Protestantische Ablässe

Der Heilige Geist, der gesegnete Zurechtweiser der Welt, beschäftigt sich damit, den religiösen Sünder zu beunruhigen. Unter diesem verurteilenden Druck hat sich der fleischlich gesinnte Mensch lange genug gekrümmt und gewunden und schließlich eine Möglichkeit gefunden, um den Geist zu dämpfen: einen Freibrief für Sünde.

Gleich den römisch-katholischen Mönchen, welche das Europa des sechzehnten Jahrhunderts durchzogen, um ihre Ablässe feilzubieten, richten moderne Prediger weltweit durch ihren eigenen korrupten Handel protestantischer Ablässe verheerenden Schaden an. Das protestantische Tier übt in der Tat „alle Vollmacht“ des katholischen Tieres, das vor ihm war, aus (Offb 13:12). Talare und Tonsuren werden von Anzügen und Krawatten ersetzt, mit unflätigem Mammon damals wie auch heute als Triebkraft.

Die heutigen Kirchen sind nichts weiter als Zulassungsstellen, in denen Freibriefe für Sünde in freigiebiger Weise ausgestellt werden. Ihr Verkaufswert beträgt einmal die Woche einen großzügigen Zehnten, woraus sich dann der Lohn dieser protestantischen Priester zusammensetzt.

Hierin liegt die Boshaftigkeit: Ein Kirchgänger wird von seiner Sünde überführt. Ein schneller Ausflug zum Golfplatz, um seinen Pastor aufzusuchen, einige tröstende Floskeln wie z.B.: „Wir sind alle Menschen.“, „Das kommt schon mal vor.“ und „Ich habe dasselbe Problem.“, und der Laie kehrt zu seiner Arbeit zurück, der Pastor zu seinem Götzen, und eine vom Heiligen Geist hervorgerufene Situation wurde entschärft. Ein weiterer protestantischer Ablass wurde ausgestellt.

Welch erstaunlicher Anblick, „Christen“ voll hartnäckiger Leidenschaft für ihre Sünden kämpfen zu sehen! Ist es möglich, dass jemand, der den Namen dessen bekennt, der geboren wurde, starb und wieder auferstand, um „sein Volk […] von ihren Sünden“ zu erretten, krampfhaft zu beweisen versucht, dass Sünde zum Leben eines Christen gehört? Ich frage dich, Christus-bekennender Sünder: Warum quälst du dich damit ab, den Fluch der Menschheit zu verteidigen? Welche Sünde liebst du so inniglich, dass das bloße Erwägen einer Möglichkeit, von ihr befreit zu werden, dich in deinem Verteidigungswahn zum Toben und Wüten veranlasst?

Wie bereitwillig bekennen Menschen doch ihre Sünden, wie sehr verabscheuen sie es jedoch, denselben zu entsagen! Wäre Paulus‘ Zeugnis in Römer 7 ein Bekenntnis seines Zustandes nach seiner Bekehrung, würde es das Bekenntnis derjenigen, die vorgeben, seine Nachfolger zu sein, immer noch weit übertreffen, da er nicht nur sein Elend erkannte, sondern auch wehklagte: „Wer wird mich erlösen?“. Viele behaupten fälschlicherweise, dass dies Paulus‘ Erfahrung war und beanspruchen sie für sich, trachten jedoch nicht danach, „von diesem Todesleib“ befreit zu werden, wie er es verzweifelt tat. Eine Blitz-Reform, eine schmerzlose Reue, ein rasches Niederknien am Bett am Ende eines Tages voller Niederlagen, und schon hat der protestantische Beichtstuhl einem weiteren Suchenden die Absolution erteilt.

Wir haben aufgehört, Ohren zu kitzeln: Nennst du dich Christ? Wenn ja, fordern wir von dir lediglich – anhand der Autorität Seines Wortes – ein heiliges, sündenfreies Leben.