Symbolische Sprache

Viele haben ihr Bestes gegeben und sich aufrichtig bemüht, eine annehmbare Interpretation schwieriger Satzteile, Kapitel oder Bücher der Bibel zu formulieren. Oftmals erweisen sich diese Theorien mit der Zeit jedoch als falsch, wenn ein zentrales Ereignis, eine bedeutsame politische Macht oder ein kritisches Jahr beweist, kein Teil von dem zu sein, was Gott für Sein Volk beabsichtigte. Dieses Thema betreffend gibt es wohl kein Buch der Bibel, das mehr missverstanden wird, als die Offenbarung.

Gleichwie Matthäus, Markus, Lukas und Johannes alles Bücher der Bibel sind, so ist es auch die Offenbarung. Alle Christen sollten nicht nur das Verlangen haben, die Wahrheit ihres Inhalts zu kennen, sondern sollten auch verstehen, dass sie ein lebendiger Teil dessen ist, was sie zur Aufrechterhaltung ihres christlichen Lebens brauchen! "Es steht geschrieben: 'Nicht von Brot allein soll der Mensch leben, sondern von jedem Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht.'" (Mt 4:4).

Gleich im ersten Vers der Offenbarung finden wir ausschlaggebende Wahrheiten, die uns bei unserer Suche nach ihrer wahren Bedeutung helfen: "Offenbarung Jesu Christi … ". Dieses Buch ist die offene Darlegung Christi. Wie viel mehr sollte dies unser Verlangen, es zu verstehen, vermehren. " … Die Gott ihm gab, um seinen Knechten zu zeigen … ". Jesus wurde dieses gegeben, um es uns, Seinen Kindern oder Seiner Gemeinde, zu zeigen. "Und indem er sie … sandte, hat er sie seinem Knecht Johannes kundgetan."

Die Offenbarung ist kein Buch, das buchstäblich zu nehmen ist. Der Herr wählte Wortbilder, um die Dinge, die Ihn selbst und Seine Gemeinde betreffen, zu entschlüsseln. Ein Wortbild oder eine Bezeichnung einer Person, eines Ortes oder eines Gegenstandes entsteht, wenn etwas anderes als diese eigentliche Person, der Ort oder der Gegenstand, als eine Darstellung dafür gebraucht wird.

Es wäre plausibel und annehmbar für den Christen, die Darstellungen, die Gott zu vermitteln beabsichtigte, in genau denselben Schriftstellen zu finden, welche das Wortbild oder das Symbol liefern. Dies ist nicht nur vernünftig, sondern auch sehr sicher in einem Zeitalter, in dem solch eine Vielfalt von Meinungen und Anschauungen verbreitet wird. Wo beginnen wir mit unserer Suche in der Schrift, und wie können wir die tiefen und verborgenen Dinge Gottes verstehen?

"Denn sein unsichtbares Wesen … wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut." (Röm 1:20). Wie wunderbar zu wissen, dass wir die verborgenen Dinge Gottes, die tiefen Dinge deutlich sehen können. Aber wie können diese Dinge verstanden werden, damit wir sie angemessen nutzen können, um uns bei der Deutung der Rätsel in der Offenbarung zu helfen? "In dem Gemachten wahrgenommen und geschaut."

Die Berge und Meere, die Sonne und der Mond, die Wolken und der Himmel und alles, was Gott geschaffen hat, dienten der Menschheit nicht nur zur Bewunderung und zu ihrer Aufrechterhaltung. Sie wurden auch geschaffen, damit wir, indem wir sie erblicken, eine größere Wirklichkeit begreifen könnten, welche über den natürlichen Dingen der Erde liegt und sich in das geistliche Reich erstreckt, das wir mit dem natürlichen Auge nicht anschauen können. Mit diesem im Hinterkopf haben wir die rechte Voraussetzung, um damit anzufangen, die symbolische Sprache zu verstehen, und unser Verständnis der Offenbarung und der Bibel, als Ganzes, unermesslich zu erweitern.

Die Natur selbst lehrt die Menschheit viele kostbare Wahrheiten, deswegen hat unser Erretter sie oftmals gebraucht, um dem Menschen eine Bedeutung zu vermitteln, welche er fähig sei zu erfassen. Diese Art der Mitteilung ist eine große Hilfe, denn sie legt das ganze Spektrum des Themas dar, das in sehr wenigen Worten angesprochen wird. Sie drückt tiefe Gedanken aus und erlaubt dem Verstand des Zuhörers, ein lebendigeres Bild zu bekommen. Lasst uns mehrere Beispiele dafür aus Gottes Wort ausfindig machen.

Johannes nannte Jesus das Lamm Gottes (Joh 1:29). Jesus gebrauchte dieselbe Art von Sprache, als Er von sich selbst sprach, dass Er der wahre Weinstock sei und Seine Jünger Reben. Während wir erkennen, dass Jesus kein buchstäblicher Weinstock ist, macht diese Art der Sprache Seine Botschaft deutlich.
Christus nannte Herodes einen Fuchs, was seine listige Natur lebendig darstellte.

Der Herr gab Seinen Jüngern Macht, auf Schlangen und Skorpione zu treten, beabsichtigte aber nie, dass sie hinausgehen würden, und um des Evangeliums Willen buchstäblich auf diese kriechenden Tiere treten. Was Er damit meinte ist klar: "Siehe, ich habe euch die Macht gegeben … über die ganze Kraft des Feindes … ". (Lk 10:19). Diese feindlichen Mächte sind also in symbolischer Sprache Schlangen und Skorpione.

Hebr 12:1 spricht von einer großen Wolke von Zeugen, und diese Wolke stellt das Volk Gottes dar, mit dem bemerkenswerten Glauben, der in dem vorherigen Kapitel erwähnt wird.

Paulus hat in Ephesus mit Tieren gekämpft (1Kor 15:32), was bedeutet, dass ihm widerstanden wurde von denen, welche sich der Wahrheit des Evangeliums, das er predigte, gewaltsam widersetzten.
Die Frommen werden veranschaulicht als Bäume, gepflanzt an Wasserbächen (Ps 1:1-3).

Diese und viele weitere ähnliche Ausdrücke werden durch die ganze Schrift hindurch verwendet. Während wir gewiss nicht jedes Symbol in der Offenbarung anführen können, beginnen wir jedoch deutlich zu erkennen, wie man dabei vorgeht, dieses viel missverstandene Buch der Bibel zu deuten. Denn worüber ist die Offenbarung, wenn nicht über Jesus Christus selbst, und wer ist Jesus, wenn nicht das Wort Gottes, und wer offenbart das Wort Gottes besser als das Wort Gottes? Amen.

Br. Stephen Hargrave