Biblische Demut

W. Byers

"Alle aber umkleidet euch mit Demut im Umgang miteinander, denn Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade. Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit" (1. Petr. 5:5.6).

Das Wort "demütigen" im vorhergehenden Vers bedeutet "sich selbst erniedrigen". In Sprüche 6:3 nimmt das Wort eine noch tiefere Bedeutung an: "wirf dich nieder" (Schlachter, Menge), "auf sich selbst herumtrampeln" (Engl. übersetzung). Aus diesen zwei Texten geht ein sehr wichtiger Gedanke hervor. Sie deuten uns die richtige und biblische Stellung unseres Ichs an. Viele andere Schriftstellen könnten hinzugefügt werden, aber ich glaube, dass diese ausreichen.

Es ist hier nicht von unserer fleischlichen Natur oder des sündigen Ichs die Rede, denn über diese ist bereits das Todesurteil gesprochen worden. Diese Dinge müssen gekreuzigt und verworfen sein; ein Prozess, der selbstverständlich tiefe Erniedrigung und das Aufgeben unseres Willens an Gott in der Heiligung einschließt. Was aber erniedrigt und zertreten und unter die mächtige Hand Gottes gestellt werden soll, das ist unser Individuum, Seele und Leben, einschließlich unseres Leibes. Das "Gottes-Leben" kann sich in dieser Welt nicht vollkommen offenbaren, bis das "Selbst-Leben" in die Tiefen der Demut gebracht wird und in der wahren Stellung der Ergebenheit erhalten bleibt. Dies ist ein notwendiger Teil unseres Daseins und notwendig in dem Dienst für Gott. Wo es am rechten Platz steht, wird es das Medium zur Darstellung des "Gottes-Lebens" in unserer Umgebung sein und spielt die gleiche Rolle in unserem Verhältnis zu Gott wie die Füße zum Körper. Es darf darum nicht zerstört oder als wertlos angesehen werden, denn Gott wird es vielmehr zu seiner Ehre und Herrlichkeit dienen lassen, wo wir seinem Willen sanftmütig ergeben sind.

Unsere ganze Einstellung zu Gott muss völlige Ergebenheit sein; immer bereit und willig, ihn zu verherrlichen, ohne das geringste Verlangen, auch selbst etwas Ehre zu bekommen. Immer bemüht sein, Ihn in dieser Welt darzustellen, ohne das geringste Begehren auch sich selbst darzustellen; immer danach zu trachten wie es Jesus tat, "nicht meinen Willen, sondern den Willen des, der mich gesandt hat". So wie man nicht von einer Rebe spricht, wenngleich sie mit den wohlschmeckendsten Früchten beladen ist. Der Weinstock bekommt das Lob. So sollen wir als Reben sanftmütig und demütig die köstliche Frucht Christi tragen - mit jedem Schritt ihm zur Ehre, bereit, außerhalb des Blickfeldes zu stehen, damit er immer verklärt wird.

Aus der Wortwahl des Textes geht hervor, dass dieses Erniedrigen in Demut in unserer Macht liegt. Wenn es auch alles durch die Gnade Gottes geschieht, so wird doch ein wesentlicher Teil von uns erwartet. "Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes", so lautet der Befehl. Wir lesen in der Schrift, dass Gott manchmal sein Volk hat demütigen müssen, damit er verherrlicht und sie Nutzen daraus ziehen konnten. Andere Fälle finden wir, wo sich das Volk selbst demütigte. Die Selbsterniedrigung dient mehr zur Verherrlichung Gottes und ist seinem Volk weit nützlicher. In dem einen Fall wird Erniedrigung erzwungen, und im anderen Fall ist sie angenehmer Gottesdienst, der entsprechend größere Segnungen zur Ehre Gottes und zu unserm Wohl zufolge hat. In dem einen Fall ist sie notwendig, den Gedemütigten im Heil zu bewahren. In dieser Art der Erniedrigung ist kein gewinnbringender Dienst noch ein Fruchttragen für die Ewigkeit möglich. Dagegen wird im anderen Fall das ganze Leben ein beständiges Fruchtbringen.

O ihr Lieben, lasst uns unter die mächtige Hand Gottes demütigen! Wir haben in unserer bösen Zeit keinen anderen Ort der Sicherheit gegen die schrecklichen Mächte des Teufels, der umhergeht wie ein brüllender Löwe und zu verschlingen sucht, wen er kann. Die mächtige Hand Gottes ist unser sicherer Schutz, aber nur, wenn wir uns selbst unter diese Macht stellen.

Durch die Tiefen der Demut begeben wir uns in einen herrlichen Schutz, wo uns der Feind nicht antasten kann. Nur in diesem Zustand können wir fest im Glauben widerstehen und seine listigen Anläufe, mit denen er uns überwinden will, erkennen.

Der apostolische Glaube kann nicht ohne die apostolische Demut erlangt werden. Dies wurde mir in einem Traum durch den Heiligen Geist gezeigt. Mir träumte, dass ich in der Versammlung von Heiligen war, die für Kranke beteten und Teufel austrieben. Der Kampf wütete. Wir waren mit ganzem Ernst dabei, als ich mich plötzlich absinken sah. Die Erde unter mir gab nach. Ich sah, dass wir alle nach unten sanken. Wir waren darüber nicht ängstlich und hielten still. Sehr schnell sanken wir in unermessliche Tiefen, bis wir endlich eine schöne, weite Landschaft erreichten; aber um uns herum lag eine große Anzahl Menschen mit allerlei Krankheiten und solche, die von Teufeln besessen waren. Dieser Anblick hat uns so angespornt, dass wir Gott aufs Neue um Glauben anriefen, um auch die Befreiung dieser Menschen zu erlangen. Während wir so zum Herrn aufschauten, sammelten sich diese Menschen um uns in Scharen; etliche schrieen um Hilfe, und andere, von Teufeln besessen, versuchten von uns zu fliehen. Wir aber riefen ihnen zu, dass sie alle im Namen Jesu Befreiung erlangen könnten. Wir berührten alle, die in Reichweite standen, und Apostelgeschichte 5:16 wiederholte sich. Ich erwachte und war überzeugt von der apostolischen Demut. Der teure Herr hat bisher viel für uns getan, und wir sinken immer tiefer, aber ach, welche Tiefen sind noch zu erlangen! Wir alle möchten auf eine höhere Ebene steigen, aber dieser Wunsch wird nur dann erfüllt, wenn wir tiefer in die Demut sinken.

Der teure Herr offenbarte mir, dass ich es versäumt habe, durch Vorbild und durch Belehrung diese Lehre entsprechend dem biblischen Maßstab so hochzuhalten, wie ich es allezeit hätte tun sollen. Ich bekenne hier mein Zukurzkommen und bitte um eure Gebete, dass ich die Zeit wiedergutmachen kann. Mein Zukurzkommen besteht darin, dass ich nicht genügend gegen die, die sich der Welt gleichstellen und gegen unbiblischen Schmuck, wie das Tragen von Gold und modischen Kleidern, Stellung genommen habe, und dass ich mich zuviel darauf verlassen habe, dass der einzelne durch den Heiligen Geist in dieses Licht geführt werden wird.

Es ist mit diesem Thema wie mit jedem anderen; das Licht kommt gewöhnlich durch die Predigt oder beim Lesen des Wortes Gottes. Wäre nicht so viel falsche Belehrung auf diesem Gebiet, so könnte der Heilige Geist jeden mit Leichtigkeit in das klare, biblische Licht führen, sich in der Kleidung der Welt nicht gleichzustellen. Nun aber muss den Irrlehren durch das treue Verkündigen des Wortes Gottes mutig widerstanden werden, damit jede aufrichtige Seele die Gelegenheit bekommt, in jeder Hinsicht den biblischen Maßstab der Demut zu erlangen. Viele liebe Seelen erlangen die herrliche Erfahrung der völligen Heiligung, ohne zu dem Zeitpunkt die Tiefen der Bedeutung in dem "Dein Wille geschehe" zu begreifen. Dieser "Dein Wille" wird sich ihnen aber sehr bald mehr und mehr entfalten, wenn sie unter der Leitung des Heiligen Geistes bleiben, und sie werden erkennen, dass "Dein Wille" das Wort Gottes ist. Und sie werden natürlich in eine übereinstimmung mit jeder Unterweisung des Wortes Gottes zu stehen kommen, so schnell wie ihnen Licht und Erkenntnis durch den Heiligen Geist geschenkt wird.

Viele falsche Lehren werden überall vertreten, die da sagen, dass im Worte Gottes viele Nebensächlichkeiten zu finden sind; folglich brauchen sie auch nicht beachtet werden. Auf diese Weise werden viele aufrichtige Seelen betrogen, zu glauben, dass sie ebenso Gott angenehm sind, wenn sie mit den eitlen Moden und Sitten der Welt mitmachen. Es ist darum mehr und mehr die Pflicht der Predigerschaft dieser Abendzeit, laut zu rufen und nicht zu schonen, einer verführten und stolzen religiösen Welt ihre Sünden anzuzeigen und gleichzeitig nichts zurückzuhalten, was der Gemeinde Gottes nützlich sein kann, damit jeder, der willigen und gehorsamen Herzens ist, mit dem biblischen Maßstab der Demut aufmessen kann. Innig Geliebte, es ist meine Absicht, durch die Gnade Gottes, diesen Maßstab noch bestimmter hochzuhalten.

