Warum Gericht?

Nachgiebig und sich anpassend ist das Zeitalter, in dem wir leben. Schonend ist die Botschaft; besänftigend ist die Bürde. Lass die Leute sich wohlfühlen! Heitere sie auf! Schmeichele ihnen! Ermutige sie! Sag ihnen, dass Gott ein liebender Vater ist, der sie sicherlich in den Himmel nimmt! Sag ihnen, dass alles in Ordnung ist, wenn sie ab und zu sündigen, denn Gott versteht, dass wir nicht vollkommen sind. Wenn es Streit oder Probleme in der Gemeinde gibt, versichere den Leuten, dass so etwas normal ist! Wir müssen andere ertragen, die Dinge nicht so sehen wie wir. Wir werden ein bisschen Sünde in der Mitte übersehen. Sollen wir richten? Sollen wir die Wahrheit verkünden und Dinge beim Namen nennen, auch wenn es andere stört? Die moderne Philosophie sagt: Nein! Die moderne Religion sagt: Nein! Menschen, die ihre Sünde lieben, sagen: Nein! Aber Gottes Wort hat auch etwas zu sagen, und Gericht steht auf all seinen Seiten geschrieben.

Seit dem Anfang der Geschichte hat Gott die Gerechten von den Gottlosen getrennt. Seine Empfindungen in den Tagen Noahs waren so außerordentlich, dass Er Fluten niederprasseln ließ und die Quellen der großen Tiefe aufbrach, um alle Gottlosen hinwegzuraffen. Auf Sodom und Gomorra ließ Er in Seinem Zorn Feuer vom Himmel regnen, genug, um ganze Städte zu zerstören. Die Warnung, die Er ihnen gab, war kurz. Er wies Seine Engel nicht an, das Volk zu bemitleiden, Verständnis für ihre Herkunft zu zeigen oder ihre Unstimmigkeiten zu ertragen, während sie ihnen geduldig erklärten, wie notwendig es sei, sich zu ändern. Zu fliehen oder umzukommen stand ihnen zur Wahl, und schnell musste die Entscheidung getroffen werden. Es war ein Punkt gekommen, wo die Gnade erschöpft und das Feuer die einzige Lösung für die Bosheit der Stadt war. Haben sich Gottes Empfindungen geändert?

Die Schrift spricht wiederholt von Gottes Gericht über das Böse. Esra beschrieb die Absonderung der Fremden aus der Mitte des Volkes Gottes. Hesekiel nannte es in seiner Bildersprache ein Begräbnis von toten Gebeinen. Der Prophet Maleachi sah das erste Kommen Christi voraus, als er von einem Tag sprach, der die Gesetzlosen verbrennen würde (Mal 3:19). Er warnte davor, dass wenn Christus, der Bote des Bundes, in Seinen Tempel kommen sollte (Mal 3:1-3), manche Seine Erscheinung nicht ertragen könnten, weil Er wie das Feuer des Silberschmelzers und wie die Lauge der Wäscher käme, um zu läutern und zu reinigen. Paulus sprach später in seinem ersten Brief an die Korinther von einem Feuer, welches dazu bestimmt war, zu erproben, von welcher Art jedermanns Werk sei.

Wir leben am Ende des Evangeliumstages. Die Schrift nennt unsere Zeit eine Erntezeit, weil es eine Zeit ist, in der Dinge gesammelt, beurteilt und beseitigt werden als eine Vorbereitung für Christi letzte Wiederkunft. Matthäus 13 spricht davon, dass Gott am Ende der Weltzeit Seine Engel als Schnitter aussendet, um das Unkraut vom Weizen zu trennen (siehe Verse 24-30, 37-43). Nur der Weizen wird in Seine Scheune gesammelt, während das Unkraut in Bündel gebunden und verbrannt wird. Dasselbe Kapitel beschreibt ein Netz im Meer, das voll war, und zur Begutachtung ans Ufer gezogen wurde (Verse 47-50). Der Inhalt wurde sortiert, das Gute wurde in die Gefäße gesammelt, das Schlechte weggeworfen. Diese Trennung findet jetzt statt. Wir brauchen nicht darauf zu warten, denn Gott hat Seine Boten schon ausgesandt. Es ist die Pflicht Seiner Prediger, die Gottlosen vor Christi letzter Wiederkunft von der Versammlung der Gerechten abzutrennen. „Alle Ärgernisse“ müssen hinausgeworfen werden, damit die Gerechten in größerer Herrlichkeit und Reinheit leuchten.

