Das Leben und volle Genüge

Charles E. Orr

"Ich bin gekommen, dass sie das Leben und volle Genüge haben sollen" (Joh. 10, 11). Diese Worte bilden die Grundlage für den folgenden Artikel. Der große Richter aller Menschen hat das Todesurteil über alle Menschen auf Erden gesprochen (Röm. 5, 12). Jesus ist auf diese Erde gekommen, um den Menschen das Leben zu geben. Damit hebt er den Urteilsspruch auf. Er sagt zu allen: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurch gedrungen" (Joh. 5, 24). Aus dem Tode ins Leben zu gelangen, ist eine herrliche Erfahrung; und Millionen von Menschen auf Erden haben diese Erfahrung gemacht. Die Natur bietet uns viele Beispiele dieses wunderbaren übergangs. Im Frühling können wir das rings um uns wahrnehmen. Diese Erfahrung nennt Jesus: "Von neuem geboren werden" (siehe Joh. 3, 7). Ein Engel sprach zu der Jungfrau Maria und sagte: "Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, des Namen sollst du Jesus heißen" (Luk. 1, 31). Weiter sagte er zu ihr: "Der Heilige Geist wird über dich kommen. und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das von dir geboren wird, Gottes Sohn genannt werden" (35). Sie weihte willig ihr Leben dem geheimnisvollen Werk des Herrn. Der Heilige Geist nahm den Samen von Gott, brachte ihn in Berührung mit dem Samen des Weibes und so wurde Christus von ihr geboren. Alle Menschen stehen bei Gott in Ehren. Er will den Heiligen Geist einem jeden einzelnen Menschen senden und alle, die ihren Willen und ihr Leben ihm weihen, den Willen solcher wird der Heilige Geist mit dem Geiste Gottes in Berührung bringen und Christus wird in ihnen offenbart werden. Sicherlich ist das eine herrliche Erfahrung, aber es ist der Weg und der einzige Weg, um in den Besitz des Lebens zu gelangen, welches Jesus gebracht hat. Dies ist das wichtigste Ereignis in dem Leben eines Menschen. Wenn wir nicht vom Geiste Gottes geboren werden, dann wäre es für uns viel besser, wir wären nie im Fleische geboren.

In den Worten unsers Grundtextes, lehrte Jesus nicht nur, dass der Mensch das Leben haben kann, sondern dass wir es im überfluss haben können. Damit wollte er sagen, dass eine beständige Entwicklung in diesem Leben sein wird. Wenn der Mensch das neue Leben empfängt und demselben gestattet, sich zu entwickeln, dann wird er täglich zunehmen und zu einem Leben im überfluss gelangen. Den Kindern Gottes zu helfen, dass sie in ihrem christlichen Leben zunehmen, dient die Botschaft dieses Heftes. Gott wolle seinen Segen dazu geben! Unser Geist muss mit dem Geiste Gottes in Berührung gebracht werden, wenn wir dieses Leben erhalten wollen. Das ist gerade das wahre Christentum, woran auch der Christ erkannt wird. Gerade so, wie die Rebe beständigen Saft aus dem Weinstock zieht, so muss die Seele des Kindes Gottes den Kraftzufluss aus Gott erhalten. Jesus ist das Bindeglied zwischen Gott und dem Menschen. Er berührt Gott mit einer Hand und den Menschen mit der andern, und durch ihn, bleiben wir mit Gott in Verbindung. Durch Christus werden wir zu neuen Kreaturen gemacht; wir haben ein neues Leben und einen neuen Anfang in der Menschheit. Das wahre Christentum ist kein kaltes, laues und formelles, sondern ein echtes, und entstammt dem inneren Leben. Das äußere des Menschen kann durch Erziehung in einen Grad der Vollkommenheit gebracht werden, aber dies ist trügerisch und nur Form. Wahre Vollkommenheit fließt von dem vollkommenen Leben Christi in die Seele. Wir können sehr eifrig für die Sache des Herrn einstehen, aber dieser Eifer kann nur als ein Mantel dienen, die Kälte des inneren Lebens zu verhüllen. Gott verlangt mehr nach dem Arbeiter als nach der Arbeit. Ihn verlangt mehr nach unserer Liebe als nach unserer Arbeit, mehr nach unseren Herzen als unseren Händen. Das Reich Gottes breitet sich mehr aus durch das, was wir sind, als was wir tun. Wir mögen noch so viel tun, aber wenn unsere Arbeit nicht ein Ausfluss des frohen und hoffnungsvollen Lebens ist, wo Christus der Mittelpunkt des Herzens ist, da wird unser Werk zerstörend anstatt aufbauend sein. Wenn wir das Leben Christi in unserem Leben nachbilden, dann wird die innere geistliche Gemeinschaft in unserer Seele aufrechterhalten und gestärkt.

Solche, die innigen Verkehr mit dem Herrn pflegen, sagen, dass ein trauriger Mangel der geistlichen Macht unter den Kindern Gottes heute wahrzunehmen ist. Sie sagen uns, dass es nur sehr wenige sind, die in dem Gebetsleben stehen, welches das Leben Jesu in jenen frühen Morgenstunden füllte, als er in den einsamen Stätten mit Gott redete. Sie sagen uns, dass es nur wenige Menschen gibt, deren Seelen nach Gott dürsten, die durch die Gnade und Barmherzigkeit Gottes in die Atmosphäre eines ernsten und göttlichen Lebens gelangen. Es gibt solche, die da wissen, wie alles irdische Gut beiseite gelassen werden kann, und erfahren in der stillen Stunde mit Gott die himmlische Gemeinschaft. Dies sind Gottes wertvollste Juwelen, auf welche Gott seine Liebe gesetzt hat. Dies sind die Seelen, die sich Gott ganz ergeben, und alle ihre Kräfte in seinen Dienst gestellt haben, deshalb sind sie unbekümmert und unermüdlich in seinem Werk tätig. Sie suchen vor allen Dingen gut zu sein, weil sie wissen; dass sie nur dann Gutes tun können, wenn sie gut sind. Dies sind die Seelen, die sich von der Welt trennen und in der stillen Stunde des Gebets füllen sie ihre Seelen mit Leben aus Gott und alsdann ist eine jede ihrer Handlungen und all ihr Dienst ein Wohlgeruch seiner Gegenwart.

Alles Leben wurde mit einer gewissen Absicht geschaffen. Gott hat in jedem Samen verborgene Dinge des Lebens aufgespeichert, die sich nach ihrer Art entwickeln. Es gibt Kräfte in allem Leben, die da kämpfen, um das Leben zu seinem bestimmten Ziele zubringen. Es ist eine Kraft im Leben. Es ist ein Fehler nach Kraft zu suchen. Die Seele wird dadurch dem Irrtum ausgesetzt. Suche nach Leben. Das Maß deines geistlichen Lebens ist das Maß deiner geistlichen Kraft. Wo wenig Leben ist, da ist wenig Kraft. Wenn du wenig Kraft mit Gott im Gebet hast; wenn du deine Seele nicht in die Gegenwart des Herrn heben und mit ihm innige Gemeinschaft pflegen kannst, dann mangelt es dir am geistlichen Leben. Wenn du kein siegreiches Leben in den Störungen und Prüfungen des Lebens führen kannst, dann musst du mehr von der Fülle des Lebens haben, die Jesus gekommen ist, uns zu geben. Du verhinderst es zuweilen, so dass das Leben sich nicht voll entwickeln kann. Es ist irgendwo ein Hindernis vorhanden. Die Verbindung mit Gott ist irgendwo abgeschnitten und der Kanal irgendwo verstopft. Vielleicht hat sich in deiner Seele ein Hang zur Welt und zu irdischen Dingen eingestellt. Du lässt dich vielleicht durch Sorgen um irdische Dinge beeinflussen und vertraust nicht deinem Schöpfer. O, liebe Seele, fliehe die irdischen Dinge und setze deine Hoffnung auf Gott.

