Zwei Gnadenwerke

H.M. Riggle

DIE RECHTFERTIGUNG

Rechtfertigung bedeutet Erlassung der Sünden und Freisprechung von Schuld und Strafe. Es ist eine Handlung der freien Gnade Gottes, in welcher er dem Sünder vergibt, und ihn als gerecht um des Sühnopfers Christi willen anerkennt. So wird das Wort Rechfertigung sprachlich seiner wörtlichen Bedeutung nach aufgefasst. Jetzt wollen wir sehen, was die Schrift darüber sagt: "So sei es nun euch kund, liebe Brüder, dass euch verkündigt wird Vergebung der Sünden durch diesen und von dem allem, wovon ihr nicht konntet im Gesetz Mose's gerecht werden. Wer aber an diesen glaubt, der ist gerecht" (Apg. 13, 38 und 39).

"Und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, so durch Christum Jesum geschehen ist… So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht werde ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben" (Röm. 3, 24 und 28).

"So werden wir ja vielmehr durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir durch sein Blut gerecht geworden sind" (Röm. 5, 9).

Die wahre, neutestamentliche Rechfertigung ist aber nicht nur eine Freisprechung durch Gott von begangenen Sünden, wie es unter dem Bund des Gesetzes war, die das Herz und das Leben des Gerechtfertigten unberührt lässt, sie ist vielmehr ein kräftiges Werk Gottes im Herzen. Sie wird nicht durch Wachstum erzielt, noch durch Ablegung äußerer Kundgebungen der Sünde; auch nicht durch Bildung oder gute Werke, die wir tun, sondern sie kommt allein zu Stande, indem der Heilige Geist das Blut Jesu Christi wirksam macht an unseren Herzen. Buße und Glaube an den Herrn Jesus Christus sind die Bedingungen, die Gott an uns stellt, ehe er die Rechtfertigung wirkt. In diesem Werk sind einbegriffen: Bekehrung, Wiedergeburt und Annahme bei Gott. Es ist das Werk der Gnade Gottes, das dem bußfertigen und betrübten Sünder geistliches Leben mitteilt, ihm alle bisher begangenen Sünden vergibt, ihn bei Gott in Gnaden setzt, und ihm Frieden mit Gott bringt. "Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus" (Röm. 5, 1)." Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geiste" (Röm. 14, 17).

Alles Schuldbewusstsein weicht aus dem Herzen und die Seele wird aus dem sinnlichen Element der Sünde in den Bereich der Reinheit versetzt, wo sie von himmlischen Einflüssen umgeben ist. Der Mensch ist aus der Gewalt Satans in das Reich des Sohnes Gottes versetzt. Er ist eine Rebe in Christo Jesu, dem Weinstock geworden. "In Christo" ist er nun eine "neue Kreatur". Das Alte (Sünde, Leidenschaften, Schuld) ist vergangen, es ist alles neu geworden. Ein neues Leben hat für ihn begonnen; er ist wiedergeboren. Gott hat ihn in seiner göttlichen Familie aufgenommen und er ist Gottes Kind und Erbe geworden. Die Furcht vor dem Tod und Gericht ist ihm genommen, er hat den Geist der Kindschaft bekommen, durch welchen er ruft: "Abba, lieber Vater!"

Diese Umwandlung in ihm wird auch seiner Umgebung kund werden. Frühere üble Gewohnheiten und Gebräuche haben ein Ende. Tatsächlich wird der Mensch in der Rechtfertigung von allen Tatsünden frei. "Wer aus Gott geboren ist, der tut nicht Sünde." — "Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht" (1. Joh. 3, 9 und 6). Wer in seinem Worte bleibt, der gehört zu den Gerechten, von welchen Jesus sagt, dass sie der Buße nicht bedürfen. Jesaja sagt in Kapitel 26, 7 im prophetischen Geist: "Aber des Gerechten Weg ist schlicht (gerade); den Steig des Gerechten machst du richtig." Johannes sagt von solchen: "Ihr Lieben, so uns unser Herz nicht verdammt, so haben wir eine Freudigkeit zu Gott, und was wir bitten, werden wir von ihm nehmen; denn wir halten seine Gebote und tun, was vor ihm gefällig ist" (1. Joh. 3, 21 und 22).

