Müssen wir sündigen?

Ein Gespräch zwischen Brüder Licht und Bruder Nebel.

Bruder Licht: Guten Morgen. Bruder Nebel, es freut mich, dich zu sehen. Komm bitte herein!

(Schon seit langem hatte Bruder Licht den Wunsch gehegt, seinen Freund und Nachbarn, Bruder Nebel, von der wunderbaren Heilserfahrung, die er gemacht hatte, zu erzählen. Dies schien nun eine passende Gelegenheit zu sein, und so ergab sich zwischen den beiden folgendes Gespräch.)

Bruder Licht: Schon lange habe ich den Wunsch und das Verlangen, mit dir über das große Heil zu sprechen, das ich in Jesus gefunden habe.

Bruder Nebel: (sich entschuldigend) Es tut mir leid Bruder, aber ich habe es heute etwas eilig; auch bin ich mir nicht ganz sicher, ob es ratsam ist, mich mit dir über ein derartiges Thema zu unterhalten, weiß ich doch, dass ihr vorgebt, so gut zu sein.

Br. L.: Aber weshalb denn Bruder? Ich sehe nichts, warum man uns fürchten sollte, wir tun doch niemand etwas zuleide. Verdenken kann ich es dir freilich nicht, dass du so denkst, denn ich erinnere mich noch sehr gut, dass auch ich früher dasselbe Gefühl gegenüber solchen Leuten hatte.

Br. N.: Nun, wenn ich wirklich ehrlich mit mir sein soll, so muss ich gestehen, dass ich schon oftmals daran gedacht habe, mich mit dir über diesen Punkt zu unterhalten. Man hat mir erzählt, dass ihr geheiligten Leute behauptet, ohne Sünde zu leben, aber da sogar der Apostel Paulus bekannte, dass die Sünde in ihm wohne, kann ich es nun einmal nicht glauben, dass wir besser sein können, als er es war.

Br. L.: Nun ja, lieber Bruder, ich gebe zu, dass der Apostel im 7. Kapitel des Römerbriefes davon spricht, so als ob er noch in der Sünde lebe. Doch nehmen wir einmal die Bibel zur Hand, und betrachten genau, was er eigentlich damit meint. Um ihn nun besser zu verstehen, wollen wir gleich mit dem 6. Kapitel beginnen. Es heißt hier folgendermaßen: "Was wollen wir hierzu sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, auf dass die Gnade desto mächtiger werde? Das sei ferne!”
Hier sehen wir nicht nur die Frage gestellt, ob jemand in der Sünde beharren darf, sondern sie wird uns zugleich auch beantwortet. dass es in der Antwort heißt "das sei ferne”, gibt deutlich zu erkennen, dass wir nicht mehr in der Sünde leben dürfen. Aber gleichsam, als ob er diese Angelegenheit noch stärker hervortreten lassen wollte, fährt der Apostel fort und sagt: "Wie sollten wir in der Sünde leben wollen, der wir abgestorben sind?” Kannst du mir diese Frage beantworten? Ist es hieraus nicht deutlich ersichtlich, dass, nachdem wir völlig gerettet sind, wir ebensowenig sündigen dürfen wie einer, der bereits im Grabe liegt und nicht mehr seinen Geschäften nachgehen kann?
Aber betrachten wir auch noch den 6., 7. und 8. Vers etwas näher: "…dieweil wir wissen, dass unser alter Mensch samt ihm gekreuzigt ist, auf dass der sündliche Leib aufhöre, dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt von der Sünde. Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.”
Hier sagt er uns, dass unser alter Mensch oder der sündliche Leib samt ihm gekreuzigt ist, also aufhört zu existieren, d. h. vernichtet wird, und dass der in diesem Sinne Gestorbene auch zugleich von der Sünde befreit ist. Hinzufügend sagt er dann noch: "Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.” Wir sehen also hier, dass wir als lebende Menschen tatsächlich der Sünde absterben und gänzlich von ihr befreit werden können. Im 10. und 11. Vers ermahnt er die Christen zu Rom ebenfalls, was natürlich auch uns gilt, sich dafür zu halten, der Sünde abgestorben zu sein und Gott in Christo zu leben.
Aber ganz besonders wichtig ist der 15. und 18. Vers. Ich lese hier wie folgt: "Wie nun? Sollen wir sündigen, dieweil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind? Das sei ferne! Denn nun ihr frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Knechte geworden der Gerechtigkeit.” Dies wird gleichfalls im 22. Vers ausgedrückt, und hier heißt es: "Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, dass ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben.”
Diese Schriftstellen beweisen uns doch wohl klar genug, dass wir von der Sünde befreit werden können und ihr abgestorben sein müssen, nicht wahr? Auch in noch einigen anderen Versen dieses Kapitels erklärt uns der Apostel, dass wir nicht länger in der Sünde leben und ihr hinfort nicht mehr dienen sollen, so z. B. im 12. Vers: "So lasset nun die Sünde nicht herrschen in eurem sterblichen Leibe, ihr Gehorsam zu leisten in seinen Lüsten”, und in Vers 14: "Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.” Aus allen diesen Schriftstellen geht doch gewiss klar hervor, dass sie sämtlich das Gegenteil von der Annahme lehren, man müsse sein ganzes Leben lang mehr oder weniger sündigen.

Br. N.: Ja, das ist allem Anschein nach der Fall, aber werden wir nicht genötigt, zu einem gegenteiligen Schluss zu kommen, wenn wir seine Worte im 7. Kapitel, und zwar vom 14. bis 25. Vers, näher in Betracht ziehen? Bitte lies doch diese Stelle einmal! Es scheint mir, als ob er hier gewiss nicht behauptet, gänzlich von der Sünde frei zu sein.