Verheißungen für den Demütigen

"Den Wunsch der Sanftmütigen hast du gehört, Herr; du festigst ihr Herz, lässt aufmerken dein Ohr" (Ps. 10:17).
"In dem Herrn soll sich rühmen meine Seele; hören werden es die Sanftmütigen und sich freuen" (Ps. 34:2).
"Der Hochmut eines Menschen erniedrigt ihn; der Demütige aber erlangt Ehre" (Sfr. 29:23).
"Denn Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade" (1. Petr. 5:5).
"Er gibt aber größere Gnade. Deshalb spricht er: Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade" (Jak. 4:6).
"Wer sich aber selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werde." (Matth. 23:12).

Der Wert des Lebens in der Demut wird hier deutlich dargestellt. Die reichen Segnungen und Tiefen der göttlichen Geheimnisse können nirgendwo anders gefunden werden. Hier ist der Ort, wo Gott das Herz zubereitet, auf jeden Flüsterton seines Willens zu achten, und hier pflanzt er seine heiligen Wünsche hinein, damit er sein Ohr wiederum auch allezeit geneigt halten kann, auf die leisen Wünsche dieses Herzens zu achten. Dies ist ein gesegnetes Leben. Das Ohr der demütigen Seele ist immer bereit, auf die Stimme Gottes zu achten, und das Ohr Gottes ist allezeit für das Gebet und das Wispern dieser Seele geöffnet (1. Petr. 3:12). Dieses macht das Leben herrlich, denn es ist ein Leben der beständigen Gemeinschaft und Harmonie mit Gott.

Manch ein Kind Gottes mag solche Stunden eines glückseligen Lebens gekannt haben. Vielleicht ist aber die ungestörte Gemeinschaft allmählich gestört worden, und die Stimme Gottes, die einmal so klar und bestimmt war, ist undeutlich und schwach geworden. Und man weiß nicht recht, warum dieses so gekommen ist. In vielen Fällen liegt die Ursache dieses Zustandes an einem Mangel an Demut. Wer sich vorsichtig selbst prüft, wird in seiner Vergangenheit einen Moment oder einen Ort erkennen, wo man das Auge auf etwas gerichtet hat, dass nicht mehr so ganz mit dem Willen Gottes übereinstimmte. Statt sich sofort davon abzuwenden, hat die Seele sich damit beschäftigt und dabei die vollkommene Gemeinschaft eingebüßt.

Viele Kleinigkeiten mögen uns begegnen, die wir sofort ignorieren müssen, sonst werden sie uns in dieser Hinsicht schaden. Das gleiche gilt auch betreffs des Lichtes, dass uns durch Gottes Wort zuteil wird. Vollkommene Gemeinschaft kann nur erhalten werden, wenn wir uns unter die gewaltige Hand Gottes demütigen, gleich gehorchen und mit jedem Lichtstrahl, sobald dieser auf uns fällt, aufmessen. Nur so wird die herrliche Harmonie zunehmen und die Reichtümer der Gnade Gottes in ununterbrochenem Strom fließen, bis dass unser Leben wie ein bewässerter Garten reichlich die köstlichen Früchte des Geistes trägt.

Die demütige Seele, die gelernt hat, Gott in allem seinen Weg haben zu lassen, wird den gesegneten Stand der Harmonie herbeiführen. Gott wird den ehren, der seine Ehre unter der mächtigen Hand Gottes verliert; doch nicht mit der eitlen Ehre dieser Welt, sondern mit der Ehre, die aus dem Himmel kommt. "Dem Demütigen schenkt er Gnade", und der im Textzusammenhang versichert uns, dass je mehr Demut wir besitzen, desto mehr Gnade werden wir haben. Dem Stolzen ist keine Verheißung gegeben außer entschiedener Widerstand. Die Demütigen allein besitzen die Gnade.

Es ist darum auch kein Wunder, dass die bekennende, religiöse Welt so gnadenleer ist. überall im Sektentum, wo noch ein Funken Leben ist, ist der Ruf nach einer "Erweckung wie in früheren Zeiten" zu hören. Der Grund dafür liegt darin, dass Gott dem Hochmütigen widersteht. Gnade und Hochmut können nicht zusammen wohnen. Sie sind so gegensätzlich wie Tag und Nacht. Demut geht der Gnade immer voraus, und die beiden sind unzertrennbar. Ebenso harmonieren Hochmut und Sünde miteinander.

O Geliebte, lasst uns tiefere Demut suchen. Möge sie unser Leben so erleuchten, dass wir wie helle Sterne mitten in dieser dunklen, eitlen Welt voller Hochmut, Prunk und Schau leuchten. Mögen die außerordentlichen Reichtümer der Gnade auf dem Kanal der biblischen Demut in der Gemeinde Gottes offenbar werden, damit sie in seiner Hand tatsächlich eine Krone der Herrlichkeit und ein königlicher Diadem wären.

Gott wohnt bei dem Demütigen

"Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: In der Höhe und im Heiligen wohne ich und bei dem, der zerknirschten und demütigen Geistes ist, um zu beleben den Geist der Demütigen und zu beleben das Herz der Zerknirschten" (Jes. 57:15).

Wunderbare Gnade! dass der allmächtige Gott, den die Himmel nicht fassen können, im Herzen des Menschen, der sich unter seine mächtige Hand gedemütigt hat, seine Wohnung macht. Wer kann sich in Gottes himmlischer Wohnung etwas Unreines vorstellen?

Der heilige Gott beansprucht einen heiligen Wohnort, ob im Himmel oder auf Erden. Sein irdischer Wohnort, unsere Herzen, muss mit dem Himmel übereinstimmen, der Wohnort mit dem Bewohner übereinstimmen. Zu diesem Zweck hat Gott uns seinen heiligen Willen vollkommen offenbart. Darin zeigt uns Gott, wie wir uns für sein Kommen und Innewohnen vorbereiten sollen. Sein Wort belehrt uns in jeder Hinsicht, auch was die äußere Bekleidung unseres Leibes betrifft. Wer Gottes Forderungen treu erfüllt, wird auch alle verheißenen Gnaden seiner Gegenwart empfangen.

In diesem Text verspricht er bei denen zu wohnen, die demütigen Geistes sind und den Geist des Demütigen zu beleben. Ist dieses nicht herrlich? Eine immerwährende Belebung. So muss es auch sein. Sein Wohnort muss in jeder Hinsicht des Lebens mit ihm selbst übereinstimmen. Das Gottesleben ist da, und der Geist des Demütigen empfängt ständigen Lebensunterhalt.

Demut - eine vernünftige Forderung

"Man hat dir mitgeteilt, o Mensch, was gut ist. Und was fordert der Herr von dir, als Recht zu üben und Güte (Gnade und Treue) zu lieben und demütig zu gehen mit deinem Gott?" (Micha 6:8). Im Hebräischen liest sich der letzte Satz so: "demütige dich, um mit deinem Gott zu wandeln." Die Apostel Jakobus und Petrus geben uns dieselbe Ermahnung. "Demütigt euch vor dem Herrn, und er wird euch erhöhen" (Jak. 4:10). "Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit" (1.Petr. 5:6).

Dieses schließt bedingungslosen Gehorsam gegenüber allen Forderungen Gottes ein - vollkommene übereinstimmung mit ihm. Hier ist ein auffallender Unterschied zwischen der allmächtigen Souveränität Gottes und der Demut. Der Wandel mit Gott, so erscheint es uns zunächst, müsste eine erhabene und überlegene Stellung haben, ganz das Gegenteil von Demütigung. Aber dieses wird uns verständlicher, wenn wir einsehen, dass Demütigung die notwendige Voraussetzung für Erhöhung ist. Es ist zunächst ein Sinken erforderlich, ehe ein Aufsteigen erfolgen kann. Es bedeutet eine Erniedrigung all dessen was unser Ich betrifft, damit Gott und sein vollkommener Wille in und durch uns zu seinem Rechte kommen kann. Dieses erhebt uns dann. Dieses schließt ein, dass Gott "sowohl das Wollen als auch das Wirken zu seinem Wohlgefallen" in uns wirken kann. Dies ist die erhabenste und höchste Stellung, die sich erlöste Sterbliche auf Erden wünschen können.

Das Leben des Henoch muss in vieler Hinsicht mit diesem vergleichbar gewesen sein, denn er hatte das Zeugnis, dass er Gott gefallen habe. Er erniedrigte sich selbst, um mit seinem Gott zu wandeln. Seine Erhebung war so groß und die Harmonie so vollkommen, dass es fast so scheint, als ob Gott nicht mehr ohne ihn sein konnte, und er "nahm ihn hinweg". Eine wunderbare Erhebung, und dennoch ist hier auf Erden ein Leben mit Gott geführt worden, wie auch unser Leben geführt sein sollte.