Die Rechtfertigung erlöst uns von "der Liebe zur Welt". Von solchen Dingen wie weltliche Kleidung, dem Beifall der Welt, weltlicher Gesellschaft, weltliche Belustigungen von Vergnügungssucht, einschließlich Kino und Theater, weltlichen Festlichkeiten, Jahrmärkten, Picknicks, Sportveranstaltungen, Kartenspiel und dergleichen mehr. Man lese noch 1. Johannes 2, 15 — 17; Jakobus 4, 4; Galater 6, 14. Auch erlöst uns die Rechtfertigung von Scheltworten, Brummen, sich beleidigt fühlen; von harten, bitteren Worten, wenn man eilig ist, oder sich beleidigt dünkt. Ebenso wird ein wahrhaft Gerechtfertigter seinen Nächsten nicht übervorteilen im Handel, tut er es, so verliert er seinen Gnadenstand (Matth. 7, 12). Auch sind wir in diesem Zustand erlöst von leichtfertigem oder schmutzigem Geschwätz (Eph. 5, 3 und 4).

Ein Gerechtfertigter redet nichts Böses von seinem Nächsten, noch erwähnt er die Fehler und Mängel seiner Geschwister in einer solchen Weise, dass es ihnen zum Schaden dient. Eher bemerkt er ihre guten Eigenschaften (Eph. 4, 29. 32; Jak. 4, 11). Gott macht uns in der Rechtfertigung frei von Eifersucht und gehässigen Gefühlen gegen andere und von allem Neid über das Wohlergehen anderer, gehe es uns, wie es wolle. Sie erlöst uns von Eigensinn, von Unmut und Starrköpfigkeit. Gott erhält uns in Geduld, wenn wir ermahnt und missverstanden werden, oder uns widersprochen wird (Gal. 5, 22 und 23; Jak. 3, 17). Sie gibt uns Macht über unsaubere Gewohnheiten (so wie Tabak rauchen und dergl.) und über alle Lüste des Fleisches (Röm. 6, 12 und 14).

Das Maß biblischer Rechtfertigung ist ein heiliges Leben, ein Leben des Wachstums und täglicher Zunahme an den Früchten des Geistes. "Aber der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht, das immer heller leuchtet bis auf den vollen Tag" (Spr. 4, 18).

Aber während alle Tatsünden vergeben sind, und das äußere Leben rein und heilig ist und erscheint, so ist dennoch im Herzen die "fleischliche Gesinnung" geblieben (1. Kor. 3, 1 — 3). Es ist "die Sünde" (Hebr. 12, 1), die Sünde im inneren Wesen als ein moralisches Element oder der natürliche Hang zum Bösen. Man nennt sie zuweilen Erbsünde. Die Schrift bezeichnet es "die Sünde, die in mir wohnt" (Röm. 7, 17). Auch wird sie genannt "der alte Mensch" (Röm.6, 6; Eph. 4, 22. 24; Kol. 3, 5 — 10). "Die in mir erregte Lust" (Röm. 7, 5 und 8). Es ist genannt "das Fleisch, das wider den Geist gelüstet" und noch gekreuzigt werden muss (Gal.5, 17 und 24; Röm.8, 13).

Hier sind einige äußerungen des alten Menschen erwähnt: Wenn etwas verkehrt geht, so fühlen wir uns zum ärger und Zorn geneigt, eine gewisse Rauheit im Innern; ein Gefühl der Abwehr, wenn wir getadelt oder ermahnt werden; ein empfindliches und leicht verletztes Gefühl; eine innere Erhebung, wenn wir bewusst werden, dass wir vieles im Dienste Gottes tun; ein Gefühl der Selbstüberhebung über unser äußeres, natürliche Fähigkeiten, gute Erziehung oder dergleichen; geheimes Wohlgefallen wenn wir ein von anderen beobachtet werden; wenn wir im Gespräch die Aufmerksamkeit auf uns selber lenken; Abweisen von Belehrung; Entmutigung, wenn wir nicht beachtet werden; ein sich drängen und schmeicheln lassen, Menschenfurcht, Selbstsucht und dergleichen. All dies veranlasst den Zustand, den Paulus beschreibt als das Gelüsten des Fleisches wider den Geist; auch von Jakobus beschrieben in Jakobus 4, 1 — 10). Das ist der "zweiseelische" Zustand, der, wenn ihm nicht auf schriftgemäße Weise ein Ende gemacht wird, Wankelmut, Zweifel und Sünde im Gefolge hat, und dem Werk der Heiligung, hindernd, ja schädlich entgegentritt.

