Kann man das Heil wieder verlieren?

Einmal in Gnaden - immer in Gnaden". Ewige Sicherheit. Beharrlichkeit der Heiligen. Einmal erlöst, immer erlöst. Die Bezeichnungen sind verschieden, aber sie weisen alle auf dieselbe theologische Fehlbezeichnung hin: Sobald eine Person den errettenden Glauben erlangt, ist es für sie unmöglich jemals wieder abzufallen oder das Heil zu verlieren. Das sorgfältige Erforschen der Schrift wird diese Lehre als fälschlich erscheinen lassen. Wir haben lediglich Platz, um ein paar Bibelstellen zu betrachten, die aber den gesamten Inhalt der neutestamentlichen Lehre über bedingte Erlösung darstellen.

Zurückweichen zum Verderben

"Mein Gerechter aber wird aus Glauben leben; und: Wenn er sich zurückzieht, wird meine Seele kein Wohlgefallen an ihm haben. Wir aber sind nicht von denen, die zurückweichen zum Verderben, sondern von denen, die glauben zur Gewinnung des Lebens." (Hebr 10:38-39).

Aus diesen Bibelstellen lernen wir folgendes:
1. Eine gerechte (oder gerechtfertigte) Person könnte irgendwann einmal "zurückweichen" - könnte den Glauben verlieren, den sie einmal an Gott hatte.
2. Solch ein Zurückweichen, wie hier dargestellt, kann "zum Verderben" sein, das heißt zur ewigen Strafe. Das griechische Wort, das hier mit Verderben übersetzt wurde, ist dasselbe, welches Judas beschreibt (Joh 17:12), den Mensch der Gesetzlosigkeit (2Thes 2:3) und das Schicksal der Gottlosen (2Petr 3:7).
3. Den errettenden Glauben zu einem Zeitpunkt besessen zu haben, garantiert nicht die Beharrlichkeit eines Einzelnen oder die endgültige Errettung der Seele. Genauso wie sich das Wort "Verderben" auf den endgültigen Zustand bezieht, so auch die "Gewinnung des Lebens", von der Paulus, auf die endgültige Erlösung des Einzelnen hinweisend, spricht.

Aus der Gnade gefallen

"Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen." (Gal 5:4).

Dieser Vers besagt eindeutig, dass es möglich ist, aus der Gnade zu fallen. Man kann nicht aus etwas fallen, das man nicht erlangt hat. Einige dieser Galater hatten ein durch den Glauben an Christus gerechtfertigtes Leben begonnen, wurden aber von falschen Lehren fortgerissen. Paulus bezeichnet ihr späteres Vertrauen in Gesetzeswerke als eine Verleugnung ihres Glaubens an Christus und ein Fallen aus der Gnade.

Damit nicht jemand meinen sollte, dass das nur ein Fallen vom korrekten, lehrmäßigen Stand war, was aber keinen Einfluss auf das ewige Wohlergehen der Leute verursacht hatte, oder dass die im Irrtum verfangenen Leute von vornherein nicht wirklich erlöst waren, sollten wir weitere Bibelstellen aus diesem Brief betrachten. Diese, die eigentlich einst "durch die Gnade Christi berufen" waren (1:6), hatten "den Geist … empfangen", hatten "im Geist angefangen" und hatten solche unter sich, die "im Geist" gedient und Wunder unter ihnen gewirkt haben (3:2-5). In der Tat waren sie alle "Söhne Gottes durch den Glauben in Christus Jesus" und sind "auf Christus getauft worden" (3:26-27). Sie waren "Söhne" Gottes mit dem Geist Seines Sohnes in ihren Herzen, der da ruft: "Abba, Vater!" (4:6).

Doch trotz dieser Dinge haben manche eine falsche Lehre angenommen (welche Paulus ein "anderes Evangelium" nannte), die jene verbreitet haben, die "das Evangelium des Christus umkehren" (1:6-7). Paulus, der sich der ewigen Folgen des Annehmens irgendeiner falschen Lehre bewusst war, hatte den brennenden Wunsch, dass die Verführer "verflucht" sein (1:8-9) und sich "verschneiden lassen" würden (5:12). Warum? Weil es von Bedeutung war, was die Galater glaubten. Sich zum Gesetz zu wenden, um gerechtfertigt zu sein, war ein Verleugnen der Person und des Werkes Jesu Christi, durch den sie gerechtfertigt worden waren. Und so spricht Er zu ihnen, dass "aus Gesetzeswerken kein Fleisch gerechtfertigt wird". Jeder, der sein geistliches Fundament auf das Gesetz stützte, nachdem er es durch den Glauben in Christus aufgegeben hatte, machte sich selbst zum übertreter (2:16.18), machte die Gnade Gottes "ungültig" (2:21), wurde "bezaubert", um nicht der Wahrheit zu gehorchen (3:1), und ist aus der Gnade gefallen.

Es ist also eindeutig, dass die Lehre, die da behauptet "Einmal in Gnaden - immer in Gnaden", fehlerhaft und für Paulus völlig fremd war.

