D. S. Warner - Wie ihn Andere sahen

von A. L. Byers

Vorwort

In seinem Buch "Birth of a Reformation" (zu deutsch: Geburt einer Reformation) berichtet A. L. Byers über das Leben und Wirken von D. S. Warner (25. Juni 1842 - 12. Dezember 1895). Es erschien erstmals im Jahre 1921. Br. Byers Wunsch war es, durch die Herausgabe seines Buches zukünftigen Generationen die Gelegenheit zu geben, ein vorbildliches Leben christlicher Ergebenheit und Nützlichkeit kennenzulernen, und ein Beispiel von der Treue Gottes, gegenüber denen die ihm völlig vertrauen, festzuhalten.

In dem hier wiedergegebenen Kapitel berichten Bruder Warners Zeitgenossen und Mitarbeiter über ihre Erfahrungen und Beobachtungen, die sie im Umgang mit Bruder D. S. Warner gemacht haben. Auch vermittelt es uns ein Gefühl für den Geist jener Zeit und den, der Bruder Warner beseelte. Hundert Jahre nach Bruder Warners Tod, ist dem Volk Gottes vieles von dem, wie Gott wirkte und was Gott damals Seiner Gemeinde wiedergegeben hat, verloren gegangen. Daher wird vieles, was für das Volk Gottes "normal" sein sollte, als etwas Fremdes betrachtet.

Es ist unser Wunsch, dass der Herr diese Broschüre gebraucht, dem Leser einen Einblick in die Zeit des "Abendlichts" zu geben. Und dass dieser die geistlichen Ereignisse der heutigen Zeit klarer sehen kann, denn Gott hat bereits mit einem erneuten Sammeln und Wiederherstellen Seines Volkes begonnen.

Die Herausgeber

Folgende, interessante Berichte und Zeugnisse stammen von Personen, die Bruder Warner persönlich kannten:

Wir hatten unser Heim in Lindsey, Ohio, als wir Br. Warner zum erstenmal begegneten. Damals waren wir noch Mitglieder der "Evangelical Association" (Evangelische Vereinigung). Wir (mein Mann und ich) waren zwar beide geheiligt, aber wir waren mit dem leeren Formwesen im Sektentum nicht zufrieden. Treu besuchten wir die regelmäßigen Versammlungen; aber wir sehnten uns nach einer tieferen, geistlichen Andacht und sahen ein, dass wir besondere Versammlungen brauchten, wo man frei über die herrliche Lehre der Heiligung sprechen konnte. Als die Leute hörten, was wir lehrten, öffeneten sich überall Türen bei den Denominationen und viele bekehrten sich. Dies erfüllte die Prediger mit Neid, und sie versuchten, diese Arbeit zu unterbinden. Aber sie vermochten es nicht, denn es war das Werk Gottes.
So ging es fünf Jahre lang. Wir empfanden, dass es für uns besser wäre, außerhalb der Kirche zu sein, und wünschten uns oft, uns zurückziehen zu können, aber wir wussten nicht, wohin wir gehen sollten. Wir dachten viel darüber nach, und es wurde uns zu einem besonderen Gebetsanliegen. Wir bekamen die überzeugung, dass Gott uns einen Weg führen würde, den wir noch nicht verstanden.
Wir hatten Bruder Warner noch nicht kennengelernt, hatten aber gehört, dass er ein Verführer sei, und dass überall, wo er hinkam, die Geistlichsten seine Lehre annahmen. Wir bekamen von ihm eine Postkarte, in der er uns mitteilte, dass soeben eine Reihe Versammlungen zu Ende gingen, und dass der Herr ihm zeigte, die nächsten im Norden zu halten. Er schrieb, wenn wir einen Raum für dieses Vorhaben besorgen könnten, privat oder öffentlich, dann würde er uns gerne mit seiner Company besuchen.
Ich fragte meinen Mann, was nun zu tun sei. Er sagte: "Mutter, weisst du, dass wir vor diesem Mann gewarnt wurden?" Ich sagte: "Ja, ich weiß es, aber wir beten doch, dass Gott uns einen Mann schicken möchte, der die ganze Wahrheit predigt und auslebt. Wenn nun dieser Mann von Gott ist, müssen wir ihn aufnehmen." Ich ging mit der Sache zum Herrn und sagte: "Herr, wenn es Dein Wille ist, dass diese Leute kommen sollen, und Du sie hier gebrauchen kannst, Versammlungen durchzuführen, dann sende sie einfach her, ohne dass ich auf die Karte antworte." Dies war am Montagmorgen. Um 13.00 Uhr hielt eine Gruppe von 6 Personen vor unserem Tor. Br. Warner kam zur Tür und klopfte an. Als ich öffnete, sagte er: "Friede sei diesem Hause." Ich kann meine Empfindungen nicht beschreiben, aber nachdem ich sie herzlich begrüßt hatte, wurde mir bewusst, dass diese Menschen von Gott waren, und ich beschloss, dass sie so lange bleiben sollten, wie Gott sie gebrauchen konnte.
Währenddem ich für meine neuen Gäste und meine Familie das Mittagessen zubereitete, sangen sie die Lieder 43 und 72 aus "Songs of Victory" ("Es war Liebe, die mich fand" und "Die Hand Gottes an der Wand"). Niemals zuvor hatten wir solch himmlische Musik gehört. Tränen strömten über die Wangen meines Mannes. Meine Tochter war so ergriffen, dass sie das Haus verließ. Es machte auf sie einen solchen Eindruck, dass sie nachher ihr Herz Gott übergab. Gott gebrauchte Br. Warner, um uns zu helfen, den einen Leib Christi zu erkennen und das übel der Sekten zu sehen. Wir mieteten einen Saal. Manchmal war er mit aufrichtigen Zuhörern voll besetzt, und ich bin mir sicher, dass viel ausgerichtet worden wäre, wenn da nicht die fünf Prediger an unserem Ort gewesen wären. An einem Abend predigte Br. Warner mit solcher Kraft, dass ein Prediger sagte: "Dies ist mir zu stark.", und er ging hinaus. Man nahm uns den Saal weg, und so hielten wir unsere Versammlungen in den eigenen Heimen ab. Manchmal warf man nach uns mit verfaulten Eiern, Schottersteinen und mit Dreckklumpen, doch in diesem allen pries Br. Warner Gott und bewies einen solch ruhigen und sanften Geist, dass man einfach erkennen musste, dass er ein Mann Gottes war. Manche Besucher gingen 50 km zu Fuß, um an diesen Versammlungen teilzunehmen.
Br. Warner ging damals gerade durch die schwere Prüfung, welche durch die Trennung von seiner Frau ausgelöst wurde, und so stiegen viele ernste Gebete für sie auf. Er gab uns einige der Briefe zu lesen, die er an sie schrieb, und ach! dieser sanfte Geist und das liebevolle Flehen in diesen Briefen waren genug, um ein steinernes Herz zu erweichen.
Später zogen wir nach St. Louis, Michigan um, und es war unser Vorrecht, ihn oft in unserem Heim zu haben. Er predigte immer mit Vollmacht.
Ich kann sagen, dass sein Leben und sein Verhalten nachahmenswert waren.
Frau Elisabeth Walter, St. Louis, Michigan

