Ihr seid meine Zeugen

Wieder und wieder ergehen dieselbe Berufung und derselbe Auftrag an die Apostel und Jünger. Bis an die Enden der Erde und bis zum Ende der Zeit legt sich dieser Missionsbefehl auf alle, die des Herrn sind, denn Er spricht: "Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung; und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters." Das schließt uns ein. Und jedem Jünger, der uns bereits vorausgegangen ist oder uns noch folgen sollte, wurde Seine göttliche Gegenwart in diesem herrlichen Werk, in dem er für Ihn zeugt, verheißen.

Gott braucht Zeugen in dieser Welt. Warum? Weil sich die ganze Welt gegen Ihn auflehnt. Die Welt hat sich von Gott entfernt. Die Welt ignoriert Gott, sie leugnet und widerspricht Seinem Zeugnis, missversteht Sein Wesen, Seine Herrschaft und Seine Absichten. Sie ist in äußerste und weltweite Auflehnung und Rebellion geraten. Wenn Gott nun überhaupt einen Einfluss auf den Menschen behalten und durch ihn wirken soll, muss Er hier verkörpert werden. Es gab keinen anderen Weg, das zu tun.

Wenn eine Provinz dieses Königreiches [England] anarchistisch und rebellisch wäre, würde sie gänzlich verfallen und ihren Anteil am Königreich für immer verlieren, es sei denn, dass es in diesem Gebiet Personen gäbe, deren Aufgabe es ist, die Königin und ihre Regierung zu repräsentieren. Daher muss Gott repräsentiert werden, und - Preis sei Seinem Namen! - Er hat Seine treuen Zeugen von Anfang an bis jetzt gehabt. Wie der Apostel sagt: " … er [hat] sich doch nicht unbezeugt gelassen … ". Von den Tagen Henochs an, der mit Gott wandelte, bis zu dieser gegenwärtigen Stunde, hat Gott Seine wahren und treuen Zeugen gehabt. Selbst in den schlimmsten Zeiten gab es so manche "brennende und scheinende Lampe". Manchmal nur ganz vereinzelt. Manchmal wie zu Noahs Zeit: Ein allein stehender Mann inmitten einer ganzen Generation von Menschen, der Gott bezeugte. Einen gab es mindestens. Gott hat sich nicht unbezeugt gelassen.
Aber Jesus Christus, der vielgeliebte Sohn des Vaters, war der Zeuge. Er kam hauptsächlich, um zu bekunden, zu bezeugen und um den Menschen den Vater zu offenbaren. Das war Sein großes Werk. Er kam nicht, um von Sich zu zeugen, sondern vom Vater; nicht, um Seine eigenen Worte zu sprechen, sondern die Worte, die der Vater Ihm auszusprechen gab. Er kam, um den Menschen Gott zu offenbaren. Er war der "treue und wahrhaftige Zeuge".

Als Er die Welt verlassen und zurück zum Vater gehen musste, beauftragte Er Seine Jünger, Seinen Platz einzunehmen und Gottes Zeugen auf Erden zu sein. Und oh, Freunde, die einzigen Zeugen sind in Gottes wahrem Volk zu finden! Er wird es Engeln nicht erlauben (wir wissen nicht warum) Ihn zu bezeugen. Er hat den Menschen dazu berufen, von Ihm zu zeugen - Sein Volk. "Ihr werdet meine Zeugen sein."

Nun, die Tatsache, dass das Zeugen erforderlich ist, zeigt, dass Meinungsverschiedenheiten in der Welt über die göttlichen Dinge und über die Forderungen Gottes bestehen - dass es zweierlei Ansichten gibt. Der größte Teil der Menschheit behauptet, Gottes Wahrheit sei eine Lüge. Sie machen es deutlich, wenn auch nicht mit Worten; doch viele Tausende von ihnen drücken es leider auch in Worten aus! Viele von ihnen leugnen Seine Existenz und behaupten, es gebe weder Himmel noch Hölle, Jesus Christus sei bloß ein Mensch, Religion sei ein Märchen, und so etwas wie die Gewissheit über die Vergebung der Sünden gebe es nicht. Das Zeugen sei nichts weiter als eine gewaltige Täuschung und Einbildung.