Br. L.: Natürlich, wenn wir diese Verse einfach nur so herausgreifen und das übrige gänzlich unberücksichtigt lassen, so würde es gewiss den Anschein haben, aber wenn wir das ganze Kapitel im Zusammenhang lesen, so können wir deutlich sehen, dass der Apostel hier nicht von seiner Erfahrung zur damaligen Zeit redet, als er diese Worte schrieb.
Dies ist ein sehr wichtiger Gedanke. Um ihn klar zu verstehen, ist es nötig, verschiedene Punkte zu berühren. Zuerst müssen wir bedenken, dass der Apostel in diesem Kapitel nicht seine Erfahrung als Christ schildert, sondern von seinem Leben unter dem Gesetz spricht, indem er das Leben unter dem Gesetz mit dem Leben im neuen Bund vergleicht.
Er beginnt mit dem ersten Vers und sagt: "Wisset ihr nicht, liebe Brüder (denn ich rede mit solchen, die das Gesetz wissen), dass das Gesetz herrscht über den Menschen, solange er lebt?” In den ersten zwölf Versen spricht er hauptsächlich von dem Gesetz, dessen Natur, dessen Zweck und dessen Erfolg, ferner aber auch davon, wie er dem Gesetz untertan und mit ihm verbunden war, ehe Christus gekommen war, ihn davon freizumachen. Als dieser aber kam, entsagte er dem Gesetz, starb ihm also gewissermaßen ab. Er kam durch Christum zum Leben, wurde also mit ihm verbunden. Dies beweisen auch seine Worte in Galater 3, 24, wo er sagt, dass das Gesetz ein Zuchtmeister auf Christum gewesen sei. Vom 14. bis 23. Vers dieses Kapitels jedoch schildert er seine Erfahrung als ein Jude unter dem Gesetz.
Nun kommen wir zur Betrachtung unseres zweiten Punktes. Dass der Apostel hier nicht sein Leben schildert, welches er zu der Zeit lebte, darüber kann kein Zweifel bestehen, zumal dies mit den in anderen Schriftstellen geschilderten Begebenheiten seines Lebens durchaus nicht übereinstimmen würde. Es kann unmöglich wahr sein, dass er das Gute, welches er zu tun wünschte, nicht tat, und das Böse, welches er nicht zu tun wünschte, tat. War es nicht die Hauptaufgabe seines Lebens, Gutes zu tun? War nicht sein Leben rein, heilig und frei von allem Bösen?
Er reiste gewiss nicht umher mit dem Wunsch, Gutes zu tun und vollbrachte in seinem Leben das, was Christi Namen und seine Ehre verunglimpfen würde. Wäre das der Fall gewesen, so hätte er niemals sagen können: "Seid meine Nachfolger, gleichwie ich Christi!” (1. Kor. 11, 1) oder: "Folget mir, liebe Brüder, und sehet auf die, die also wandeln, wie ihr uns habt zum Vorbilde” (Phil. 3, 17). Nein, im Gegenteil, sein ganzes Leben trägt den Stempel eines heiligen Lebens. Sagte er nicht selbst: "Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn”? (Phil. 1, 21). Sein Leben war nicht durch die Werke des Fleisches verunreinigt, sondern, was dessen moralischen Charakter betrifft, durchaus dem Leben Christi angepasst.
Aber wenden wir uns wieder unserem Kapitel zu. Wenn wir da im 20. Vers wie folgt lesen: "So ich aber tue, was ich nicht will, so tue ich dasselbe nicht, sondern die Sünde, die in mir wohnt”, so können wir ganz bestimmt annehmen, dass dies, zu der Zeit, als er diese Worte schrieb, nicht seine Erfahrung war. Dieses wird auch durch die Worte des vorhergehenden Kapitels bestätigt. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass irgendein aufrichtiger Prediger, viel weniger noch ein Apostel, der das Wort von der Befreiung von der Sünde redet und andere dazu anspornt, diese Freiheit zu erlangen, sich selbst aber als Sünder darstellt.
Der dritte Punkt nun, den wir in Erwägung ziehen müssen, bezieht sich auf den 24. Vers. Dort redet der Apostel von dem ‘Leibe dieses Todes', der genau dasselbe ist, wie der im Kapitel 6, 6 angeführte ‘sündliche Leib'. Dieser ist die eigentliche Ursache aller dieser Unannehmlichkeiten, von dem er sagt, dass er gekreuzigt und getötet sei.
Sie waren also der Sünde abgestorben, wodurch auch zugleich gezeigt wird, dass sie das volle Heil in Christo erlangt hatten, und aus diesem Grunde ermahnte er auch die Christen zu Rom, sich selbst als der Sünde abgestorben zu rechnen und ihr in ihrem sterblichen Leibe keinen Raum mehr zu gewähren.

Würde er es wohl jemals gewagt haben, sie in dieser Weise zu ermahnen, wenn er selbst noch in der Sünde lebte? Gewiss nicht! Und wenn er nun noch ausruft: "Ich elender Mensch! wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?”, so antwortet er auch sofort darauf und sagt: "Ich danke Gott durch Jesum Christum, unsern Herrn.” Wir sehen also, dass es für uns keine Entschuldigung gibt, den sündlichen Leib noch fernerhin herumzutragen, zumal uns eine Möglichkeit gegeben ist, davon befreit zu werden und es ebenfalls auch bewiesen ist, dass der Apostel davon frei war.
Aber hören wir ihn weiter: "Ich bin aber durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, auf dass ich Gott lebe; ich bin mit Christo gekreuzigt. Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dargegeben” (Gal. 2, 19 — 20). Wo sehen wir hier einen Pharisäergeist oder irgendein Anzeichen, dass das eigene "Ich” der Sünde noch am Leben war? Christus wohnte in ihm, und hinfort lebte er nur zu seiner Ehre.
Viertens wollen wir nun jene beiden Gesetze etwas näher ins Auge fassen, die hier zwei entgegengesetzte moralische Kräfte darstellen und uns beide als in ein und derselben Person existierend vorgeführt werden.
Das eine dieser beiden Gesetze ist das der Gerechtigkeit und das andere das der Sünde. Ein ähnlicher Doppelzustand wird uns im Galaterbrief, Kapitel 5, 17 geschildert: "Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch; dieselben sind wider- einander, dass ihr nicht tut, was ihr wollt." Von diesem hier sogenannten "Fleisch” oder dem "sündlichen Leib” sagt der Apostel, dass diejenigen, die Christum angehören (ihm völlig geweiht sind), diesen Leib oder dieses Fleisch samt den Lüsten und Begierden gekreuzigt haben (Vers 24, Min. Bibel).
Unser fünfter und letzter Punkt führt uns nun von dem 7. ins 8. Kapitel hinüber, wo wir den Apostel von seiner erlangten Freiheit in Christo Jesu sprechen hören. Er betritt sozusagen wiederum den Zeugenstand, indem er im 1. und 2. Vers wie folgt sagt: "So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. Denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.”
Von dem Gesetz der Sünde und des Todes frei gemacht zu sein bedeutet zugleich auch, dass wir von dem "anderen Gesetz”, nämlich der innewohnenden Sünde, wie sie uns im vorhergehenden Kapitel beschrieben wird, frei sein müssen. Dies alles würde die Frage erledigen, denn der Apostel selbst erklärt sich von dem Zustand, den er der Gemeinde zu Rom hier schildert, völlig frei.
Wir sehen also, dass der Apostel seinen Zustand beschreibt, in dem er sich befand, als er noch unter dem Gesetz war. Er liebte das Gesetz und eiferte darum, hatte aber nicht die Kraft, seinen Anforderungen völlig zu genügen. Ferner auch spricht er von dem Gesetz in seinem Gemüt, welches gewissermaßen ein inneres Verlangen, Gutes zu tun, darstellt. Dabei erklärt er, dass er dem inwendigen Menschen nach Lust am Gesetz hatte, aber durch das Gesetz in seinem Gemüt überwunden wurde und so in Sünde fiel.
In diesem Kapitel versucht der Apostel besonders zu zeigen, dass das Gesetz weit unter dem Evangelium steht. Das Gesetz war an sich gut, weil es die Sünde verurteilte, aber es hatte doch nicht die Kraft, von der Sünde zu befreien. So lesen wir auch im 3. Vers des nachfolgenden Kapitels (Kap. 8): "Denn was dem Gesetz unmöglich war (sintemal es durch das Fleisch geschwächt ward), das tat Gott und sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches und der Sünde halben und verdammte die Sünde im Fleisch”. Diesen Gedanken drückt auch die Stelle in Hebräer 7, 19 aus: "(denn das Gesetz konnte nichts vollkommen machen); und wird eingeführt eine bessere Hoffnung, durch welche wir zu Gott nahen”.
Einerlei auch, worauf der Apostel Paulus im Hinblick auf seine eigene Person Bezug nahm, gibt doch diese Schilderung deutlich zu erkennen, dass er damit auf sein vergangenes Leben hindeutet, gerade wie er es auch in 1. Timotheus 1, 15 tut. Dort sagt er: "Das ist gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort, dass Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen, unter welchen ich der vornehmste bin.” Hier spricht der Apostel von sich selbst als dem vornehmsten der Sünder, was wir aber nur auf das anwenden können, was er früher war und nicht, was er zu der Zeit war, als er diese Worte schrieb. Trotzdem aber spricht er hier in der Form der Gegenwart, gerade wie in Römer 7.