Ein Samenkorn wird in die Erde gesät. Es erzeugt Leben. Es liegt eine Kraft in dem Leben, die es durch die Kruste der Erde aufwärts treibt. Jeden Tag strebt es dem Ziele zu, zu welchem es bestimmt wurde. Zuerst ist der Halm da, dann die ähre und schließlich der volle Weizen in der ähre. Die Seele, die durch Jesus Christus wiedergeboren worden ist, enthält göttliche Kraft und wird sich voll entwickeln. Die wiedergeborene Seele findet ihren Halt in Jesus und erreicht ihre volle Reife. Das Leben verbindet sich mit dem Leben. Die Seele, die Leben aus Gott hat, ist mit Christus verbunden und verlangt zu seiner Vollkommenheit zu gelangen. Das erhabene Leben in Christo Jesu, strebt nicht nach irdischen Dingen, sondern strebt dahin, Christus immer ähnlicher zu werden. Solch eine Seele wird stets an die Worte des Apostels denken: "Wir wissen aber, so unser irdisch Haus dieser Hütte zerbrochen wird, dass wir einen Bau haben, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist, im Himmel. Und darüber sehnen wir uns auch nach unserer Behausung, die vom Himmel ist, und uns verlangt, dass wir damit überkleidet werden" (2. Kor. 5, 1 und 2). Der Kinder Gottes wartet eine ewige Seligkeit. Es ist wie der Apostel sagt: "Welcher (Christus) unseren nichtigen Leib verklären wird, dass er ähnlich werde seinem verklärten Leibe" (Phil. 3, 21). O, Kind Gottes, werde dir gewiss, dass du allen irdischen Dingen abgesagt hast und mit Paulus sagen kannst: "Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, das da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel - nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu" (Phil. 3, 13 und 14). Siehe zu, damit du jeden Tag höher steigst. Siehe aber zu, damit sich nicht etwas einschleicht, das da hinderlich wäre im geistlichen Wachstum. Lass den Geist Gottes voll und ganz in deinem Leben wirken; denn er kann das erzielen, was Gott wohlgefällig ist (Hebr. 13,21). Unterlasse nicht, die stille Gemeinschaft mit Gott zu pflegen. Wenn du haben willst, dass Christus volle Gestalt in dir gewinnen soll, dann musst du zusehen, dass dein Leben verborgen ist mit Christo in Gott. Du musst in der Stille mit Gott leben, damit die Welt die süße Gemeinschaft mit Gott nicht stören kann. O, Kind Gottes, fliehe die Dinge dieser Welt; suche oft den stillen Ort, wo du heilige Gemeinschaft mit Gott pflegen kannst und deine Seele gestärkt wird.

Jesus spricht von vier Dingen, die ein Kind Gottes täglich erfüllen muss, wenn es das Leben und volle Genüge haben will. Das erste ist:

"Kommt her zu mir"

Der Sünder muss zu Jesu kommen, wenn er Ruhe für seine Seele finden will. Christus sagt: "Und ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben haben möchtet" (Joh. 5, 40). Lieber Leser, muss das auch von dir gesagt werden?

Zu Jesu zu kommen, um das Leben zu bekommen ist nur der erste Schritt auf der schmalen Bahn, die zum ewigen Leben führt. Haben wir aber erst das Leben, dann müssen wir beständig zu Jesu kommen um das Brot des Lebens zu nehmen. Das natürliche Leben eines Kindes verlangt beständig nach solchen Speisen, durch die es sich zu einem höheren und stärkeren Leben entwickeln kann. Dasselbe bewahrheitet sich auch in unserem geistlichen Leben. Es sucht nach Nahrung und muss ernährt werden, um sich entwickeln zu können. Dies ist die einzige Art und Weise, wie die Seele Ruhe finden kann. Wenn deinem geistlichen Leben auch nur an einem einzigen Tage das Brot des Lebens nicht dargereicht wird, dann wirst du einen Verlust der Gewissheit wahrnehmen, die aber so notwendig ist, um vollkommene Ruhe zu haben. Das gesunde Kind braucht viel Nahrung zu seinem Wachstum. Eine Seele, die gesund ist, muss recht viel Gemeinschaft mit Gott haben. Sie kann sich so sehr an bestimmte Stunden der Nahrungsaufnahme gewöhnen, dass sie unruhig wird, wenn die Stunde versäumt wird. Dies ist wahr in dem Leben eines Kindes und warum sollte das im geistlichen Leben weniger wahr sein. Und wenn zum gesunden Wachstum eines Kindes regelmäßige Verabreichung der Speisen notwendig ist, warum sollte es dann nicht gerade so notwendig zur Entwicklung der Seele sein? Wir bitten dich, liebe Seele, es doch nicht zu unterlassen, das geistliche Leben beständig und regelmäßig zu pflegen.

Welches ist die beste Speise für die Seele? Jesus sagt: "Der Mensch lebt nicht von Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht" (Matth. 4, 4). Wie der natürliche Leib Brot als Nahrung braucht, so braucht die Seele das Wort Gottes. Es waren die frühen Morgenstunden, oder die ganzen Nächte, die Jesus im Gebet mit seinem Vater zubrachte, wodurch sein geistliches Leben gespeist wurde. Wenn Jesus das tun musste, dann ist das auch eine Bedingung für uns. Jesus sagt zu uns: "Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, also, wer mich isst, der wird auch leben um meinetwillen" (Joh. 6, 57). Die Worte: "Wie mich gesandt hat" lehren uns, dass Christus beständig in dem Gedanken lebte, dass er von Gott gesandt und verpflichtet war, den Willen seines Vaters zu erfüllen. Um das tun zu können, musste er Gemeinschaft mit dem Vater haben. Sein Leben musste mit der Kraft des Vaters angetan sein. Sich von Jesus nähren, bedeutet nicht sich selbst leben, sondern dass Christus in uns lebt. Seine Stärke erhält unser Leben und wir können nur in seiner Macht triumphieren; wir beten in seinem Namen und tun alle Dinge zu seiner Ehre und Verherrlichung.

Um das Leben und volle Genüge zu haben, müssen wir ihm gehorsam sein und seine Bitte: "Kommt her zu mir" erfüllen. Wenn du auf dem Wasser wandeln möchtest über den Dingen dieser Welt und den Umständen des Lebens, so achte auf sein Wort "komm." Christus hat Worte des ewigen Lebens. In solchen Worten ist gerade die Nahrung enthalten, die unser geistliches Leben zum Wachstum und zur Entwicklung nötig hat. "Seid begierig nach der vernünftigen, lauteren Milch als die jetzt geborenen Kindlein, auf dass ihr durch dieselbe zunehmet" (1. Petr. 2, 2). Moffatt übersetzt so: "Verlanget nach der reinen, geistlichen Milch, damit ihr durch dieselbe zum Heil wachset." Das Wort "Heil" bedeutet hier Reife oder die Fülle in Christo. Es unterlassen, sich an dem Worte Gottes zu nähren, bedeutet die Seele zu vernachlässigen und die Folge davon ist, dass man im christlichen Leben schwach wird. Wenn wir Kraft haben wollen, ein heiliges Leben zu führen, dann müssen wir Gottes Wort in unserem Herzen behalten. "Ich behalte dein Wort in meinem Herzen, auf dass ich nicht wider dich sündige" (Ps. 119, 11). Die Worte Jesu müssen in unser Herz aufgenommen, befolgt und im Leben angewandt werden. Wenn der Sauerstoff aus der Luft in unsere Lungen aufgenommen wird und ins Blut gelangt, verursacht er ein Feuer und füllt uns mit physischer Energie. Es sind gerade solche Elemente in dem Worte Christi enthalten, die für das geistliche Leben unbedingt nötig sind. Wenn diese Elemente mit unserem geistlichen Leben in Berührung kommen, dann fachen sie in uns ein Feuer an und füllen uns mit geistlicher Energie und Kraft. Der größte Fehler bei den meisten Menschen ist der, dass sie ihr geistiges Leben speisen anstatt ihr geistliches Leben. Wenn du ein Heim im Himmel haben willst, dann speise deine Seele jeden Tag mit dem Worte Gottes.