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Im Februar 1883 traf ich zum erstenmal mit Br. Warner zusammen. Er kam in unser Heim und half mit, Stubenversammlungen durchzuführen. Er war ein sehr demütiger Mann des Glaubens und einer, den ich sehr lieb gewonnen habe. Von der ersten Lagerversammlung 1883, in Bangor, Michigan, wurde er weggerufen, und ich brachte ihn zum Bahnhof. Als er aus dem Fahrzeug ausstieg, überreichte ich ihm elf Dollar. Er hob beide Hände empor und pries Gott, denn er hatte kein Fahrgeld gehabt.
Einmal war ich mit ihm in Chicago auf der Suche nach einer Druckmaschine. Am Frühstückstisch, im Restaurant, schüttete er sein Herz vor Gott aus, und dankte Ihm mit inbrünstigem, ernsten Gebet für die Speise, welches die Aufmerksamkeit vieler Zuhörer auf sich zog. Zum Mittag kauften wir uns einen Imbiss, um mit des Herrn Geld sparsam umzugehen. In einem schmalen Durchgang, abseits von der belebten Hauptstraße, fanden wir eine Textilienkiste, auf der wir unsere Mahlzeit einnahmen. Auch hier hob Br. Warner wieder, in tiefer Dankbarkeit, die Hände zu Gott empor und dankte.
S. Michels, South Haven, Michigan

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Im Oktober 1881 war ich bei meinen Vater, Daniel B. Howe, in North Eagle, Michigan, zu Besuch. Ein Bruder schickte uns eine Evangeliums Posaune, die erste, die wir jemals gesehen hatten. Wenige Tage später kamen J. C. Fischer und seine Frau dorthin. Vater bat ihn, zu kommen und Versammlungen zu halten. Dieses tat er im Dezember und blieb über den ganzen Winter. Viele nahmen das Licht an. Im Oktober 1882 kamen Br. Warner und einige andere und hielten an mehreren Tagen Versammlungen ab. Das waren für uns herrliche Stunden. Als Br. Warner ankam, schien er in einer schweren Prüfung zu sein, die durch irgend eine Schwierigkeit in seinem Leben verursacht wurde. Er war sehr betrübt und scheinbar untröstlich.
Er blieb in unserem Heim. Und in dieser Zeit segnete Gott ihn auf wunderbarer Weise, so dass sich die Wolken zu heben begannen. Als er dann am Sonntagmorgen predigte, ließ sich die Kraft Gottes auf ihn und die Versammlung nieder. Alle weinten und jauchzten laut. Er sprang 30 Zentimeter oder höher, drehte sich einmal um die eigene Achse und setzte wieder auf, zur Versammlung gewandt. Von diesem Augenblick an waren Leid und Traurigkeit verschwunden.
Erst im Juni 1894, auf der Lagerversammlung in Grand Junction, habe ich ihn wiedergesehen. Dort traf ich ihn im "Trumpet-Heim" am Frühstückstisch. Er erkundigte sich nach dem Wohlergehen der Leute in North Eagle. Ich sagte, dass es allen gut gehe. Daraufhin stütze er seinen Ellbogen auf den Tisch, verbarg sein Angesicht in seiner Hand, und weinte eine Weile wie ein Kind. Dann sagte er: "Verzeihung, aber ich musste daran denken, wie Gott mich dort gesegnet hat. Noch nie hatte ich gewusst, dass der Herr einen sterblichen Menschen so segnen kann, wie Er es in jener Versammlung an mir erwiesen hat."
Im März 1895 kam er, um auf der Beerdigung meines Vaters zu predigen. Als er in Grand Ledge auf den Zug warten musste, schrieb er ein Gedicht, das er auf der Beerdigung vorlas.
Ich sah ihn wieder auf einer Versammlung südlich von Eagle. Er brachte eine gewaltige Predigt über das Thema "Gemeinde". Er erwähnte nichts von anderen Predigern oder Benennungen, aber als seine Ansprache beendet war, blieb für andere Kirchen kein Platz mehr, keine Möglichkeit, dass es noch eine andere Gemeinde geben konnte. Ich sah ihn danach nie wieder, denn im darauffolgenden Dezember starb er.
Ich meine, dass es noch keinen Menschen gab, der ein Leben führte, das heiliger und gottesfürchtiger war, als das seine. Ich bezweifle, das je ein Reformator der Sache Christi mehr hingegeben war, oder tiefer und seelenergreifender gepredigt hat, als er. Er lebt in den Herzen der Menschen weiter und auf seine Schriften wird man bis ans Ende der Zeit achtgeben.
Julia M. Cheeseman, Liberty Center, Ohio.

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Br. Warner war einer der gottseligsten Männer, denen ich je begegnete; er war so geweiht und fromm. Er hatte große Kraft bei Gott und Menschen; er war sehr demütig, und jeder, ohne Rücksicht auf Stand oder Stellung, konnte bei ihm Hilfe suchen.
Ich war auf einer Versammlung in Carthage, Mo., wo er predigte. Ein furchtbarer Sturm kam auf, und unser Versammlungszelt stand gerade in seiner Bahn. Die Leuten erschreckten vor dem Toben des Windes und begannen wegzulaufen. Bruder Warner rief ihnen zu: "Bleibt im Zelt; niemand wird zu Schaden kommen." Dann blickte er nach oben, hob seine Hand gen Himmel, und sagte: "Vater, stille diesen Sturm, damit dein Wort verkündigt werden kann." Der Sturm legte sich dicht vor uns, nicht einmal eine Häuserreihe von uns entfernt. Gebäude wurden schwer beschädigt. Das Dach einer großen Wollfabrik wurde weggefegt und Eisenbahnwaggons wurden aus den Gleisen gehoben. Ich war erstaunt, und sagte: "Was für einer ist dieser, dass auch die Winde ihm gehorchen?"
Ein andermal versammelten sich einige Jungen aus Familien, die der Wahrheit widerstanden, fingen an zu trinken, und schließlich kamen sie, um die Versammlung zu stören. Das taten sie an zwei Abenden. Am dritten Abend, als Bruder Warner am predigen war, hörte er sie wieder kommen. Er sagte: "Vater, wehre dem Teufel in diesen betrunkenen Jungen." Damit hatte die Belästigung ein Ende. Er war ein Mann des Glaubens, und beständig pries er Gott, selbst in den größten Prüfungen. Er war wirklich ein Reformator.
Lena L. Mathesen, Moore, Oklahoma

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Mein Gedächtnis ist schwach und ich kann mich nur an wenige Fälle erinnern. Einmal, als Br. Warner predigte, kam ein furchtbarer Sturm auf. Der Himmel war schwarz. Die Versammlung wurde unruhig und ängstlich. Er forderte sie auf, auf ihren Plätzen zu bleiben; Gott habe ihm eine Botschaft gegeben und würde es nicht regnen lassen. Er bat dann, dass Gott den Regen aufhalte, bis er die Botschaft verkündigt habe. Ich weiß nicht, wie lange er predigte, aber die Predigt war ungewöhnlich lang. Gott hat zweifellos den Regen aufgehalten, denn als er mit der Botschaft fertig war und die Versammlungs-besucher zu Hause angekommen waren, begann es in Strömen zu gießen.
Ein andermal, als Sektierer allerlei Unwahrheiten ausheckten und über das ganze Land verbreiteten, kamen einige von seinen Freunden und fragten ihn: "Wie kannst du das alles ertragen?" Er hielt ein wenig inne und erwiderte: "Dieses alles geschieht, seitdem ich gestorben bin."
William N. Smith, North Star, Michigan

