Zwei Gnadenwerke symbolisiert

Diese Wahrheit [Heiligung als ein zweites Gnadenwerk] wurde im Mosaischen Zeitalter durch die Stiftshütte versinnbildlicht. Dieses Bauwerk, die damalige Wohnung Gottes auf Erden, bestand aus zwei Räumen und war von einem Vorhof umgeben. Die erste Abteilung der Hütte, die nur vom Vorhof aus betreten werden konnte, wurde das Heilige genannt. In ihr befanden sich der Tisch mit den Schaubroten, der goldene Leuchter und der goldene Altar, der vor dem Eingang zur zweiten Abteilung stand. Die zweite oder innere Abteilung der Hütte wurde das Allerheiligste genannt. In ihr befand sich die Bundeslade mit den zwei Gesetzestafeln. Im Vorhof, direkt vor dem Eingang zur ersten Abteilung, stand der eherne Altar, auch Brandopferaltar genannt, sowie das eherne Handfass oder das Becken mit Wasser.

Eine Beschreibung der Stiftshütte und ihrer Geräte finden wir in Hebr 9:1-8, während die verschiedenen Opfer im nächsten Kapitel, in den Versen 1-4 und 11 eingehender beschrieben sind. In der ersten Abteilung verrichteten die Priester täglich Gottesdienst, wogegen die zweite oder innere Abteilung nur einmal im Jahr allein vom Hohenpriester betreten wurde. Das Allerheiligste war die eigentliche Wohnung Gottes.

Nach Hebr 9:9 war die Stiftshütte des Alten Bundes "ein Gleichnis auf die gegenwärtige Zeit", dazu bestimmt, zu versinnbildlichen, was später kommen sollte. Von Christus heißt es im 11. Vers des gleichen Kapitels, "dass er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter und ist durch eine größere und vollkommenere Hütte eingegangen, die nicht mit der Hand gemacht, das ist, die nicht von dieser Schöpfung ist." Die Stiftshütte des Alten Bundes war ein vollkommenes Vorbild vom "Hause Gottes, welches ist die Gemeinde des lebendigen Gottes" im Neuen Bund (1Tim 3:15); denn "auch ihr, als die lebendigen Steine, bauet euch zum geistlichen Hause und zum heiligen Priestertum, zu opfern geistliche Opfer, die Gott angenehm sind durch Jesum Christum" (1Petr 2:5). So erklärt auch der Schreiber des Hebräerbriefes, dass Christus Sein eigenes Haus besitzt, und dass wir, die Gläubigen, Sein Haus sind (Kap 3:6). Paulus aber sagt, dass die durch das Blut Christi erlöste Schar als Sein Bau "ineinander gefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn, auf welchem auch ihr miterbaut werdet zu einer Behausung Gottes im Geist" (Eph 2:16-22). Christus ist das göttliche Opferlamm, auf das die vielen Sündopfer des alttestamentlichen Gesetzes hingewiesen haben. Durch Sein Blut werden wir erlöst, und in Seine Gemeinde oder das geistliche Haus eingefügt.

Die zwei Abteilungen der Stiftshütte haben eine symbolische Bedeutung und müssen folglich auch ihr Gegenstück im Neuen Testament haben. Wie wir bereits erwähnt haben, gehörten zur Stiftshütte zwei Altäre. Beide wurden mit dem Blut des Sündopfers besprengt, wodurch deutlich eine zweifache Reinigung vorgebildet ist (3Mo 4:7). Wenn wir nun zu Christus kommen und unsere Sünden bekennen, werden wir gerechtfertigt, und damit Teilhaber des ersten Werkes der Gnade, wodurch wir auch Priester im Hause Gottes werden. Als solche dienen wir nun im Heiligen der Gemeinde Gottes, wie es durch das Heilige der Stiftshütte im Alten Testament vorgebildet ist. Zwar bringen wir keine Sündopfer dar, da Christus selbst "ein Opfer für die Sünden geopfert hat, das ewiglich gilt" (Hebr 10:12); dennoch bringen wir Opfer, die durch die Brandopfer und Dankopfer im Alten Bund versinnbildlicht wurden: "So lasset uns nun opfern durch ihn das Lobopfer allezeit, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen" (Hebr 13:15). Ja, wir "opfern geistliche Opfer, die Gott angenehm sind durch Jesum Christum" (1Petr 2:5). Die Schaubrote auf dem Tisch der Stiftshütte versinnbildlichen unsere geistliche Speise; der Leuchter, dessen Licht nie verlosch, das geistliche Licht der göttlichen Wahrheit.

