Die Torheit des Konfessionalismus

Welcher Konfession gehört ihr an? Das ist eine geläufige Frage. In einer Welt, für welche die Begriffe „Gemeinde“ und „Konfession“ beinahe gleichbedeutend sind, fällt es manchen schwer zu verstehen, wie wir sagen können, dass wir keine Konfession sind. Kann man denn schließlich endlich eine religiös organisierte Gruppe sein, ohne eine Konfession zu sein?

Aber während andere sich den Kopf darüber zerbrechen, die Gemeinde Gottes ohne Konfessionen zu verstehen, sind wir auf die gleiche Art und Weise über das Konzept der Konfessionen innerhalb der Gemeinde Gottes verblüfft. Woher kamen eigentlich religiöse Konfessionen und wozu dienen sie, außer dazu, den Leib Christi zu zerteilen? Wie viele richtige Lehren kann es geben, wenn Christus nur eine gelehrt hat?

Gab es in der morgenzeitlichen Gemeinde Sekten und Konfessionen? Kam die Pfingsterfahrung zuerst zu den Baptisten auf der einen Seite Jerusalems und dann zu den Presbyterianern auf der anderen Straßenseite, oder waren sie alle einmütig an einem Ort, als das heilige Feuer fiel (Apg 2:1)? Waren es die Methodisten oder die Lutheraner, zu denen der Herr täglich diejenigen hinzutat, die gerettet wurden (Apg 2:47)? Als Paulus in jeder Stadt Älteste einsetzte, musste er verschiedene Führer einsetzen, um unterschiedliche Überzeugungen zu repräsentieren oder wies er jeden Ältesten dazu an, auf die ganze Herde achtzuhaben, über die ihn der Heilige Geist zum Aufseher gesetzt hatte (Apg 20:28)? Warum bezieht sich die Schrift auf eine einzige Gemeinde in Antiochia (Apg 13:1)? War es möglich, dass die ganze Gemeinde am selben Ort zusammenkam (1Kor 14:23)?

Wenn der Apostel Petrus in unsere Welt zurückkommen würde, wo würde er hingehen? Müsste er sich eine Konfession aussuchen, mit der er Gemeinschaft pflegt oder könnte er mit allen Kindern Gottes überall Gemeinschaft haben? Was wäre sein lehrmäßiger Maßstab? Wenn es keine Spaltungen zu der Zeit gab, in der das Neue Testament geschrieben wurde, warum sind sie heute nötig? Ist die Gemeinde zu groß und unübersichtlich geworden, um von Christus alleine organisiert und ausschließlich von Seiner Lehre unterwiesen zu werden? Brauchen wir heutzutage andere Denkansätze neben Christus?

Christus erbaute eine Gemeinde (Mt 16:18) und es war nie Seine Absicht, dass diese zerteilt würde. Er erfüllte den Willen Gottes, indem Er „alles unter einem Haupt [zusammenfasste] in dem Christus“ (Eph 1:9-10). Trennungen, die einst vorhanden waren, wurden abgebrochen (Eph 2:14-16) und alle, die Gott anbeteten, wurden Hausgenossen eines geistlichen Hauses (Eph 2:19). Die ganze Familie empfing einen Namen (Eph 3:14-15). Alle zusammen machten den einen Leib von Gläubigen aus und alle lehrten und hatten denselben einen Glauben (Eph 4:4-5). Der neutestamentlichen Gemeinde waren Sekten unbekannt, es gab keinen Grund, Gläubige nach Gruppen einzuteilen oder zwischen den Versammlungen zu unterscheiden. Die einzige Barriere war geografischer Art, doch selbst auf diesem Gebiet gaben sich die Apostel alle Mühe, um sicherzustellen, dass an jedem Ort dieselben Lehren gelehrt wurden (Apg 15).

Trennung entstand auf Grund von Sünde. Menschen, die nicht gewillt waren, den vollen Preis zu bezahlen und gemäß dem biblischen Maßstab zu leben, führten ihre eigenen Maßstäbe ein, die es ihnen erlaubten, so zu leben, wie es ihnen gefiel, und sich dabei immer noch von Gott anerkannt zu wähnen. Der Mensch lehnte Gottes Autorität ab und machte seine eigenen Vorstellungen zu seinem Führer. Der Lehren wurden so viele wie der unheiligen Personen, denen sie entgegenkommen sollten, und Splittergruppen kamen dort auf, wo selbstgefällige Menschen nicht miteinander auskamen. Wie damals in der Ebene im Land Sinear, sie erbauten ihren Turm mit ihren eigenen Methoden und wurden Opfer der babylonischen Verwirrung und der Missverständnisse.

Einheit ist heute noch genauso möglich wie in den Tagen Christi und Seiner ersten Apostel. Alle Kinder Gottes können Gemeinschaft miteinander haben und durch einen einzigen lehrmäßigen Maßstab geleitet werden. Komm zur Gemeinde Gottes und sieh! Nein, wir machen uns selbst nicht zum Maßstab für die Welt; die Bibel ist der Maßstab. Wenn wir jedoch die Bibel verstehen und uns nach ihr ausrichten, brauchen wir uns nicht zu schämen, dies auch kundzutun. Jemand hat alle Wahrheit, denn unser Herr sagte, Er würde wiederkommen, um eine herrliche Gemeinde abzuholen, nicht eine zurückgebliebene und unstete. Und wenn wir es nicht haben, dann zeige uns doch bitte, wer es hat!

Konfessionen sind mehr als überflüssig. Sie sind gefährlich, weil sie uns in eine Lage versetzen, in der wir nicht einmal mehr der Bibel gehorchen können. Wahre Prediger sind dazu berufen, den ganzen Leib zu erbauen und zu vervollkommnen und nicht nur einen Teil desselben (Eph 4:11-12). Jedes Glied tut dem ganzen Leib Handreichung (Eph 4:16). Dies ist mit Trennwänden, die einen Arm hier und ein Bein dort abteilen, unmöglich. All jenen, die behaupten, das Sammeln des ganzen Volkes Gottes in Eins sei eine unrealistische Idee, antworte ich, dass Einheit weitaus realisierbarer ist als Trennung. Einheit kostet einfach mehr und deshalb sind wenige gewillt, sie zu haben.

In dieser Zeit, in der die Mächte der Bosheit sich vereinigen, um der Wahrheit zu widerstehen, frohlocken wir darüber, dass Gott Sein Volk in Eins versammelt – nicht in eine weitere Konfession sondern an einen Ort, an dem alle Kinder Gottes von überall Trennung zurücklassen und Gemeinschaft in wahrer Einheit des Herzens, des Geistes und des Mundes haben können.