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Einmal, als er von zu Hause fort war, und Versammlungen abhielt, hatte Bruder Warner den starken Eindruck, nach Hause zurückzukehren. Jemand bot sich an, ihn zum Zug zu bringen, denn die Zeit bis zur Abfahrt war knapp. Bruder Warner betete, dass der Herr den Zug aufhalten möchte. Als sie in Sicht des Bahnhofs kamen, sahen sie auch den Zug, der sich auch schon in Bewegung setzte. Er rief laut: "Mein Gott, halte den Zug für mich an." Der Zug wurde langsamer. Der Zugführer signalisierte, dass er zurückstoßen wollte, hielt an, und ließ ihn einsteigen. Er brachte seine Dankbarkeit Gott und dem Bahnangestellten gegenüber zum Ausdruck und zeugte dabei, dass Gott daran beteiligt sei.
Er erzählte mir, wir er einmal vom Westen ein Telegramm erhielt, indem man ihn bat, schnell zu kommen. Er ging in sein Zimmer und brachte die Angelegenheit vor den Herrn. Er hatte nicht die erforderlichen Mittel, aber der Herr forderte ihn auf, zu gehen und nicht zu zweifeln, da ihm alle Dinge möglich sind. Darauf packte er seine Tasche und eilte zum Bahnhof. Dort angekommen, flehte er weiter zu Gott. Menschen sammelten sich, um mit dem Zug zu fahren. Plötzlich sah er einen Mann auf den Bahnhof zueilen. Der Mann kam herein, und als er Bruder Warner sah, frohlockte er und sagte: "Nun, ich sehe, dass du alles für die Reise gepackt hast." "Ja, ich habe meine Befehle von Gott bekommen, in den Westen zu reisen." "Nun, ein Mensch braucht Geld, um zu reisen.", erwiderte der Mann, und reichte ihm ein Bündel Geld. Als er seine Fahrkarte gekauft hatte, blieb noch soviel übrig, um alle Unkosten zu bestreiten, und er zog fröhlich seine Straße. Er gelangte an sein Ziel und hatte guten Erfolg. Als er bereit war, zurückzureisen, und sich schon auf dem Weg zum Bahnhof befand, rief ihm eine alte Schwester zu, zu warten und sagte: "Hier ist etwas Wirtschaftsgeld; nimm dies." Da er es eilig hatte, steckte er es einfach in seine Tasche. Später, als er sie öffnete, fand er einhundert Dollar in Gold darin. Frohlockend kam er zu Hause an, so wie die Jünger, die ohne Geldbeutel oder Tasche ausgesandt waren.
A. J. Shelly, Alma, Michigan

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Es hat mich sehr beeindruckt, wie Bruder Warner unter schweren Verhältnissen außergewöhnlich geduldig war, auch als sein gebrechlicher Leib mit Schmerzen geplagt wurde. Einmal war ich mit ihm zu einer Zelt- versammlung unterwegs, die im Norden von Denver stattfand. Da wir noch gegangen waren, um für Kranke zu beten, wurde es ziemlich spät und wir warteten nun an einer Haltestelle auf einen Wagen. Es schien mir, als ob er niemals kommen würde. Ich wurde unruhig, und begann auf dem Bürgersteig auf und ab zu gehen (als ob das Fahrzeug dadurch eher kommen würde), denn es war schon Zeit, dass die Versammlung beginnen sollte. Zu meiner überraschung aber, summte Bruder Warner ein Lied, um "dem Herrn in seinem Herzen zu singen und zu spielen". Ich fragte: "Bruder Warner, wirst du nie ungeduldig?" "Ungeduldig!" antwortete er, "seid fünfzehn Jahren kenne ich keine Ungeduld mehr." Das konnte ich damals glauben und ich glaube es jetzt, und habe es seit jenem Abend glauben können. Ich bemühte mich, Sorgen und Unruhe, die durch Schmerzen verursacht wurden, zu überwinden, desgleichen auch Verzögerungen oder Widerstand, und habe es auch zum großen Teil geschafft, alles dem Einen anzubefehlen, der alle Dinge zu unserem Besten mitwirken lassen kann.
John E. Roberts, 3830 Stuart St., Denver, Colorado

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Ein Vorbild wahrer Demut
Von jenem Tag an, als ich zum erstenmal Bruder Warner sah und kennenlernte, war er für mich eines der eindruckvollsten Beispiele wahrer Demut, die ich jemals gesehen habe. Zusammen mit den Mitarbeitern seiner Company kam er an den Ort, wo ich an jenem Tag predigen sollte. Ich stand noch am Anfang meines Predigtamtes, hatte eine sehr hohe Vorstellung von einem Prediger und bemühte mich sehr, an dieses Ideal heranzureichen. Als ich den Ort erreichte, war die Company bereits da, wir begrüßten uns und stellten uns kurz vor, ehe die Sonntagsschule begann. Nachdem der Unterricht zu Ende war, und noch ehe der Zeitpunkt für die Predigt gekommen war, kam Bruder Warner zu mir und sagte, dass er erfahren habe, dass ich an diesem Tag predigen würde. Ich sagte, ja, aber nicht, wenn ein Mann mit solch gutem Ruf und solchen Fähigkeiten anwesend sei. Er bestand aber darauf, dass ich es tun sollte, da er noch von der Anstrengung, die hinter ihm lag, und von der Reise in den Westen, sehr müde sei. Ich erwiderte, dass ich noch nicht viel predigen könnte, und dass, falls er auch nur ein wenig sagen würde, es für die Versammlung und für mich ein Vergnügen wäre. Er bestand aber weiter darauf, dass ich predigen sollte, und schien gar nicht hinter die Kanzel zu wollen. Ich drang aber weiter auf ihn ein, es zu tun, und sagte: "Bruder Warner, ich kann einfach nicht in der Gegenwart eines solch großen Mannes, wie du es bist, predigen." Er kam zu mir, legte seinen Arm um meinen Hals und sein Haupt auf meine Schulter, und sagte: "Gott segne dich, mein Bruder, ich bin doch nur einer von den Geringen Gottes."
Dieses Verhalten war mir sehr neu, denn ich hatte noch nie zuvor solch einen Geist, in einem Mann mit solch einem Ruf, kennengelernt, aber ich bestand weiter darauf, dass er auf die Kanzel sollte, und wenn auch nicht für länger, so doch für ein paar Minuten. Er sagte: "Nun dann, wenn Du meinst, tue ich es; ich brauche aber deine Gebete." Er sah wirklich müde aus und schien in dem Moment so gebrechlich, dass es mir schon leid tat, ihn gedrängt zu haben.
Nun begann er, und ich hielt es für ratsam, bereit zu sein, die Predigt zu Ende zu bringen, falls er plötzlich Schluss machen sollte. Er predigte über das Thema "Heiligung", und in mir war solch ein Wunsch, dass er uns über dieses teure Thema eine volle Predigt bringen möchte. Nun, kaum hatte er begonnen, da geschah bei ihm eine Verwandlung, und meine Sorge, dass er einen körperlichen Zusammenbruch erleiden würde, war sehr bald geschwunden. Der müde Blick und der Anschein von Gebrechlichkeit waren bald verschwunden, und die wunderbaren Worte, die er sprach, waren voller Kraft und Autorität. Ich war bald in die herrlichen Wahrheiten der Predigt versunken und nahm meine Umgebung gar nicht mehr wahr. Als er sich setzte, waren wir überrascht, festzustellen, dass er drei Stunden gepredigt hatte, denn uns allen erschien die Zeit sehr kurz.
Der tiefe Eindruck der Demut in diesem Mann Gottes, und die göttliche Kraft mit der er predigte, hatten folgende Wirkung auf mein Herz: Wenn dieses "nur einer von den Geringen Gottes" ist, wo würde dann solch ein unwissender Anfänger, wie ich es bin, seinen Platz finden? Meine Vorstellung von einem Prediger wurde gründlich verändert, und lange Zeit fiel es mir schwer zu glauben, dass es für mich in diesem Amt einen Platz geben würde. Aber ich hatte das Vorrecht, nach diesem Tag in einer Reihe von Versammlungen zu Bruder Warner's Füßen zu sitzen, und das hat mir sehr geholfen in tiefere Demut zu sinken, und durch die Gnade Gottes meinen Platz in dem Leib, der Gemeinde, zu finden. Dieser Eindruck der Demut blieb bei mir in all den Jahren, und hat mich oft in Zeiten bewahrt, wo ich versucht wurde, mich selbst zu erheben.