Diese göttliche Forderung dient zu unserer höchsten Glückseligkeit. Sie ist eine vernünftige Forderung. Jeder irdische König erwartet so viel von seinen Untertanen. Wer könnte vernünftigerweise erwarten, von einem König fürs Leben geehrt zu werden, solange er sich dessen souveränen Willen nicht unterstellt hat? So muss auch wahre Demut im Leben dessen vorhanden sein, der in das herrliche Leben der göttlichen Interessen steigen will. Einige Schriftstellen sollen diesen Gedanken, dass Demut der Ehre voraus geht, unterstreichen.

"Die Furcht des HERRN ist Zucht zur Weisheit; und der Ehre geht Demut voran" (Sfr. 15:33).
"Vor dem Sturz will das Herz des Mannes hoch hinaus, aber der Ehre geht Demut voraus" (Sfr. 18:12).
"Die Folge der Demut und der Furcht des Herrn ist Reichtum und Ehre und Leben" (Sfr. 22:4).
"Der Hochmut eines Menschen erniedrigt ihn; der Demütige aber erlangt Ehre" (Sfr. 29:23).

Beispiele und Nutzen der Selbsterniedrigung

"Und es geschah, als Ahab diese Worte hörte, da zerriss er seine Kleider und legte Sacktuch um seinen Leib und fastete; und er lag im Sacktuch und ging still einher. Da geschah das Wort des Herrn zu Elia, dem Tisbiter: Hast du gesehen, dass Ahab sich vor mir gedemütigt hat? Weil er sich vor mir gedemütigt hat, will ich das Unheil nicht in seinen Tagen kommen lassen; erst in den Tagen seines Sohnes werde ich das Unheil über sein Haus kommen lassen" (1. Könige 21:27-29).
"Weil dein Herz weich geworden ist und du dich vor dem Herrn gedemütigt hast, als du hörtest, was ich über diesen Ort und über seine Bewohner geredet habe, dass sie zum Entsetzen und zum Fluch werden sollen, und du deine Kleider zerrissen und vor mir geweint hast, darum habe auch ich es gehört, spricht der Herr" (2. Könige 22:19).
"Wenn ich den Himmel verschließe und kein Regen fällt, oder wenn ich der Heuschrecke gebiete, das Land abzufressen, und wenn ich eine Pest unter mein Volk sende, und mein Volk, über dem mein Name ausgerufen ist, demütigt sich, und sie beten und suchen mein Angesicht und kehren um von ihren bösen Wegen, dann werde ich vom Himmel her hören und ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen" (2. Chronik 7:13-14).
"Als aber der Herr sah, dass sie sich gedemütigt hatten, geschah das Wort des Herrn zu Schemaja: Sie haben sich gedemütigt. Ich will sie nicht vernichten und will ihnen bald Rettung geben, und mein Zorn soll sich nicht durch Schischak über Jerusalem ergießen. Weil er sich gedemütigt hatte, wandte sich der Zorn des Herrn von ihm ab, so dass er ihn nicht völlig vernichtete. Es war ja auch in Juda noch etwas Gutes" (2. Chronik 12:7.12).
"Da fürchtete sich Joschafat und richtete sein Angesicht darauf, den Herrn zu suchen. Und er rief ein Fasten aus in ganz Juda" (2. Chronik 20:3).
"Und ich richtete mein Gesicht zu Gott, dem Herrn, hin, um ihn mit Gebet und Flehen zu suchen, in Fasten und Sack und Asche. Und während ich noch redete im Gebet, da, zur Zeit des Abendopfers, rührte mich der Mann Gabriel an, den ich am Anfang im Gesicht gesehen hatte, als ich ganz ermattet war. Und er wusste Bescheid, redete mit mir und sagte: Daniel, jetzt bin ich ausgegangen, um dich Verständnis zu lehren" (Daniel 9:3.21.22).

Beispiele erzwungener Demütigung

"Und er demütigte dich und ließ dich hungern. Und er speiste dich mit dem Manna, das du nicht kanntest und das deine Väter nicht kannten, um dich erkennen zu lassen, dass der Mensch nicht von Brot allein lebt. Sondern von allem, was aus dem Mund des Herrn hervorgeht, lebt der Mensch. Der dich in der Wüste mit Manna speiste, das deine Väter nicht kannten, um dich zu demütigen und um dich zu prüfen, damit er dir am Ende wohltue" (5. Mose 8:3.16).

Ahab war einer der bösesten Könige Israels. Sein stolzes Herz vergaß fast ganz, dass das Volk, über das er herrschte, einmal den wahren Gott des Himmels anbetete. Er beharrte im äußersten Götzendienst, trotz all der Warnungen und Gerichte Gottes über ihn und seinem Reich. Elia, den Propheten Gottes, betrachtete er als seinen Feind und als den, der Israel ins Unglück bringt. Sein Zustand wird in den folgenden Worten des Propheten beschrieben: "Du hast dich verkauft, um zu tun, was böse ist in den Augen des Herrn". Das Urteil Gottes gegen ihn bedeutete, dass der Herr ihn und alle seine Nachkommen, die männlich sind, ausrotten wollte. Aber wunderbar ist die Barmherzigkeit Gottes gegenüber einem irrenden Menschen! Als Ahab das Todesurteil über sich hörte, demütigte er sich in tiefer Buße. Der Zorn Gottes wurde um ein bestimmtes Maß gegen ihn gemildert und das Urteil zurückgezogen. Selbst unter dem unbeugsamen sinaitischen Zeitalter war Gnade für die, die Gott im Tal der Demut suchten.

Josia, König von Juda, besaß ein zartes Herz vor Gott. Er tat alles, was er konnte, um das Haus des Herrn, das durch die Sünden seiner Väter verwüstet wurde, wieder herzustellen; aber das Gesetzbuch war verloren. Als dieses gefunden und dem König daraus vorgelesen wurde, demütigte er sich vor dem Herrn und erlangte Gnade und Barmherzigkeit, und seine Augen sahen nicht die Gerichte Gottes über diesen Ort. Er demütigte sich nicht nur, sondern versammelte alle Propheten, Priester und Männer aus Juda sowie alle Einwohner Jerusalems und ließ das Gesetz auch vor ihren Ohren lesen. Er machte einen feierlichen Bund mit Gott, alle seine Gebote von ganzem Herzen und ganzer Seele zu halten. Alles Volk stand ebenfalls zu diesem Bund. Auf diese Weise wird Gottes Wohlgefallen erlangt und lehrt uns mit allem Nachdruck, dass "Gott dem Demütigen Gnade gibt".

Gott hat bei der Einweihung des salomonischen Tempels auf wunderbare Weise das Opfer und den Bau des Tempels angenommen und diesen als irdische Wohnung und als Ort, wo sein Name unter den Menschen wohnen sollte, bestimmt. Er erschien dem Salomo und machte mit ihm einen Bund, indem er versprach, gegen diesen Ort allezeit seine Augen und Ohren offen zu halten und alle zu sehen und zu erhören, die sich hier vor ihm demütigen würden.

Auch der König Rehabeam fand Gnade in der Demütigung und wurde darum auch nicht von dem heidnischen König vernichtet. Gottes Erbarmen wurde ihm und dem ganzen Israel zuteil, als sie sich demütigten.

Der König Asa fand große Gnade, als er sich sehr demütigte. Ein kurzes Gebet, das aber voll Glauben und Zuversicht war, bewegte den Herrn, den Kampf gegen die äthiopier zu wenden und seinem Volk den Sieg zu geben. Damit erfüllte er seine Verheißung, die dem König und allen, die demütig lebten, galt. "Der Herr ist mit euch, wenn ihr mit ihm seid. Und wenn ihr ihn sucht, wird er sich von euch finden lassen. Wenn ihr ihn aber verlasst, wird er euch auch verlassen" (2. Chronik 15:2). Wunderbare Tiefen liegen in der Bedeutung dieser Worte, und sie lehren uns die große Notwendigkeit, in völligem Gehorsam an dem Herrn zu hangen!

Die gnädige Errettung unter König Josaphat in Jerusalem wurde wegen der demütigen Haltung des Königs und des Volkes gewährt. Daniel erhielt eine Antwort auf sein Gebet, weil er sich vor Gott demütigte. Nebukadnezar hatte von Gott große Ehre und ein mächtiges Reich erhalten, aber als sich sein Herz erhob und sein Sinn stolz verhärtete, wurde er abgesetzt und gezwungen, durch die größte Demütigung zu gehen. Sein Sohn, Belsazar, fand ein trauriges Ende, weil er sein Herz nicht vor Gott demütigte.

König Saul wurde zum Haupt der Stämme Israels erhöht, als er in seinen Augen klein war. Aber seine bedauerliche Erfahrung der Entthronung und schließlich sein schmachvoller Tod ragen in der Geschichte hervor wie ein Warnschild an alle und mahnen uns, fern von dem Felsen der Selbsterhebung zu bleiben, auf dem in Vergangenheit Tausende Schiffbruch erlitten haben.

