Die Lehre zieren

Wenn in deinen Versammlungen geistlicher Zerfall und Abfall zunehmend sichtbar werden, wenn die Folgen vollständigen Kompromisses nicht mehr zu verbergen sind, wenn die geistliche Atmosphäre, die Menschen um sich herum sehen, anfängt bei ihnen besorgten Alarm hervorzurufen, und Fragen „Was geht hier vor sich? Worauf steuern wir zu?“ ohne eindeutige Antworten bleiben, dann ertönt zur Einschläferung der beunruhigten Seelen das Wiegenlied: „Wir haben in unseren Versammlungen immer noch die Lehren der Reformation, das Abendlicht; niemand hat die fundamentalen Punkte dementiert und aufgehoben. Folglich sind wir immer noch die Gemeinde Gottes.“

Solch eine Behauptung ist nichts anderes als eine „Lügenzuflucht“. Möge Gott sie zerstören! Es war niemals Gottes Absicht, dass die reinen Wahrheiten Seines Wortes als ein Deckmantel für den Abfall der Gemeinde benutzt werden. Jedoch war dies immer das Begehren des Teufels, weil die gefallene Gemeinde, die den biblischen Namen und die Theorie (ich betone, nur die Theorie) der Lehre bewahrt, mehr Unehre für das Werk Gottes bringt als ihre Schwester, die niemals weder das eine noch das andere hatte.

Dies kann man anhand eines Beispiels von einem König, der zum Trunkenbold wurde, verstehen. Er bringt mehr Schmach über sein Reich, wenn er in betrunkenem Zustand versuchen wird, sich in das Königsgewand zu hüllen und die von seinem Haupt rutschende Krone festzuhalten.

Wahrscheinlich würden wir es alle als absurd bezeichnen, dass ein richtiges und ohne Schreibfehler dargestelltes Aushängeschild über der Tür des Versammlungshauses sicherstellen soll, dass dies die Versammlung der Gemeinde Gottes sei. Genauso muss man mit aller Bestimmtheit sagen, dass die Anerkennung mancher biblischer Wahrheiten – die übrigens oft nur ungenügend und unkonkret beigebracht werden – auf keinerlei Weise die Zuhörer in den Leib Jesu Christi verwandelt.

Um diesen Betrug aufzudecken, müssen wir umfangreicher und tiefer verstehen, woraus diese Lehre besteht, mit der sich so viele zu Unrecht beruhigen. Eine Lehre ist das, womit du dich erbaust, was dich zu einem Christen formt. Man kann sie nicht nur auf die grundlegenden Punkte begrenzen (Bekehrung, Taufe, usw.). Die Lehre schließt in sich die ganze Information ein, die du in der Versammlung, die du besuchst, bekommst. Sie ändert dich durch die Meinungen und Vorstellungen, die du als wahrhaftig übernommen hast. Sie wirkt sich, durch die Vorbilder des Lebens derer, mit denen du Gemeinschaft hast, auf dich und deine Kinder aus. Ob es dir gefällt oder nicht, ob du dir dessen bewusst bist oder nicht: Die ganze geistliche Atmosphäre, die dich umgibt, beeinflusst dein Bekenntnis, deine Lebensweise und genau sie ist die Lehre im wahrsten Sinne des Wortes, weil sie dich „belehrt“. Du bist, was du isst. Diese Aussage trifft sowohl für die Seele als auch für den Leib zu.

Das Wort Gottes vergleicht die Lehre mit dem Samen (Lk 8:11) und auch mit dem Regen (5Mo 32:2). Der Same, der durch den Regen genässt wird, geht auf und bringt Frucht. Gemäß dem unveränderlichen Gesetz Gottes wird der Same unbedingt Frucht bringen nach seiner Art (1Mo 1:12). Die in ihm gespeicherte genetische Information kann nichts anderes hervorbringen. Diese Regel, die jedem Kind bekannt ist, wird auf geistlicher Ebene angefochten. Lasst uns also nicht gegen die offensichtliche Wahrheit und den gesunden Menschenverstand angehen! Wenn aus dem Samen der Lehre, der von Jahr zu Jahr in den Versammlungen gesät wird, ein Leben hervorgeht, das von einer Niederlage zur nächsten Niederlage führt (beachte: Christus führt von Sieg zu Sieg), wenn anstatt der Entschiedenheit Kompromisse hervorsprießen, und anstelle des allverzehrenden göttlichen Feuers geistliche Lauheit mit all ihren Anhängern wie Scherz, albernem Geschwätz und nichtigem Hang zur Welt hervorkommt – auf welcher Grundlage kann man dann Anspruch auf die Richtigkeit der Lehre erheben?

Kann die Tatsache, dass man das rechte Verständnis über die Verordnungen hat, eine weltliche Jugend rechtfertigen, welche ungehindert die „Alles ist erlaubt“-Theorie annimmt und als „Freiheit in Christus“ entschuldigt? Wenn auch jemand eine richtige Botschaft über die Taufe predigen mag, wird diese Tatsache den Herrn veranlassen, Seine Augen vor Zwietracht, Uneinigkeit, doppelten Ehen, usw. zu schließen? Ist es nicht offensichtlich, dass auf Grund des Mangels an göttlichem Gericht und Salbung von oben ihre „wahre Lehre“ in eine einfache Kinderrassel verwandelt wurde, die, obwohl sie Laute von sich geben kann, praktisch niemals im Stande ist, etwas zu ändern? Der Unterschied zwischen der Kinderrassel und der wahren Posaune Gottes ist, dass der Schall der Posaune Donner, Blitze und geistliches Erschüttern hervorruft. Dadurch wird das Leben heilig, eifrig und unweltlich.

Sich mit dieser Schlaftablette des „Wir haben immer noch die richtige Lehre“ auszuruhen, während Zustände des Abfalls vorhanden sind, ist eine Schmach auf Gott und stellt Seine Gemeinde in ein falsches, verleumderisches Licht und muss demnach notwendigerweise mit den Hagelsteinen der Wahrheit gesteinigt werden.