Br. N.: Ich muss sagen, dass du hier mehr Schriftstellen anführst, die gerade auf dieses Thema Bezug haben, als ich mir je habe träumen lassen, und ich glaube auch, dass du deiner Ansicht nach im Rechten bist, aber sagt nicht der Apostel Paulus irgendwo an einer anderen Stelle, dass überhaupt keiner gerecht, keiner gut sei?

Br. L.: Ja, das tut er, denn im 3. Kapitel des Römerbriefes, und zwar vom 9. bis 18. Vers, führt er uns sogar ein noch dunkleres Bild vor Augen, als das soeben betrachtete. Ich will's dir vorlesen: "Was sagen wir denn nun? Haben wir einen Vorteil? Gar keinen. Denn wir haben droben bewiesen, dass beide, Juden und Griechen, alle unter der Sünde sind, wie denn geschrieben steht: "Da ist nicht der gerecht sei, auch nicht einer. Da ist nicht, der verständig sei; da ist nicht, der nach Gott frage. Sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden. Da ist nicht, der Gutes tue, auch nicht einer. Ihr Schlund ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen handeln sie trüglich. Otterngift ist unter ihren Lippen; ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit. Ihre Füße sind eilend, Blut zu vergießen; auf ihren Wegen ist eitel Schaden und Herzeleid, und den Weg des Friedens wissen sie nicht. Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen."”

Br. N.: Ja, das ist in der Tat ein dunkles Bild, aber kannst du mir dies erklären, wenn du doch behauptest, eine Person könne ohne Sünde leben?

Br. L.: Das ist leicht getan, lieber Bruder. Sieh nur, im 10. Vers sagt er: "wie denn geschrieben steht: "Da ist nicht, der gerecht sei, auch nicht einer.” Dies muss also demnach außerdem noch irgendwo in der Bibel geschrieben stehen, und das, was er hier anführt, führt er aus dem Alten Testament an. Um nun zu verstehen, von wem dies gesagt wird, werde ich diese Stelle aufschlagen und sie dir vorlesen.
Hier ist sie: "Herr, leite mich in deiner Gerechtigkeit um meiner Feinde willen; richte deinen Weg vor mir her. Denn in ihrem Munde ist nichts Gewisses; ihr Inwendiges ist Herzeleid. Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen heucheln sie. Sprich sie schuldig, Gott, dass sie fallen von ihrem Vornehmen. Stoße sie aus um ihrer großen übertretungen willen; denn sie sind dir widerspenstig. Lass sich freuen alle, die auf dich trauen; ewiglich lass sie rühmen, denn du beschirmst sie; fröhlich lass sein in dir, die deinen Namen lieben. Denn du, Herr, segnest die Gerechten; du krönest sie mit Gnade wie mit einem Schilde” (Ps. 5, 9 — 13).
Ich möchte auch noch das im 14. Psalm Gesagte in Verbindung mit dieser Stelle lesen. Hier heißt es vom 1. bis zum 4. Vers wie folgt: "Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott. Sie taugen nichts und sind ein Greuel mit ihrem Wesen; da ist keiner, der Gutes tue. Der Herr schaut vom Himmel auf der Menschen Kinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage. Aber sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig; da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer. Will denn der übeltäter keiner das merken, die mein Volk fressen, dass sie sich nähren; aber den Herrn rufen sie nicht an?”
In diesen Psalmen finden wir nun gerade jene Dinge, die der Apostel Paulus in Römer 3 anführt, und wir sehen, dass sie nur auf Gottlose angewandt werden, also auf solche, die nicht nach Gott fragen, sondern in ihrem Herzen sagen: "Es ist kein Gott.” Aber wir finden auch in diesen beiden Stellen noch eine Klasse, die ihr Vertrauen auf Gott setzt, seinen Namen liebhat, und die uns hier als Gerechte vorgeführt wird.
Es dürfte dir doch nun gewiss klar sein, dass, wenn es hier heißt: "Da ist niemand, der Gutes tue, niemand, der nach Gott frage” usw., dies sich nur auf die große Masse von Unbekehrten beziehen kann. Die Gerechten aber werden uns als eine ganz andere Klasse von Charaktere vorgeführt.

Br. N.: Wirklich, Bruder L., ich habe diese Schriftstelle noch nie so recht verstehen können. Jetzt aber sehe ich, was sie bedeutet. In meiner Unterhaltung mit dir habe ich bereits manches gelernt, und ich sehe immer mehr, wie wichtig es ist, dass, wenn wir im Neuen Testament eine Stelle aus dem Alten Testament angeführt sehen, wir stets versuchen sollten, uns darüber klar zu werden, was ihre ursprüngliche Bedeutung ist.
Aber wenn nun der Apostel Paulus wirklich von der Sünde befreit war, was kann er dann damit gemeint haben, wenn er von einem Pfahl im Fleische spricht? Kann das nicht auch Sünde gewesen sein?

