Eine Ruhe für das Volk Gottes

Die Hebräer hatten eine eingehende Erkenntnis über Mose, die Propheten und das levitische Priesteramt. Meisterhaft überquert daher der Schreiber des Hebräerbriefes die Brücke ihres Verständnisses über das Alte Testament, hin zu der Fülle des Neuen Testaments, welches jene Dinge versinnbildlicht. Zu diesem Zweck ist der Brief voll schöner, niedergeschriebener Feststellungen:

"Denn weil das Gesetz nur einen Schatten der zukünftigen [Heils-]Güter hat, nicht die Gestalt der Dinge selbst … "
" … der wahrhaftigen Stiftshütte, die der Herr errichtet hat und nicht ein Mensch."
" … den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Christus Jesus … "
" … nicht geworden ist aufgrund einer Gesetzesbestimmung, die auf fleischlicher [Abstammung] beruht, sondern aufgrund der Kraft unauflöslichen Lebens … "
"Denn wenn jener erste [Bund] tadellos gewesen wäre, so wäre nicht Raum für einen zweiten gesucht worden."
"Diese dienen einem Abbild und Schatten des Himmlischen … "
"Es hatte nun zwar auch der erste [Bund] gottesdienstliche Ordnungen und ein Heiligtum, das von [dieser] Welt war … Dieses ist ein Gleichnis für die gegenwärtige Zeit … "
"Als aber der Christus kam als ein Hoherpriester der zukünftigen [Heils-]Güter, ist er durch das größere und vollkommenere Zelt … in das Heiligtum eingegangen … "
"'Einen neuen', hat er den ersten [Bund] für veraltet erklärt; was aber veraltet ist und sich überlebt hat, das wird bald verschwinden."

Diese Worte lassen den Hörer nicht in Zweifel darüber, was gesagt wurde.
In Kapitel 3:17-19 wird erzählt, wie Gott "40 Jahre lang zornig" war über die Kinder Israels, die sündigten, als sie aus ägypten zogen. Gott verhieß nicht nur, sie aus ägypten zu befreien, sondern sie auch in ein gutes Land zu führen (2Mo 3:8, 5Mo 1:25-28). Ihre Sünde lag darin, dass sie sich weigerten zu glauben, dass Gott sie in die Ruhe Kanaans bringen könne, um sich in ihrem eigenen Land niederzulassen und anzusiedeln. Aus diesem Grund ließ Gott es nicht zu, dass sie in dieses Land eingingen, und sie starben nach 40 Jahren in der Wüste. "Und wir sehen, dass sie nicht eingehen konnten wegen des Unglaubens." (Hebr 3:19).

Das 4. Kapitel beginnt mit den Worten: "So lasst uns nun mit Furcht darauf bedacht sein, dass sich nicht etwa bei jemand von euch herausstellt, dass er zurückgeblieben ist, während doch die Verheißung zum Eingang in seine Ruhe noch besteht!" Diese Verheißung war nicht nur für die Hebräer des alten Bundes, sondern auch für die Hebräer des Neuen, die aus der Welt der Sünde - wofür ägypten ein Sinnbild ist - ausgegangen sind. Sie wurden herausgeführt durch Einen, der größer ist als Mose, welcher ein Schattenbild auf Jesus, den Messias, ist, an den sie geglaubt hatten. Auf diese Weise errettet, stand für sie noch die Verheißung aus, in die Ruhe einzugehen, ebenso wie Israel die Verheißung hatte, in die physische Ruhe Kanaans einzugehen, nachdem sie aus ägypten gezogen waren. Sie wurden ermahnt, im Erlangen derselben nicht zu kurz zu kommen.

"Denn auch uns ist eine Heilsbotschaft verkündigt worden, gleichwie jenen; aber das Wort der Verkündigung hat jenen nicht geholfen, weil es bei den Hörern nicht mit dem Glauben verbunden war." Bei denjenigen, die in Moses Zeit zurückblieben, geschah dies, weil sie sich weigerten zu glauben. Diese wohlbekannte Tatsache sollte den Hörern als Beispiel dienen, auf dass sie nicht demselben hartherzigen Weg ihrer Brüder folgen. Sie sollten Glauben haben, der aus dem Hören des Wortes kommt. Das Wort war dazu bestimmt, ihnen von Nutzen zu sein, indem sie ihm erlaubten, in ihnen Glauben zu bewirken. Wenn ihr Glaube sich mit dem gepredigten Wort verbunden hätte, wären sie dort eingegangen und hätten die Verheißung erlangt.