Eine weise Antwort
In einer der Versammlungen, die Bruder Warner und seine Company in unserer Nachbarschaft durchführten, interessierte sich mein älterer Bruder sehr für den schönen Gesang dieser Gruppe. Er hörte guten Gesang leidenschaftlich gern, und obwohl er tagsüber schwer gearbeitet hatte, konnte er von den Abendversammlungen nicht wegbleiben. In seinem geistlichen Leben war er aber zurückgegangen, und er wusste, dass er an den Maßstab, den Bruder Warner verkündigte, nicht heranreichte. Am Schluss einer Abendversammlung traf Bruder Warner meinen Bruder und fragte ihn, wie es mit seiner Seele stehe. Er antwortete: "Ich muss einfach bekennen, dass ich nicht genug Verstand habe, um Heiligung zu verstehen." Diese Worte sprach er in einem widerstrebenden und selbstgerechten Geist. Bruder Warner schaute ihn mit einem liebevollen und sanftmütigen Lächeln an und sagte: "Gott segne dich, Bruder John, dazu braucht man nicht viel Verstand."
(Bruder Warner hatte die Eigenart, eine schlagfertige und weise Antwort zu geben, und antwortete oft vom Standpunkt und mit den Worten des Gegners. Man erzählt, dass er in einer bestimmten Versammlung über Heiligkeit predigte. Nachdem er geendet hatte, stand ein Gegner auf, der lautstark die Lehre verwarf. Zum Schluss sagte dieser: "Ich bete zu Gott, dass er diese alte Lehre von der Heiligkeit in alle vier Winde der Erde verstreut." Sofort antwortete Bruder Warner darauf mit einem lauten "AMEN"! Die Wirkung war großartig, und die Gegner waren verblüfft.)

Wie ein Sieg durch Gebet errungen wurde
Als Bruder Warner bei uns in San Diego, California, war, brachte er eine Reihe von Vorträgen über die Offenbarung, und predigte hart gegen den Irrtum des "Tausendjährigen Reichs" (Millenium). Ein Prediger, der sich zu uns hielt und bis dahin die Wahrheit scheinbar gerne annahm, doch in diesem Punkt noch kein Licht hatte, nahm sehr Anstoß an der Predigt, die Bruder Warner an dem Abend hielt. Er schien seine Geduld zu verlieren und wurde wütend. Er ging zu Bruder Warner, ehe die Versammelten den Raum verlassen hatten, und mit lauter Stimme und Bitterkeit im Angesicht sagte er: "Der Herr zeigt mir, dass du vom Teufel bist." Er hatte kaum seine Worte ausgesprochen, da viel Bruder Warner vor den Füßen seines Anklägers auf seine Knie und begann zu beten.
Ich hatte noch nie zuvor so ein mitleidvolles Gebet gehört, als da er sein Herz vor Gott für diesen lieben Mann ausgeschüttet hatte, der einen solchen Vorwurf gegen den Knecht des Herrn hervorbrachte. Er betete, dass dieser Mensch doch seinen Irrtum einsehen und Gott ihm die Wahrheit klar machen möge und Er auch die Leute segnen möge, die nun dastanden und Zeugen dieser Szene von christlicher Unhöflichkeit waren usw. Wir alle waren von dieser ungewöhnlichen Handlung so schockiert, dass wir nichts anderes tun konnten, als zu stehen und zuzuschauen, welches wir auch taten, bis das Gebet beendet war. Als er sein Herz im Gebet ausgeschüttet hatte, stand er still von seinen Knien auf und ging weg.
Selten habe ich einen Menschen gesehen, der verblüffter war, als dieser Ankläger. Während des Gebets, hatte er wie angenagelt dagestanden, und mit leichenblassem Gesicht auf Bruder Warner herabgeschaut. Er ließ die Arme einfach hängen, und schien wie gelähmt zu sein. Er blieb sogar noch eine Weile so auf dem Fleck stehen, als Bruder Warner schon von seinen Knien aufgestanden war. Die Versammelten verließen dann den Raum und schließlich nahm auch der Mann seinen Hut und ging, ohne ein Wort zu sagen.
Am nächsten Abend, in Gegenwart einer großen Versammlung, stand dieser Mann auf und kam zu Bruder Warner nach vorne. Er weinte und bat demütig um Vergebung wegen des großen Unrechts, dass er ihm und der Versammlung zugefügt hatte. Er sagte, der Herr habe ihm gezeigt, dass Bruder Warner recht habe, und er tat alles, was man nur erwarten konnte, um mit Gott ins Reine zu kommen. Von der Zeit an, war er ein starker Vertreter der Wahrheiten der Reformation. Die Weisheit Gottes, die in diesem Moment der plötzlichen überraschung offenbart wurde, in dieser kritischen Situation, hatte eine wunderbare Wirkung auf die Menschen.
J. W. Byers, 618 Palm Ave., Fresno, California

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Sehr früh in meinen Erfahrungen mit der Reformation, wohnte ich im Heim von Bruder und Schwester Fry, in Michigan. Schon längere Zeit hatte ich es mit Anklagen zu tun. Bruder Warner wurde erwartet, um in der Nähe von ihrem Heim eine Zeltversammlung durchzuführen. Ich nahm mir vor, dass, wenn er da ist, ich zu ihm gehen und ihm erzählen würde, dass ich abgefallen sei und ihn bitten würde, mit mir zu beten. Ich sah ihn erst kurz bevor er zum Predigen aufstand, und daher hatte ich ihm auch noch nichts über meinen Zustand erzählt. Aber ich werde die Predigt nie vergessen. Er stand auf, und mit Tränen in den Augen brach er das Brot des Lebens, meine Anklagen waren vergessen, und meine Seele wurde herrlich erquickt. Man musste an die Worte Jesu denken: "Weide meine Schafe."
Ein andermal, auf dem alten Lagergrund in Deerfield, Indiana, ging ich an einem Morgen hinter ihm zur Versammlung. Und obwohl er immer gebrechlich wirkte, so schien es an diesem Tag schlimmer mit ihm zu sein, so dass er beim Gehen fast wankte. Nach dem Gesang knieten wir alle zum Gebet, und Bruder Warner betete: "Nun, Herr, Du hast mir diese Botschaft auferlegt; jetzt gib mir Kraft." Er sprang auf seine Füße, und hüpfte durch den ganzen Raum. Er hielt eine lange Predigt. Das machte einen bleibenden Eindruck auf mich, denn ich wusste, dass er seine Hilfe direkt vom Himmel bekam.
J. W. Daugherty, Glenville, Nebraska