Aber lasst uns eingedenk sein, dass Gott seinen Kindern Gnade genug gibt, so dass sie allezeit den Sieg davon tragen (1. Kor. 10, 13) und der Sünde braucht die Herrschaft nicht überlassen zu werden (Röm. 6, 12 und 14). Nichts desto weniger bringt dieser Herzenszustand oft einen Schatten und Entmutigung über den geistlichen Himmel des durch den Glauben Gerechtfertigten. Die Seele wird bald nach Befreiung davon schmachten, und hungern und dürsten nach der Fülle der Gnade und Gabe zur Gerechtigkeit (Röm. 5, 17; Matth. 5, 6).

Sünde kann nicht eingehen in den Himmel. Ohne Heiligkeit wird niemand den Herrn schauen; nur die reines Herzens sind, werden Gott schauen; und siehe, "Jetzt ist der Tag des Heils." Darum muss noch in dieser Welt und zu unserer Lebenszeit diese alte Natur, "die bittere Wurzel" entfernt werden. Der Mensch kann es allein nicht tun; der Tod des Leibes entfernt sie nicht: Daraus folgt klar, dass sie aus dem Herzen geschieden werden kann einzig und allein durch einen freien Akt der Gnade Gottes. Was ist dann die Gnade, die sie aus dem Herzen entfernt?

DIE HEILIGUNG

Heiligen heißt: 1. Reinigen, läutern oder heilig machen.

2. Vom Verderben, von Sünde reinigen.

Heiligung ist die Handlung, durch welche heilig gemacht wird. Ferner bedeutet das Wort heilig, heil, ganz oder vollkommen zu sein in moralischer Beziehung. Daher ist es gleich bedeutend mit Reinheit des Herzens, Gemütes und Willens; frei von Sünde und sündlichen Neigungen zu sein. Diese Erklärung der englischen gleich bedeutenden Wörter sanctify, sanctification, holy und holiness gibt der große Sprachkundige Webster, und da wir im Deutschen keine bessere Erklärung haben, so lassen wir uns daran genügen. Wir sehen aus obigem folgendes: 1. Dass die Worte Heiligkeit, Heiligung und Vollkommenheit sich auf denselben Zustand und dieselbe Erfahrung beziehen. 2. Dass alle, die diese Erfahrung gemacht haben, durch dieselbe von der angeborenen Verderbtheit befreit sind. Dies stimmt auch genau mit Gottes Wort. Die deutschen Wörter Heiligkeit und Heiligung sind übersetzungen von griechischen Worten, die beide von demselben Stammwort "hagiasmos" abgeleitet sind und bezeichnen denselben Zustand, wenn Heiligung als ein Geisteszustand bezeichnet wird.

Vollkommenheit, wenn angewendet auf erlöste Personen, bezeichnet die vollkommene, moralische Wiederherstellung des Menschen von den Folgen des Sündenfalles. Es ist der Zustand der Freiheit von der Sünde, beschrieben in Römer 6. Dieser Zustand der Heiligkeit wird erlangt durch das Werk der Heiligung. "Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet (vollkommen gemacht), die geheiligt werden" (Hebr. 10, 14). Christus heiligte sein Volk durch sein eigen Blut (Hebr. 13, 12). " Und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde" (1. Joh. 1, 7). In Harmonie mit dem Gesagten sind diese Worte abwechselnd oder tauschend verwendbar zu gebrauchen.

Heiligung wird in der Schrift gelehrt

"Heiliget aber Gott den Herrn in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung jedermann, der Grund fordert der Hoffnung, di ein euch ist" (1.Petr. 3, 15)." Sie sind nicht von der Welt, gleichwie ich auch nicht von der Welt bin. Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit… Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, so durch ihr Wort an mich glauben werden" (Joh. 17, 16 — 20).

"Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung" (1.Thess. 4, 3).

"Das euch Gott erwählt hat von Anfang zur Seligkeit, in der Heiligung des Geistes im Glauben der Wahrheit" (2. Thess. 2, 13).