Viele möchten wissen, wie die Seele mit dem Worte Gottes gespeist werden kann. Es soll dies in der einfachsten Weise geschehen und zwar, wie das Wort Gottes uns darüber Aufschluss gibt. Das Wort Gottes muss täglich gelesen und darüber nachgedacht werden. Vergiss das Nachdenken nicht. Du wirst einen geistlichen Verlust erleiden, wenn du das tust. Wenn wir nur wenig das Wort Gottes lesen und wenig darüber nachdenken, dann wird unser geistliches Leben auch nur dementsprechend sein. Ich sage nicht, dass du deine Bibel nur studieren sollst; denn Tausende studieren dieselbe in einer oder der anderen Weise, werden aber in ihrem geistlichen Leben immer schwächer. Es besteht ein großer Unterschied, ob man das Wort Gottes studiert oder darüber nachsinnt. Das Studium des Wortes Gottes bereichert unseren Verstand, aber nicht unser Herz. Der Heilige Geist muss dein Lehrer sein und seine Unterweisungen sind unentgeltlich. Ich werde hier fünf allgemeine Regeln anführen, die uns zeigen, auf welche Weise wir das Wort Gottes in unser Herz bekommen können. Lasst uns z. B. Matthäus 6,24- 34 nehmen. Lasst uns Gott bitten, damit er uns helfe, über den Bibelabschnitt nachzusinnen. Wenn du der Vorschrift eines Menschen folgst, dann kannst du leicht das übersehen, was deine Seele am meisten notwendig braucht.

ärzte mögen eine allgemeine Krankenkost vorschreiben, die im Allgemeinen gut ist, aber es ist nicht gut für jedermann derselben zu folgen; denn was einem dienlich ist, kann für den anderen schädlich sein. Wir können Bücher schreiben, die im Allgemeinen gut sind, aber wir können nicht die Schriftabschnitte wählen, die am besten für dein geistliches Leben sind. Der eine braucht dieses, der andere vielleicht jenes. Ich werde dir fünf Regeln geben, wie du den Abschnitt lesen sollst, den der Herr dir gibt. Der Heilige Geist wird dir vielleicht noch andere Regeln geben. Ich gebe hier die Regeln, welche der Heilige Geist mir gegeben hat.

Erstens: Lies den Schriftabschnitt sorgfältig mit Gebet und bitte den Heiligen Geist, dass er dir die verborgene Bedeutung desselben erklären möchte. Wenn du Matthäus 6, 24 - 34 liest, wirst du finden, dass in dem Abschnitt Tiefen enthalten sind, die wohl noch nie jemand ganz ergründet hat. Die Worte dieses Abschnitts müssen langsam gelesen werden und du musst in innigem Gebet Gott bitten, dass er dir Licht erteilen möchte.

Zweitens: Umgürte die Lenden deines Gemüts. Weihe deine Gedanken dem Worte Gottes. Lass deine Gedanken nicht umherschweifen. Der Schulknabe muss dies tun,

wenn er die Lektion verstehen will. Du musst deine Willenskraft üben. Wenn deine Willenskraft nicht geübt wird, dann wird sie nicht zunehmen, und wenn deine Willenskraft nicht durch das Lesen des Wortes Gottes zunimmt, dann liest du es nicht richtig. Denke nicht, dass du viel aus dem Worte Gottes schöpfen wirst ohne große Anstrengung. Der Schulknabe muss arbeiten um geistige Speise zu bekommen, und du musst sehr arbeiten, um geistliche Speise zu erhalten. Es wird einer Anstrengung

bedürfen, um deine Gedanken und Sinne auf das Wort Gottes zu richten, und es wird dann einer besondern Anstrengung bedürfen, wenn du erst kürzlich in Christi Schule eingetreten bist.

Drittens: Du musst mehr tun, als nur die Aufmerksamkeit des Geistes dem Worte Gottes zuzuwenden. Vergiss nicht, dass eine wirkliche Anstrengung des Geistes sein

muss. Aufmerksamkeit und Anstrengung ist zum Studium nötig. Du wirst nicht die Bibel studieren, damit du predigen oder lehren kannst, sondern lies sie deshalb, um dein geistliches Leben zu nähren, damit du zur Fülle Gottes gelangen kannst. Wende dein Herz und deine Gedanken dem Lesen des Wortes Gottes zu. Durch deinen Geist ergreife das Wort Gottes dermaßen, dass du es zu einem Teil deines Lebens machst. Christi Worte sind Geist und Leben und nur durch deinen Geist kannst du aus dem geistlichen Wort Nahrung ziehen.

Bete während du liest. Lass deine Seele mit Gott verbunden sein, während du liest. Dein Geist und deine Seele müssen zu gleicher Zeit gespeist werden. Du musst im Geiste lesen. Während du liest, hörst du, was Gott durch sein Wort spricht. Wenn du betest, dann sprichst du mit Gott und wenn du hörst wie Gott durch sein Wort zu dir spricht, so ist das nicht weniger als das Gebet. Im Geist lesen vertieft die Gemeinschaft deines Geistes mit dem Geist Gottes. Du wirst dadurch mehr von den irdischen Dingen los gelöst und mehr mit den ewigen Dingen verbunden. Gott wird dir dadurch näher gebracht und er wird deiner Seele in einer herrlichen Weise offenbart werden. Du erhältst dadurch erneute Kräfte und wirst ausgerüstet, gegen den Feind zu kämpfen. Du wirst dadurch mit einer heiligen Furcht erfüllt werden, und das Lesen macht deine Lebenshandlungen zu Handlungen des Gebets.

Viertens: Wende mit Gottes Hilfe in deinem Leben das an, was du im Worte Gottes liest. Jesus sagt: "Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet" (Matth. 6, 25). Trachte danach, dass du das gleich anwendest, was du gelesen hast. Es hat nur wenig Nutzen für dich, wenn du nicht anwendest, was du gelesen hast. Du wirst nur dann stark gemacht, wenn du das Gelesene anwendest. Wenn du im natürlichen Leben isst, dann erhalten deine Muskeln Leben, aber wenn den Lebenskräften keine Gelegenheit geboten wird, sich zu üben, dann wird mit der Zeit alles verloren sein. Wenn du nicht anwendest, was du liest. dann hat es für dich keinen Nutzen. Wie viel Zeit hat Jesus dazu verbraucht, darüber nachzudenken, was er essen und anziehen sollte? Du sagst vielleicht, dass Jesus die Macht hatte zu nehmen, was ihm fehlte. Aber Jesus hat seine Kraft nur so angewandt, wie es der Wille seines Vaters war. Er sandte seine Jünger in die Stadt Speise zu kaufen, wenn sie solche brauchten. Er weigerte sich von Steinen Brot zu machen, nur um seinen Leib zu erhalten. Wenn du ein geweihtes Kind Gottes bist, dann gehört dein Leib ihm an, dann wird er auch für deinen Leib sorgen. Jesus liebt deinen irdischen Leib geradeso sehr, wie er seinen liebte, als er hier auf Erden wandelte. Dem Herrn war es um den Unterhalt des Leibes zu tun. Er sandte seine Jünger in die Stadt, dass sie Speise kaufen sollten, aber er hat nicht den Morgen über oder auch nur eine Stunde darüber nachgedacht, was sie essen würden. Er hat nicht für die Zukunft gesorgt. Das heißt, er hat nicht ängstlich an die Zukunft gedacht. Er war nicht ängstlich um den nächsten Tag besorgt. Er hatte das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit im Auge, und Gott gab ihm alles, was er für seinen Leib brauchte. Wenn du Gottes Arbeit zu deiner Arbeit machst, dann wird er deine Arbeit zu seiner Arbeit machen, und er wird danach sehen, dass du in deiner Arbeit vorankommst. Es ist deine Aufgabe Gottes Reich und seine Gerechtigkeit auszubreiten. Sieh zu, dass Gott überall mit dir sein kann. Das ist, was die Bibel fordert, und du solltest immer erfüllen, was sie lehrt. Wende in deinem Leben das an, was die Bibel lehrt.

Fünftens: Sei dem Herrn ganz geweiht. Dies sollte eigentlich die erste Regel über das Lesen des Wortes Gottes sein. Es sollte aber auch die Stellung unseres Herzens beim Bibellesen sein. Wenn du im Geist und mit Gebet das Wort gelesen hast; wenn du von ganzem Herzen gelauscht hast, was Gott gesagt hat, dann wirst du in dir das Bedürfnis fühlen, dich ihm aufs Neue zu ergeben. Wenn du während des Lesens keine klarere Offenbarung von Gott erhalten hast, dann hast du nicht den Segen erhalten, den du eigentlich bekommen solltest. Das Evangelium von Christo ist eigentlich der Spiegel, in welchem du das Angesicht Gottes sehen solltest. Wenn du in den Spiegel des Worbes Gottes geblickt hast, hast aber nicht das Angesicht Gottes gesehen, dann hat irgendein irdischer Schleier über deinen Augen gehangen. O, das Fleisch! Es hindert viele, Gott in seinem Wort zu sehen.