Nun, Christus ruft Sein Volk dazu auf, hinzugehen und Zeugen über diese Tatsachen zu sein. Zeugen, wie wir wissen, müssen sich mit Tatsachen auseinandersetzen, nicht mit Theorien - nicht mit Dingen, die sie sich bloß ausdenken, die sie annehmen oder gehört haben, sondern mit dem, was sie wissen. Gott verlangt nun, dass Sein Volk Tatsachen bezeugt, etwas, was geschehen ist und geschieht, etwas, das eine Tatsache ist und bleibt.

Die erste Voraussetzung, die ein treuer Zeuge erfüllen muss, ist, dass er persönliche Kenntnis von den Tatsachen, die er bezeugen soll, hat. Wenn ein Zeuge im Gerichtssaal anfängt, von dem zu sprechen, was er denkt, fühlt und glaubt, unterbricht ihn der Richter mit einem "Oh! Schweig, schweig! So etwas brauchen wir nicht. Wir wollen wissen, was du weißt - was du in dieser Angelegenheit gesehen, gehört und gefühlt hast." Und diese Art von Zeugen braucht auch Jesus Christus; Menschen, die aufstehen und sagen können: "Ich weiß!" Diese Art von Zeugen, wie Paulus es war, der seinem Richter ins Angesicht schauen und sagen konnte: "Ich möchte, dass auch alle solche werden, wie auch ich bin, ausgenommen diese Fesseln." Welch eine Unverschämtheit, wäre er nicht ein geheiligter Mann gewesen! Was für ein äußerst egoistischer Mensch! - Doch dies sind wahre Zeugen.

Wie muss sich Agrippa in dem Augenblick gefühlt haben? Wie sich das Bild doch gewendet hatte. "O! Jetzt befinde ich mich auf der Anklagebank, und der Gefangene nimmt seinen Platz auf dem Richterstuhl ein." Diese Art des Zeugens wollen wir. "Ich möchte, dass auch alle solche werden, wie auch ich bin, ausgenommen diese Fesseln." Könntest du von der Anklagebank aufstehen und das sagen? Könntest du dich in deinem eigenen Haus erheben und dies sagen? Könntest du irgendwo aufstehen und das sagen? Gerade dies sucht der Herr Jesus: Menschen, die wissen, die erfahren, die erkennen, die das leben, was sie bezeugen. Die Welt sehnt sich nach Menschen, die aufstehen und sagen können: "Ich weiß."

Der Herr braucht Menschen, die der Welt sagen, dass sie errettet sind. Kannst du das? Dann werden sie anfangen, auf dich zu hören. Du wirst beginnen, einen Einfluss auf sie auszuüben. Sie werden anfangen, ihre Augen und Ohren zu öffnen und sich fragen, ob es Gott möglich sei, auch sie zu erretten. Ihnen sagen zu können, dass Gott dich errettet hat, ist was ganz anderes als all die fein gesponnenen religiösen Theorien. Die Welt ist satt von dem, was sie aus Büchern gelernt hat. Ich wundere mich nicht über intelligente Menschen, die der Religion davonlaufen. Ich entschuldige sie, wenn ich nur daran denke, was sich viele von ihnen Sonntag für Sonntag anhören müssen.

Außerdem muss ein treuer Zeuge die Wahrheit sagen, und zwar die volle Wahrheit. Er darf nichts vorenthalten, selbst wenn es ihm persönliche Unannehmlichkeit, Nachteil, Verlust oder auch Gewinn einbringt; er muss die ganze Wahrheit sagen. Oh! Ich schaudere beim Gedanken an das Schicksal solcher, die sich selbst zu Lehrern machten, dann aber einen Teil der Wahrheit zurückhielten, weil sie der Auffassung waren, dass es für die Menschen nicht angenehm oder profitabel wäre. Was habe ich mit all diesem zu tun? Ich muss die Wahrheit predigen - die wunderschöne, ganze, runde, diamantene, mit göttlichem Licht erstrahlende; und nicht eine minderwertige, trübe, zusammengeschusterte Nachbildung, Halbwahrheiten, die aus vernichtendem Irrtum angefertigt wurden, mit welchen Satan Tausende zur Hölle lockt.