Br. L.: So, wie ich das verstehe, lieber Bruder, meint er damit etwas, was in ihm durch die Bedrängnis Satans hervorgerufen wurde. Hören wir, was er sagt: "Und auf dass ich mich nicht der hohen Offenbarungen überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlage, auf dass ich mich nicht überhebe. Dafür ich dreimal zum Herrn gefleht habe, dass er von mir wiche. Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf dass die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich gutes Muts in Schwachheiten, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen, in ängsten, um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark” (2. Kor. 12, 7 — 10).
Du siehst also, dass dieser Pfahl ihm wegen der Fülle göttlicher Offenbarungen gegeben war, damit er sich nicht überhebe. Damit wird deutlich bewiesen, dass es unmöglich Sünde sein konnte, zumal diese sich bereits in dem Menschen befindet, sobald er in diese Welt eintritt. übrigens würde, wenn dieser Pfahl im Fleisch auf die innewohnende Sünde hindeuten sollte, ihre Anwesenheit gerade das Gegenteil bewirkt haben. Sie hätte ihn, anstatt zu demütigen, nur aufgeblasen. dass die innewohnende Sünde nicht das erste hätte erzielen können, ist klar, und es ist wohl kaum anzunehmen, dass der Apostel sich dieser Schwachheit rühmen würde, wenn es tatsächlich Sünde gewesen wäre.
In Galater 4, 13 — 15 erzählt er uns noch ein wenig mehr über diese Schwachheit. Ich will es dir vorlesen: "Denn ihr wisset, dass ich euch in Schwachheit nach dem Fleisch das Evangelium gepredigt habe zum erstenmal. Und meine Anfechtungen, die ich leide nach dem Fleisch, habt ihr nicht verachtet noch verschmäht; sondern wie einen Engel Gottes nahmet ihr mich auf, ja wie Christum Jesum. Wie waret ihr dazumal so selig! Ich bin euer Zeuge, dass, wenn es möglich gewesen wäre, ihr hättet eure Augen ausgerissen und mir gegeben”.
Hier sagt uns der Apostel klar, dass die Schwachheit, die er einen Pfahl in seinem Fleisch nannte, eine Schwachheit nach dem Fleisch, also in seinem Fleisch war. Es war demnach keine moralische Unreinheit (Sünde des Herzens). Manche nehmen auch an, dass er hiermit ein Augenleiden meint, doch wird uns nirgends in der Schrift mitgeteilt, dass er schwache Augen hatte.
Da er aber sagt: "Meine Anfechtung, die ich leide nach dem Fleisch” usw., so könnte man wohl eher annehmen, dass es gewisse innere Anfechtungen waren, die durch besondere Umstände hervorgerufen wurden. Dies scheint auch aus seinen Worten in Apostelgeschichte 20, 18 — 19 hervorzugehen. Hier sagt er wie folgt: "Ihr wisset, von dem ersten Tage an, da ich bin nach Asien gekommen, wie ich allezeit bin bei euch gewesen und dem Herrn gedient habe mit aller Demut und mit viel Tränen und Anfechtungen, die mir sind widerfahren von den Juden, so mir nachstellten”.
Vergleichen wir nun Galater 4, 14 mit dieser Schriftstelle, so scheint daraus hervorzugehen, dass die Anfechtungen, die er im Fleische litt, durch die Verfolgungen von seiten der Juden entstanden. In 2. Korinther 11 zählt er alles das auf, was ihm bereits widerfahren war, und im 12. Kapitel, wo er von dem Pfahl im Fleisch redet, bezieht er sich ebenfalls auf diese Dinge. Hier nennt er es Satans Engel, der ihn mit Fäusten schlug.
Wenn wir nun das alles in Erwägung ziehen, so kann man wohl schwerlich sagen, dass Sünde im Herzen oder kranke Augen oder irgend ein anderes körperliches Leiden damit gemeint sein soll. Anzunehmen ist vielmehr, dass dies etwas war, was durch die übergroße Zahl von Verfolgungen um Jesu willen in ihm hervorgerufen wurde.
Was nun den Ausdruck "Pfahl im Fleisch” betrifft, so geht aus 4. Mose 33, 55 und Josua 23, 13 hervor, dass Nachstellungen von Feinden bereits damals schon als Stacheln, Dornen und Geißeln bezeichnet wurden. Es ist wohl sehr anzunehmen, dass der Apostel auch hier, wenn er von einem Pfahl im Fleisch spricht, auf etwas ähnliches Bezug nimmt.

Br. N.: Ja, es ist wahr, diese Schriftstellen scheinen alle miteinander übereinzustimmen, aber wie können wir uns Jesu Worte erklären, wenn er sagt: "Niemand ist gut, denn der einige Gott”?