Wenn wir eine klarere Erkenntnis von Gott erhalten dann werden wir uns ihm auch mehr weihen und seine Herrlichkeit im Leben sehen. Wenn wir die Herrlichkeit der Heiligkeit Gottes mehr sehen, dann wird in uns das Verlangen sein, diese Herrlichkeit in uns aufzunehmen und sie wird sich mehr durch uns offenbaren. Jedes andächtige, nachsinnende Lesen der Bibel, wird uns immer Gott ähnlicher machen. Jesus sagt "Kommet her zu mir alle." Wir müssen täglich zu Jesu durch sein Wort kommen. Das Wort Gottes ist das einzige Mittel, wodurch wir das Leben und volle Genüge erlangen können. Das Wort Gottes ist die Speise für unser geistliches Leben. Wenn wir die Bibel mit Gebet lesen, dann erlangen wir einen himmlischen Segen für unsere Seele. Gehe zu dem Worte Gottes mit der Absicht deine Seele derart zu speisen, wie wenn du zu einem gedeckten Tisch gehst, um deinen Leib zu speisen. Das Wort Gottes im Herzen ist das Geheimnis eines heiligen und siegreichen Lebens. Wenn du dir jeden Tag etwas Zeit nimmst, um deine Seele mit dem lebendigen Worte Gottes zu speisen, dann wirst du stark sein, um die Versuchungen zu überwinden. Du wirst Sieger sein über die bösen Anläufe des Feindes und deine Seele wird himmlischen Frieden haben.

In den Herzen vieler Menschen muss ein viel größeres Verlangen nach dem Worte Gottes sein. Die Schar derjenigen, die zu Jesu Füßen sitzen und seinem Worte lauschen, sollte größer sein. Es sind nur wenige, die nach den Geboten des Herrn lechzen (Ps. 119, 131). O, dass doch ein größeres Verlangen nach dem Worte des Lebens sein möchte! Es sind nicht viele, die mit dem Psalmisten sagen können: "Zur Mitternacht stehe ich auf, dir zu danken für die Rechte deiner Gerechtigkeit" (Ps. 119,62). Es sind nicht viele heute, die das Wort Gottes für wichtiger halten, als ihre tägliche Nahrung (Hiob 23, 12). Wie betrübt es uns doch von den religiösen Konventionen der Gegenwart zu hören, wo die Festmähler, die Wassermelonen und Abstecher die größten Lockungen sind. Wasserströme fließen aus unseren Augen, weil man das Schmausen, die Festmähler und Gesellschaften für größer achtet als das Wort Gottes selbst. Aber unser Herz wird noch mehr betrübt, weil Kinder Gottes unterlassen, das Wort Gottes zu lesen. Du großer und allmächtiger Gott, gib deinen Kindern ein größeres Verlangen nach deinem Wort!

Der Psalmist sagt: "Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege" (Ps. 119, 105). Der Apostel Paulus sagt: "Und nehmet den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes" (Eph. 6, 17). Das Wort Gottes ist ein Spiegel, in dem wir uns selbst sehen können (Jak. 1, 23 und 25). Es ist

ein Wasser, welches die Seele reinigt und dieselbe rein erhält (Eph. 5, 26). Es ist die Milch, wodurch unsere Seele genährt wird (1. Petr. 2, 2). Der Psalmist sagt: "Dein Wort ist meinem Munde süßer denn Honig" (Ps. 119, 103). Ich bitte euch, ihr Kinder Gottes, sehet zu, dass ihr eine beständige Liebe zum Worte Gottes habt. Unterlasst es nicht, täglich darin zu lesen. Bittet den Heiligen Geist, dass er es zur Macht in euch werden lässt, während ihr es lest.

Das Wort Gottes muss unser ein und alles werden. In alter Zeit schrieb der Finger Gottes das Gesetz in Steine, aber in der Gnadenzeit, schreibt der Heilige Geist das Gesetz Gottes nur in demütige und ergebene Herzen. Jesus, hilf uns!

Das zweite Wort, das Jesus uns gibt, das zum Leben und volle Genüge führt, ist:

"Lernet von mir"

"Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir." (Matth. 11, 29). Zu Christo kommen, ist nicht nur zu ihm kommen, um ihn zu hören, oder in seine Gegenwart zu treten, sondern in sein Herz zu kommen. Wir wollen nicht nur kommen, um etwas von ihm zu lernen, sondern ihn kennenzulernen. Indem der Apostel Paulus von dem traurigen Zustand der Heiden spricht, sagt er zu den Ephesern: "Ihr aber habt Christum nicht also gelernt. (Eph. 4, 20). Die, die mit den ältesten griechischen Manuskripten bekannt sind, sagen, dass die Wörter "nicht also" in diesem Vers nicht stehen, daher würde der Vers so lauten: "Ihr aber habt Christum gelernt." Dies gibt uns eine klarere Bedeutung. Indem man Christus lernt, ändert sich vieles. Je mehr wir Christus kennenlernen, desto mehr verändern wir uns. Alle, die ihn kennengelernt haben, wandeln nicht wie die Heiden.

Die Ermahnung des Apostels Petrus an die Kinder Gottes lautet: "Wachset aber in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi" (2. Petr. 8, 18). Dies ist der Weg, der zum Leben und zur vollen Genüge führt. Um ein starkes und eifriges Kind Gottes zu sein, muss man beständig von Jesu lernen. Wir müssen ihn immer besser kennenlernen. Für die Seele, die das geistliche Leben wert schätzt, ist dies das höchste Gut. Der Apostel Paulus sagt: "Ja, ich achte es noch alles für Schaden gegen die überschwängliche Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um welches willen ich alles habe für Schaden gerechnet, und achte es für Kot, auf dass ich Christum gewinne" (Phil. 3, 8). Ich werde auf dieses angeführte Wort später verweisen.

Christus kennenlernen ist nicht, dass er uns offenbart werde, sondern wir müssen ihn in uns haben (lies Gal. 1, 16). Niemand kann für einen andern etwas von Christus lernen. Jeder muss ihn selbst kennenlernen. Wir können uns gegenseitig belehren, aber wir können nicht für einen andern etwas lernen. Du musst deinen Verstand und dein Herz in eine aufnehmende Stellung Gott gegenüber bringen, dass der Heilige Geist Christus in deinem Innern offenbaren kann.

Gott kann sich nur in dem Innern unseres Herzens kundtun. Nur hier kann uns der Heilige Geist die Reinheit Christi zeigen; nur hier können wir etwas von der süßen Liebe Jesu schmecken; nur hier können wir die Herrlichkeit Jesu sehen. Nur hier kannst du ihn in Wahrheit kennenlernen, und ihn erkennen bedeutet ewiges Leben, ihn selbst haben (Joh. 17, 3). Eine Schwester gab folgendes Zeugnis aus ihrer Erfahrung, als sie die Hand eines sterbenden Kindes Gottes hielt. Sie sagt: "Als die Seele des Kindes Gottes entfloh, kam solch eine Herrlichkeit in meine Seele, dass ich es nicht beschreiben kann. Mehrere Tage konnte ich beständig die Gegenwart himmlischer Wesen wahrnehmen und es schien so, als ob der Vorhang, der mich von ihnen trennte, nur sehr dünn war. Es schien mir so, als ob ich eine unzählbare Schar Engel singen hörte, die dies glückliche Kind Gottes, das gestorben war, begrüßte und in die ewige Heimat begleitete." Diese Schwester lernte Christus in dieser Erfahrung erkennen, wie man ihn in keinem Seminar oder College kennen lernen kann. Es ist nicht unsere Absicht hier auf die Vorzüge oder Nachteile dieser verschiedenen Kanäle (Schulen) hinzuweisen, wie man versucht uns Christus zu lehren, sondern nur zu zeigen, dass dadurch der Seele Christus oft verhüllt wird. Mose war in aller Weisheit der ägypter unterwiesen, aber er musste in die Wüste gehen, um Gott kennenzulernen. Der Apostel Paulus wurde zu den Füßen Gamaliels unterwiesen, aber musste drei Jahre in der Wüste Arabiens zubringen, um Christus kennenzulernen. Nur wenn der Geist des lebendigen Gottes uns Christus in das Herz schreibt, dann und nur dann können wir ihn erkennen.