Den Priestern, die in der ersten Abteilung der Stiftshütte Gottesdienst verrichteten, war der Zutritt zur zweiten Abteilung, dem Allerheiligsten, verwehrt. Sie befanden sich also stets vor dem Eingang zum Allerheiligsten; denn zu der Zeit war "der Weg … in das Allerheiligste" (Hebr 9:8 - Van Ess üs.) noch nicht frei. Als aber Christus, das vollkommene Opfer für die Sünde, am Kreuz auf Golgatha starb, zerriss der Vorhang im Tempel in zwei Stücke "von obenan bis unten" (Mt 27:51). Damit wurde in wunderbarer Weise eine Veränderung im Tempel herbeigeführt, wodurch auch gleichzeitig auf eine entsprechende neue Wahrheit hingedeutet wurde, nämlich auf die Einführung eines neuen, geistlichen Hauses mit völlig freiem Zutritt, nicht nur zum Heiligen, sondern auch zum Allerheiligsten. "So wir denn nun haben, liebe Brüder, die Freudigkeit zum Eingang in das Heilige (Allerheiligste - Van Ess üs.) durch das Blut Jesu, welchen er uns bereitet hat zum neuen und lebendigen Wege durch den Vorhang, das ist durch sein Fleisch, und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes: so lasset uns hinzugehen mit wahrhaftigem Herzen in völligem Glauben." (Hebr 10:19-22). Somit empfangen wir durch eine zweifache Reinigung eine zweifache Erfahrung, wie es durch die beiden Altäre, die zweimalige Anwendung von Blut und die beiden Abteilungen der alttestamentlichen Hütte Gottes vorgebildet war.

Das Gesetz des Alten Bundes befand sich in der zweiten Abteilung des Heiligtums, was gleichfalls eine symbolische Bedeutung hat, deren Erfüllung wir im zweiten Werk der Gnade finden. In dieser Erfahrung wird Gottes Gesetz in unser Herz gegeben, hier werden wir zu einer Wohnung des Allerhöchsten bereitet, und hier wird das in der Bekehrung begonnene Werk unserer Heiligmachung vollendet! Halleluja! "Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet, die geheiligt werden. Es bezeugt uns aber das auch der Heilige Geist. Denn nachdem er zuvor gesagt hatte: 'Das ist das Testament, das ich ihnen machen will nach diesen Tagen', spricht der Herr: 'Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben, und in ihren Sinn will ich es schreiben.'" (Hebr 10:14-16). Diese Schriftstelle in Verbindung mit der vorher angeführten (Verse 19-22) zeigt uns deutlich, dass wir durch die Heiligung des Herzens Zutritt zum Allerheiligsten erlangen, und dass Gottes Gesetz in dieser Erfahrung in unser Herz geschrieben wird. In diesem zweiten Gnadenwerk erfahren wir eine völlige Wiederherstellung unserer zerrütteten Natur, und dieses wird alles durch die Taufe mit dem Heiligen Geist zu Stande gebracht. "Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus [das erste Gnadenwerk], durch welchen wir auch Zugang haben im Glauben zu dieser [zweiten] Gnade, darin wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll … Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben ist." (Röm 5:1-2.5). ?

F.G. Smith