Habt ihr den Heiligen Geist empfangen?

"Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid?" (Apg 19:2).

Habt ihr? Dies ist die bedeutendste Frage, die jeder Gläubige sich stellen muss. Vielleicht ergeht es euch wie den teuren gläubigen Ephesern vor alters, die nicht einmal gehört hatten, dass man den Heiligen Geist empfängt, nachdem man durch die Gnade Buße und Erlösung erlangt hat. Nichtsdestoweniger wird euch, liebe Leser, diese Frage vorgelegt. Dies war und bleibt der wesentliche Prüfstein der wahren Gemeinde und apostolischen Predigerschaft.

Die Schrift gibt uns reichlich zu verstehen, dass das Erfüllen mit dem Heiligen Geist ein Werk ist, welches einer gerechtfertigten Erfahrung folgt.

"Denn Johannes taufte mit Wasser, ihr aber werdet mit Heiligem Geist getauft werden nach diesen wenigen Tagen." (Apg 1:5). Die Taufe des Johannes war die der Buße zur Vergebung der Sünden (Mk 1:4). Alle, die an jener Taufe teilnahmen, empfingen genau dieses. Somit war ihre Erfahrung gleichwertig mit der jedes anderen Gerechtfertigten im Evangeliumszeitalter. Und dennoch trennt Jesus diese Taufe von der des Heiligen Geistes. Ganz unmissverständlich verheißt Er diese zweite Erfahrung oder Taufe Seinen eigenen Aposteln.
"Er bleibt bei euch und wird in euch sein." (Joh 14:17).

"Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden." (Joh 16:7).
Johannes rief: "Ich zwar taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich … er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen." (Mt 3:11).

An Pfingsten predigte Petrus: "Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden! Und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen." (Apg 2:38). Wenn ihr für eure Sünden um Vergebung gebeten habt, danken wir Gott dafür. Aber, "habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid"? Nachdem jemand wahrhaftig von neuem geboren wurde, alle seine begangenen Sünden vergeben worden sind, und er zu einem sündenfreien Leben befähigt wurde, ist er ein Kandidat für die Heiligung - das Empfangen des Heiligen Geistes.

Während Rechtfertigung bereits ein hoher Gnadenstand ist, gibt es dennoch mehr, was der Christ erlangen muss.

Manche Bewegungen verbreiten eine ketzerische Lehre, worin sie behaupten, dass der Heilige Geist nur in der übergangszeit (zwischen der Taufe des Johannes und der Himmelfahrt Christi) als Folge auf die bereits erlebte Rechtfertigung ausgeteilt worden sei. Sie begründen dies mit Stellen wie Joh 7:39: "Denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war." Deshalb schlussfolgern sie - da Pfingsten nun hinter uns liegt - dass wir den Heiligen Geist während dem Bekennen der Sünden und somit bei der Erlösung erhalten würden. Wenn solch eine Argumentation richtig sei, dann müsste dies auch aus anderen Schriftstellen hervorgehen. Lasst uns unsere Bibeln zur Hilfe nehmen und sehen, ob diese Lehre stichhaltig ist.

"Als die Apostel in Jerusalem gehört hatten, dass Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. Als diese hinabgekommen waren, beteten sie für sie, damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten; denn er war noch auf keinen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist." (Apg 8:14-17).

"Paulus aber sprach: Johannes hat mit der Taufe der Buße getauft, indem er dem Volk sagte, dass sie an den glauben sollten, der nach ihm komme, das ist an Jesus. Als sie es aber gehört hatten, ließen sie sich auf den Namen des Herrn Jesus taufen; und als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte, kam der Heilige Geist auf sie … " (Apg 19:4-6).

Diese Gläubigen erhielten zwei verschiedene Taufen: die der Buße und die des Heiligen Geistes; und die Ereignisse beider Berichte fanden nach Pfingsten statt. Die "Ein-Gnadenwerk-Theorie" bricht hier klipp und klar zusammen. "Aus zweier oder dreier Zeugen Mund wird jede Sache bestätigt werden!"
Ist dies eure Erfahrung? Ihr könnt nicht länger behaupten, dass beide Taufen auf einmal geschahen, denn das Wort lehnt solch eine Lehre ab. Und nun fragen wir euch gemeinsam mit dem Paulus der Morgenzeit: "Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid?"

Gott gibt den Heiligen Geist denen, die Ihm gehorchen (Apg 5:32). Seid ihr dem Ruf Gottes, der Sünde und der Welt zu entsagen, gefolgt? Seid ihr wirklich von neuem geboren und führt ein sündenfreies Leben? Dann scheut euch nicht, die Fülle Seines Willens zu suchen, und bittet Ihn um dieses zweite Gnadenwerk! "Wie viel mehr wird der Vater, der vom Himmel gibt, den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!" (Lk 11:13).
Habt ihr Ihn um dieses gebeten?

Der Heilige Geist reinigt das Herz (Apg 15:8-9). Kein Wunder, denn Seine Taufe ist eine feurige! Er reinigt euch von der verdorbenen Natur, die wir alle von Adam erbten. Er vergilt euch euer Gott wohlgefälliges Opfer, indem Er euch heiligt (Röm 12:1-2; 15:16). Wenn ihr die Bedingungen erfüllt, werdet ihr das Feuer erleben und das Zeugnis Seiner Annahme erhalten. Denn gleich wie euer Leib das Wasser bei der Taufe spürt, wird eure Seele das reinigende Feuer der Taufe des Geistes fühlen, wenn Er auf sie fällt.

Seid ihr geheiligt worden? Habt ihr dieses Feuer gefühlt? "Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid?"

Der Heilige Geist bevollmächtigt Gläubige, in der Gnade zu stehen (Röm 5:2) und mit der Fähigkeit, bis an das Ende der Erde (Apg 1:8) Zeugen für Christus zu sein. Das griechische Wort für ein Zeuge sein, ist dasselbe wie das Wort Märtyrer. Kurz gesagt, gibt der Heilige Geist den Gläubigen die Macht, den ganzen Willen Gottes zu erfüllen, und sich jeglicher Prüfung des Lebens zu stellen. In den Zeiten der Not erinnert Er sie an alle Dinge (Joh 14:26, Mk 13:11).

Zieht euer Herz als Zeugen heran! Bezeugt es einen Mangel an Kraft und Mut? Durch Seine heiligende Gegenwart hat der Herr für jede Seele reichliche Unterstützung bereitgestellt. "Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid?"

Der Heilige Geist gießt in unseren Herzen die Liebe Gottes aus (Röm 5:5). Wie könnte jemand noch länger die Welt und was in ihr ist lieben? Seine bleibende Gegenwart ist es, die der Seele die Tiefen Gottes offenbart (1Kor 2:9-16). Er, der das Gesetz Gottes in das Herz schreibt (Hebr 10:14-16), ist die Gesamtheit der christlichen Vollkommenheit.

Er teilt den Gliedern des Leibes Gaben aus und vereint Gläubige (1Kor 12). Er ist die Verkörperung des Reiches Gottes hier auf Erden - Gerechtigkeit, Friede und Freude (Röm 14:17).

Wen wundert es da, dass offensichtlich Scharen bekennender Christen der Sünde unterliegen und in Myriaden von Gruppierungen zersplittert sind, weil ihnen die Botschaft der vollkommenen Befreiung von Sünde durch Erlösung und Heiligung vorenthalten wird?

Angesichts dieser Tatsachen fragen wir euch noch einmal: "Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid?" ?

Br. Daniel Eichelberger