Lasst uns das Wort: "Nehmet auf euch mein Joch" betrachten. Jesus sagt uns, dass dieses der Weg ist wie wir ihn erkennen können. Wir können erkennen, wer Jesus ist, seine Natur und seinen Charakter können wir nur dann erkennen, wenn wir sein Joch auf uns nehmen. Man kann dir sagen und du kannst auch in der Bibel die Worte "Gott ist Liebe" lesen, aber du kannst die Bedeutung dieser Worte an dir selbst nur dann erfahren, wenn du erfüllst, was Jesus sagt: "Nehmet auf euch mein Joch." Was bedeutet eigentlich: "Nehmet auf euch mein Joch"? Es bedeutet in ein Joch mit Jesu gespannt zu sein. In ein Joch gespannt sein, bedeutet Gemeinschaft zu pflegen. Es bedeutet, dass wir so gesinnt sind, wie Jesus gesinnt war, und mit ihm zusammen in einem Werke verbunden zu sein. Es bedeutet für Christus zu arbeiten und an der Ausbreitung seines Reiches in dieser Welt interessiert zu sein. Kannst du diesen Gedanken fassen? Du kannst Christus nur dann erkennen, wenn du mit ihm ziehst? Du hilfst mit in der Rettung von verlorenen Seelen, in der Heilung von Kranken, in der Unterstützung der Armen, in der Ausbreitung des Evangeliums, hilfst den Kindern Gottes zu einem geheiligten Leben und kannst so mehr von Jesus lernen als ein Seminar dich lehren kann. Wenn Kinder Gottes mit Christus verbunden sind und mit ihm zusammen in einem Joch ziehen, dann ziehen sie alle zusammen. Dies ist die Gemeinde Gottes. Ein jedes Glied in der Gemeinde Gottes ist mit Christus verbunden, und alle Glieder zusammen gehen eine Richtung. Wenn ein Glied oder mehrere Glieder eine andere Richtung einschlagen, dann entsteht eine Verwirrung. Jesus hat seine Gemeinde organisiert, um seine Interessen in dieser Welt durchzuführen, die Menschen zu retten. Merke dir, liebe Seele, dieses: Christus erkennen, bedeutet seine Interessen kennenzulernen und mit ihm zusammen von ganzem Herzen an der Ausbreitung seines Reiches zu arbeiten. Je mehr wir von ihm lernen, desto besser lernen wir, wie wir ihm dienen können.

Wenn wir in die Gemeinde Gottes eintreten, dann lassen wir alle eigenen Interessen draußen und schließen die Tür zu. In der Gemeinde Gottes gibt es kein Sich selbst leben. Alles, was da getan wird, geschieht zur Ehre des Herrn. Wir leben nicht mehr uns selbst, sondern für den, der für uns gestorben ist. Er starb für uns und wir leben für ihn.

Der Teufel baut sein Reich hier auf Erden und er hat viele eigene Interessen. Er hat auch sehr viele, die für ihn und seine Sache einstehen. Worüber man sich sehr wundern muss ist, dass viele der Ansicht sind, dass sie für Christus arbeiten, während sie doch im Dienste des Feindes stehen. Sie denken, dass sie für Christus arbeiten, sind aber gleichzeitig bemüht, die Kinder Gottes zu beeinflussen, Misstrauen gegen Christus zu haben.

Die meisten Menschen interessieren sich für irgendetwas. Das ganze Bestreben der Kinder Gottes ist, das Interesse Christi zu fördern. Ihr ganzes Bestreben geht dahin. Das ist ihre Speise und ihr Trank. Je tiefer ihre Interessen gehen, desto schwerer ist ihre Arbeit. Das wahre Kind Gottes geht mit dem Gedanken zu Bett, wie es am besten möglich wäre, die Sache des Herrn zu fördern. Am Morgen erwacht der wahrhaft Gläubige mit demselben Gedanken in seinem Herzen. Dies ist die Art und Weise, wie das wahre Kind Gottes zum Leben und zur vollen Genüge gelangt. Wenn du so für Christus und seine Sache lebst, dann wirst du etwas von der Herrlichkeit Gottes schmecken, von der die Welt nichts weiß. Wenn du von ganzem Herzen für Christus und seine Sache lebst, dann besitzt du den Himmel schon hier auf Erden. Zeige mir einen Menschen, der in Worten, Gedanken und Taten jeden Tag ganz für Christus und seine Interessen lebt, und ich werde dir dann einen Menschen zeigen, der anderen die Wege des Herrn besser lehren kann als alle Doktoren der Theologie.

Es würde ein dickes Buch geben, wenn man alles erwähnen wollte, was diese Worte Jesu enthalten, aber wir müssen bald damit abschließen. Aber ehe wir mit diesem Gegenstand abschließen, lasst uns noch auf eins in Jesu Leben blicken. Jesus trennte sich ganz von der Welt. Er zeigt uns dieses in folgenden Worten: "Ich bin nicht von dieser Welt" (Joh. 8, 23). Dies ist eine einfache Darlegung, aber wer kann die Tiefe derselben ergründen? In welchem Sinne war Christus nicht von dieser Welt? Um dieses recht verstehen und fassen zu können, muss man selbst sich von der Welt getrennt halten und in steter Verbindung mit Jesu sein. Du musst alle irdischen Dinge aus deinem Gedächtnis und deiner Seele fernhalten und den Heiligen Geist einladen, dass er in dein Herz komme und dir Licht schenke, damit du das Leben Jesu sehen kannst. "Eine Leuchte des Herrn ist des Menschen Geist" (Spr. 20, 27). Gott muss durch seinen Geist in deinen Geist kommen und eine Leuchte sein, damit du die Natur Christi sehen kannst. Viele, die nur dem Namen nach Jesu folgen, sprechen von ihm und von Trennung von der Welt, wissen aber nur wenig, was das bedeutet. Ich kann hier davon sprechen, was das bedeutet, aber wenn der Geist des Herrn dich nicht erleuchtet. dann kannst du darüber doch voll und ganz in Unwissenheit sein.

Gott liebte die Welt und Jesus liebte die Welt, nämlich die Seelen der Menschen. Jesus hat nie materielle, irdische Dinge geliebt. Er liebte nicht das Geld oder was mit Geld erlangt werden kann. Er brauchte die irdischen Dinge wohl, aber nur wenig, während er hier im Fleische lebte. Zeigt sein Leben, dass er nach irdischen Dingen strebte? Er bedurfte einer Speise, von welcher die Welt nichts wusste. Seine Speise war den Willen des Vaters zu erfüllen. Ihm war es nicht um die irdischen Dinge zu tun, sondern um die Seelen der Menschen. Wenn der Mensch irdische Dinge liebt, dann ist er nicht von der Welt getrennt. Wenn Jesus den Weinstock und seine Reben sah, dann erblickte er darin die Gemeinde Gottes. Wenn er ein reifes Erntefeld sah, dann sah er darin eine Seelenernte. Wenn er die Vögel unter dem Himmel oder die Lilien auf dem Felde sah, dann sah er wie sein himmlischer Vater für die Menschen sorgte. Wenn er das Wasser sah, welches die Frauen schöpften, dann sah er "lebendiges Wasser." Wenn er eine Herde Schafe sah, dann dachte er an seine eigene Herde. Wenn er sah, wie eine Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel sammelte, dann dachte er an seine Kinder, die er unter seine Flügel sammeln wollte. Sein Leben und sein Wirken zeigt uns, dass er um unsichtbare Dinge bemüht war und nicht um sichtbare. Wenn er einen Menschen in einem schönen Automobil gesehen hätte, hätte er nicht das Automobil bewundert, sondern den Wagen auf welchem die Seele des Menschen in den Himmel fahren könnte. O, wie ist der Mensch doch so sehr geneigt, die irdischen Dinge zu sehen.