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Man müsste viel mehr Platz haben, als mir hier zur Verfügung steht, um auch nur die Hälfte von dem zu erzählen, was mir aus dem Leben von D. S. Warner besonders in Erinnerung geblieben ist und mich beeinflusst hat. Da er die letzten Jahre seines Lebens in meinem Heimatort verbrachte, und oft im Heim meiner Eltern war, war ich mit ihm von der frühesten Erinnerung aus meiner Kindheit an, bis zu meinem sechzehnten Lebensjahr, als er starb, persönlich bekannt. Da ich ihn zu einer Zeit meines Lebens kannte, wo man besonders beeinflusst werden kann, prägten sich eine Vielzahl von Ereignissen unauslöschlich in mein Gedächtnis.
Ich werde nur drei von diesen Erlebnissen erwähnen. Das erste ereignete sich im Herbst 1890. Eine Versammlung wurde in Geneva Center, südwestlich von Lacota, Michigan, gehalten. An einem Tag wurde ein besonderer Gottesdienst für Kinder durchgeführt, und ich saß in der vordersten Reihe, und hörte von Bruder Warner freundliche, überzeugende Worte der Belehrung und Ermahnung. Am Schluss seiner kurzen Rede fragte er: "Wieviele von Euch, Kindern, möchten ihr Herz dem Herrn schenken?", und dann, ohne auf eine Antwort zu warten, wandte er sich zu mir um, aus seinen freundlichen Augen strahlten Liebe und Zärtlichkeit, und fragte: "Willst du jetzt gerettet werden?" Augenblicklich war mein Herz gerührt. Ich kniete am Altar und Bruder Warner kam und betete für mich. Er legte seine Hände auf mein Haupt, und sagte: "Herr, schenk diesem Jungen ein neues Herz; nimm von ihm das steinerne Herz und gib ihm ein fleischernes." Umgehend spürte ich, wie Gott mich berührte. Ich war aus dem Geist geboren. Mein junges Herz war mit heiliger Freude erfüllt. Kann ich jemals den freudigen Moment vergessen? Nicht solange ich das Dasein habe! Wenn die Zeit, wie wir sie kennen, ein Ende hat, wenn die alte Erde müde geworden ist und sich nicht mehr dreht, wenn alle Sterne es vergessen haben zu leuchten, dann werde ich immer noch Gott für die Offenbarung des göttlichen Lebens preisen, das meine Seele an jenem herrlichen Morgen entzückte. Und wenn ich über die grünen Auen des himmlischen Paradieses wandere, oder mich zu meinem Herrn in der Stadt Gottes setzten werde, dann will ich meine Bekanntschaft mit Bruder Warner erneuern und ihm danken, für das, was er für mich getan hat.
Bruder Warner's Predigen übte stets einen unwiderstehlichen Reiz auf mich aus. Seine Lehrpredigten ergriffen mich, besonders die, welche dem prophetischen Thema gewidmet waren. Deutlich kann ich mich an eine Predigt über die Prophetie erinnern, die er auf dem Lagergrund in der Nähe von Grand Junction, Michigan, brachte. Sie machte auf mich einen bleibenden Eindruck. Obwohl er vier Stunden und zehn Minuten gepredigt hatte, schien die Zeit nicht lang zu werden. Ohne Zweifel beruht mein späteres Interesse an Lehrthemen, jedenfalls zum großen Teil, auf diese frühen Eindrücke, als der Geist Gottes die Wahrheiten seines Wortes in meine Seele einprägte.
Das dritte Ereignis, das ich erwähnen werde, ist eine Predigt, die Bruder Warner kurz vor seinem Tod hielt. Sie wurde auf dem Lagergrund gebracht. Das Thema war: "Der Himmel". So anregend war die Botschaft, dass sie in mir ein starkes Sehnen nach diesem Ort des Lichts und des Lebens weckte - ein Sehnen, dass noch immer in mir ist.
F. G. Smith, Anderson, Indiana

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Ich kann es nicht in Worten ausdrücken, wie Bruder Warner mir zur Hilfe und zum Trost wurde. Sehr gut erinnere ich mich an die bitteren Verfolgungen, denen er und seine Company hier im Süden ausgesetzt waren. Sein reines, heiliges Leben und das entschiedene Predigen sind im Süden noch immer lebendig. Ich erinnere mich, ihn an einem Abend über die Einheit des Volkes Gottes predigen gehört zu haben. Er war so mit dem Heiligen Geist erfüllt, dass er sprang und Gott pries. Die Decke des Raumes war sehr niedrig. Er sagte, die Sprünge in seiner Seele, seien höher als die Decke dieses Hauses. Jedesmal wenn er sprang, dachte ich, er würde gegen die Decke stoßen. Er und seine Company waren in unserem Haus, in Spring Hill, als der wütende Pöbel ihm nachstellte. Aber der Herr hat ihn bewahrt.
Frau Demaris (Smith) Vance, Meridian, Mississippi

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Bruder Warner war der Mann, unter dessen Predigt ich zur Erlösung überführt wurde. Ich hatte einen Weg von 24 km gemacht, um ihn zu hören, und als ich auf dem Lagerplatz ankam, traf ich einen alten Bekannten, der einer der schlimmsten Menschen war, die ich je kannte. Er sagte zu mir: "Preis dem Herrn, ich freue mich, dass du hier bist." Da empfand ich, dass es vielleicht auch für mich noch eine Gelegenheit gibt, frei von den Sünden zu werden, die mich hielten. Als ich an dem Abend zur Versammlung ging, zeigte man mir Bruder Warner, und ich dachte bei mir: "Ich fürchte, an dem ist wohl nicht viel dran." Doch sie sangen, und Bruder Warner begann zu predigen. Nie hatte ich einen Menschen so predigen gehört. Nach der Versammlung wurde für einige gebetet, und sie wurden geheilt. Als ich da stand kam etwas über mich, dass mich wieder aus meinen Fingerspitzen zu verlassen schien. Ich sagte mir, dass dieses die erste Lagerversammlung sei, an der ich teilgenommen habe, die nicht durch Satan regiert sei, und dass, wenn ich diese Religion bekommen könne, sie mich vor der Hölle bewahren würde.
An einem Tag stand jemand auf und bezeugte, dass er immer noch Tabak kaute, und bat alle, für ihn zu beten, damit er bis ans Ende ausharren könne. Darauf bemerkte Bruder Warner, dass alle Heiligen für Jesus zeugten, aber dieser Mann sei aufgestanden und habe für seinen Tabak gezeugt. Solche Redensart war vielen von uns neu. Bruder Warner war einer der größten Prediger, die ich je hörte. Gott bekannte sich zu ihm mit solcher Kraft, wie es wohl bei keinem anderen in jener Zeit der Fall war.
R. H. Owens, Mt. Pleasant, Louisiana

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Während einer Waldversammlung in der Nähe von Antwerp, Ohio, kamen einige Rowdys, um die Versammlung aufzulösen. Sie teilten sich in zwei Gruppen. Die eine Gruppe sollte auf der einen Seite und die zweite Gruppe auf der anderen Seite des Versammlungszeltes vorbeiziehen. Sie waren bereit, Eier zu werfen, aber die Führer der beiden Gruppen sagten: "Wirft erst, wenn etwas gesagt wird, das dieses rechtfertigt." Sie nahmen ihre Stellungen ein und warteten. Bruder Warner war jauchzend und mit wunderbarer Salbung am predigen. Schließlich sagte der Führer, der einen Gruppe: "Ich werde es nicht erlauben, dass irgendetwas auf den Mann geworfen wird. Er predigt die Wahrheit; das ist ein Mann Gottes." Und somit zog sich die Gruppe zurück.
Sonderbarerweise taten die auf der anderen Seite dasselbe, und so trafen sich die beiden Gruppen wieder. Die einen fragten: "Warum habt ihr nicht geworfen?" Da fragten die anderen: "Warum habt ihr nicht?" Und der Führer antwortete, wie er zuvor gesprochen hatte. Schließlich sagte ein großer Bursche: "Nun, einen Wurf will ich aber trotzdem machen", und er warf ein Ei in die Versammlung. Es saß ein Mann, ein Sektierer, ziemlich weit vorne. Den traf das Ei genau ins Gesicht und lief an ihm herunter. Er hatte ziemlich herumgespuckt.
Während einer Versammlung in Rising Sun, Ohio - Bruder Warner betete gerade im Eröffnungsgottesdienst - warf jemand einen Satz Spielkarten über die Köpfe der Versammelten. Als dann nach der Predigt die Menschen die Karten aufsammelten, sagte er: "Amen, sammelt sie auf; der Teufel hat kapituliert; er hat sein Testament weggeworfen."
J. N. Howard, Nappanee, Indiana

