zum Fürsten und Retter … erhöht" (Apg 5:31) ist. Nein, sondern sie werden den Tod das tun lassen, was sie dem Christus nicht erlauben, hier für sie zu tun.

Warum ist dies so, liebe Seele? Liegt der Grund darin, weil dir die Sünde noch lieb ist? Liegt es daran, weil du dich davor fürchtest, jetzt schon ein gerechtes und heiliges Leben zu führen? Sind irdische Dinge so wertvoll, dass du ungern ihretwegen benachteiligt sein willst, indem du ein wahrer Christ nach der Bibel bist?

Hör die Worte des Herrn Jesus, des Bezwingers der Sünde und Eroberers des Todes: "Jeder, der die Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde." (Joh 8:34). Er ist nicht einer Seiner Knechte. Und "wisst ihr nicht: Wem ihr euch als Sklaven hingebt, um ihm zu gehorchen, dessen Sklaven seid ihr und müsst ihm gehorchen, es sei der Sünde zum Tode, oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit?" (Röm 6:16). Deswegen ist der Tod (in diesem Fall der zweite Tod oder die ewige Strafe) mit der Sünde verbunden, und die Sünde gewähren zu lassen, macht dich zu ihrem Knecht und einem Teilhaber ihrer Konsequenz. Aber "wenn euch nun der Sohn frei machen wird", ein Knecht der Sünde zu sein, "so seid ihr wirklich frei." (Joh 8:36). Wirklich! Aber bedient Er sich des Todes, um jemanden von der Sünde zu befreien? Sicherlich nicht, denn hör Ihn noch einmal: "Sündige hinfort nicht mehr!" und "Geh hin und sündige nicht mehr!" (Joh 5:14; 8:11). Er ist der Erlöser, und Befreiung von der Sünde wird in Ihm während des Lebens gefunden und nicht im Tod.

Sünde ist ein geistliches Prinzip und ein Zustand. Da folglich die Seele in sich selbst ewig ist und mit dem physischen Tod nicht stirbt, bleibt nichts anderes übrig, als dass die Sünde in der Seele mit dem Leib auch nicht sterben kann. Der Tod beinhaltet kein reinigendes Element. Die Reinigung der Seele kann nur durch Christi Blut erlangt werden. Der Tod ist weder Sein Werk noch Sein Mittel, um mit dem Problem der Sünde fertig zu werden. Dafür ist Golgatha da.

Gottes Empfinden gegenüber dem Tod ist so nachdrücklich, dass Er entschlossen ist, ihn und alles, was mit ihm verbunden ist, zu zerstören. Dies schließt deine Seele ein, denn "die Seele, die sündigt, soll sterben." (Hes 18:4).

"Deine Hoffnung nicht setz',
dass im Tode dir werd'
Trost, Frieden und völliges Heil;
Findest du's nicht schon hier
unter'm Kreuze des Herrn,
wird ewige Pein dir zuteil."

Teure Seele, fliehe jetzt zu Christus, um von aller Sünde gereinigt zu werden! Der Tod ist kein Erlöser! Es gibt nur eine Hoffnung für deine Seele: Neues Leben kann jetzt erlangt werden!

"Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden!" (2Kor 5:17). " … Siehe, jetzt ist die angenehme Zeit; siehe, jetzt ist der Tag des Heils!" (2Kor 6:2).

Br. Daniel Eichelberger