Wir müssen mit diesem Gegenstand abschließen, doch lasst uns damit schließen: "Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören?" Während Jesus auf dieser Erde lehrte und heilte, hat er nie an einen irdischen Ersatz gedacht. Als Nachfolger Christi musst du so von der Welt getrennt sein, wie er es war (Joh. 17, 14 - 16). Er hat nie ein Verlangen gehabt, sich von Menschen ehren zu lassen. Ein ganzer Goldberg wäre nicht imstande ihn in seiner Gesinnung und seinem Tun umzustimmen. Anstatt den Goldberg würde er die reichen Gnadengüter Gottes sehen. Er suchte nicht durch irdische Dinge die Menschen zu beeinflussen. Alle, die nicht so denken und handeln wie er gedacht und gehandelt hat, die lassen sich durch irdische Dinge fesseln. Anstatt die Pracht des irdischen Tempels zu sehen, sah er seine Zerstörung. Anstatt die Welt zu bewundern, sah er ihre Verwüstung und bewunderte nur das, was ewigen Bestand hatte. Sei nicht allzu schnell bereit, die gesagten Worte zu verdammen, sondern gehe in dein Kämmerlein, schließ die Tür zu und bitte deinen himmlischen Vater, dass er dir Christus in seiner Herrlichkeit zeigen möchte. Wenn du Jesus kennenlernen willst. dann studiere sein Gebetsleben und trachte danach, in demselben Geiste zu leben. Die Kinder Gottes brauchen mehr von dem Gebetsgeist Jesu. Sie müssen ein Gebetsleben führen.

Das dritte Wort, das Jesus an uns richtet, lautet:

"Folge mir"

"Kommet her zu mir alle." "Lernet von mir." "Folge mir." Was bedeutet das, Jesu nachfolgen? Singen nicht viele:

"Ich will folgen dir, mein Heiland,
was mein Teil auch sein mag hier;
wo du hingehst, will ich folgen,
folgen treulich, Heiland, dir!
Ist der Weg auch steil und dornig,
mag er spurlos scheinen mir,
du gingst diesen Weg einst für mich,
und ich folge freudig dir",

die aber doch nur einen kleinen Begriff davon haben, was es bedeutet, Jesu zu folgen? Man kann nur dann Jesu folgen, wenn man sich selbst verleugnet, das Kreuz auf sich nimmt und es trägt. Jesus trug nicht nur ein hölzernes Kreuz auf den Hügel Golgatha, sondern von der Zeit seiner Wirksamkeit an hat er ein viel schwereres Kreuz getragen (lies Matth. L6, 24;Mark. 8, 84; 10, 21 und Luk. 9, 23). Merke das Wort welches Lukas gebraucht, das Matthäus und Markus nicht gebrauchen. Dieses Kreuz muss täglich getragen werden. Wenn du die Wirksamkeit

Jesu studierst, dann wirst du sehen, welches Kreuz Jesus trug. Das Kreuz musst auch du tragen, wenn du ihm folgen willst. Du hast ein gut eingerichtetes Heim, erhältst ein Gehalt für dein Predigtamt, die Menschen sprechen Gutes von dir, empfehlen dich als einen guten Prediger und tun Verschiedenes für dich. Trägst du das Kreuz wie Jesus es trug? Einige sagen, dass sie Verfolgungen zu erdulden haben. Wenn du dich gründlich untersuchst, dann wirst du erkennen, dass die einzige Verfolgung, die du zu ertragen hast daher kommt, weil man dich deiner hervorragenden Stellung und deines Gehaltes wegen beneidet und verlangt danach, deine Vorrechte zu genießen.

Jesus hat nicht gelehrt, noch will dieses Gesagte lehren, dass du kein gesetzliches Recht hast, ein Heim zu besitzen oder sonstige irdische Dinge, aber du musst alles so besitzen, als ob du nichts hättest. Du musst diese Stellung allen irdischen Dingen gegenüber einnehmen. Das Wort "mein" darf nicht in deinem Wortschatz zu finden sein. Fräulein Mary Bosanquet sagte, dass zwischen ihr und Frau Ryan und den andern Kindern Gottes, die kalten Wörter "mein" und "dein" nie gebraucht werden. Indem John Wesley von Frau Ryan sprach, sagte er: "Sich mit ihr zu unterhalten ist ein großer Segen für mich. Wenn ich an sie denke, dann muss ich auch gleichzeitig an Gott denken. Andere können mich zu Gott führen, aber es scheint mir, als ob ich ringsherum gehe, sie führt mich jedoch direkt in seine Gegenwart." Halte dich selbst und alles, was du besitzt, als dein Eigentum und du beraubst dich der Gegenwart und der Kraft Gottes. Wenn du 1. Korinther 7, 29 - 31 liest, dann wirst du ein Verständnis davon erhalten, wie man irdische Dinge betrachten soll, ja sogar die eigene Frau. Du musst solche Stellung einnehmen, dass dir nicht nur nichts hinderlich ist im Dienste des Herrn, sondern musst alles zu seiner Ehre und Verherrlichung gebrauchen. Was du besitzt, darfst du nicht zu selbstsüchtigen Zwecken gebrauchen, sondern alles soll zur Ehre des Herrn gereichen, selbst dein Essen und Trinken. Viele christliche Bekenner zitieren 1. Korinther 10, 31 und geben dieser Stelle eine solche Erklärung oder behandeln sie mit solcher Nachlässigkeit, als ob sie ihnen Freiheit gewähre, den fleischlichen Lüsten zu folgen. Du musst deinen Leib nicht dafür ansehen, als ob er dein sei, sondern er gehört dem großen Schöpfer, den du durch denselben verherrlichst. "Denn ihr seid teuer erkauft; darum preiset Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes" (1. Kor. 6, 20). Dein Leib und alles, was du mit demselben verrichtest, soll nicht selbstsüchtigen, sondern höheren Zwecken dienen. Dies bezieht sich auch auf alle kleinen Dinge, deines täglichen Lebens, nämlich wie du einen jeden einzelnen Pfennig und jeden Augenblick der Zeit anwendest. Du darfst deinen Appetit nicht stillen, ohne dadurch auch Gott zu verherrlichen, auch darfst du dich nicht unbekümmert und gedankenlos in deinem Lehnstuhl wiegen. Tue alles, auch dieses angeführte, zur Ehre Gottes. Wenn du dies tust, dann wirst du inne werden, dass du täglich ein Kreuz zu tragen hast. Du wirst dich vieler Dinge enthalten müssen, wenn du dem Herrn treu dienen willst.

Bitte lies die Belehrungen, die Jesus in Matthäus 19,9-12 gibt. Du sagst vielleicht, dass du die Worte nicht verstehen kannst. Willst du sie verstehen? Bittest du ernstlich darum, dass dir eine Erklärung gegeben werde? Es scheint, als ob Jesus wusste, dass nicht alle diese Worte verstehen würden, und es nur zu solchen gesagt wurde, die es fassen konnten; aber freut es dich, dass es nur zu solchen gesagt ist, die imstande sind, dies aufzunehmen? Bist du bereit anzunehmen. dass es dich nicht einschließt? Oder hast du je ernstlich darum gebetet, dass du es begreifen kannst, damit du um so mehr zur Ehre des Herrn leben kannst? Meine Lieben, diese Worte lehren, dass wir uns von allem fernhalten sollen, was uns mit dieser Welt verbindet und dadurch gehindert werden, völlig Gott zu dienen. Christus wird dir nur ein solches Kreuz geben, das du auch tragen kannst. Wenn er dir ein Kreuz zu tragen gibt, dann trage es so lange, bis er es dir abnimmt. Es wird so wenig gegen das Fleisch gekämpft.

