Wann soll das Sündigen aufhören?

Wenn das Wort Gottes eine Erlaubnis enthält, nach welcher irgendjemand sündigen darf – wir haben sie nicht gefunden. Wir wissen von keiner Lizenz, welche dem Teufel oder der verworfensten Seele in der Hölle erlaubt, zu sündigen. Sünder, frech in ihren Übertretungen, verachten die Gebote Gottes und treten damit nicht nur Seine Heiligkeit mit Füßen, sondern verscherzen auch ihr eigenes Seelenheil. Aber viel schlimmer ist, dass diejenigen welche den Namen Christi bekennen, behaupten, dass sie jeden Tag in Gedanken, Worten und Werken sündigen müssen. Diese Idee von einem sündigenden Heiligen gefällt dem fleischlichen Sinn ausnehmend wohl. Wenn diese auch nicht ganz die Kraft Christi, „sein Volk zu erretten von ihren Sünden“, verleugnen, beschränken sie doch Seine Macht während der Zeit ihres Erdenlebens. Sie behaupten, dass sie nicht „von ihren Sünden“ errettet seien, und dass es unmöglich sei, Befreiung zu erlangen. Kein Mensch könne die Gebote Gottes in diesem Leben halten, sondern breche sie täglich in Gedanken, Worten und Werken. Dieses steht so im Widerspruch zur Allmacht Christi, bis aufs Äußerste zu erretten, und entspricht so wenig den Bedürfnissen einer sündenmüden Seele, dass wir wohl fragen dürfen: Wann soll das Sündigen aufhören? Auf Grund des Wortes Gottes sagen wir:

1. Die Zeit ist ehe wir begnadigt werden. Niemand kann Vergebung erlangen, ehe er seine Sünden verabscheut und lässt. Das Wort Gottes sagt sehr bestimmt: „Wer seine Schuld verheimlicht, dem wird es nicht gelingen, wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“ (Spr 28:13).

Man merke, dass die Sünde nicht nur bekannt, sondern auch gelassen, abgetan werden muss, ehe die Seele Gnade finden kann. Warum hätte Gott einen Erlösungsplan ausgeführt, nach welchem Sein Volk „von ihren Sünden“ gerettet werden soll, wenn Er ihnen zulassen wollte, in ihren Sünden zu leben? Die Natur der Sache gebietet, dass die Seele aufhören muss zu sündigen, um errettet zu werden. Wir wissen, dass dieses zwar zugegeben, nachher aber dann doch der Versuch gemacht wird, zwischen den Zeilen zu lesen, um eine Erlaubnis zu sündigen zu finden. Die Sünde muss bereut werden. Gott kann eine unreumütige Seele nicht begnadigen. Das Wort des Propheten Jesaja lautete: „Der Gottlose verlasse seinen Weg und der Übeltäter seine Gedanken; und er kehre um zu dem Herrn, so wird Er sich über ihn erbarmen, und zu unserem Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung.“ (Jes 55:7). Vergebung wird nur erteilt, nachdem jemand aufgehört hat zu sündigen. Wer nie aufgehört hat zu sündigen, hat nie Sündenvergebung erlangt. Ein Sünder kann nicht mehr sündigen als jeden Tag in Gedanken, Worten und Werken, darum ist eine Seele, welche diese Stellung einnimmt, gerade wie irgendein anderer nicht begnadigter Sünder. Was soll die Erlösung, wenn sie nicht erlöst? Wenn ein Mensch weiter lebt, gerade wie einer in Sünden, kann da eine Befreiung von Sünden stattgefunden haben? Die Thessalonicher sind nicht in der Sünde fortgefahren. Der Heilige Geist bezeugt von ihnen, dass sie „bekehrt waren zu Gott von den Abgöttern“.

Der Prophet Hesekiel ermahnt: „Kehrt um und wendet euch ab von allen euren Übertretungen.“ (Hes 18:30). „Kehrt um, kehrt um von euren bösen Wegen!“ (Hes 33:11). Als Jona zu Ninive predigte, wurde das Volk aufgefordert, dass sich ein Jeglicher „bekehre von seinem bösen Wege“. Diese und andere Stellen lehren, dass die Zeit, mit dem Sündigen aufzuhören dann ist, wenn man Vergebung erlangen will.

2. Von der Zeit dieser Erfahrung an muss ein Begnadigter frei bleiben.

Wenn ein Sünder kein Recht hat zu sündigen – und er hat es nicht – wie viel weniger ein Kind Gottes. Das Wort spricht sehr klar und bestimmt über diesen Punkt. Sünde ist ein Greuel vor Gott, Er hasst sie und gebietet: „Tut sie nicht!“ „Die Seele, die sündigt, soll sterben!“ (Hes 18:4). Wer sündigt, der stirbt geistlich. Nicht eine Lebenszeit, in welcher jeden Tag in Gedanken, Worten und Werken gesündigt wurde, sondern eine einmalige Übertretung zieht dieses nach sich. „Denn das Urteil [führt] aus der einen [Übertretung] zur Verurteilung.“ (Röm 5:16). Eden ging verloren durch einen Ungehorsam, und so wird ein Heiliger durch eine Sünde zu einem Sünder. Die Sünde macht ihn zum Sünder.

Sünde ist Sünde, einerlei ob sie sich in einem Unbekehrten oder einem Heiligen vorfindet. Wenn ein Heiliger sündigt, kann ihm sein Stand nichts nützen. Trotz seiner Kindschaft wird ein Kind Gottes zum Sünder, sobald es sündigt.

Einer der größten Irrtümer, welche sich heute in Babel vorfinden, ist der Glaube, dass ein Heiliger zugleich ein Sünder sein kann. Und die Bibel spricht so bestimmt: „Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde.“ Wer in Ihm bleibt, der sündigt nicht. „Werdet doch wirklich nüchtern und sündigt nicht!“

aus der Evangeliums Posaune 15. Juni 1899