Diejenigen, welche die Erntezeit bis auf Christi zweite Wiederkunft hinausschieben, sagen damit, dass Christus noch nicht nach einer bereits herrlichen Gemeinde, einer Braut bereit ihrem Bräutigam zu begegnen, wiederkommen könnte, sondern dass dann die Zeit wäre, dass Er durch die Flecken und Runzeln sortieren würde. Sie versuchen uns glaubhaft zu machen, dass Christus bei Seiner Wiederkunft eine Gemeinde vorfände, die unfähig wäre, hell zu leuchten, getrübt von falschen Erfahrungen, und dass Er schnell eine Art Notsortierung durchführen müsste, um herauszufinden, wen Er mit sich in die Luft nehmen könne. Wäre solch eine verwirrte Braut wirklich bereit, Christus zu begegnen? Würde es nicht eher mit der Schrift und der Vernunft in Einklang stehen, zu sagen, dass die Heiligen bereits jetzt von den Gottlosen abgesondert werden?

Das Gericht wird niemals einen wahren Christen wegschicken. Der Herzensschrei des Kindes Gottes ist: „Richte mich! Wenn irgendetwas in mir ist, das nicht richtig ist, möchte ich es jetzt wissen, solange ich es noch ablegen kann und nicht erst am Gerichtstag, wenn es zu spät sein wird.“ Diejenigen, die flehen: „Richtet nicht!“ sind unheilig im Herzen und wollen einfach nicht gerichtet werden, weil sie es nicht ertragen können, als das bloßgestellt zu werden, was sie wirklich sind.

Ein Ort, an dem kein Gericht gepredigt wird, kann nicht die Gemeinde Gottes sein, denn Gottes Wort hat Seinem Volk geboten, einen Unterschied zu machen und zwischen dem Gerechten und Gottlosen zu richten. „Dann werdet ihr wieder sehen, was für ein Unterschied besteht zwischen dem Gerechten und dem Gesetzlosen, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.“ (Mal 3:18). „Sie sollen mein Volk unterscheiden lehren zwischen Heiligem und Unheiligem und ihm den Unterschied erklären zwischen Unreinem und Reinem.“ (Hes 44:23).

Wir haben ein Problem mit Predigern, die nichts als besänftigende und angenehme Botschaften predigen können. Du wirst Seelen sammeln, aber wie wirst du die Faulen wegwerfen? Und wenn die Faulen bleiben, wie wirst du dem Herrn die Flecken und Runzeln in dem, was sich für Seine Gemeinde ausgibt, erklären? Werden Äpfel in einem Korb, der auch nur eine verdorbene Frucht birgt, gut bleiben? Es ist nicht nur recht sondern notwendig, Sünder nicht in der Gemeinde zu dulden, um zwischen den Heiligen und Unheiligen zu unterscheiden, die Sünde zu diskriminieren, und diejenigen wegzuschicken, die nicht heilig leben wollen.

Wir sagen allen Boten Gottes: Predigt so hart, wie ihr wollt, ja, predigt mit aller Kraft! Predigt das Gute herein und predigt das Schlechte heraus! Fürchtet euch nicht! Gott steht hinter euch. Er trachtet nicht danach, jeden zu behalten, sondern nur diejenigen, die gewillt sind, den Preis der Reinheit zu bezahlen.

Wenn es je eine Zeit gab, in der Gericht geübt werden musste, ist es jetzt. „Es soll aber das Recht einherfluten wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein unversiegbarer Strom!“ (Am 5:24).