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Ich bin Bruder Warner zum ersten Mal im Frühjahr 1891 im südlichen Indiana begegnet. Nie werde ich den Eindruck vergessen, den er auf mich machte, als er in unser Heim trat. Spürbar fühlte ich, wie die Gegenwart Gottes mit diesem Mann war. Damals führte er eine zweiwöchige Versammlung an unserem Ort durch. Eine Anzahl Seelen wurden gerettet. Der Widerstand türmte sich. Die Versammlungen fanden in dem Schulgebäude statt, das in der Nähe vom Versammlungsgebäude einer Sekte stand. Der Prediger, der dort Vorsteher war, versuchte Erweckungsversammlungen durchzuführen, aber es gelang ihm nicht. Ein Prediger war den ganzen Sonntag unterwegs, um Gesindel zusammenzutreiben, das den Bruder aus der Gegend vertreiben sollte, aber das Volk hörte seinen Predigten gerne zu. Durch seine Sanftmut und seine klare Verkündigung konnte er sie für sich gewinnen, so dass sie sich nicht auf die Seite der Gegner scharten.
Ich hatte zu einem späteren Zeitpunkt, das Vorrecht, ihn ungefähr drei Monate in unserem Heim zu haben. Es war in dieser Zeit, als wir mehr über sein Gebetsleben erfuhren. Mein Schwiegervater vertrieb ihn einmal aus dem Wald, wo er zum Gebet gewesen war. Jene Gebete aber, und seine Geduld und Ruhe, als er aus dem Wald vertrieben wurde, bewirkten, dass sich meine Schwiegermutter bekehrte.
Er besaß ein großes, mitfühlendes Herz und folglich konnte er die Traurigen wie kaum ein anderer trösten. Er predigte auf der Beerdigung meines kleinen Jungen, und seine Worte des Trostes waren wie ein heilender Balsam. Er und ich wohnten zusammen, als er einmal zehn Abende mit einem Prediger der Siebenten-Tags-Adventisten debattierte. Auch hier beeindruckte er mich, mit seinen mächtigen Gebeten. Nachdem er wieder auf unser Zimmer ging, rang er lange und ernstlich mit Gott im Gebet, ehe er sich zur Ruhe legte. Immer habe ich mich ihm, für dieses Vorbild im Gebet und im heiligen Wandel, zu Dank verpflichtet gefühlt.
C. E. Orr, Everett, Washington

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Wir waren ungefähr sieben Jahre zusammen mit Bruder Warner auf Evangelisationsreisen unterwegs. Wir haben, Winter und Sommer, unaufhörlich gearbeitet. Aufgrund meines persönlichen Umgangs mit ihm, wurde ich von seiner wahren Frömmigkeit und seinem echten christlichen Charakter beeindruckt. Er war ein Schüler von seltener Fähigkeit, und ein tüchtiger Prediger und Schreiber des Neuen Testaments. Er war weder leichtfertig noch sentimental und führte kein nutzloses Gerede. Er war nüchtern, ernst und eindrucksvoll in Wort und Tat. Nur wer, so wie er, geistlich und nahe bei Gott lebte, konnte sich in seiner Gegenwart und im Umgang mit ihm, wohlfühlen. Sein ganzes Leben und Streben galten der Ausbreitung des reinen Evangeliums und dem Wohlergehen der Seelen. Er benutzte in seiner Predigtweise keine leeren Worte. Seine Botschaften waren einflussreich und beeindruckend.
Ich erinnere mich, wie in Canada einmal Gottes Gegenwart in einer von seinen Predigten so spürbar war, dass nach der Predigt die ganze Versammlung wie ein Mann zum Gebet niederkniete, und beim Herrn Vergebung und Frieden suchte. Er war ein sehr beschäftigter Mann. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht war er am Studieren, am Schreiben, am Predigen oder dabei, einer notleidenden Seele behilflich zu sein. Er war wohltätig, mitfühlend, gastfreundlich und selbstverleugnend. Sein Leben war voll von beständigem Frieden und Sieg. Ich kann gar nicht ermessen, wie wertvoll mir diese langjährige, persönliche Bekanntschaft ist.
Gott hatte ihn offenbar zum großen Reformator erwählt. Obwohl er demütig, milde und sanft war, so war er aber gleichzeitig heldenmutig und furchtlos wie ein Martin Luther. Wir täten gut daran, seine Schriften zu erhalten, und sein Vorbild zu beachten, denn dadurch würden wir für Gott und für Seelen wertvoller werden.
B. E. Warren, Springfield, Ohio

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Ich habe das Vergnügen, ein paar Zeilen liebevoller Erinnerung an unseren verstorbenen Bruder, D. S. Warner, beizutragen. Unser himmlische Vater führte es so, dass meine liebe Frau und ich, etwa fünfzehn Monate vor seinem Tode, bei Bruder und Schwester Warner wohnen durften. Ich kann in aller Wahrheit bezeugen, dass er das Evangelium, das er gepredigt hat, auch auslebte. Er war immer fröhlich, liebevoll und herzlich in brüderlicher Liebe gegen alle, die um ihn waren, bereit, weisen und väterlichen Rat zu erteilen. Er war sehr fromm und dem Gebet in seinem Heim ergeben. Er verbrachte viel Zeit in seiner Bibliothek mit seinen Büchern und Bibelübersetzungen, hat viel geschrieben und korrespondiert, wobei ihm seine Frau viel geholfen hat. Das Buch "Erlösung: Gegenwärtig, Vollkommen, Jetzt oder Nie", schrieb er während dieser Zeit, und er las uns das Manuskript vor, ehe es gedruckt wurde.
Er sprach gerne über die göttliche Führung in seinem Leben; wie ihn Gott Schritt für Schritt aus Irrtum und Verwirrung geführt hat, und über den großen Widerstand, wie er durch falsche Brüder gewaltsam verfolgt wurde, wie seine Frau betört wurde und sich von ihm trennte, usw. Er erzählte, wie Gott ihm das sektierische Babylon der Offenbarung offenbarte, und ihm zu verstehen gab, dass er seine Stimme dagegen erheben und ihre Sünde bloßstellen müsse; wie sich Babylon gleich einem riesigen, schwarzen Berg vor ihm auftürmte, und das Gott ihn, ein Würmlein, gebrauchen wollte, ihn zu dreschen, und wie er vor dieser scheinbar unüberwindbaren Mauer zurückschreckte. "Gott ließ mich erkennen," sagte er, "dass ich nur eine kleine Maus bin, dass aber Er Seine Hand über mich hielt." Und das hat ihn ermutigt.
Einige von uns wissen, was Gott durch ihn erreichen konnte, und die Ergebnisse sind herrlich. Wahrlich, durch diesen redet Er noch, obgleich er gestorben ist!
Curtis W. Montgomery, 27. Chestnut St., Marcus Hook, Pennsylvania