Wenn an Küsten und Hafenfahrten verborgene Felsen nahe an der Oberfläche liegen, dann kennzeichnet man diese gefährlichen Stellen mit Bojen, um die Sicherheit der Schiffe zu gewährleisten. Manche Bojen sind so beschaffen, dass bei Bewegung durch die Wellen große Glocken läuten. Andere sind mit einem Signalhorn versehen, das Tag und Nacht seinen traurigen Ton ertönen lässt. Als wir einmal einen solchen Ton weit draußen auf dem Ozean hörten, kam eine Traurigkeit in unseren Herzen auf, denn wir mussten daran denken, dass irgendwann hier vielleicht ein Schiffbruch geschehen ist und manch armer Seemann ertrunken ist. Dann aber verdrängte eine Dankbarkeit diesen Gedanken, denn wäre dieses Warnsignal nicht, so würde unser Schiff vielleicht auf denselben Felsen stoßen, und wir würden ebenfalls in dasselbe Wassergrab versinken.

O mein lieber Bruder, wir brauchen nicht weit zu schauen, um viele solcher Wracke um uns herum zu sehen! Eine arme, verwirrte Seele, die einmal die Erfahrung der Heiligung besaß und zum Predigtdienst berufen war, diese Erfahrung aber verlor, versuchte, um im Amt zu bleiben, sich einer der weit verbreiteten Sekten anzuschließen und verfiel dann in völlige Finsternis. Er kam und suchte Rat und erzählte dann seine traurige Erfahrung. In dem Gespräch sagte er: "Ich sehe solche Heiligkeitswracke überall in diesem Land." Nachdem er von mir ging, legte sich sein Fall mit ganzem Ernst auf meine Seele, aber der Ausdruck "Heiligkeitswracke" übermittelte mir einen noch größeren Ernst. Als ich mich im stillen Nachdenken weiter damit beschäftigte, konnte ich auch um mich herum einige traurige lebende Wracke erkennen - lebendig, doch tot. Das einzige, was diese Menschen mit dem Leben gemeinsam haben, das ist das Bekenntnis. Sie sind eifrig in ihren Werken, aber sie haben, wie die Gemeinde zu Sardes, den Namen, dass sie leben, sind aber tot.

Von meinem frühen christlichen Leben an habe ich manch hoffnungsvolle, fähige, völlig erlöste und brauchbare Männer und Frauen beobachtet, welche in der Tat von Gott sehr gebraucht wurden, und deren Licht mit einer himmlischen Klarheit leuchtete. Dann aber erkannte man, wie das Licht immer trüber wurde, so wie ein Nebel vom Meer aufsteigt und die hellen Strahlen der Sonne verdeckt. In manchen Fällen kam dieses allmählich, während in anderen das Licht plötzlich ausging. Manch neubekehrter Mensch, der überragende natürliche Fähigkeiten und ein großes Maß an Gnade besaß, der am Anfang seiner göttlichen Erfahrung ungewöhnliche Kraft des Heiligen Geistes besaß, fiel plötzlich aus seiner Brauchbarkeit und wurde zu einem Namens- christen. In einigen traurigen Fällen fanden sie ein schmachvolles Ende, mit einem Brandmal auf ihrem Charakter und brachten Schmach auf die teure Sache Christi.

Viele der hervorragendsten Prediger dieses letzten Jahrzehnts und einige, die gerade in dieser Reformation des Abendlichts viele Menschen zur Gerechtigkeit geführt haben, sind heute unter den Gefallenen und können sehr trefflich als "Heiligkeitswracke" bezeichnet werden. Diese Tatsache ist wirklich alarmierend, und jeder Heilige des Allerhöchsten sollte zum eifrigen Gebet der Selbstprüfung seines Herzens wachgerüttelt werden und mit offenem Herzen und zu Gott gerichtetem Angesicht mit den Worten des Psalmisten rufen: "Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken. Und siehe, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf dem ewigen Weg!"

Was ist die Ursache des Versagens? Die Antwort wurde uns bereits durch die Erfahrungen der Menschen zur biblischen Zeit gegeben. Die Wurzel aller Probleme liegt in der Selbsterhebung. Diese ist der verborgene Felsen im Ozean des Lebens, an dem schon manch ein schönes Schiff zerbrochen und mit seiner wertvollen Ladung gesunken und verloren gegangen ist. Wenn man dagegen wirklich demütig geblieben wäre, so wäre die Reise über die Meere erfolgreich gewesen und triumphierend die Einfahrt in den Hafen der Ruhe, wo die Krone des Lebens den Treuen erwartet.

Der Apostel Paulus spricht zu Timotheus von solchen, die Schiffbruch erlitten haben. In demselben Brief sagt uns auch der Apostel, dass Menschen im Unglück und Verderben zugrunde gegangen sind. Der einzige Ort absoluter Sicherheit ist im tiefen Tal der Demut zu finden - "unter der mächtigen Hand Gottes". Er alleine weiß, wie er uns an den gefährlichsten Stellen vorbei- führen kann, an denen andere schiffbrüchig wurden. Eine der erstaunlichsten Tatsachen ist die, dass die größte Gefahr der Selbsterhebung nach den herrlichsten Siegen besteht. Dieses weiß der Feind, und es ist wichtig, dass wir es auch wissen.

Je mehr wir für Gott zu tun haben, desto größer wird der Bedarf an wahrer biblischer Demut sein. Wir alle möchten brauchbarer in der Hand Gottes sein, und zu oft versäumen wir es, diesen Ort zu finden, weil er sich so weit unten auf dem Pfad der Demut befindet. Es scheint, dass das Benutzen dieses Pfades uns in völlige Unbrauchbarkeit geführt hat, und die Qualifikation, die wir gesucht haben, scheint uns eine Disqualifikation zu sein. Wir müssen aber diese Untauglichkeit gelernt haben. Dies will Gott uns beibringen. Er kann nur dann vollkommen in uns wirken, wenn wir uns ihm gänzlich überlassen haben.

Wir sind unseren Weg noch nie zuvor gegangen und kennen auch nicht die Gefahren. Unser Feind ist listig und wird die Unwissenheit und völlige Hilflosigkeit ausnutzen, wenn wir uns auf unsere Weisheit und unser Urteil verlassen. Es ist darum auch kein Wunder, dass der Mensch zu Fall kommt, wenn er mit seiner eigenen Seele ratschlagt, und es ist auch kein Wunder, dass unser liebende Vater solch völligen Gehorsam und Ergebenheit von uns fordert. Er will für uns da sein. Er will uns in diesen Gefahren bewahren und an uns seinen Namen verherrlichen. Dieses wird er mit Sicherheit auch tun, wenn wir uns recht unter seiner Hand gedemütigt haben. Der Töpfer kann den Ton erst dann richtig bearbeiten, wenn alles Harte entfernt wurde. Erst dann kann er sein Ziel erreichen. So ist es auch mit uns, wenn wir uns in der Hand Gottes befinden. lasst uns die allerbeste Voraussetzung erlangen, von der alles andere abhängt - biblische Demut. Dann kann unser liebende Vater seinen vollkommenen Weg mit uns haben. Und indem er uns, was menschliche Brauchbarkeit betrifft, außer Sicht sinken lässt, kann er uns durch seinen mächtigen Arm erheben.

Die Demut Jesu

"Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christo Jesu war, der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub achtete, Gott gleich zu sein. Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch erfunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist" (Phil. 2:5-9). Jesus war das vollkommene Vorbild in jeder menschlichen Hinsicht. Sein Beispiel der Demut ist für uns der Maßstab. Wir finden, dass sein Vorbild mit der Forderung Gottes an uns übereinstimmt. Der Vater hätte seinen Plan mit dem Sohn nicht erfüllen können, wenn sich dieser nicht zu jeder Zeit unter der mächtigen Hand des Vaters befunden hätte. Jesus bekannte, dass er von sich aus nichts tun konnte. Der Vater, der in ihm wohnte, wirkte. Aber dieses Werk Gottes wäre nie zustande gekommen, wenn der Herr sich nicht in jeder Hinsicht dem Willen des Vaters unterstellt hätte.

Unser Text sagt uns, was der Herr mit sich selbst gemacht hat. Gott hat ihn weder gedemütigt, noch gezwungen diese niedrige Stellung einzunehmen. Er tat es von sich aus, aus eigenem freien Willen. "Er machte sich selbst zu nichts" und "erniedrigte sich selbst". Er, der den höchsten Ruf (Namen) im Himmel besaß, hielt daran nicht fest, wie an einen Raub, von dem man nicht lassen will, sondern kam auf diese Erde herab und verzichtete auf Namen und Ruf. Er stieg von der erhabensten Stellung im Himmel - von der Stellung Gott gleich zu sein - auf die Stufe des niedrigsten Dieners auf Erden. Er hat wahrlich alle Ehre und jeden Vorteil für Schaden geachtet, um des seligen Vorrechts, den Willen des Vaters zu tun und uns Gott zu erkaufen.