Ich bitte dich Lukas 9,57 - 62 zu lesen. Kannst du beim Lesen dieser Worte nicht wahrnehmen, dass Jesus die Nachlässigkeit in seiner Nachfolge verbietet? Das Leben des Menschen ist so voller Bedeutung und das zeigt uns, dass wir es nicht zur Befriedigung des Fleisches, sondern zur Ehre Gottes gebrauchen sollen. Dies bedeutet um Christi willen das Kreuz tragen. Einige sagen vielleicht, dass die Worte dieses Schriftabschnitts, auf die ich aufmerksam mache, unmöglich zu erfassen seien. Der menschliche Verstand an und für sich kann dies allerdings nicht begreifen, aber wenn wir uns der Leitung des Heiligen Geistes überlassen, wird unser Verständnis durch unsern menschlichen Geist erleuchtet und wir werden die Lehre Christi verstehen können. Jesus hat nie etwas gelehrt, dass die Menschen nicht verstehen sollten. Wenn wir einige seiner Worte nicht verstehen, so ist es deswegen, dass wir nicht willig sind, mit ihm in den Tod und die Trennung von der Welt zu gehen und nicht bereit sind, uns voll und ganz von seinem Geiste unterweisen zu lassen. Jesus sagt: "Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes" (Luk. 9, 62). Sollten wir nicht wissen wollen, was "sieht zurück" bedeutet? Wenn dies uns nicht geschickt macht zum Reiche Gottes, sollten wir uns dann nicht bemühen zu erfahren, was das bedeutet? Wenn du diese Worte liest, verstehst sie aber nicht, dann gehst du an ihnen vorüber und denkst, dass es nicht von Wichtigkeit ist, sie zu wissen, stehst aber in der großen Gefahr, das Reich Gottes zu versäumen. Jesus gibt damit ein Beispiel vom christlichen Leben. Der Pflug stellt den Dienst Gottes dar. Der Jünger des Herrn tritt in den Dienst des Herrn. Er legt seine Hand an den Pflug. Er lehnt sich mit allen Kräften darauf, damit er die Erde aufrührt und hält seine Augen auf die Arbeit gerichtet, die er tut. Er darf nicht zurückblicken, sondern mit vorgebeugter Haltung des Leibes, halten seine Hände den Pflug fest, und seine Augen sind beständig auf Jesus gerichtet. Der Apostel Paulus sagte: "Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, das da vorne ist." Er suchte das vergangene Leben in der Sünde aus seinem Gedächtnis zu wischen. Was vor ihm lag, das suchte er zu ergreifen. Nur zu viele schauen zurück und erwarten von den Menschen Ehre oder eine Belohnung für den Dienst im Reiche Gottes oder streben nach Gemütlichkeit, Bequemlichkeit und Behaglichkeit. Wenn du im Werke des Herrn dich damit beschäftigst, welche Entschädigung du dafür erhältst und in welcher Weise dir die Welt helfen wird, dann bist du nicht geschickt für die Arbeit des Herrn. Du sagst, dass deine Arbeit ein Glaubenswerk ist und verkündigst überall, dass du alles im völligen Glauben tust. Wenn es ein Glaubenswerk ist, dann halte es für dich und gehe mit deinem Herrn voran. Wenn wir Jesu folgen wollen, dann müssen wir uns ganz auf ihn verlassen. Wenn du dich dem Herrn ganz der Arbeit hingibst, dann wird er dich mit allem versehen, was du brauchst, aber wenn du dich auf Menschen verlässt und von ihnen Hilfe erwartest, dann bist du untauglich für die Arbeit Gottes.

Jesus sagte: "Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht, dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen des, der mich gesandt hat" (Joh. 6, 38). Er sah nie zurück. Er blickte direkt zu seinem Vater auf und suchte seinen Willen zu erfüllen. Der Teufel vermochte nicht, ihn zu bewegen, zurück zu schauen. Er versuchte ihn in aller möglichen Weise. Er fing mit dem Brot an und ging in seiner Versuchung bis zu "alle Reiche dieser Welt", aber Jesus sah nichts als nur den Willen seines Vaters. Er

konnte aus Wasser Wein für andere machen, aus einigen Broten und Fischen soviel machen, dass Tausende gespeist werden konnten, aber nie hat er etwas getan zu seiner Selbstbefriedigung. Hier ist eine harte Rede, aber ich will sie im Namen Jesu sagen. Wir sollen nichts für uns aus selbstsüchtigen Gründen tun. Aber wie viele gibt es doch, die zu wenig an den Willen des Herrn denken. Sie essen, trinken, schlafen, gehen ihrer täglichen Beschäftigung nach, ohne auch nur an den Willen Gottes zu denken. Wenn wir in allen Dingen im Schlafen, im Essen und in aller unserer Beschäftigung suchen den Willen des Herrn zu erfüllen, dann wird die Liebe Gottes in unserem Herzen zunehmen, das Leben wird uns köstlicher und Christus wird für uns immer größer werden.

Wenn wir wahre Nachfolger Jesu sind, dann wird der Gedanke, seinen Willen zu erfüllen, bei uns alles andere überwiegen. Wir müssen uns nicht nur ganz verleugnen, sondern wir müssen alles in den Willen des Herrn legen. Den Willen Gottes von ganzem Herzen zu erfüllen, ist eine rückhaltlose übergabe in seinen Willen. Ich möchte dies doch dem Leser recht scharf einprägen, darum wiederhole ich die Warnung gegen die Gedankenlosigkeit, Sorglosigkeit und Kälte. Lerne alles willig und gern für Jesus zu tun. Sei bestrebt das zu erfüllen, was der Herr will. Lerne Gottes Willen zu erfüllen und halte von ganzem Herzen daran fest. Gehe nicht gedankenlos den gewöhnlichen Beschäftigungen des Lebens nach, sondern halte deine Gedanken stets auf den Herrn gerichtet. "Gedenket an Lots Weib!" Als Lot auf den Befehl des Herrn aus Sodom floh, wurde ihm streng befohlen sich nicht umzusehen.

Dadurch, dass Lots Weib sich umsah übertrat sie das Gebot des Herrn und musste schwer dafür büßen. Dieses Zurückschauen machte sie unfähig, einen Platz im Reiche Gottes auszufüllen. Ihr Schicksal sollte für uns als Warnung dienen. Wenn wir zurücksehen, sind wir nicht tauglich, einen Dienst im Reiche Gottes zu erfüllen.

Es ist möglich verführt zu werden. Wir können bezeugen, dass wir tot sind für die Dinge dieser Welt und dabei doch unsere Gedanken meistens auf die Dinge dieser Welt gerichtet halten. Ich las kürzlich von einem Prediger, dass es ihm weh tue, weil er so wenig Geld in den letzten Monaten bekommen habe und von trocken Brot und

magerer Suppe leben musste. Ein anderer sagt, dass er viele schlaflose Nächte gehabt habe, weil die Gemeinde nicht ihr Versprechen ihm gegenüber gehalten habe, dabei die Glieder der Gemeinde doch singen, dass sie tot sind für die Dinge dieser Welt. Wenn man für die Welt in Wirklichkeit tot ist, dann erwartet man von ihr nichts mehr und lässt sich durch nichts beunruhigen und verbringt keine schlaflosen Nächte deswegen. Den Apostel konnte selbst das Innerste des Gefängnis nicht abhalten, den Herrn zu loben und zu preisen. Petrus schlief ruhig zwischen den Soldaten. Wenn es auch heißt: "Denn der Feigenbaum wird nicht grünen, und wird kein Gewächs sein an den Weinstöcken; die Arbeit am ölbaum ist vergeblich, und die Acker bringen keine Nahrung; und die Schafe werden aus den Hürden gerissen, und werden keine Rinder in den Ställen sein", so war der Prophet doch nicht betrübt und konnte sagen: "Aber ich will mich freuen des Herrn und fröhlich sein in Gott, meinem Heil" (Hab. 3, 18). Dies ist eine selige Erfahrung. Alle Kinder Gottes können das erfahren. Ihr Leben ist verborgen mit Christo in Gott und nichts in dieser Welt kann sie angreifen ohne dass nicht auch zu gleicher Zeit das Leben Jesu angegriffen wird.

Das vierte Wort des Herrn, das uns zu einem vollkommeneren Leben führen soll, ist:

"Bleibet in mir"

"Bleibet in mir" (Joh. 15, 4). Dies ist die tiefste und innigste Erfahrung, die eine Seele in Jesu finden kann. Es gibt keine Worte, um dieses in Wirklichkeit vollständig

erklären zu können. Es wird uns gesagt, dass es ein sündenfreies Leben bedeutet, (siehe 1. Joh. 3, 6). Bei solchen, die Christo in Wahrheit angehören, ist keine Sünde in ihrem Leben. Wenn wir in Christo bleiben, dann werden wir viele Früchte bringen. Diese Früchte verherrlichen Gott. Welch herrliche Möglichkeiten hat doch ein Kind Gottes. Dies geschieht alles, wenn es im Herrn bleibt. Es wird uns auch gesagt, dass wir ohne ihn nichts tun können, es sei denn, wir bleiben in ihm. Wie vollständig hilflos sind wir doch ohne ihn. Für alle Hilfe, die uns zuteil wird, müssen wir ihm Dank bringen. Wenn wir in ihm bleiben, dann wird das "Wasser", das der Herr uns gibt ein Brunnen des Wassers werden und befähigt uns, alles zu tun. Es ist nicht unser, sondern sein Leben. Aber wir müssen tot sein, und zwar so tot, dass wir ohne Christus nichts tun.