Br. L.: Auch diese Schriftstelle wird uns klar werden, wenn wir sie im Zusammenhang mit den übrigen lesen. So lass uns denn sehen, was hiermit wohl gemeint ist. Hier ist die Stelle, ich will sie dir vorlesen: "Und siehe, einer trat zu ihm und sprach: Guter Meister, was soll ich Gutes tun, dass ich das ewige Leben möge haben? Er aber sprach zu ihm: Was heißest du mich gut? Niemand ist gut, denn der einige Gott. Willst du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote. Da sprach er zu ihm: Welche? Jesus aber sprach: "Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; ehre Vater und Mutter"; und: "du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst". Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf; was fehlt mir noch? Jesus sprach zu ihm: Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach! Da der Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt von ihm; denn er hatte viele Güter” (Matth. 19, 16 — 22).
Aus diesen Worten geht klar hervor, dass dieser junge Mann ein Gesetzesmensch war, und zwar einer, der sich einbildete, er könnte sich durch seine eigenen Werke den Himmel verdienen. Darum fragt er den Herrn auch nicht, was er tun müsse, um seine Seele zu retten, sondern, was er selbst noch Gutes tun könne, um das ewige Leben zu ererben.
Der Herr sah sofort, dass er sich auf dem verkehrten Weg befand und versuchte deshalb, ihn darüber zu belehren, wie er wirklich wahre Glückseligkeit und Frieden erlangen könnte. Deshalb sagte er ihm auch, dass niemand wirklich gut sei, denn allein Gott. Einerlei auch, wie gut eine Person sein mag, alle ihre guten Eigenschaften, Fähigkeiten usw. stammen von Gott.
Es ist wahr, dass es niemanden gibt, den man außer Gott "gut” nennen könnte, und darum auch, wenn der Gerechte Gott aus seinem Herzen verliert, würde nichts Gutes mehr in ihm zurückbleiben, wie denn auch Gott selbst sagt: "…Ich will unter ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein” (2. Kor. 6, 16).
"So wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist völlig in uns. Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns, dass er uns von seinem Geist gegeben hat.” So lesen wir in 1. Johannes 4, 12 — 13. Auch in Epheser 3, 17 — 19 spricht der Apostel Paulus ganz ähnlich, indem er sagt: "dass Christus wohne durch den Glauben in euren Herzen und ihr durch die Liebe eingewurzelt und gegründet werdet… auch erkennen die Liebe Christi, die doch alle Erkenntnis übertrifft, auf dass ihr erfüllt werdet mit allerlei Gottesfülle”.
Niemand ist in Wirklichkeit gut als nur Gott allein, aber wenn wir mit der Fülle des Geistes Gottes erfüllt sind, so müssen auch wir gut sein, und zwar wie es in Römer 15, 14 heißt: "Ich weiß aber gar wohl von euch, liebe Brüder, dass ihr selber voll Gütigkeit seid, erfüllt mit aller Erkenntnis, dass ihr euch untereinander könnt ermahnen”.
Nachdem nun der Herr dem Jüngling gesagt hatte, dass er die Gebote halten solle, erwiderte dieser, dass er das alles von Jugend auf getan habe, und fügte noch hinzu: "Was fehlt mir noch?” In dieser Frage liegt auch zugleich das Bekenntnis, dass das Gesetz völlig unzureichend war. Christus redete zweifellos so, um dies Bekenntnis dem Jüngling zu entlocken, und da er nun sozusagen dem Gesetz den Halt genommen hatte, verwies er ihn auf das Evangelium. Er sagte: "Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach”.
Hier siehst du also, Bruder N., dass Christus diesem Jüngling sagte, er könne noch mehr als ein guter Mann werden, nämlich ein vollkommener. Wenn er von Leuten spricht, die durch ihre eigenen Werke gut werden wollen oder sich gut nennen, so sagt er: "Niemand ist gut denn der einige Gott”. Sobald er aber von dem Resultat spricht, das der Selbstentsagung derjenigen entspringt, die ihm nachfolgen, so lehrt er, dass es solche mit Hilfe seiner Gnade zur Vollkommenheit bringen können. Du siehst doch gewiss auch, dass ‘Vollkommenheit' eine höhere Stufe als ‘Gutsein' ist?
Aber wir lesen auch noch in anderen Schriftstellen des Neuen Testaments von Menschen, die "gut" genannt werden. So wird uns zum Beispiel von Joseph in Lukas 23, 50 gesagt, dass er ein guter und frommer Mann war.
Auch Jesus sprach von guten Leuten und sagte von ihnen in Lukas 6, 45 wie folgt: "Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus dem bösen Schatz seines Herzens. Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über”.
Diese Schriftstellen werden wohl ausreichend sein, uns zu zeigen, dass, sowohl Christus als auch die Apostel zugaben, dass ein Mensch in diesem Leben gut sein kann, ja, dass es tatsächlich gute Menschen gab. Diese aber hatten es nicht durch ihre eigenen Werke dahin gebracht, sondern dadurch, dass sie den guten Schatz in ihre Herzen aufnahmen, nämlich Gott, und zwar durch den Glauben.

Br. N.: Es ist mir klar, wenn wir behaupten würden, dass niemand durch Gottes Gnade ein guter Mensch werden könne, dies nicht nur dem widersprechen würde, was Christus dem Jüngling sagte, sondern ebenfalls noch manchen anderen Schriftstellen des Neuen Testaments. Angesichts dieser Tatsachen muss ich zugeben, dass du in Bezug auf diesen Punkt recht hast. Aber trotzdem kommt es mir vor, als ob sich dies ein wenig widerspricht, da doch Christus selbst zu dem Jüngling sagte: "Niemand ist gut denn der einige Gott”, wohingegen aber die Schrift in manchen Stellen zu erkennen gibt, dass es tatsächlich gute Menschen gab.

Br. L.: Wenn wir alle Tatsachen in Betracht ziehen, so wird uns das bald klar werden. Ziehen wir nur den ersten Fall in Erwägung, werden wir sehen, dass Christus einfach nur die Selbstgerechtigkeit in den Staub tritt, wohingegen in den übrigen Fällen die Gnade Gottes hervorgehoben und gerühmt wird, die den bösen Schatz aus unserem Herzen entfernt und uns statt dessen einen guten gibt.

Br. N.: Nun ja, Bruder L., das scheint mir jetzt alles klar zu sein, und ich bin wirklich froh, dass die verschiedenen Schriftstellen, wenn wir sie wirklich im rechten Lichte erkennen, so wunderbar miteinander übereinstimmen. Aber erlaube mir noch eine Frage, bitte. Wenn ich mich recht erinnere, habe ich irgendwo gelesen, dass Gott allein heilig sei; kannst Du mir vielleicht erklären, was das bedeutet?

Br. L.: Die Worte, auf die du Bezug nimmst, lieber Bruder, finden wir in Offenbarung 15, 4, wo es folgendermaßen heißt: "Wer sollte dich nicht fürchten, Herr, und deinen Namen preisen? Denn du bist allein heilig.” Diese Stelle können wir in demselben Sinne verstehen, wie die bereits besprochene. Im gewissen Sinn ist Gott allein heilig.
Wenn wir nun annehmen würden, Gott würde sich von uns wenden, dann würde überhaupt nichts Heiliges mehr in uns bleiben, aber da Gott in uns wohnt und heilig ist, so macht er auch uns zugleich heilig, und daher heißt es auch: "Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig” (1. Petr. 1, 16), und ferner finden wir in Hebräer 12, 10 folgende Worte: "auf dass wir seine Heiligung erlangen”. Gottes Kinder sind nun heilig durch den, der sie heilig macht (Hebr. 2, 11; 10, 10 — 14). Das ist auch der Sinn von Offenbarung 15, 4.

Br. N.: Ja, dass es so etwas sein muss, nehme ich an, denn sonst würde das wohl mit den vielen Schriftstellen des Alten sowie auch des Neuen Testaments, die beide lehren, dass der Mensch in seinem Leben heilig sein muss, in Widerspruch geraten. Aber ich habe noch eine Frage, und ich bin doch neugierig, ob du diese Stelle erklären kannst. Es heißt doch irgendwo in der Bibel: "Wenn jemand sagt, er lebe ohne Sünde, der ist ein Lügner, und die Wahrheit ist nicht in ihm”.

