Die Kopfbedeckung der Frauen

Die Bibel wurde geschrieben, damit sowohl Gelehrte als auch gewöhnliche Menschen ein Verständnis der gesunden und vernünftigen Lehre bekommen sollten. Dieses im Auge behaltend wollen wir das 11. Kapitel im 1. Brief an die Korinther betrachten, und mit Anwendung biblischer Grundsätze die Schrift auslegen. Eines der elementaren Prinzipien, um das Wort Gottes verstehen zu können, liegt darin, dass wir Grundsatz auf Grundsatz mit dem Worte Gottes aufbauen.

Auf Grund der Fehlinterpretation einiger Verse in diesem 11. Kapitel stützen sich viele auf die Irrlehre einer buchstäblichen Kopfbedeckung der Frauen. Jedoch muss die doktrinelle Belehrung auf eine ordnungsgemäße Bibelauslegung aufgebaut werden, anstatt auf unsicheren Traditionen einer bestimmten Bewegung oder Sekte.

Als erstes wollen wir in Betracht ziehen, an wen der Apostel Paulus schrieb und warum er dieses tat. Da Korinth eine bedeutende Handelsstadt jener Zeit war, waren eine Vielzahl an Kulturen in ihr zu finden. Die Ortsgemeinde zu Korinth bestand aus Juden und Griechen, Menschen unterschiedlicher kultureller Bräuche. Beim Lesen der ersten Epistel des Paulus stellen wir fest, dass mehrere Nöte dieser Gemeinde zu schaffen machten. Im 11. Kapitel spricht Paulus eine kulturelle Frage an, die unter diesen Gläubigen aufkam. Es waren Streitigkeiten über die Sitte einiger Frauen entstanden, die eine Kopfbedeckung trugen. Bedauerlicher Weise verwandeln auch in unseren Tagen manche diese Sitte in eine biblische Lehre.

Die Schrift sagt uns deutlich, dass "wenn aber eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist. Denn das Haar ist ihr anstatt eines Schleiers gegeben" (1Kor 11:15). Als Gott Eva aus den Garten Eden trieb hatte er sie vorher völlig bekleidet (1Mose 3:21). Sie hatte das lange Haar, mit welchem Gott sie geschaffen hatte, jedoch keine buchstäbliche Kopfbedeckung aus Material und Gott sprach zu ihr: "Nach deinem Mann wird dein Verlangen sein, er aber wird über dich herrschen" (1Mose 3:16). Hier wurde bestimmt, dass die Frau dem Manne untertan sein sollte, dennoch wurde keine Kopfbedeckung befohlen. Die Macht auf dem Haupt der Frau um der Engel willen (1Kor 11:10) liegt in ihrem Gehorsam zum Worte Gottes. Die Macht ist nicht in einem Stück Stoff oder Käppchen enthalten, das zu jeder Zeit runterfallen könnte. Manche Frauen, die solch eine von Sekten bestimmte Kopfbedeckung tragen, stutzen, schneiden oder stylen ihre Haare und schädigen daher die ihnen von Gott gegebene natürliche Bedeckung. "Lehrt euch nicht selbst die Natur, dass, wenn ein Mann langes Haar hat, es eine Schande für ihn ist, wenn aber eine Frau langes Haar hat, es eine Ehre für sie ist? Denn das Haar ist ihr anstatt eines Schleiers gegeben" (1Kor 11:14-15).

Ferner sagt die Bibel: "Wenn es aber jemand für gut hält, streitsüchtig zu sein, so soll er wissen: wir haben eine derartige Gewohnheit nicht, auch nicht die Gemeinden Gottes" (1Kor 11:16). Paulus meint hier deutlich, dass die Gemeinde folgende Gewohnheit, dass Frauen einen Schleier oder eine Kopfbedeckung aus Stoff tragen sollten, nicht hat. Der eigentliche Grund, warum diese Frage aufkam, war wegen der Sitte einzelner Kulturen in Korinth. Diese waren Ursprung des Streits in der Gemeinde, ob eine Bedeckung bei Frauen erforderlich wäre. Nur um Anstoß zu vermeiden riet Paulus den Frauen, während des öffentlichen Gebets oder beim Predigen einen Schleier zu tragen. Dieser Rat stimmte mit dem überein, worin Paulus diese Gemeinde im 10. Kapitel unterwies, indem er sie mit vielen Worten ermahnte, nicht das Ihrige zu suchen, unanstößig zu sein, sowohl für Juden als auch für Griechen und die Gemeinde Gottes (insofern schriftliche Prinzipien nicht übertreten werden), damit viele gerettet werden sollten (1Kor 10:32-33).