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Im Winter 1888/89 kamen die Brüder Geo. T. Clayton und Charles Koonce in unsere Umgebung, in der Nähe von Cochran's Mills, Armstrong Co., Pennsylvania, und predigten, was allgemein als "eine neue Lehre" bezeichnet wurde, ein "alles auf den Kopf stellen". Ich war ein Junge von sechzehn Jahren, und am ersten Abend ging ich etwa 6,5 km zur Versammlung. Die erste Botschaft machte einen tiefen Eindruck auf mich. Durch diese Versammlungen entstand eine Gemeinde, die für die Wahrheit stand.
Wenige Wochen nach diesen Versammlungen, kamen Bruder Warner und seine Company. Sie kamen mit einem leichten Pferdewagen aus Blanco, Pennsylvania, eine Entfernung von etwa 48 km. Ich arbeitete gerade mit meinem Vater auf dem Feld, als sie auf der Straße entlangfuhren, das Lied "Strom des Friedens" sangen und "Halleluja!" riefen. So eine Szene hatten wir noch nie gesehen. Singen und Jauchzen auf den öffentlichen Straßen war in jenen Tagen ein Merkmal von Bruder Warner's Company. Nachts liefen Menschen zu den Fenstern, um den Gesang zu hören und sagten: "Die Engel kommen."
In jener Versammlung predigte Bruder Warner nur lehrmäßig. Es war uns allen neu, aber in meinem Herzen festigte sich die überzeugung, dass diese Leute die Wahrheit hatten und nie konnte ich sie wieder loswerden. Ich sagte, dass ich diese Art Religion haben wollte.
Im August 1892 nahmen wir an der Lagerversammlung in Perryville, Pennsylvania teil. Ich erinnere mich noch sehr wohl daran, wie ich vom Lagergrund zum Bahnhof ging, um noch etwas Gepäck abzuholen, und wie ich unterwegs Bruder Warner und seiner Company begegnete, die gerade eintrafen. Zuerst haben sie mich nicht erkannt, aber als ich "Preis den Herrn" sagte, erhob sich Bruder Warner in dem Pferdewagen, hob seine Hand zum Himmel, und rief aus voller Kehle, "Halleluja! preist unsern Gott für eine ewige Erlösung!", und die ganze Company stimmte ein, mit lautem "Amen" und "Ehre sei Gott!"
Auch in diesen Versammlungen predigte Bruder Warner fast nur lehrmäßig. Die großen fundamentalen Wahrheiten des vollen Heils, der Heiligkeit, der Gemeinde, der Einheit und des Sturzes des sektierischen Bablyons, und des Rufes, aus ihr auszugehen, des großen Abfalls, der letzten Reformation, der göttlichen Heilung usw. wurden kompromisslos und entschieden gepredigt. Ich möchte sagen, Brüder, diese Art von Predigt hat die Heiligen gestärkt, den heiligen überrest aus dem Schoß des Irrtums klar herausgeführt, und die Grenze in einer solchen Weise gezogen, dass Menschen den Weg nach Zion sahen und in ihrer Freiheit frohlockten. Sünder konnten sich unter dieser Predigt gründlich bekehren. Sie waren keine Totgeburten. Am Altar drangen Seelen gewöhnlich mit einem Jauchzen durch. Es war nicht ungewöhnlich, während der Predigt zu sehen, wie einhundert Heilige stehend jauchzten, während auch Bruder Warner hüpfend "Feuer! Feuer!" rief. Wir alle wurden davon angesteckt, und Springen und Jauchzen am Rednerpult waren Merkmale der meisten Prediger in jener ersten Zeit.
Im Sommer 1893 nahmen meine Frau und ich an der Lagerversammlung in Grand Junction, Michigan, teil. Als der Zug aus South Haven am Bahnhof hielt, hörte ich ein lautes Jauchzen, und als ich zum Trumpet Office (Verlagsgebäude der Evangeliums Posaune) hinschaute, sah ich Bruder Warner springen und jauchzen, und als die Heiligen den Zug verließen, rief er aus voller Kehle: "Der heilige überrest strömt herbei!" Das war eine gewaltige Versammlung, die mächtigste, der ich je beiwohnte. Wunder geschahen, und "von denen, die unreine Geister hatten, fuhren sie aus, mit lauter Stimme schreiend".
Bruder Warner hat mich, als Mann von tiefer Frömmigkeit und Geistlichkeit, beeindruckt. Er war sehr demütig und weichherzig. Ihrer viele waren die warmherzigen Ratschläge und Ermahnungen, die er unter Tränen, und mit einem "Gott segne dich, mein lieber Bruder", an die jüngeren Prediger gerichtet hat. Er war ein sehr fähiger Mann in der Schrift und, was die Prophezeiungen betraf, einer der tiefsten, die ich je gehört habe. Er war nicht schnell, in anderen Fehler zu suchen, aber sehr wohl im Stande, falsches Tun bloßzustellen, wenn er es deutlich in jemandem erkannt hatte. Er hat sehr bestimmt und entschieden gepredigt, und nur die Ewigkeit wird zeigen, was er wegen seiner mutigen Verteidigung dessen, was er als Wahrheit erkannt hatte, zu leiden hatte. Wir, die wir ihn am besten kannten, haben seine Aufrichtigkeit nie in Frage gestellt. Er war im wahrsten Sinne des Wortes ein Reformator. Der Einfluss, der von seinem Leben und seinem Dienst ausging, wird bis ans Ende der Zeit mächtig fortschreiten. Die Grundsätze, die er vertrat, werden allenthalben mehr und mehr von geistlichen Menschen anerkannt, und dem Feuer der Reformation ist es beschieden, über die Erde zu fegen bis:

"Das kostbare Heil wird umgürten die Welt
Und "Heilig dem Herrn" herrschet von Ort zu Ort;
Bis jede Nation wird vom Lichte erhellt,
Und wandelt im ewigen Lichte des Worts."

H. M. Riggle, Akron, Indiana

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Als junge Mitarbeiterin in Bruder Warner's Company für einige Monate, wurde ich von seiner Freundlichkeit, Höflichkeit und Demut tief beeindruckt. Oft ermahnte er die jungen Prediger und Mitarbeiter, Demut des Herzens zu suchen, und häufig erzählte er von einer persönlichen Erfahrung im Gespräch mit dem Herrn, wo der Herr zu ihm sagte: "Sei demütig, mein Kind, sei demütig."
Er hatte eine große Bürde für die Zusammenführung des Volkes Gottes, für das Wohl Zions und für die Errettung der Verlorenen. Zu diesem Zweck weihte er seine Zeit, seine Talente und seine Mittel und war derart selbstverleugnend, dass er seinen letzten Pfennig mit den Notdürftigen geteilt hätte.
Wenn er den Entwurf für ein biblisches Thema oder für eine Predigt fertig hatte, sagte er: "Hier ist das Gerippe, ich verlasse mich auf den Herrn, es mit Fleisch zu versehen." Ich hörte ihn sagen: "Satan nimmt uns in sein Sieb, um all das Gute aus uns zu sichten; Gott nimmt uns in sein Sieb, um all das Böse aus uns zu sichten."
Bruder Warner war ein "Sohn des Donners" wenn es darum ging, gegen falsche Religionen die Wahrheit zu verkündigen, aber im Umgang mit Irrenden, "klug wie eine Schlange und einfältig wie eine Taube".
Nora Hunter, San Diego, California