Br. L.: Die Stelle, die du meinst, ist gewiss die in 1. Johannes 1, 8 verzeichnet: "So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.” Aber um diese richtig zu verstehen, ist es gut, wenn wir uns etwas eingehender mit dem eigentlichen Thema dieser Epistel beschäftigen.
In der Anrede lässt sich der Apostel folgendermaßen vernehmen: "…auf dass auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus” (Vers 3). "Und solches schreiben wir euch, auf dass eure Freude völlig sei” (Vers 4). "Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, auf dass ihr nicht sündiget” (Kap. 2, 1). Wir sehen also, dass der Apostel diese Epistel zu dem Zweck schrieb, um diesen Leuten von der Fülle der Freude, deren er sich erfreute, zu erzählen und ihnen zu versichern, dass auch sie Gemeinschaft mit ihm haben könnten.
Ein besonderer Zweck dieser vollkommenen Gnadenfülle war, dass sie dadurch ihre Gefäße in Reinheit und in Heiligkeit bewahren konnten und nicht sündigten. Würde wohl der Apostel Johannes an erst Neubekehrte einen Brief schreiben, um sie darauf hinzuweisen, dass sie nicht mehr sündigen brauchten und ihnen im selben Brief zugleich auch erzählen, dass noch niemals jemand dieses Ziel erreicht hat? Nein, gewiss nicht! Er sagt vielmehr im siebenten Vers des 1. Kapitels: "So wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.” Und ferner im 9. Vers: "So wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend”.
Die Bedeutung ist überaus klar. Der 7. und 9. Vers sagen ausdrücklich, dass das Blut Jesu Christi uns von aller Sünde reinigt und von aller Untugend befreit, d. h., wenn wir die Notwendigkeit dafür empfinden. Der Zwischenvers (Vers 8) will uns dagegen gewissermaßen einfach davor bewahren, zu sagen, dass wir keine Sünde getan haben, ehe diese Reinigung stattfand.
Der 10. Vers widerlegt ebenfalls eine andere falsche Annahme, nämlich die, dass wir überhaupt nicht gesündigt haben. Solch eine Anmaßung macht Gott direkt zum Lügner, eben weil sowohl offenbare Tatsachen, als auch Gottes Wort deutlich genug beweisen, dass wir alle gesündigt haben.

Br. N.: Ja, wirklich, ich muss sagen, dass ich mir auch gar nicht denken kann, dass der Apostel Johannes im 8. Vers meint, dass niemand frei von der Sünde sein kann, während er doch sowohl in den vorhergehenden Versen, als auch in den nachfolgenden ausdrücklich erklärt, dass das Blut Jesu Christi uns von aller Sünde reinigt und von aller Untugend freimacht.

Br. L.: In dieser Schlussfolgerung hast du gerade das Richtige getroffen, aber wir wollen uns noch ein wenig mehr mit dem Inhalt dieser Epistel beschäftigen. Da finden wir im 6. Vers des 2. Kapitels diese Worte: "Wer da sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch wandeln, gleichwie er gewandelt hat”.
Im 2. und 3. Vers im 3. Kapitel erklärt er: "Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder; und es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, dass wir ihm gleich sein werden; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reinigt sich, gleichwie er auch rein ist.”
Dies hat doch gewiss nicht den Anschein, als ob der Apostel hier lehrt, dass wir während unseres ganzen Lebens Sünder bleiben müssen, wenn er zugleich auch befiehlt, dass wir wandeln sollen, wie Christus wandelte und noch obendrein hinzufügt, dass wir uns reinigen sollen, wie auch er rein ist.
Aber auch dies ist noch nicht alles. Höre nur: "Und ihr wisset, dass er ist erschienen, auf dass er unsere Sünden wegnehme, und es ist keine Sünde in ihm. Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht; wer da sündigt, der hat ihn nicht gesehen noch erkannt. Kindlein, lasset euch niemand verführen! Wer recht tut, der ist gerecht, gleichwie er gerecht ist. Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. Wer aus Gott geboren ist, der tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt bei ihm; und kann nicht sündigen, denn er ist von Gott geboren. Daran wird's offenbar, welche die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels sind. Wer nicht recht tut, der ist nicht von Gott, und wer nicht seinen Bruder liebhat” (1. Joh. 3, 5 — 10). Dies klingt doch gewiss nicht wie jene Behauptung, dass man ein Christ sein kann und zur selben Zeit auch noch sündigen dürfe, nicht wahr?

Br. N.: Ja, ich muss sagen, dass dies etwas ganz anderes ist.

Br. L.: Ja, das ist wirklich eine sehr offene Sprache, und trotzdem ist es doch nichts weiter als das reine Wort Gottes. Der Gerechte ist ebenso gerecht wie der, in dem überhaupt keine Sünde war, und der darum hier auf Erden erschien, damit er des Sünders Sünde hinwegnehme. Es wird uns hier gesagt: "Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht; wer da sündigt, der hat ihn nicht gesehen noch erkannt”.
Dies ist eine sehr ernste Tatsache, und das ganz besonders, wenn wir uns daran erinnern, dass geschrieben steht, Christus werde in flammendem Feuer kommen, um Rache an denen zu nehmen, die ihn nicht anerkannt haben. dass das auch diejenigen mit einschließt, die in der Sünde leben, ist klar.
Ferner wird uns dann auch noch gesagt, woran es sich offenbart, welche Kinder Gottes sind und welche nicht, nämlich daran, dass die erste Klasse nicht sündigt und die zweite Sünde begeht. dass der Apostel in Bezug auf diesen Punkt sehr sicher ist, sagt er uns im 5. Kapitel Vers 18 mit aller Bestimmtheit. Hier heißt es: "…Wer von Gott geboren ist, der sündigt nicht.” Ebenso auch in Kapitel 4, 17 sagt er: "Darin ist die Liebe völlig bei uns, dass wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleichwie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.” Es geht also hieraus hervor, dass, wenn wir nicht wie Christus vollkommen in der Liebe sind, wir auch nicht imstande sein werden, am Tage des Gerichts vor ihm zu bestehen.

Br. N.: Ja, ich muss bekennen, das muss furchtbar sein; noch nie habe ich es in diesem Lichte erkannt. Aber trotzdem scheint es mir doch, dass verschiedene Texte bestimmt sagen, dass niemand ohne Sünde in dieser Welt zu leben vermag. So finden wir z. B. in Sprüche 20, 9 folgendes: "Wer kann sagen: Ich bin rein in meinem Herzen und lauter von meiner Sünde?” Eine andere Schriftstelle befindet sich in 1. Könige 8, 46. Diese lautet wie folgt: "…Denn es ist kein Mensch, der nicht sündigt.” Und eine andere in Prediger 7, 21: "Denn es ist kein Mensch so gerecht auf Erden, dass er Gutes tue und nicht sündige.” Nun bin ich doch neugierig, was du mir hierüber zu sagen hast.