"Betet an den Herrn in heiligem Schmuck" (Ps. 29, 2). "Heiligkeit ist die Zierde deines Hauses, o Herr, ewiglich" (Ps. 93, 5).

"Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig" (1. Petr. 1, 16).

"Jaget nach - dem Frieden gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche wird niemand den Herrn sehen" (Hebr. 12, 14).

"Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung" (1. Thess. 4, 7).

""Wandle vor mir und sei fromm (vollkommen)" (1. Mose 17, 1).

"Du aber sollst rechtschaffen (vollkommen) sein mit dem Herrn, deinem Gott" (5. Mose 18, 13).

"Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist" (Matth. 5, 48).

"Zuletzt, liebe Brüder,… seid vollkommen" (2. Kor. 13, 11).

"Dieweil wir nun solche Verheißungen haben, meine Liebsten, so lasset uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen und fortfahren mit der Heiligung in der Furcht Gottes" (2. Kor. 7, 1).

"Darum wollen wir die Lehre vom Anfang christlichen Lebens jetzt lassen und zur Vollkommenheit fahren" (Hebr. 6, 1).

In den angeführten Schriftstellen sind folgende Wahrheiten gelehrt:

1. Es liegt im Willen Gottes, dass alle Gläubigen geheiligt werden sollen.

2. Gott beruft alle Gläubigen zur Heiligung.

3. Jesus flehte den Vater um die Heiligung aller Gläubigen an.

4. Allen Gläubigen ist ein entschiedenes Gebot gegeben, die Heiligung zu erlangen.

5. Ohne diese Erfahrung wird niemand den Herrn sehen.

Die dafür getroffene Fürsorge

Gott ist treu und gerecht. Er verlangt nichts von uns, das wir nicht ausführen können. Wenn wir das Wort Gottes prüfen, erkennen wir, dass volle Vorkehrungen getroffen sind für die Heiligung der Kinder Gottes.

1. Gott selbst. "Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt Seele und Leib müsse bewahrt werden unsträflich auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi. Getreu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun" (1. Thess. 5, 23 und 24). "Gott rüstet mich mit Kraft und macht meine Wege ohne Tadel (vollkommen)" (Ps. 18, 33).

2. Das Wort. "Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit.… Ich heilige mich selbst für sie, auf dass auch sie geheiligt seien in der Wahrheit" (Joh. 17, 17 und 19). "Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, dass ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt" (2. Tim. 3, 16 und 17).

3. Das Predigtamt. "Und er hat etliche zu Aposteln gesetzt, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern, dass die Heiligen zugerichtet werden zum Werk des Dienstes, dadurch der Leib Christi erbaut werde" (Eph. 4, 11 und 12). "Den verkündigen wir und vermahnen alle Menschen und lehren alle Menschen mit aller Weisheit, auf dass wir darstellen einen jeglichen Menschen vollkommen in Christo Jesu" (Kol. 1, 28).

4. Der Glaube. "Aufzutun ihre Augen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zu dem Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, zu empfangen Vergebung der Sünden und das Erbe samt denen, die geheiligt werden durch den Glauben an mich" (Apg. 26, 18). "Und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens; welcher, da er wohl hätte mögen Freude haben, er erduldete das Kreuz und achtete der Schande nicht und hat sich gesetzt zur Rechten auf den Stuhl Gottes" (Hebr. 12, 2).

5. Der Heilige Geist. "Das ich soll sein ein Diener Christi unter den Heiden, priesterlich zu wartendes Evangeliums Gottes, auf dass die Heiden ein Opfer werden, Gott angenehm, geheiligt durch den Heiligen Geist. Darum kann ich mich rühmen in Jesu Christo, dass ich Gott diene" (Röm. 15, 16 und 17).

6. Der Leib und das Blut Jesu Christi. "In diesem Willen sind wir geheiligt auf einmal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi" (Hebr. 10, 10). "Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet die geheiligt werden" (Hebr. 10, 14). "Darum hat auch Jesus, auf dass er heiligte das Volk durch sein eigen Blut, gelitten draußen vor dem Tor" (Hebr. 13, 12).

