Der predigende Heuchler

Der predigende Heuchler - von Menschen zugelassen, nicht von Gott berufen; er predigt Christus, aber nicht für Christus. "Setzt mich, (so spricht er), in das Amt des Priesters ein, damit ich einen Bissen Brot esse." Er ist vielleicht ein "Prediger der Gerechtigkeit" jedoch ein "übeltäter". Aber der wahre christliche Prediger gibt nur und wird für Christus und Seine Interessen verzehrt. Er ist nicht nur um seine Gaben sondern auch um seine Gnade besorgt; nicht nur von Menschen gesandt zu werden, sondern von Gott. Der eine predigt sich selbst und für sich selbst. Der andere predigt Christus und für Christus.

Der Heuchler ist bestrebt, seine Gelehrsamkeit an den Tag zu bringen; verehrt zu werden, anstatt brauchbar zu sein. Nicht so Paulus (1Kor 2). Ein "gut gelehrter Schriftgelehrter bringt aus seinem Schatz Neues und Altes hervor".

Er bringt Gelehrsamkeit an den Tag, jedoch kein göttliches Verständnis! Sein künstliches Feuer enthält keine Wärme. Der christliche Prediger, obgleich er vielleicht in den Weisheiten ägyptens unterwiesen worden ist wie ein Mose und in der griechischen Literatur wie ein Paulus, der den Athenern Artus zitierte (Apg 17:28), Mennander den Korinthern (1Kor 15:38), Epimenides dem Titus (Tit 1:12), nutzt dieses jedoch nie aus wie die Hagar eine Sara; er kennt in erster Linie den gekreuzigten Christus.

Der Heuchler gebraucht göttliches Wissen zu menschlichen und fleischlichen Zwecken - um Vorzug und Ruhm zu erlangen, um Ansichten oder Gemeinschaften zu unterstützen. Ein Prediger Christi geht nicht mit "Gottes Wort fälschlich um, sondern indem [er] die Wahrheit offenbar" macht (2Kor 4:2). Er rühmt sich nicht seiner Predigt, denn diese Aufgabe wurde ihm durch Christus auferlegt.

Der Heuchler erwählt sich Themen, durch die er glänzen und gefallen kann; der andere solche, die aufrütteln und erbauen, auf den Zuspruch der Zuhörer verzichtend. Der eine schießt über die Köpfe hinaus, der andere nimmt sich die Herzen der Zuhörer zum Ziel, wobei er sich auf ihre Stufe herablässt.

Er setzt eine Miene des Eifers auf ohne Eifer, und in seinem Bemühen andere anzutreiben, bleibt er selbst regungslos. Er kann nicht mit Christus sagen: "Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt." Sein Eifer ist ein ignis fatuus, oder vielleicht ein heidnisches Feuer, an Seneca's Fackel entzündet; weder ein brennendes noch ein leuchtendes Licht. Er mag einige Empfindungen haben, jedoch nach Beendigung seiner Predigt oder des Gebets sind auch diese vorbei; etwas Herzlichkeit gegenüber der Gemeinde wie Jehu, weil es seine Gruppe ist. Im Herzen des christlichen Predigers jedoch ist mehr Eifer als auf seiner Zunge vorhanden. Gleichwie Elia, ist das "Wort des Herrn wie ein Feuer in seinen Gebeinen". Seine Seele "weint im Verborgenen " über die Sünden, die er öffentlich tadelt (Jer 13:17). Er stellt sich selbst unter seine Predigt und sein Eifer beinhaltet ein überaus großes Maß an reiner Liebe. Diese rettet andere, während sie ihn verzehrt.

Der Heuchler hat möglicherweise strenge Regeln, jedoch lose Gewohnheiten; er bindet schwere Bürden auf, die er selbst nicht antastet. Er gleicht einem Wegweiser, welcher den Weg zwar weist, ihn aber niemals selbst geht. Er verspricht Freiheit, währendem er selbst ein Sklave der Sünde ist. Der wahre Prediger fürchtet sich, etwas zu predigen, was er selbst nicht in die Tat umsetzt; er lebt seine Predigten aus. Als ein tapferer Führer sagt er: "Folge mir!" Er zielt sowohl auf das Thummim als auch auf das Urim, auf die Vollkommenheit als auch auf das Licht. Der eine macht den Weg zum Himmel so breit wie nur möglich - zumindest für sich selbst - und erlaubt anderen oftmals Dinge, um sich selbst abzuschirmen. Der andere macht den Weg zum Himmel für sich selbst schmäler als seinen Zuhörern und lebt das Wort bis ins Detail aus, damit er nicht selbst zu kurz komme.

John Fletcher