Paulus, der allen alles wurde, damit er auf alle Weise einige errette, hielt es für nötig, dass die Frauen dieser Ortsgemeinde einen Schleier während des öffentlichen Gebets oder der Predigt trugen, da es Sitte in dieser Gegend war und sie sonst vor den hiesigen Leuten als verrufene Frauen galten und viele gehindert wären, das Evangelium anzunehmen. Aus diesem Grund alleine wurde das Tragen eines Schleiers hier befohlen. Keineswegs war es ein Gebot der Gemeinde, denn sie hatte diese Gewohnheit nicht, einen Schleier zu tragen. Es war eine Sache des gesellschaftlichen Anstands in dieser bestimmten Stadt.

Die gegenwärtige Lehre der Kopfbedeckung weist Widersprüche auf. Das Wort in 1Kor 11:5 wird nicht in seinem Zusammenhang verstanden. Wenn den Frauen erlaubt wird, mit einer Kopfbedeckung zu beten, warum dürfen sie denn nicht mit dieser auch weissagen und predigen, wie es in Korinth und anderswo erlaubt wurde? Paulus tadelt die Frauen hier nicht für das Predigen, sondern unterweist sie, dieses bestimmte Kleidungsstück zu tragen, damit ihr Dienst in dieser Gegend wirkungsvoller sein sollte. Verfechter der Kopfbedeckung missbilligen diesen Dienst der Frauen, obwohl Christus Seine Gemeinde einer Braut gleichstellt, welche "ein Weib" ist, und Er gibt ihr nicht alleine die Autorität, sondern befiehlt ihr, das Evangelium in aller Welt zu verkündigen. Am Tag der Pfingsten wurden alle, die sich auf dem Söller aufhielten, einschließlich Maria und die anderen Frauen, mit dem Heiligen Geist erfüllt und weissagten öffentlich allen, die anwesend waren, damit das Wort aus Joel 3:1 erfüllt würde: "Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch. Und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen."

Diese Lehre widerspricht sich, denn in den meisten Fällen bedeckt dieses "Haarteil" nicht einmal die Haare. Es gibt solch eine Vielfalt: steife, weiße Haarnetze, ein Stück schwarze Spitze, ein schwarzes oder weißes Tuch auf dem Haar gebunden oder mit Klammern festgesteckt, oder passende Tücher zur jeweils getragenen Kleidung. In Wirklichkeit sind sie nur überflüssiger Schmuck und ein Markenzeichen der Konfession oder Gruppe, der man angehört. Dies steht im direkten Widerspruch zu der biblischen Lehre der Schlichtheit der Haare und der Kleidung. Ferner steht es im Widerspruch zur biblischen Einheit, wegen der Spaltungen über die Art der Kopfbedeckung in den verschiedenen Richtungen, die an dieser Lehre festhalten. Die Bibel spricht über die Haare (1Tim 2:9; 1Petr 3:3.), jedoch legt sie nirgends fest, dass die Kopfbedeckung eine biblische Lehre wäre. Im Gegenteil, Paulus weist darauf hin, dass "wir … eine derartige Gewohnheit nicht" haben.

Viele nennen ihre Bedeckung einen "Schleier" und manche Gruppen verkaufen auch ein "Schleiermuster", welches verführerisch ist, denn in Wirklichkeit ist es kein Schleier. Die Schleier, die in Korinth in Frage kamen, waren ohne Zweifel ganze Umschlagtücher (Gewänder), in die sich die östlichen Frauen völlig einhüllten, ehe sie ihre Wohnung verließen. Diese waren sehr voluminös, und unter dem allgemeinen Volk aus festem, grobem Gewebe, dem ähnelnd, in dem Ruth ihre sechs Maß Gerste mit nach Hause trug (Rut 3:15). Die Frauen in Korinth hatten es mit einer solchen Art von Schleier zu tun, welchen die Frauen auch heute noch tragen müssten, wenn sie dies als biblische Lehre halten. Manche wenden dagegen ein, dass die moderne Kopfbedeckung nur ein Symbol darstellt. Das wäre damit vergleichbar, dass Frauen knappe Kleider tragen könnten als Symbol keuscher Damenbekleidung. Diese Denkweise wird nicht biblisch belegt.

