Wer sind die Auserwählten?

Dies ist das Thema manch einer Auseinandersetzung in theologischen Kreisen. Manche glauben der calvinistischen Lehre, die besagt, dass nur eine bestimmte Anzahl von Personen durch Gott von Anbeginn der Zeit bedingungslos erwählt (oder auserwählt) wurde, um gerettet zu werden, während die übrige Menschheit ebenso bedingungslos in die ewige Verdammnis verworfen wird. Bevor wir uns jedoch mit dieser Frage befassen, müssen wir folgende Wahrheit beachten:

Der Zuruf und das Angebot des Evangeliums sind universal. Man kann nicht die Heilige Schrift lesen und zu irgendeiner anderen Erkenntnis gelangen. "Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat." (Joh 3:16).
Jeder, ohne Ausnahme. Und beachte die Größe der Liebe Gottes, welche nicht nur ein paar Auserlesene einschließt, sondern die ganze Welt!

Gott ist "langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen." (2Petr 3:9).

Alle sollen zur Buße kommen. Sein Wille schließt die Erlösung der ganzen Menschheit ein.

"Wer da will, nehme das Wasser des Lebens umsonst!" (Offb 22:17).

Wenn diesem nun so ist, wenn Gott alle Menschen ruft und nicht will, dass irgendwelche verloren gehen und durchaus bereit ist, jeden und alle, die es wählen, zu glauben, bis aufs äußerste zu erlösen, dann ist die calvinistische Ansicht über die Auserwählung verkehrt. Allein Joh 3:16 (wohl der meistzitierte Vers der Bibel) reicht aus, um die Vielzahl der Missverständnisse betreffs der Auserwählung zu Fall zu bringen.

Wer sind dann also die Auserwählten? Da die Erlösung allen Menschen angeboten wird, können demzufolge alle Menschen, wenn sie wollen, ein Teil der Auserwählten werden. Es gibt keinen anderen Weg, um die Auserwählung und das einstimmig biblische Zeugnis mit dem weltweiten Evangelium und dem freien Willen des Menschen in Einklang zu bringen.

"Die auserwählt sind nach Vorkenntnis Gottes, des Vaters, in der Heiligung des Vaters zum Gehorsam und zur Besprengung mit dem Blut Jesu Christi … ". (1Petr 1:1-2). Die Auserwählten sind niemand anders als die, die dem Ruf des Evangeliums Folge leisten, unter das Blut der Besprengung gekommen sind und durch den Geist geheiligt wurden.

"Wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe, und uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens." (Eph 1:4-5). Von wem spricht Paulus hier? Von einigen, wenigen Bestimmten … er und einige Epheser … "wir vier, sonst keiner" … unter Ausschluss eines jeden anderen? Nein, denn wir haben schon gesehen, dass das "Wohlgefallen seines Willens" alle Menschen (die Welt) einschließt. Was meint Paulus dann mit solch einer Redensart?

Gott hat den Erlösungsplan vor Grundlegung der Welt vorherbestimmt. Seine Allwissenheit sah beides, den Sündenfall des Menschen und seine Erlösung, voraus. Dementsprechend wird Jesus von Grundlegung der Welt an als das geschlachtete Lamm bezeichnet (Offb 13:8). Sein Todesopfer war vorherbestimmt. Und, Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selbst (2Kor 5:19). Allein in dieser Hinsicht sind alle Gläubigen von Ewigkeit her "in ihm (Christus) auserwählt". Der Akt des Glaubens ist nun dem Einzelnen überlassen. "Jeder, der glaubt." "Wer da will." Daraus folgt dann, dass jeder, der glaubt, ein Teilhaber der Auserwählten wird.

"Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein … die er aber vorherbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und die er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; die er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht." (Röm 8:29-30). Lehrt dieses nicht eine unfehlbare und ausschließliche Auserwählung? Nein, denn wie wir gesehen haben, will Gott nicht, dass irgendjemand verloren geht. Daher, wenn Er Seinem eigenen Willen treu ist, würde Er nicht einen Mann oder eine Frau lediglich für die Verdammnis erschaffen.

Gott hat die Mittel der Erlösung vorherbestimmt. Er ruft allen Menschen zu. "Denn viele sind Berufene, wenige aber Auserwählte." (Mt 22:14). Wieso? Da sie, obwohl sie berufen sind, es erwählen, nicht zu gehorchen, werden sie dem Bilde Seines Sohnes nicht gleichförmig gemacht. Aber diejenigen, welche dem Ruf nachgeben und gehorsam sind, die rechtfertigt Er, usw. Dieser Abschnitt kann nicht in irgendeiner anderen Weise verstanden werden. Andernfalls widerspricht er Mt 22:14.

Die Erlösung ist wahrlich Gottes Werk und nicht eines Menschen. Der Mensch kann es sich weder durch sein Wollen noch durch seine Werke verdienen. Es bedurfte der Kraft und des Willens Gottes, um einen solch großen Plan zu bewirken. Und Sein Wort bezeugt zu Genüge, dass Er alle Menschen in diesen Plan mit einschließt und ihnen die freie Wahl gibt, Seine angebotene Gnade anzunehmen oder abzulehnen.

Demgegenüber setzt sich die calvinistische Auserwählung, welche auch die bedingungslose Verurteilung verteidigt, über den festgesetzten Willen Gottes, Seine Liebe für die Welt und Sein Verlangen jeden, der glauben wird zu erlösen, hinweg.

Br. Daniel Eichelberger