Br. L.: Von einem Gesichtspunkt aus ist das wohl richtig, das muss ich zugeben, aber was mich betrifft, so weiß ich, dass das Blut Christi mich von aller Sünde reinigt, und dass die Kraft Gottes mich auch jeden Augenblick bewahrt. In Bezug auf diese Schriftstellen kann ich nur sagen, dass sie mehr oder weniger auf die Verderbtheit der menschlichen Familie im allgemeinen hindeuten und mehr zum Ausdruck bringen sollen, dass alle Menschen gesündigt haben. Sie zeigen uns einfach nur, wohin die Sünde die ganze Menschheit gebracht hat, deuten aber mit keinem Wort auf die Gnade Gottes hin, wodurch die menschliche Seele auf eine höhere Stufe emporgehoben wird. Irgendeine andere Auslegung würde die Möglichkeit einer persönlichen Heilserfahrung ausschließen und außerdem auch noch mit den übrigen Lehren der Bibel in Widerspruch geraten.
Aber um dir die ganzen Vorteile zu gewähren, die diese Schriftstellen auszudrücken scheinen, können wir auch gerne annehmen, dass es zu Salomos Zeiten niemand gab, der ohne Sünde lebte, oder wie es hier heißt: "…dass er Gutes tue und nicht sündige” (Pred. 7, 21). Wir können also das gelten lassen und trotzdem unsere Stellung in Bezug auf eine völlige Befreiung von der Sünde leicht aufrechterhalten.

Br. N.: Da möchte ich doch gerne wissen, wie du das anfangen willst.

Br. L.: Aber, lieber Bruder, wir brauchen nur unsere Bibel aufzuschlagen und davon zu lesen, was Gott für die menschliche Familie seit den Tagen Salomos getan hat, und dann müssen wir auch zugeben, dass wir in Hinsicht auf unsere geistlichen Vorrechte in einer weit besseren Zeit leben als er. Kamen nicht damals, als Christus geboren wurde, die Engel vom Himmel herab und verkündigten der Welt Freude und Frieden und den Menschen ein Wohlgefallen?
Wozu geschah das alles, wenn die Welt nun doch keine größeren Vorrechte haben sollte? Sagte nicht Christus selbst von sich: "Ich bin gekommen in die Welt ein Licht, auf dass, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe?” (Joh. 12, 46). "Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben” (Joh. 8:12). Können wir jetzt, da uns das Licht leuchtet, nicht leichter den Schlingen der Sünde entrinnen, als dies zu jener Zeit geschah, von der es heißt: "Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker”?
Während des ganzen alttestamentlichen Zeitalters schaute man mit Verlangen nach unserer Zeit aus als auf eine Zeitperiode von Gnade, Barmherzigkeit und Freiheit von der Macht der Sünde. Sollten wir denn nun hinter jenen heiligen Männern, die in früheren Zeitaltern mit Gott wandelten, zurückstehen? Die Opfer des Alten Bundes waren nur Schattenbilder gegenüber jenem großen Opfer am Kreuz, und jetzt, da Christus, unser Opferlamm, für uns geopfert ist, wieviel mehr wird nun doch das Blut Christi unser Gewissen von toten Werken reinigen, um dem lebendigen Gott zu dienen! (Hebr. 9, 14).
Alle diese Schriftstellen zeigen uns deutlich, dass Gott für uns weit bessere Dinge bereitet hat als für Salomo und alle die, welche während seines Zeitalters lebten. Darum sind wir auch imstande, ein heiligeres Leben zu führen als sie. Die heilsame Gnade Gottes ist tatsächlich allen Menschen erschienen und mit ihr auch die Freundlichkeit und Leutseligkeit Gottes, unseres Heilandes (Siehe Titus 2, 11 — 12; 3, 4 — 6). Die wunderbare Heilsgewissheit, deren wir uns erfreuen, vermochten die Propheten und Heiligen des Alten Bundes nicht zu erlangen, ja, sie konnten sie nicht einmal verstehen, denn wie der Apostel Petrus sagt, gelüstete es sogar die Engel, hineinzuschauen (1. Petr. 1, 8 — 12).
Jesus sagte von Johannes dem Täufer, dass er der größte aller Propheten sei, d. h. in Bezug auf die Vorrechte, die er genoss, dem wahren Lichte so nahe zu sein, aber zugleich fügte er auch hinzu, dass der Kleinste im Himmelreich größer sei als er, was schon darauf hindeutete, dass dieser sich einer vollkommeneren Seligkeit erfreuen kann (Siehe Matth. 11, 11).
All diese Schriftstellen und noch viele andere geben uns deutlich zu erkennen, dass wir in einer Zeit leben, in der wir an des Himmels größten Segnungen Anteil haben, nämlich der Errettung von dem Einfluss und der Macht der Sünde. Wir können Teilhaber der wunderbaren Offenbarungen der Liebe Gottes und seiner Macht sein, die uns stets siegreich über alle Macht der Sünde und des Satans zu bewahren imstande ist.
Darum haben wir auch keine Entschuldigungen für die Sünde, denn so spricht der Herr: "Wenn ich nicht gekommen wäre und hätte es ihnen gesagt, so hätten sie keine Sünde; nun aber können sie nichts vorwenden, ihre Sünde zu entschuldigen.” Es ist uns in unserer Zeit eine Heilserfahrung angeboten, die in jeder Hinsicht vollkommen ist, und darum dürfen wir uns auch nicht hinter den dunklen und verschleierten Schriftstellen des Alten Testaments verstecken.
Jesus vermag einen jeden selig zu machen, der durch ihn zu Gott kommt, und nur durch die Macht Gottes und den Glauben bleiben wir vor aller Sünde bewahrt. Es gibt also keinen Deckmantel für die Sünde mehr, und niemand hat eine Entschuldigung, irgendwie zu sündigen, und sei es auch die kleinste Sünde, denn ein jeder hat das Vorrecht, sich in einem Zustand zu befinden, in dem die Gnade nun noch viel mächtiger ist als die Sünde (Röm. 5, 20).
Jesus sagte jenem Kranken am Teich Bethesda: "…sündige hinfort nicht mehr, dass dir nicht etwas ärgeres widerfahre” (Joh. 5, 14), und auch jener großen Sünderin sagte er: "…gehe hin und sündige hinfort nicht mehr!” (Joh. 8, 11). Auch der Apostel Paulus ermahnt uns, der Sünde zu fliehen, indem er in 1. Korinther 15, 34 sagt: "Werdet doch einmal recht nüchtern und sündiget nicht!” Und von den neunundneunzig Gerechten sagt der Herr, dass sie der Buße nicht bedürfen (Luk. 15, 7), und wenn du fragen würdest, warum sie der Buße nicht bedürfen, antwortete ich dir mit den Worten des Psalmisten: "Denn welche auf seinen Wegen wandeln, die tun kein übel.”
Du siehst also, Bruder N, dass Jesus nicht in die Welt kam, um sich eine Gemeinde von Sündern zu sammeln, sondern um uns von allen Sünden zu erlösen und sich ein Volk zuzubereiten, das da ohne Flecken und Runzel ist. Ja, mehr noch, er ist auch imstande, uns in dieser Welt heilig und unbefleckt zu erhalten.