Als Nächstes widerspricht sich diese Lehre, wenn es um die Zeit geht, wann die Kopfbedeckung zu tragen ist. Wenn eine Frau ohne Unterlass beten soll, dann ist es von größter Wichtigkeit, dieselbe auch ohne Unterlass zu tragen. Ohne Ausnahme. Schließlich muss sie aber ihre Haare waschen und die Kopfbedeckung aus Reinlichkeitsgründen auswechseln und kann daher nicht beständig dieser Lehre nachkommen. Wenn sie diese allerdings nur beim öffentlichen Beten und Weissagen tragen muss, dann braucht sie es nicht für jeglichen anderen Zweck, sei er privat oder öffentlich. Es wurde beobachtetet, wie manche, die diesen Maßstab halten, ein Buch, eine Strickjacke, einen Schuh oder was anderes bereit halten, falls sie spontan vom öffentlichen Gebet überrascht werden. Das ist gewiss kein Ruhm für ihr Haupt! Es ist vielmehr unvernünftig.

Die peinliche Genauigkeit im Tragen eines Schleiers mag auf die Verbreitung des Korans zurückgehen. Dieser verbot den Frauen, sich jemandem unverschleiert zu zeigen, außer ihren nächsten Verwandten. Die wenigen Beispiele, wo Frauen im Alten Testament lange Schleier trugen, beziehen sich auf Traditionen an bestimmten Orten in jener Zeit, wie z.B. eine verlobte Frau, oder eine lose Frau, die sich versteckt hielt. In unseren Tagen stellen manche Verfechter dieser Lehre ihre "Bedeckung" als unbedingt notwendig zur Erlösung einer Frau und verwehren ihnen die Taufe oder "Gemeindemitgliedschaft" ohne dieselbe.

Die Kopfbedeckung wird in den Vollständigen Werken Menno Simons' nicht ein einziges Mal erwähnt.
Solche, die nicht glauben wollen, dass das Haar die von Gott vorgesehene Bedeckung oder der Schleier für die Frau ist, wie es deutlich aus dem 15. Vers hervorgeht, werden einwenden, dass das Haar eine Bedeckung ist, aber nicht die, von der im 6. Vers die Rede ist. Sie meinen, die Bedeckung im 6. Vers sei eine solche, die angezogen werden müsse, und im 15. Vers gehe es um eine Bedeckung, die man schon anhabe, weil im Griechischen zwei unterschiedliche Worte dazu gebraucht werden. Offensichtlich tun sie dieses um die Worte des Paulus zu diskreditieren.

Wir glauben aber, dass der Apostel im 6. Vers einen buchstäblichen Schleier meinte. Wie schon vorher dargelegt wurde, sah er es für gut an, dass dieser Kleidungsartikel während dem öffentlichen Gebet und dem Weissagen angelegt werden sollte, um Schmach und Anstoß zu verhindern. Im 15. Vers fährt er fort und erklärt, dass es nicht eine Gewohnheit der Gemeinde ist, denn die einzige Bedeckung, die Gott der Frau gab, ist ihr Haar. Obwohl zwei verschiedene griechische Worte im 6. und im 15. Vers gebraucht werden, wird diese Irrlehre durch die Urbedeutung dieser Worte schnell widerlegt, da sie ein und dasselbe bedeuten.

Aus diesem geht eindeutig hervor, dass das lange oder ungeschnittene Haar die biblische Kopfbedeckung der Frau ist. Gottes Gemeinde hat keine Lehre noch Gewohnheit bezüglich einer Kopfbedeckung aus Stoff.

Die gegenwärtige Lehre über die Kopfbedeckung widerspricht der tatsächlichen Praxis. Die Heiligen aller Zeiten haben nie das Tragen einer solchen Bedeckung als biblische Lehre gehalten. Ein richtiges Verständnis über das, was der Apostel in 1Korinther 11 schrieb, würde jede aufrichtige Seele befreien, die sich auf die Autorität der Schrift verlässt und nicht auf die unbiblische Tradition einer Sekte.

S. O'Shea