Der 4. Vers geht näher auf diese Erfahrung ein und erläutert dieselbe genauer, indem er daran erinnert, dass Gott am siebten Tag von Seinem Schöpfungswerk ruhte. Gott ruhte sich nicht physisch aus, weil Er müde war! Sein Schöpfungswerk war leicht vollbracht. Jedoch bemüht sich der Apostel, den Hebräern zu verstehen zu geben, dass sie nicht darauf zu warten brauchten, ins Land Kanaan einzugehen, weil Josua das Volk Israel bereits viele Jahre bevor dieser Brief geschrieben wurde längst dort hingebracht hatte. Auch brauchten sie nicht auf den Samstag zu warten, welches der siebte Tag oder der Sabbat war. Er möchte, dass die Heiligen erkennen, dass es etwas viel Besseres gibt als das. Sie haben die Verheißung, in die Ruhe Gottes eingehen zu können! Das ist dieselbe Ruhe, in die Gott einging, nachdem Er die Erde geschaffen hatte. Seitdem ruht Gott von Seinem Schöpfungswerk und wartet darauf, dass auch Sein Volk mit Ihm in diese Sabbatruhe eingeht.

Gott wartete nicht ängstlich darauf , ob Sein Volk wirklich ruhen würde. Bereits von Grundlegung der Welt an lag Ihm dieses am Herzen. Er wusste, dass der Tag der Ruhe kommen würde und sprach schon im ersten Bund in Schattenbildern davon; mit diesem Bund waren die Hebräer gut vertraut. Und nun haben wir, die wir in diesem neuen Zeitalter leben, die Verheißung von Gott, in jene vollkommene Ruhe eingehen zu können!

Das konnte in den vergangenen Zeiten aufgrund von göttlicher Einschränkung nicht geschehen, bis zu der Zeit, wo man diese Erfahrung erlangen konnte. "So bestimmt er wiederum einen Tag, ein 'Heute', indem er nach so langer Zeit durch David sagt, wie es gesagt worden ist: 'Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht!'" (V. 7). Es gab nur eine beschränkte Zeit, in der ein Kind Gottes völlig in diese Ruhe eingehen konnte. Gott nennt diese Zeit "Heute"! Dies ist der siebte Tag, der heilige Sabbat, den Gott geschaffen hat. Kein Wunder, dass der Prophet sprach: "Wir wollen uns freuen und fröhlich sein!" (Ps 118:24). Dieser Tag ist der Evangeliumstag. Es ist der Tag, an dem man nicht länger das Blut der Stiere und Böcke braucht! Ein Tag, an dem das Gewissen gereinigt wird von toten Werken, um dem lebendigen Gott zu dienen (Hebr 9:14). Dies ist der Tag (nicht nur für die Hebräer, sondern für alle in dem Zeitalter des Neuen Testaments), an dem jene, die in dem Blute des Lammes gewaschen sind, weitergehen können in die vollkommene Ruhe der Seele, durch die Erfahrung der Heiligung! Daher verkündet der Apostel den Hebräern, dass der Tag gekommen sei, an dem man auf Seine Stimme hören und sein Herz nicht verstocken solle, wie die Israeliten es taten. Ihr verkehrtes Vorbild redet zu uns, auf dass wir unsere Herzen weder verhärten noch uns weigern, in die verheißene Sabbat-Ruhe einzugehen.

"Denn wenn Josua sie zur Ruhe gebracht hätte, so würde nicht danach von einem anderen Tag gesprochen." (V. 8). Wenn Josua die völlige Ruhe der Seele verschafft hätte, als er die Kinder Israels durch den Jordan geführt und das Erbteil in Kanaan verteilt hat, würde Gott nicht von einem anderen Tag gesprochen haben, welchen wir gerade betrachtet haben. Wiederum, an diesem Tag sollte die Erfahrung der völligen Seelenruhe dem Volk Gottes zur Verfügung stehen. Diese Ruhe wurde nicht durch Josua zuteil, sondern durch Jesus, den Geber der Ruhe.

"Denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ruht auch selbst von seinen Werken, gleichwie Gott von den seinen." Dies ist jene Ruhe: ein Ruhen von den eigenen Werken. Es ist ein Ruhen in Gott, in der Fülle des siebten Tages. Der Apostel gebietet den Hebräern, danach zu trachten, in diese Ruhe einzugehen. Strebe danach, im Glauben an Gott, weiter fortzufahren und in Seine heilige Ruhe des siebten Tages einzugehen, die heute allen Kindern Gottes zur Verfügung steht!

Br. Stephen Hargrave