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Auch ich möchte über Bruder Warner ein persönliches Zeugnis geben. Es war am 07. April 1888, im elterlichen Hause, in Albany, Illinois, als ich seine Bekanntschaft machte. Er war mit seiner Company auf der Rückreise von ihrer Tour durch den Westen. Ich hatte während des vorherigen Winters in einer Schule, in Iowa, unterrichtet, und hatte mich auch für das Frühjahrssemester verpflichtet. Dazwischen lag ein zweiwöchiger Urlaub und ich hatte mich entschieden, diesen zu Hause zu verbringen. Wie wunderbar kann sich der Lauf des Lebens auf Grund von einer einzigen Entscheidung verändern, die zunächst von gar keiner großen Bedeutung erscheint. Während dieser zwei-wöchigen Pause lernte ich Bruder Warner kennen und kam mit der Reformations-Bewegung in Berührung.
Die kleine Company von Evangelisten traf, am bereits erwähnten Tag, bei uns zu Hause ein. Sie wurden durch die Brüder Knight und Daniels, vom Heim des ersteren, wo sie am Tag vorher eingetroffen waren, zu uns gebracht. Mein Vater und ich waren gerade unterwegs, um für die Versammlungen ein Schulgebäude zu besorgen. Als wir zurückkamen, standen zwei Männer, einer von ihnen Bruder Warner, an unserem Tor und unterhielten sich. Mein Vater machte sich mit ihnen bekannt, dann stellte er auch mich vor und erwähnte, dass ich mich erst vor kurzem bekehrt hätte. Als Br. Warner mir daraufhin die Hand reichte, sagte er anerkennend: "Nun, das ist eine gute Nachricht", und aus seinen milden, blauen Augen strahlte dabei eine christliche Liebe und Güte, die einen bleibenden Eindruck auf mich machten. Dass er so im Geiste frohlocken sollte, als er von meiner Bekehrung erfuhr, schien mir einen geistlichen Auftrieb zu geben, und ließ mich geistliche Dinge höher einschätzen. In der Woche, als Bruder Warner und seine Company bei uns waren, schien unser Heim ein himmlisches Paradies zu sein. Ich betrachte jene Woche als die bedeutendste und schicksalhafteste in der ganzen Geschichte meines Lebens. In dem fröhlichen, siegreichen Geist dieser teuren Heiligen lag etwas, dass das Christentum in meiner Vorstellung sehr erhob, und als etwas sehr Begehrenswertes darstellte. Der Eindruck, der damals auf mein junges Herz gemacht wurde, kann nie ausgelöscht werden.
Meine Mutter hatte damals schon die Posaune gelesen und sie stellte sich Bruder Warner als einen großen und wunderbaren Mann vor. Als sie Bruder Warner kennenlernte, rief sie daher aus: "Und dies ist Bruder Warner!" Er antwortete darauf: "Ja, und er ist der geringste Mann, den du jemals gesehen hast."
In den Versammlungen, die dann folgten, unterwies er mich in meiner übergabe zur Heiligung. Als ich mich erhob, bereit, es auf Gottes Verheißung hin zu wagen, erkannte er meinen Glauben und bahnte vor mir den Weg, dadurch, dass er mit mir die Verheißung für mich in Anspruch nahm.
Als meine Mutter im Juli 1894 starb, war ich im Verlagswerk in Grand Junction beschäftigt. Im Telegramm, welches mir ihren Tod meldete, stand auch "Bringe Bruder Warner." Diese Mitteilung traf spät am Abend ein, und Bruder Warner hatte sich schon zur Ruhe gelegt. Ich ging auf sein Zimmer und teilte ihm den Wunsch mit. Er fühlte sich gesundheitlich nicht wohl, und überlegte ob nicht Bruder -- an seiner Stelle fahren könnte. Ich wusste, dass keine andere verfügbare Person so befriedigen konnte wie Bruder Warner und brachte ihm gegenüber dieses auch zum Ausdruck. Schließlich willigte er ein. Obwohl er schwach und müde war, verließ er das Bett und machte sich fertig zur Reise. Er drücke sich nie vor dem, welches als Pflicht zu verstehen war. Er vertraute dem Herrn, allen Bedarf zu erfüllen, und der Herr hat ihn nicht enttäuscht. Wir mussten einen Nachtzug nach Chicago nehmen und noch ehe wir die Stadt erreichten, fühlte er sich stärker als beim Antreten der Fahrt und dieses, obwohl er seine Ruhe entbehren musste. Er predigte die Traueransprache, schrieb einen ziemlich langen Nachruf und ein Gedicht und willigte sogar ein, in einem Abendgottesdienst zu predigen. Es war wunderbar, wie Gott ihm in allen Bedürfnissen zur Stärke wurde. Sein Leben schien ein andauerndes Wunder zu sein.
Ich bin mit ihm gereist, habe mit ihm übernachtet, habe an seinen Versammlungen teilgenommen und, in Verbindung mit ihm, redaktionell gearbeitet. Auf dieser Weise habe ich ihn von Nahe kennengelernt. Er war immer gottesfürchtig, demütig, liebevoll, ergeben, voller Glauben und von solch einfältigem Herzen, wie man es nur selten unter Menschen findet. Sein Leben, so vorbildlich, war ein anschaulicher Beweis von dem, was im christlichen Leben erreicht werden kann, und was Gott für und durch schwache Menschlichkeit zu tun vermag. Es war eine Inspiration, von seinem christlichen Geist berührt zu werden. Und somit verehren wir nicht den Menschen - denn abgesehen von dem göttlichen Einfluss, der sein Leben bestimmte, wäre er nicht außergewöhnlich gewesen - vielmehr verherrlichen wir Gott, der ein derart demütiges Werkzeug nehmen kann und nachdem er dieses Geschöpf umwandelt, es so zu benutzen vermag, dass sein Werk auf Erden vollbracht werden kann. Es ist der Christus im Menschen, den wir verehren und dem wir nachfolgen sollen.
A. L. Byers

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Der Leib von D. S. Warner liegt ganz in der Nähe wo er fiel, an einem recht einsamen Ort in einiger Entfernung vom Durchgangsverkehr, in einem spärlichen Wäldchen am Rande des Lagergrunds in Grand Junction, Michigan. Die wenigen anderen Gräber und die Nähe zu den leerstehenden Schlafkabinen auf dem Lagergrund, geben diesem Ort einen verlassenen Anblick. Es ist ein Ort der Rückbesinnung. Durch eine sich wiederholende Reihenfolge von aufbrechenden Knospen im Frühjahr, von erfrischenden Tauen des Sommers, von seufzenden Brisen, von sanft fallendem Laub des Herbstes und strengen Winterstürmen, die alles mit einem Schleier aus Schnee einhüllen, spricht hier die Natur, leise aber deutlich, vom kurzen Lebensweg auf dieser Erde, vom Grab, das unser letzter Ruheort ist, und von der Tatsache, dass wir "hier keine bleibende Stadt haben, sondern die zukünftige suchen". An diesem Grabe stehend, denkt man nach über die wunderbaren Leistungen, die sich in jene kurze Laufbahn drängten, und über den Lohn eines Leben des treuen Dienstes. Und man spürt, wie aus der Tiefe des Herzens der Entschluss quillt, mag kommen an Mühen und Selbstaufopferung was da will, mag kommen an Schande und Verfolgung, um Jesu Willen, was da will, "Meine Seele sterbe den Tod der Aufrichtigen, und mein Ende sei gleich dem ihren!"