Wenn wir in ihm sind und seine Worte in uns bleiben, dann erlangen wir, was wir von ihm bitten. "So ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt und es wird euch widerfahren" (Joh. 15,7). Wenn wir das nicht erlangen, um was wir bitten, dann liegt es irgendwo an uns. Es ist möglich zu denken, dass wir im Herrn sind, während es eigentlich doch nicht der Fall ist. Es ist ebenso möglich zu denken, dass seine Worte in uns sind, während das aber nicht so ist. Wenn wir im Herrn bleiben, dann werden wir uns nicht auf uns selbst oder auf irdische Dinge verlassen. Sich auf Menschen verlassen, oder Fleisch für seinen Arm zu machen, hindert Gott uns zu helfen. Man muss sich Gott völlig ergeben, sich vom eigenen Selbst ganz lossagen, sich ganz in den Dienst Christi stellen und alles von ihm erwarten. Christus kann nur in solch einem Leben sein, das ihm ganz ergeben ist. Er ist das Leben. Wir sind uns seiner Gegenwart und Kraft bewusst. In unserer Abhängigkeit schauen wir zu ihm auf um Hilfe. Mit seiner Hilfe können wir mit Leichtigkeit unsere Pflichten erfüllen. Wenn du einen Gegenstand verloren hast, dann darfst du ihn getrost bitten, dir zu helfen ihn zu finden. Wenn du etwas sehr nötig brauchst, dann bitte ihn und er wird es dir geben. Dies wird alles ganz natürlich

sein, wenn du in ihm bleibst (Joh. 15, 7). Du fühlst in allen Dingen deine Abhängigkeit von ihm und erwartest von ihm völlige Hilfe und Unterstützung. Seine Gegenwart umgibt dich.

In diesem Bleiben hat der Heilige Geist das menschliche Leben durch den menschlichen Geist in Berührung gebracht mit dem Leben aus Gott durch Jesum Christum, so dass das Leben ein Brunnen wird und zum Gebet anspornt. Wir werden zum Gebet aufgefordert (Joh. 15, 7). Das Kind Gottes muss beständig sich von dem Worte Gottes nähren. Es strömt ihm immer neues Leben aus Christo zu und macht das Leben zu einem beständigen Gebet, Wie die kleinen Blumen den Tau und die Sonnenstrahlen in sich aufnehmen, so muss das Leben des Menschen Jesus in seiner Herrlichkeit und Stärke in sich aufnehmen. Aber wenn wir bis zu Johannes 15, 10 kommen, müssen wir still stehen und das Wort bewundern. Wir wagen es kaum unsere Gedanken darüber zu äußern. Wenn wir Christi Gebote halten, wie er seines Vaters Gebote gehalten hat, dann werden wir in seiner Liebe bleiben, wie er in der Liebe seines Vaters war. In dieser Erfahrung wird die Seele von irdischen Dingen entwöhnt. Die Worte in Kolosser 3, 2 und 3 werden zur Wirklichkeit in ihrer Schöne und Kraft. Nur in Gott kann man in Wirklichkeit lieben. Nur in Gott kann man alle Dinge erfüllen. Natürliche Liebe wird nicht vernichtet, aber sie wird gereinigt. Alle Dinge sind dann rein geworden. Die Mutter liebt ihr Kind und der Mann liebt seine Frau mehr als nur mit einer natürlichen Liebe. Dies ist die süßeste und höchste Form der Liebe. Eine solche Seele "wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns hat geliebt" (Eph. 5, 2). Wir lieben Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Mann, Weib, Häuser, Land, Nahrung und Kleider, aber Gott über alles. Göttliche Liebe ist viel stärker als natürliche Liebe. Die vom Herrn gewirkte Liebe beseitigt alle fleischliche Gesinnung und alle Kälte. In allen Dingen sagt diese Liebe: Herr, dein Wille geschehe in allen Dingen. Jesus sagte: "Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?" Diese Worte lauten kalt und fast herzlos. Er sprach von ihr als des Johannes Mutter und nie nannte er sie seine Mutter. Er stand immer in höherer Verbindung mit seinem Vater. Die Dinge dieser Welt hatten nur wenig Wert für ihn. Er dachte mehr an die geistlichen himmlischen Dinge.

Das Bleiben in Christo verbietet uns jegliches Vertrauen in Dinge, die außer Christo sind. "Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse; wir aber denken an den Namen des Herrn, unsers Gottes" (Ps. 20, 7). "Weh denen, die hinabziehen nach ägypten um Hilfe und verlassen sich auf Rosse und hoffen auf Wagen, dass ihrer viel sind, und auf Reiter, darum dass sie sehr stark sind, und halten sich nicht zum Heiligen in Israel und fragen nichts nach dem Herrn!" (Jes. 31, 1). Es ist ein Wehe ausgesprochen. Solches löst uns los von Christo. Es ist der Gott dieser Welt, der die

Seele blind macht, dass sie nicht sehen soll, was es eigentlich bedeutet von allen irdischen Dingen losgelöst zu sein und nur dem Herrn zu vertrauen.

Es ist dies eine betende Seele, die dem Herrn angehört. Die Seele, die in Christo ist, ist stets beschäftigt und zwar im Gebet. Wer in Christo bleibt, der betet, und wer da betet, der bleibt, aber eins ohne das andere kann nicht geschehen. Die Seele, die in Wahrheit betet, ist ruhig im Herrn, ruht am Busen Gottes und kennt keine Furcht als nur die Furcht Gottes. Das geringste Vertrauen auf irdische Dinge oder die Furcht vor irdischen Umständen und Verhältnissen hemmt das Leben aus Gott. Das Leben in Christo darf durch keine irdischen Fesseln zurückgehalten werden.

Ein wahres Gebet besitzt keine Selbstliebe. Die Selbstliebe beschneidet die Flügel des Gebets, so dass es nicht zu Gott emporsteigen kann.

Durch das Bleiben in Christo wird die Gemeinschaft mit Christo vertieft. Die Gemeinschaft mit dem Herrn wird dadurch enger und inniger. Jesus wird dadurch mehr im Leben verwirklicht. Der Leib, der Geist und die Seele werden dadurch in einem geheiligten und unsträflichem Zustande gehalten. Der Blick der Seele wird klarer, dass sie die Herrlichkeiten der geistlichen Welt sehen kann.

Das Bleiben in Christo löst uns von allen irdischen Interessen und unser ganzes Dichten und Trachten wird dadurch auf Gott gerichtet. Wir werden dadurch in eine sehr enge Verbindung mit Gott gebracht. Der Wille wird dadurch gestärkt mit aller Gewissheit auf den Kampfplatz zu treten. Wir werden dadurch gelehrt, wie wir mit Gott wandeln sollen um in Liebe mit ihm verbunden zu sein. Wir erhalten dadurch Kraft ohne Furcht alle Widerwärtigkeiten und Gefahren überwinden zu können.

Wenn wir in Christo bleiben, bereitet uns der Lebenswandel Freude. Wir sind getrost, ob unsere Wege durch blumenreiche Felder oder durch steinige Schluchten führen. Durch das Bleiben in Christo wird unser Herz von wahrer Liebe erfüllt. Unser Herz wird dadurch vor Kälte bewahrt.

Wenn wir in Christo bleiben, wird unser Herz von heiliger Scheu erfüllt und alle unsere Handlungen werden zu Handlungen des Gebets. Alle gefärbte und eigene Liebe wird dadurch ferngehalten und wir können sagen: "Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll!" Komm täglich zu Christo; sei bereit, immer von ihm zu lernen. Folge ihm nach und bleibe beständig in Jesu.