Dieses war für ihn ohne Frage eine große Demütigung. Sein Leben als Knecht auf Erden war beständige Selbstverleugnung und Mühe. Denke einmal nach, der Sohn Gottes, der im Himmel hoch Geehrte, nimmt die Stelle eines obdachlosen Sterblichen an; ja, er war niedriger als die Füchse und die Vögel, da er nicht hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte. Und als er sein Werk auf Erden, umherzugehen, wohlzutun und alle Menschen zu heilen, die vom Teufel besessen waren, erfüllt hatte, demütigte er sich noch mehr und nahm den Platz des Allerverachtetsten auf Erden ein. Er wurde zu den übeltätern gezählt und starb am Kreuz. Größere Demütigung können wir uns nicht vorstellen.

Aber Dank sei Gott, die Erhöhung Jesu steht im gerechten Verhältnis zu seiner Demütigung. Er hat sich unter die gewaltige Hand Gottes gedemütigt und wurde zur rechten Zeit erhöht. Nun spricht er zu uns durch den Apostel Petrus und befiehlt uns, uns ebenso zu demütigen. Dazu sagt uns unser Text noch, dass dieselbe Gesinnung, die in ihm war, auch in uns sein soll. Dieselbe Demut, die es uns ermöglicht, den Fußtapfen des Herrn fröhlich zu folgen, indem wir in jeder Hinsicht den Willen des Vaters tun, soll in uns wohnen. So, wie er gekommen ist, den Willen des Vaters zu tun, so muss es auch mit uns sein. Wir mögen vielleicht nie auf so grausame und schmachvolle Weise sterben müssen, wie er es musste, und es ist auch unmöglich, dass Gottes Absicht mit unserem Tod je die sein kann, die im Tod unseres Erlösers lag. Aber es ist in seinem Willen für uns ganz klar festgelegt, dass unser Leben ihm so völlig zum Dienst und zum Opfer ergeben sein soll, dass er sich am meisten dadurch verherrlichen kann.

Das wenigste, das wir für den Herrn tun können, ist, dass wir ihn so lieben, wie er uns geliebt hat. Dieses Bekenntnis unserer Liebe zu ihm schließt ein, dass wir uns dem Willen Gottes ausliefern, so willig, wie er es für uns tat. Dieses bedeutet, dass wir uns um Jesu willen unter die mächtige Hand Gottes so demütigen, wie er sich um unsertwillen darunter demütigte. Wenn wir mit ihm die Demut teilen können, dann werden wir auch im entsprechenden Verhältnis seine Erhöhung mit ihm teilen. In seinem Gebet (Joh. 17:24) sagt der Herr: "Vater, ich will, dass die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, damit sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast." Erst ist die Demütigung erforderlich, dann folgt die Erhebung. Das eine müssen wir durch die Gnade selbst tun. Das andere wird Gott für uns tun.

O, lasst uns unserem seligen Vorbild nachfolgen, dem Sanftmütigen und von Herzen Demütigen, damit wir ihn noch völliger einer sündigen Welt darstellen könnten!

Die Erfahrung des Paulus

"Dessen Diener ich geworden bin nach der Gabe der Gnade Gottes, die mir nach der Wirksamkeit seiner Kraft gegeben ist. Mir, dem Allergeringsten von allen Heiligen, ist diese Gnade gegeben worden, den Nationen den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen" (Eph. 3:7.8). "Ihr wisst, wie ich vom ersten Tag an, da ich nach Asien kam, die ganze Zeit bei euch gewesen bin und dem Herrn diente mit aller Demut und unter Tränen und Versuchungen, die mir durch die Nachstellungen der Juden widerfuhren" (Apg. 20:18.19).

Auf der ganzen Welt wird von Paulus als von dem "großen Apostel" gesprochen. Als Paulus einmal genötigt wurde, über seine Berufung und sein Apostelamt zu sprechen, um sich mit denen zu vergleichen, die falsche Apostel waren, sagte er: "Denn ich meine, dass ich den "ausgezeichnetsten" Aposteln in nichts nachstehe"; wenn er sich aber selbst zu beurteilen hatte, dann sah er sich als "Allergeringsten von allen Heiligen".

Es wäre sicherlich ein faires und ordentliches Beispiel von Demut, wenn sich einer, wie unser Bruder Paulus, auf die gewöhnliche Stufe aller Heiligen stellen würde. Aber Paulus sagte, dass er geringer als etliche der Heiligen in Ephesus sei, und wir können annehmen, dass die Heiligen in dieser Stadt auf der gleichen Stufe mit allen anderen Heiligen standen. Seine Selbstbeurteilung lässt ihn aber nicht nur niedriger stehen als die Heiligen, sondern niedriger als die geringsten Heiligen. Und um auch wirklich keinen Raum unter seinem Stand zu lassen, sagte er, er sei "geringer denn der Geringste unter allen Heiligen".

Hier ist auch kein Raum für Zweifel bezüglich der Aufrichtigkeit seines Ausdrucks. Er bringt wahre Demut zum Ausdruck. Alle Vorteile, die er dem Fleisch nach haben konnte, alles was ihm vorher Gewinn war, achtete er für Schaden um Christi willen. Willig demütigte er sich unter die gewaltige Hand Gottes. Gnädige Hilfe wurde ihm auch in dieser Hinsicht zuteil. Damit Paulus, trotz der hohen Offenbarungen, die er auch nur empfing, weil er außergewöhnlich demütig war, in diesem Zustand der Demut bleiben konnte, wurde ihm ein reiches Maß an Gnade zuteil, durch die er noch brauchbarer und tüchtiger werden konnte. Er konnte wahrlich sagen: "Wenn ich schwach bin, so bin ich stark"; denn Gott konnte sich nur so lange auf wunderbarer Weise offenbaren, wie das "Selbst" am rechten Platz war.

Voller Bewunderung schauen wir auf das Leben dieses Apostels. Sollten wir nicht alle selbstverständlich danach begehren, in dem gleichen Umfang wie Paulus von Gott gebraucht zu werden? Sind wir aber auch bereit, durch die extremen Demütigungen mit ihm zu gehen? Sein Leben war mit unaufhörlichen Härten und Leiden erfüllt. Von allen Seiten umgaben ihn die tiefsten Demütigungen mit Schmerzen, Schmach und Not. Abgesehen von seinem Tod am Kreuz für die Sünde, hat Jesus keine größeren Leiden erduldet als Paulus, der von sich selbst bezeugt, dass er "allezeit das Sterben Jesu am Leib umhertrug", "denn ständig werden wir, die Lebenden, dem Tod überliefert um Jesu willen, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar werde. Folglich wirkt der Tod in uns, das Leben aber in euch." "Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleisch, was noch aussteht von den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Gemeinde."

Diese ungewöhnlichen Prüfungen waren ohne Zweifel der "Stachel im Fleisch", und sie dienten alle dazu, dass er tief unten im Tal der Demut wohnen blieb, wo ihm große Ströme der Gnade beständig zuteil wurden. Wenn unter dem großen Druck dieser Dinge seine menschliche Kraft zu versagen begann und sich sein mitleidsvoller Schrei ins Herz des Meisters ergoss, diesen Stachel wegzunehmen, dann erhielt er die Antwort: "Lass dir an meiner Gnade genügen." Preist Gott! Es gab noch keine Lage, in der Gott seinem demütigen Kind nicht genug Gnade gab.

Wir können darum wahrlich sagen, dass die Demut das Geheimnis der Kraft des Apostels war, denn nur so konnte Christus durch sein Leben verherrlicht werden.

Bekleidet mit Demut

"Alle aber umkleidet euch mit Demut im Umgang miteinander; denn 'Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade'" (1. Petr. 5:5). Ziehet nun an, als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut" (Kol. 3:12).

Diese Schriftstellen lehren uns, dass wir das schöne Kleid der Demut anziehen können, doch erst in diesem Kleid kann uns Gott in seiner Hand so gebrauchen, dass Christus vor Menschen dargestellt werden kann. Er stellt das Kleid zur Verfügung; wir müssen es anziehen und tragen. Wenn ein Bürger Soldat wird, dann stellt ihm die Obrigkeit eine Uniform zur Verfügung. Will er Soldat sein, dann muss er auch bereit sein, die Uniform eines Soldaten zu tragen. Gott rüstet seine Kämpfer nicht mit einem besonders gestalteten oder farbigen, buchstäblichen Kleid aus, sondern mit dem Kleid der Demut. Dieses passt sich am besten unseren Bedürfnissen an. Nichts anderes kann so die Blöße unseres Selbst oder unseres Seelenlebens bedecken und uns Ihm so vollkommen angenehm machen. Es ist nicht nur das schönste Kleid in seinen Augen, es wird auch zum bequemsten, geeignetesten und entzückendsten Kleidungsstück; und es ist das gesündeste für unser geistliches Wohl, das wir je getragen haben, wenn wir uns erst einmal daran gewöhnt haben. Darüber hinaus erweist es sich in Zeiten des Kampfes als undurchdringlicher Panzer. Kein Schwert, Speer oder Pfeil hat es je durchdrungen. Darum sollten wir alle eifrig sein, es anzulegen und anzubehalten. Es ist zu unserer Sicherheit und zu unserem Schutz unentbehrlich.