Herausgebrochen durch den Unglauben

"Du wirst nun sagen: Die Zweige sind herausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde. Richtig; sie sind herausgebrochen worden durch den Unglauben; du aber stehst durch den Glauben. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich! Denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht geschont hat, wird er auch dich nicht schonen. Sieh nun die Güte und die Strenge Gottes: gegen die, welche gefallen sind, Strenge; gegen dich aber Güte Gottes, wenn du an der Güte bleibst; sonst wirst auch du herausgeschnitten werden." (Röm 11:19-22).

Diese Verse bedürfen kaum einer Erläuterung. Aber, beachte wie Glaube in Unglaube übergehen kann, der einen herausschneidet und aus dem geistlichen Gnadenstand entfernt. Die Güte Gottes, die eine Seele in den Erlösungsplan einpfropft, kann sich in Strenge wandeln, wenn man nicht an der Güte bleibt. Kann dann jemand, der abtrünnig wird, der den Sohn Gottes aufs Neue kreuzigt und dem Geist der Gnade widersteht, weiterhin die Verbindung zu Christus beibehalten? Ist das Fortfahren in der Sünde ein Fortfahren in Gottes Güte? Wenn die Seelen, die die "Einmal in Gnaden - immer in Gnaden"-Lehre verbreiten, doch nur mit sich selbst aufrichtig wären! Die Strenge Gottes, und nicht Sein Erbarmen, wird auf denen bleiben, die durch Unglauben gefallen sind, wenn sie in diesem Zustand fortfahren.

Die Worte des Paulus harmonieren genau mit den Worten Jesu in Joh 15:1-6. Eine Rebe, die einst in Christus war, kann gewiss aufhören Frucht zu bringen und muss entfernt werden. Und auf diese Weise entfernt, wird sie zu Brennmaterial für das Feuer. Kann irgendeine Sprache deutlicher sein?

Schiffbrüchiger Glauben

" … indem du den Glauben bewahrst und ein gutes Gewissen, das einige von sich gestoßen und so im Hinblick auf den Glauben Schiffbruch erlitten haben; unter ihnen sind Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan übergeben habe, damit sie zurechtgewiesen werden, nicht zu lästern." (1Tim 1:19-20).

Die Anweisung hier lautet, den Glauben zu bewahren … es geistlich zu ergreifen. Warum? Weil man es verlieren könnte! Und alle Ungläubigen haben ihren Anteil in dem See, der mit Feuer und Schwefel brennt (Offb 21:8).
Paulus deutet an, dass diese zwei Männer einst den Glauben und ein gutes Gewissen bewahrt hatten, das heißt, sie waren Teilhaber der Wahrheit gewesen. Ansonsten hätten sie nichts gehabt, womit sie "Schiffbruch" hätten erleiden können.

Ein schlimmeres Ende

"Denn wenn sie den Befleckungen der Welt durch die Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus entflohen sind, aber wieder in diese verwickelt und überwältigt werden, so ist für sie das letzte schlimmer geworden als das erste. Denn es wäre ihnen besser, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als sich, nachdem sie ihn erkannt haben, wieder abzuwenden von dem ihnen überlieferten heiligen Gebot. Es ist ihnen aber nach dem wahren Sprichwort ergangen: Der Hund kehrt wieder um zu seinem eigenen Gespei und die gewaschene Sau zum Wälzen im Kot." (2Petr 2:20-22).

Ist es möglich, dass jemand, der von der "Einmal in Gnaden - immer in Gnaden"-Lehre überzeugt ist,erkennen kann, dass das Schicksal des Erlösten, der zur Sünde und Schande zurückkehrt, schlimmer sein wird als wenn er sich nie bekehrt hätte? Nicht, wenn er zu den Grundsätzen jener Lehre steht. Denn, wenn man trotz der verübten Sünden nach der Erlösung, niemals aus der Gnade fallen kann, macht diese Schriftstelle keinen Sinn. Sie lehrt uns unanfechtbar, dass mit einer schlimmeren Strafe in der Ewigkeit gerechnet werden muss, wenn man sich - nachdem man dem Verderben der Welt entsagt und den Weg der Gerechtigkeit erkannt hat - dennoch von dem heiligen Gebot abwendet.

Wir fordern jede aufrichtige Seele heraus, die Bibel sorgfältig zu lesen. Wir könnten mehr Beweistexte erwähnen, aber die hier vorgelegten, sollten ausreichen, um die Lehre von der ewigen Sicherheit zu stürzen. Ein Gläubiger kann den Glauben und somit seinen Gnadenstand verlieren. Jemandes Stand in Christus basiert auf seinem Verbleiben in Ihm. Wer in die Sünde zurückfällt, nachdem er gläubig ist, verliert seine Verbindung zu Christus. Und wer in solch einem abgefallenen Zustand bis zum Tod verbleibt, wird sicherlich mit der Strafe aller gottlosen und ungläubigen Personen rechnen müssen, nämlich mit dem See, welcher mit Feuer und Schwefel brennt.

Br. Daniel Eichelberger