Der treue Zeuge muss die ganze Wahrheit nennen, und er muss es auch persönlich tun. Ein treuer Zeuge muss es selber tun. Er kann nicht durch einen Stellvertreter aussagen …
Ferner muss ein treuer Zeuge seine Stimme erheben, es ohne Umschweife sagen, nicht "nuscheln", wie sie es im Gericht nennen. Der Richter lässt den Zeugen laut sprechen, so dass ihn jeder hören kann. Er muss gehört werden! "Erhebe deine Stimme!" Warum sollten dann des Herrn Zeugen nicht auch ihre Stimmen erheben? Ich frage mich, wann wir mit dieser Geheimnistuerei, dieser sich verkriechenden, schändlichen Religion Schluss machen werden!

Im Interesse der Wahrheit wird solch freimütige Redensart gefordert. Wie soll man dem Irrtum entgegentreten, wenn nicht mit der kühnen Verkündigung der Wahrheit? Wie sind doch die Boten Satans Tag und Nacht damit beschäftigt, der Menschheit ihre Lügen anzudrehen. Wie werden sie zum Schweigen gebracht, wenn nicht durch Zeugen, die treu in ihre Ohren rufen: "Dies ist eine Lüge und das ist eine Lüge! Dies ist die Wahrheit und dies der Weg! Wir wissen, wir sehen, wir fühlen - wandelt darin! Kehrt um, kehrt um, warum wollt ihr sterben?" Sie brauchen freimütige Zeugen. Es gibt heute - wie schon seit eh und je - genügend falsche Zeugen. Was verlangt Jesus Christus nun? Er will, dass Seine treuen Zeugen herauskommen, sich ihnen gegenüberstellen und ihnen gewachsen sind, und nicht, dass sie sich in Löchern verkriechen und hinter Ecken verstecken, sich ihrer Religion schämen und über eine unaufdringliche Religion sprechen - unaufdringlicher Unsinn! So etwas gibt es nicht! Trete vor die Welt!

Hat Er jemanden von euch errettet? Zeugst du vor deinen armen, schmachtenden, sinkenden Mitmenschen? Betrachtest du sie jemals und denkst darüber nach, wo sie hingehen? Bedauerst du sie? Liebst du sie und sehnst dich nach ihnen mit der herzlichen Liebe Christi Jesu? Ist dir diese Sehnsucht bekannt? Wenn ja, wie kannst du dann das Zeugen unterlassen? "Ihr seid Zeugen hiervon", überall, zu jeder Zeit, unter allen Menschen!

Mit jedem Tag, den ich lebe, bin ich überzeugter, dass Tausende gewonnen werden würden, wenn Gottes Volk einen inbrünstigen Ernst aufweisen würde. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie nicht gewonnen werden, wenn man ihnen - wie das heute so üblich ist - die Wahrheit in eleganter Weise vorlegt. Deshalb erkennt niemand, dass er in Gefahr ist. Wenn du dies glaubst, dann fange an!

Der Apostel sagt uns, dass wir gute, tapfere Soldaten Jesu Christi sein sollen. Die damaligen Christen waren es. Sie kämpften einen guten Kampf und überwanden den Teufel "wegen des Blutes des Lammes und des Wortes ihres Zeugnisses". Sei ein Soldat für den Herrn und Er wird dir den Sieg verleihen, so dass du hingehen und Gefangene befreien wirst. Große Riesen, verfinsterte Ungläubige, verfinsterte Gotteslästerer werden wie kleine Kinder vor dir auf die Knie fallen, weil dir der Herr der Heerscharen Seinen Geist geben wird. "Ihr seid meine Zeugen". Zeuge! Zeuge von mir, überall und zu jeder Zeit! Der Herr helfe dir! Amen.