Ich habe Exemplare altertümlicher Rüstungen gesehen, die überaus ungeschickt und schwer waren und die dem Krieger sicherlich in allem, außer was den Schutz betrifft, sehr mühsam und beschwerlich waren. Das schöne Kleid der Demut ist aber sanft und leicht (Matth. 11:29.30), und es ist sowohl zur Verteidigung als auch zum Angreifen nützlich. Ohne dasselbe sind wir hilflos und nutzlos in dem christlichen Kampf.

Selbsterwählte Demut

Wir dürfen nicht vergessen, dass diese biblische Demut nicht durch eigene Anstrengung erlangt werden kann. Sie ist göttlich und wird uns so frei zuteil wie auch das Heil. In seiner Epistel an die Kolosser spricht der Apostel von einer selbsterwählten Demut, vor der wir gewarnt werden. Sie ist unecht und hat in vieler Hinsicht den Schein der echten Demut. Aus dem Textzusammen- hang (Kol. 2:18) geht hervor, dass diese falsche Demut in Verbindung mit einer fleischlichen Gesinnung steht. "lasst euch um den Kampfpreis von niemanden bringen, der seinen eigenen Willen tut in Demut und Anbetung der Engel, der auf Dinge eingeht, die er in Visionen gesehen hat, ohne Ursache aufgeblasen von dem Sinn seines Fleisches." Diese Demut ist keine wahre Erniedrigung, sondern diese Menschen sind aufgeblasen und erheben sich selbst. Sie hat die Form der Anbetung des eigenen Willens und wird durch einen Geist des Eigenstolzes hervorgebracht. Sie findet einen fruchtbaren Boden in den Herzen derer, die nicht geheiligt sind. Manche der stolzesten Herzen verbergen sich unter solch falscher Demut. Diese Menschen halten viel von äußeren Formen, aber im Herzen besitzen sie keine wahre Demut.

Lieber Leser, überzeuge dich erst davon, ob du ein reines Herz hast, dann ziehe wahre biblische Demut an, die nur unter der mächtigen Hand Gottes gefunden werden kann.

äußerlicher Schmuck

"Euer Schmuck sei nicht der äußerliche durch Flechten der Haare und Umhängen von Gold oder Anziehen von (kostbaren, unsittlichen oder auffallenden) Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens im unvergänglichen Schmuck des sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr köstlich ist. Denn so schmückten sich auch einst die heiligen Frauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten und sich ihren Männern unterordneten" (1. Petr. 3:3-5). "Ich will nun, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben, ohne Zorn und zweifelnde überlegung, ebenso, dass die Frauen sich in würdiger Haltung mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit schmücken, nicht mit Haarflechten und Gold und Perlen oder kostbarer Kleidung, sondern mit dem, was Frauen geziemt, die sich zur Gottesfurcht bekennen, durch gute Werke" (1. Tim.2:8-10).

In diesen beiden Texten finden wir den biblischen Maßstab der Demut, was unseren äußerlichen Schmuck betrifft. Diese Bibelstellen sind die Lehre von zwei verschiedenen Aposteln, die zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten geschrieben haben. Beide bringen aber dieselbe Wahrheit über dieses Thema zum Ausdruck. Weil wir alle glauben, dass sie durch den Heiligen Geist inspiriert waren, darum lasst uns auch annehmen, was sie gesagt haben. Die übereinstimmende Lehre und der Geist des ganzen Neuen Testaments stimmen hier überein, und darum sollte auch eine fröhliche Zustimmung im Herzen eines jeden Kindes Gottes sein.

Wir behaupten, dass wir das ganze Neue Testament zum Maßstab unseres Glaubens und unseres Lebens haben. Wenn aber unser Wandel mit diesem Maßstab nicht übereinstimmt und aufmisst, dann machen wir uns des groben Widerspruchs schuldig und schwächen die Kraft und das Zeugnis des Wortes Gottes vor der Welt ab. Die Frucht wahrer Demut muss der Welt gezeigt werden. Der verborgene Mensch des Herzens wird jede seiner Eigenschaften darstellen - entweder den alten Menschen mit seiner verdorbenen und entarteten Natur oder den neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist, in Gerechtigkeit und wahrer Heiligkeit. Da wir nun aber den alten Menschen mit allen seinen Werken ausgezogen haben, müssen wir dafür Sorge tragen, dass auch all der Schmuck und die Ausstattung, die zum alten Menschen gehören, abgelegt sind, und nicht nur in unseren Worten und Werken, sondern auch in unserer äußeren Erscheinung. Ein sanfter und stiller Geist wird, wenn er daran nicht gehindert wird, auch nach außen hin durchdringen und das äußere mit dem Inwendigen in Einklang bringen.

In meinem Heimatstaat wachsen sehr viele Weiße Eichen. Im Herbst verlieren fast alle Bäume ihre Blätter, aber diese Weiße Eiche hält den ganzen Winter über an ihrem toten Laub fest. Selbst die starken Schneestürme und Graupelschauer schaffen es nicht, sie von den Blättern zu trennen. Es scheint, als ob die Stürme und die kalten Elemente sie nur noch fester an ihr Kleid festhalten lassen. Aber wenn die grausamen Winterstürme durch die Aprilsonne zurückgedrängt werden, dann beobachten wir, dass der Baum seinen festen Griff allmählich lockert, und ein leichter Regen oder ein sanfter Wind lassen die Blätter zu Boden fallen.

Was ist mit dem Baum passiert? Neues inneres Leben dringt durch die Zweige nach oben, neue Knospen bilden sich und brechen auf. Alles, was zum alten Leben gehört, muss abgelegt werden. So ist es auch mit dem Leben, das vom Geist Gottes ausgeht. Es wird nach außen wirken und alles verdrängen, das von der alten Natur so geschätzt wurde.

Manches Kind Gottes ist in diesen Dingen durch falsche Belehrung verführt worden. Der Mietling lehrt, dass das äußere nicht wichtig ist, solange es innerlich stimmt. Dieses alte Sprichwort ist durch Namens-Christen, die sich in ihrem Stolz rechtfertigen wollten, fadenscheinig geworden. Viele neubekehrte Menschen wurden dadurch verwirrt. Die Stimme Gottes und das zarte Leiten des Heiligen Geistes, die sie unfehlbar zum biblischen Maßstab der äußeren Zierde geführt hätten, kannten sie noch nicht gründlich genug. Und so wurden sie den verkehrten Einflüssen dieser weltlichen Bekenner ausgesetzt, die leichtfertig mit Gottes Wort umgehen und die Schrift verdrehen. Würden sie das Wort richtig anwenden, so würde es sie verdammen. Ja, lieber Leser, es kommt doch auf das äußere an. Gottes Wort sagt uns dieses in den angeführten Schriftstellen. Das äußere und das Innere müssen und werden übereinstimmen. Jesus sagte den Pharisäern: "Reinige zuerst das Inwendige des Bechers, damit auch sein Auswendiges rein werde."

Wahre Demut und schlichte Kleidung gehören ohne Zweifel zusammen; kein weiterer Schmuck ist erwünscht und schon gar nicht nötig, wo Christus auf dem Thron des Herzens regiert. Wünschenswerter Schmuck sind gute Werke, inspiriert durch den verborgenen Menschen des Herzens, mit einem bescheidenen, anspruchslosen äußeren Erscheinen.

Weltlicher Schmuck ist verboten

Lasst uns diese Seite des Themas anhand der erwähnten Schriftstellen betrachten. Bestimmte Sachen werden hier verboten. Mancher mag sagen, dass beide Texte nur die Kleidung der Frauen betreffen, aber niemand wird beständig behaupten können, dass nicht auch die Männer in diese Forderung eingeschlossen sind. In dem Text, den wir von Paulus zitiert haben, heißt es: "Ich will nun, dass die Männer an jedem Ort beten, indem sie heilige Hände aufheben, ohne Zorn und zweifelnde überlegung" und fügt dann hinzu, "ebenso, dass die Frauen sich in würdiger Haltung schmücken." Hier wird bewiesen, dass sowohl Männer als auch Frauen unter dieselben biblischen Forderungen gestellt sind. Es ist wahrscheinlich, dass die Männer in jenen Tagen nicht in dem Maße diesem äußeren Stolz hingegeben waren wie die Frauen. Dieselbe natürliche Neigung zur Weltlichkeit existiert in beiden, aber es ist offenbar, dass die Mode eine größere Sklavin aus der Frau macht als aus dem Mann. Dafür fällt der Mann wieder leichter in andere Sünden, die einen ebenso zerstörenden Einfluss auf das geistliche, moralische und physische Leben haben.