Br. N.: Ja, Bruder L. ich muss zugeben, dass ich dies noch nie so deutlich und klar gesehen habe wie gerade jetzt. Meine Seele verlangt wirklich nach einer solchen Gerechtigkeit; aber doch erscheint es mir manchmal noch geradezu als eine Unmöglichkeit, heilig und gerecht in dieser Welt zu leben. Glaubst du wirklich, dass man in dieser Welt von der Macht der Sünde befreit werden und einerlei auch, was unsere Verhältnisse sein mögen, in völligem Frieden leben kann?

Br. L.: Würde ich von Jesu hinweg und auf die Werke der Sterblichkeit blicken, so würde ich sicherlich bald zu Fall kommen; aber dem Herrn sei Dank, die Gewissheit eines vollen Heils setzt mich in den Stand, auf Jesum, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens zu schauen. Warum sollten wir denn sündigen müssen, da wir doch aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werden zur Seligkeit, welche bereitet ist, dass sie offenbar werde zur letzten Zeit? (1. Petr. 1, 5). Ja, wahrlich, die Macht des allmächtigen Gottes ist völlig hinreichend, uns vor der Macht und dem Einfluss der Sünde zu bewahren, so dass uns der Böse nicht antasten kann.
Warum sollten wir nicht stehen können, wenn sich uns, einerlei auch wieviel Teufel entgegenstellen würden (Jud. 24)? Wie können wir es überhaupt verfehlen, ein heiliges Leben zu führen, wenn Gott doch sagt: "Ich will unter ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein”? (2. Kor. 6, 16).
Wir können zu allen Zeiten und unter allen Umständen in völligem Frieden leben. Für ein Herz, das sich im Stande der Heiligung befindet, ist es ganz natürlich, dass es seine Gedanken auf Gott und göttliche Dinge gerichtet hat. Es ist der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, der allein unsere Herzen und Sinne in Christo Jesu bewahren kann (Phil. 4, 7). Du kannst also sehen, dass wir den wahren Gottesfrieden in uns haben müssen, und die Bewahrung vor aller Sünde ergibt sich dann ganz von selbst.

Br. N.: Das muss ein herrlicher Zustand sein, lieber Bruder, aber steigen nicht doch manchmal böse Gedanken in deinem Inneren auf?

Br. L.: Wir haben zuweilen unsere Gedanken auf böse Dinge gerichtet, da sich uns diese doch ganz von selbst aufdrängen, einerlei, ob wir sie tatsächlich sehen, ob wir davon lesen oder daran denken. Aber zwischen dem Denken an solche Dinge, die böse sind, und einer Lust zum Bösen besteht ein großer Unterschied. Ein reines Herz wird alles verabscheuen, was auch nur den geringsten Anschein des Bösen hat. Böse Gedanken kommen aus einem bösen Herzen.
Dem Herrn sei Dank, dass wir dem Bösen nicht nachzuhängen brauchen, sondern Christi Sinn haben können, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, alle Anschläge und alle Höhe, die sich erhebt wider die Erkenntnis Gottes, zu zerstören, und alle Vernunft unter den Gehorsam Christi gefangenzunehmen (2. Kor. 10, 5). Wir sehen also, dass der Herr unsern ganzen Willen für sich beansprucht und unser ganzes Herz, ja sogar alle Vernunft, unsere Gedanken usw. unter den Gehorsam seines Willens bringt.

Br. N.: O, das ist wirklich wunderbar! Ich habe diese Stelle noch nie so von diesem Standpunkt aus betrachtet. Aber heißt es nicht auch in der Bibel, dass der Teufel mächtig ist? Es will mir gar nicht in den Sinn, dass wir arme, schwache Kreaturen stets seiner großen Macht widerstehen können.

Br. L.: Aber, lieber Bruder, es sind doch nicht wir selbst, die das tun, es ist doch Christus in uns. "Der in euch (uns) ist, ist größer, denn der in der Welt ist.” Er ist es, der dem Feind die Macht nimmt und uns über ihn triumphieren lässt. "Aber in dem allem überwinden wir weit, um deswillen, der uns geliebt hat.” Es gibt vieles, wodurch uns völliger Sieg über die Macht des Bösen verbürgt wird.
Zuerst Gottes Heiligkeit, die im direkten Widerspruch mit allem ist, was Sünde heißt. Zweitens, die Allmacht Gottes, die über alle Macht der Sünde und des Teufels regiert. Drittens, das tatsächliche Innewohnen Christi in uns, welches dem Feinde keine Gelegenheit gibt, uns unvorbereitet zu finden. Viertens, das vollkommene Opfer Christi und die Macht seines Blutes, uns zu allen Zeiten von der Sünde zu reinigen und uns vor ihrer Macht zu bewahren.

Br. N.: Ja, Bruder L., es ist wahr. Seitdem ich auf die Allmacht unseres Gottes und Heilandes recht aufmerksam geworden bin, muss ich auch bekennen, dass ich nicht nur überzeugt davon bin, dass die Bibel eine völlige Heiligung für notwendig erklärt, sondern auch, dass diese, da sie durch Gott gewirkt wird, überaus praktisch ist. Dem Herrn sei dank, ich habe wirklich viel lernen dürfen, und mit Gottes Hilfe und Kraft seiner Gnade will auch ich danach streben, diese Heilserfahrung, die uns Menschen von aller Ungerechtigkeit und Sünde rein macht und auch bewahrt, zu erlangen.

Br. L.: Amen; möge der Herr mit dir sein, lieber Bruder. Ein Leben in der Kraft Gottes ist das allein zufriedenstellende und ist für einen jeden zu erlangen. Lebe wohl!

Br. N.: Lebe wohl, Bruder L.! Auf Wiedersehen!