Der Apostel nennt schamhafte und sittsame Kleidung als den Maßstab. Und um einer unterschiedlichen Auslegung dieser Begriffe zuvorzukommen, erklärt er, was er damit meint. Er geht weiter und sagt uns, was nicht getragen werden soll und erwähnt zuerst:

Das Haarflechten

Petrus nannte es "Flechten der Haare" und bezeichnet damit die Sitte jener Tage, die Haare auszuschmücken oder zu verzieren. Jemand schrieb darüber: "Die Frauen des Orients sind bemerkenswert wegen der großen Länge und Anzahl der Haarflechten oder Zöpfe." Eine Frau wurde gesehen, die hundertundzehn natürliche Zöpfe auf ihrem Haupt hatte. In diese Zöpfe wurde oft Schmuck aus Gold und Perlen eingeflochten. Diese waren Gegenstand des Stolzes und der Eitelkeit und waren zweifellos das, was in unseren Texten verboten wurde.

Sich mit Gold schmücken

Lasst uns nun das Schmücken mit Gold betrachten. Dieses wird klar verboten. Ein populärer Prediger sagte einmal: "Es gibt keine Stelle in der Bibel, wo es klar verboten wird, sich mit Gold zu schmücken." Welch ein Widerspruch zum Wort Gottes! Petrus sagt: "Euer Schmuck sei nicht der äußerliche durch Flechten der Haare und Umhängen von Gold." Paulus sagt: "Nicht mit Haarflechten und Gold oder Perlen oder kostbarer Kleidung". Hier sind zwei klare Texte, in denen das Schmücken mit Gold verboten wird.

Es ist beachtlich, welche Ausreden Menschen haben, die in offenem Widerspruch zum Wort Gottes leben. Jeder scheint zu glauben, dass Gott ihm ein besonderes Privileg eingeräumt hat, in dieser Hinsicht im Ungehorsam zu seinem Wort zu leben. Viele Menschen, die laut Heiligkeit bekennen, tragen goldene Ringe und anderen Schmuck und bekleiden sich mit derselben eitlen Kleidung wie die Welt. Wenn sie durch ein demütiges Kind Gottes darauf hingewiesen werden, dann entschuldigen sie sich mit den Worten: "Oh, ich beschäftige mich mit solchen Dingen nicht." Andere haben behauptet, dass sie so mit Gott erfüllt sind, dass sie keine Zeit haben, über solche Dinge zu denken oder zu sprechen. Es gibt zwei Gründe, warum solche Ausreden keine Gültigkeit besitzen: die Leute, die solches behaupten, sind entweder bedauerlich unwissend oder betrogen. Wenn man über diese Dinge nicht nachdenken würde, dann würde man sie auch nicht anlegen. Wenn sie noch nach der Bekehrung getragen werden, weil man sie auch schon vorher trug und sie somit für diese Person so natürlich geworden sind, dass man darüber gar nicht nachdenkt, dann sind solche Personen unwissend im Worte Gottes und brauchen Belehrung. In solchem Fall wird jeder, der unbefangen ist, das göttliche Licht des Wortes Gottes sofort ergreifen und der Heilige Geist, unser Lehrer und Führer in alle Wahrheit, wird diese Angelegenheit sehr klar machen. Offensichtlich gibt es Fälle, wo Unwissenheit gegenüber Gottes Wort zu entschuldigen ist. Es gibt arme Seelen, die keine Belehrung bekommen haben. Der Heilige Geist wird solche Menschen aber nicht lange im Dunkeln lassen, wenn ihr Herz offen für die Wahrheit ist. Ein lieber Bruder, der als Missionar in Afrika wirkte, erzählte mir folgende rührende Begebenheit aus der wir sehen können, dass der Heilige Geist alle unterweisen wird, die willig sind, Gott gehorsam zu sein. Ein bekehrter Heide hatte seine unerlöste Frau zum Missionsheim gebracht und es zu ihrer gemeinsamen Wohnung gemacht. Seine Frau wollte sich aber Gott nicht ergeben und wurde sehr unzufrieden, dass sie dort wohnen sollte. Sie forderte von ihrem Mann, dass sie wieder zu ihrem früheren Heim zurückkehrten und wieder so lebten wie vorher. Der Ehemann willigte nicht ein und erwartete von ihr, dass sie sich Gott ergab. Das tat sie aber nicht, und schließlich verließ sie das Missionsheim. Er ging ihr nach und holte sie zurück. Sie ging wieder fort. Er ging wieder und brachte sie zurück und tat alles, was er konnte, mit der Unterstützung der Missionare, um sie zur Buße zu führen. Es war aber alles umsonst, und sie ging wieder fort.

Der arme Mann kam ganz bestürzt zum Missionar. Er war überzeugt, dass Gottes Wort doch etwas für seine Lage enthalten müsste und fragte: "Lehrer, was sagt Gottes Wort über einen Mann, dessen Frau nicht bei ihm wohnen will, weil er ein Christ ist?" Der Missionar las ihm den Bibelvers 1. Kor. 7:15 vor: "Wenn aber der Ungläubige sich scheidet, so scheide er sich. Der Bruder oder die Schwester ist in solchen Fällen nicht geknechtet." Darauf leuchtete das Angesicht des bekehrten Mannes vor Freude auf und er sagte: "So spricht auch mein Herz." In jedem willigen Herz wird immer eine frohe übereinstimmung mit Gottes Wort zu finden sein. Wenn jemand aber das geschriebene Wort noch nicht empfangen hat, dann wird der Heilige Geist das Wort ins Herz schreiben damit wenn das Licht durch das geschriebenen Wort kommt, das Herz "Amen" sagen kann.

Manche Menschen entschuldigen das Tragen eines goldenen Ringes, weil er ihnen von einem lieben Freund gegeben wurde, der vielleicht schon von ihnen gegangen ist. Man trägt den Ring zur Erinnerung an diesen Freund. Kein Kind Gottes wird es wagen, angesichts des klaren Wortes Gottes, eine solche Ausrede zu gebrauchen.

Ich wurde einmal zu einer sterbenden Frau gerufen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Als ich ihre blasse Hand auf ihrer Brust ruhen sah, wurde ich vom Geist Gottes gemahnt, über den großen goldenen Ring zu sprechen, den sie auf ihrem Finger hatte. Darauf erwiderte sie: "O, dieser Ring wurde mir von meinem lieben alten Vater geschenkt, der dreitausend Meilen entfernt von mir wohnt." "Nun, Schwester", sagte ich, "willst du Gott gehorchen? Kannst du den Ring nicht genauso gut als Erinnerung an deinen Vater in der Schublade aufbewahren und somit vor dem übertreten des Wortes Gottes bewahrt bleiben?" Ich nannte ihr die entsprechenden Schriftstellen und verließ sie mit dem Versprechen, bald wieder zu kommen. Als ich das nächste Mal in ihr Zimmer trat, hielt sie mir ihre Hand ohne den Ring entgegen und sagte: "Preis den Herrn, Bruder!" Sie hatte eine wunderbare Segnung in ihrer Seele empfangen und konnte Gott nicht genug dafür danken, dass sie auf diese offene übertretung des Wortes hingewiesen wurde. Wenige Tage danach schied sie aus dieser Zeit in die Ewigkeit. Meine Seele wurde mit Dank gegenüber Gott überwältigt für das Vorrecht, dieser teuren Seele geholfen zu haben, in dieser Sache die göttliche Forderung zu erfüllen und für das Hören ihres anschließenden Zeugnisses, dass sie nun Gott gefällig war.

Der Ehering

Eine weitere, häufig verbreitete Entschuldigung für das Tragen von Gold ist der Ehering. Bei manchen Menschen kommt das Ablegen des Eherings dem Brechen des heiligen Ehebundes gleich. Viele haben erklärt, dass sie den Ring nicht ablegen werden. Viele Bekenner von Heiligkeit beharren eigensinnig darauf, den Ehering zu tragen, ganz gleich was irgendein anderer Mensch sagen oder denken mag. Dieses ist eine ernste Angelegenheit, und man sollte nicht leichtfertig darüber hinweggehen. Manch eine liebe Seele hat in diesem Punkt Gott missfallen und ist diesbezüglich in geistliche Dunkelheit geraten.

Wir stellen fest, dass wir an einem Punkt angelangt sind, wo sich zwei Wege kreuzen. Sitte, Tradition und Freunde fordern von uns, den einen Weg zu gehen. Das Wort Gottes fordert von uns den anderen Weg. Wir stehen still, überlegen und beten. Wenn unser Herz vor Gott so offen ist, wie es sein sollte, dann weist uns der Heilige Geist den Weg des Wortes. Wenn wir aber unseren Freunden oder uns selbst gefallen wollen oder wenn auch nur die geringste Unwilligkeit in uns vorliegt, den selbstverleugnenden Weg des Kreuzes zu gehen, dann können wir leicht überredet werden, uns selbst zu entschuldigen und zu glauben, dass diese Sache gleichgültig ist.

Wir sehen viele andere Menschen, die wir für gute Christen halten, die weit erfahrener sind als wir, die aber Gold tragen und sich nach den Moden der Welt kleiden. Daraus schließen wir, ihnen nachahmen und denselben Weg gehen zu dürfen! Nun, lieber Leser, wir dürfen nicht mit unserer eigenen Seele ratschlagen. Wenn wir es tun, so öffnen wir dem Betrug des Satans die Tür. Dieses ist eine ernste Sache, und unsere Entscheidung beeinträchtigt unsere höchsten Interessen. Wir wollen uns für Gott entscheiden und seinem klaren Wort gehorchen.

Jedes Kind Gottes sollte die Sitte des Traurings ebenso bereitwillig ignorieren wie alles andere, das im Worte Gottes deutlich verboten wird. Sollte jemand glauben, dass seine Treue zum Ehebund davon abhängt, ob er den Trauring trägt, der überzeuge sich erst davon, ob er eine biblische Erfahrung des Heils besitzt, und dann wird er herausfinden, dass ein weit heiligeres und stärkeres Band als ein goldener Ring die Eheleute verbindet. In dem Fall, dass ein ungläubiger Ehepartner Einwände erhebt, weil sein gläubiger Ehepartner den Trauring ablegt, würde ich einen sehr vorsichtigen und betenden Kurs in dieser Sache empfehlen. Nimm einen unerschrockenen und festen Stand für die Wahrheit ein. Erläutere deinen Stand und zeige dem Ehepartner, dass wir den Ring nicht aus Mangel an Treue unsererseits ablegen, sondern weil wir Gott gehorchen müssen.

Viele Bekenner der Heiligkeit richten unermesslichen Schaden unter denen an, die in ihnen ein Vorbild suchen. In vielen jungbekehrten Menschen wird das Wort Gottes zunichte gemacht, weil es irgendeine einflussreiche Person versäumt, in diesen Dingen Gehorsam zu leisten. Damit bringen sie sich und andere in einen Stand des Ungehorsams. O, ich würde jeden bekennenden Heiligen warnen, doch mit dem Maßstab des Wortes Gottes aufzumessen, egal wie groß das Opfer oder wie hoch scheinbare Kosten sind. Wir können es uns nicht leisten, unsere Chancen außerhalb der völligen Anerkennung Gottes wahrzunehmen. lasst das Wesen wahrer Demut durch unser ganzes Dasein strömen. Wenn das Verlangen, Gold zu tragen, noch immer in unserem Herzen zu finden ist, so beweist dieses, dass wir noch nicht den demütigen Zustand der Gnade erlangt haben, den Gott uns geben will. Wenn so ein Verlangen dort nicht vorhanden ist, dann Lass deine äußere Erscheinung mit deinem Herzen und dem Worte Gottes übereinstimmen.

Das Tragen von anderem Schmuck ist ebenso unbiblisch und Gott unangenehm. In der Albrecht-übersetzung des Neuen Testaments lesen wir: "Die Frauen sollen sich nicht äußerlich putzen: sich nicht künstlich die Haare flechten, kein Goldgeschmeide anlegen und keine köstlichen Kleider tragen" (1. Petr. 3:3).

Das Tragen von Perlen wird auch erwähnt und in dem Text von Paulus verboten (1. Tim. 2:9). Hätte man sich damals schon mit Diamanten geschmückt, so wie es heute üblich ist, dann wären sie sicherlich auch in der Liste erwähnt und verboten worden.

Köstliche Kleidung

Das "Anziehen von Kleidern" oder "Kleideranlegen" haben andere übersetzer mit "prächtige" oder "köstliche Kleider" wiedergegeben. Dieses schließt nicht nur jede überflüssige äußere Verschönerung ein, sondern auch das Kaufen eines jeden teuren Kleidungsstückes, für das wir mehr von den Mitteln des Herrn ausgeben als nötig ist. Es wird nun wieder viele Meinungen und Urteile geben, was unter "prächtigen Kleidern" zu verstehen ist. Aber niemand, der den biblischen Maßstab der Demut erlangt hat, wird Schwierigkeiten haben, für sein Leben die Grenze zu ziehen oder denen ein gutes Vorbild zu sein, die auf diesem Gebiet noch nicht zur Erkenntnis der Wahrheit gekommen sind.

Bescheidene Kleidung bedeutet nicht, wie es manche Menschen auslegen, eine Gleichgültigkeit in unserer äußeren Erscheinung. Wir sollten immer bemüht sein, ordentlich und anständig angezogen zu sein, bescheiden und keusch. Wir müssen darauf achten, dass wir in jeder Hinsicht vollkommen mit der klaren Lehre des Wortes Gottes übereinstimmen. Wir werden uns gegenüber Armen und gegenüber Reichen verantworten müssen, wie immer es erforderlich sein mag. Wir wollen dabei weder bei der einen noch bei der anderen Klasse mit mehr Merkmalen in unserer Kleidung auffallen als Gottes Wort fordert. Gottes Wort zeigt uns ein schönes, einfaches und anmutiges Auftreten, frei von der furchtbaren Knechtschaft der Mode.

Hunderttausende von Mark werden jährlich von bekennenden Christen für unnötige Kleidung ausgegeben. In unseren so genannten christlichen Ländern gibt man weit mehr Geld für Modetorheiten aus als für Missionszwecke. Wohl machen sich nicht alle bekennenden Christen daran schuldig, aber einer alarmierenden Anzahl ist dieses doch vorzuwerfen. Wenn man manchen so genannten Christen anspricht, die Armen oder die Ausbreitung des Evangeliums finanziell zu unterstützen, dann wenden sie ein, dass sie selber arm sind, während sie gleichzeitig in ihrer Aufmachung Extravaganz beweisen. Wir alle können ohne Zweifel mit unseren Mitteln noch sparsamer umgehen und denen zum Segen werden, die wirklichen Mangel leiden.

Es wird wunderbare Freigiebigkeit vorhanden sein, wenn der verborgene Mensch des Herzens, Christus, völlige Kontrolle über uns hat. Eine der größten Sünden der religiösen Welt ist die abgöttische Hingabe der Seele und des Leibes an die Modegöttin. Tausende, die vielleicht einmal eine gesunde Heilserfahrung besaßen, wurden durch diesen raffinierten Geist des Stolzes gefangen genommen. Jetzt sind diese Menschen entweder geistlich tot oder aber mager geworden und verhungern. Dabei sind sie sich, in manchen Fällen jedenfalls, nicht einmal der Ursache bewusst. Ach, liebe Seele, komm mit mir und Lass uns betend in den Spiegel des Wortes Gottes schauen. Du hast Gott verlassen und dich vor den Götzen gebeugt. Tue Buße, bitte um Vergebung und verspreche Gott dein ganzes Herz, deine ganze Seele, deinen ganzen Verstand und deine ganze Kraft zu geben. Dann wende dich an den reinigenden Born, um ein reines Herz zu erlangen und werde erfüllt mit dem Heiligen Geist, damit der sanftmütige und demütige Christus darin wohnen und sein Leben in uns leben kann. Wir haben weder die Zeit noch die Mittel, die wir an den eitlen Dingen dieser Welt verschwenden können. Die Dinge, die die Menschen so wertschätzen sind in den Augen Gottes ein Gräuel.

Der verdorbene Sinn der Welt ist nicht fähig, zu begreifen, was in den Augen Gottes schön ist. Wenn Kinder Gottes danach streben, in den Augen der Welt schön zu sein, dann muss das Gott sehr missfallen. Der Schmuck eines sanften und stillen Geistes verschönert den Menschen wirklich und lässt aus ihm wahre, himmlische Klarheit hervorleuchten, vor Gott und vor der Welt.

"An jenem Tag wird der Herr der Heerscharen für den überrest seines Volkes zur herrlichen Krone und zum prächtigen Kranz" (Jes. 28:5).
"Denn der Herr hat Wohlgefallen an seinem Volk. Er schmückt die Demütigen mit Heil!" (Ps. 149:4).
"Seine Priester will ich bekleiden mit Heil, seine Frommen sollen laut jubeln" (Ps. 132:16).
"Gebt dem Herrn die Ehre seines Namens! Bringt Speisopfer und kommt vor sein Angesicht! Betet den Herrn an in heiliger Pracht!" (1. Chron. 16:29).

Das Heil ist der einzig wahre Schmuck und darum der einzige, den jeder sich aneignen muss und den allein Gott geben kann. Dieser Schmuck lässt uns mit den Früchten des Geistes in wahrer Schönheit erstrahlen. Verbunden mit den guten Werken des verborgenen Menschen im Herzen, die spontan hervorgebracht werden, machen sie uns zu einem herrlichen Diadem in den Augen Gottes. Ein Herz, das so mit Gott erfüllt ist, hat keinen Raum, keinen Bedarf und kein Verlangen nach eitlem, weltlichem, äußerem Schmuck. Lieber Leser, Lass uns danach trachten, in jeder Hinsicht im vollkommenen Gehorsam zum gesegneten Wort Gottes zu stehen.

"Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen möget, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene" (Röm. 12:1.2).
"Alle aber umkleidet euch mit Demut im Umgang miteinander; denn 'Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade'. Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit" (1. Petr. 5:5.6).