Angesichts solcher Fürsorge von Seiten Gottes sagen wir, dass der Mensch ohne Entschuldigung ist, der nicht die Heiligung erfährt. "Wie wollen wir entfliehen, wenn wir eine solche Seligkeit nicht achten?" O gläubige Seele, hungerst und dürstest du nach einer tieferen Erfahrung, nach einer größeren Fülle der Freude? Wenn so, so bedenke, welche Vorsorge Gott getroffen hat, um dir eine Erfahrung zu geben, die jedes Verlangen deines Herzens stillt. Ja, bedenke es, Gott der Vater, der Heilige Geist, Jesus Christus, sein völliges Opfer und teures Blut, alles macht dir diese wundervolle Erfahrung zur Gewissheit. Wir machen noch darauf aufmerksam, dass alle angeführten Schriftstellen der Lehre, dass Heiligung durch allmähliches Wachstum erlangt wird, ganz entgegen sind.

Wirkungen der Heiligung

Manche Leute werden durch die Worte "Heiligung" und "Vollkommenheit" verwirrt, weil sie diesen Worten Begriffe beilegen, die ihnen nach der Schrift nicht zukommen. Heiligung macht nicht Götter aus uns, sondern nur vollkommene Menschen. Doch ist

kein Mensch so vollkommen, dass er nicht irre, auch ist er nicht frei von Fehlern. Auch wird niemand so absolut vollkommen, dass nicht Versuchungen oder Anfechtungen über ihn kommen können, er kann denselben sogar unterliegen. Nein, dass niemand sich so etwas einbilde. Abel die Heiligung in Jesu Christo macht uns frei von aller Sünde. Sie macht uns rein, wie er rein ist (1. Joh. 3, 3), gerecht, wie er gerecht ist (1. Joh. 3, 7). Lies Matthäus 6, 33; 2. Korinther 5, 21. — Und Gott sei Dank, diese Erfahrung kann gemacht und gelebt werden" alle Tage unseres Lebens", auf die eine Bedingung hin, des Gehorsams gegen Gott. "Denn so der Ochsen und der Böcke Blut und die Asche von der Kuh, gesprengt, heiligt die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit, wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst ohne allen Fehl durch den ewigen Geist Gott geopfert hat, unser Gewissen reinigen von den toten Werken, zu dienen dem lebendigen Gott" (Hebr.13 und 14). Das Blut Jesu Christ, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde. (1. Joh. 1, 7).

"Dieweil wir wissen, dass unser alter Mensch samt ihm gekreuzigt ist, auf dass der sündliche Leib aufhöre, dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben (mit Christus) ist, der ist gerechtfertigt von der Sünde. Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einem Mal; was er aber lebt, das lebt er Gott. Also auch ihr, haltet euch dafür, dass ihr der Sünde gestorben seid und lebet Gott in Christo Jesu, unserem Herrn" (Röm. 6, 6. 7. 10. 11). "Denn nun ihr frei geworden seid von der Sünde, seid ihr Knechte geworden der Gerechtigkeit" (Röm. 6, 18). "Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind?" (Röm. 6, 2).

Könnte irgendeine Sprache in klareren Worten unsere Befreiung von der Sünde schildern? Diese Erfahrung stellt das verlorene Ebenbild Gottes in unseren Seelen wieder her. Alle die eben denselben teuren Glauben überkommen haben, werden durch Ergreifen der allergrößten Verheißungen der göttlichen Natur teilhaftig (siehe 2. Petr. 1, 1 — 4), nämlich sie erlangen seine Heiligung (Hebr. 12, 10). Sie "ziehen den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit" (Eph.4, 24). "Ziehet den alten Menschen mit seinen Werken aus und ziehet den neuen an, der da erneuert wird zu der Erkenntnis nach dem Ebenbilde des, der ihn geschaffen hat" (Kol. 3, 9 und 10).

Hier sehen wir, dass das Ebenbild Gottes rechtschaffene Gerechtigkeit und Heiligkeit ist. Dieses Ebenbild wird in uns hergestellt durch die Erfahrung eines vollen Heils. In Christo Jesu werden wir die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt (2. Kor. 5, 21). "Nun aber spiegelt sich in uns allen des Herrn Klarheit mit aufgedecktem Angesicht, und wir werden verklärt in dasselbe Bild von einer Klarheit zu der andern, als vom Herrn, der der Geist ist" (2. Kor. 3,18). Zuerst werden wir aus Schuld und Schande in die Herrlichkeit der Rechfertigung erhoben. Dann verklärt uns der Geist Gottes in die völlige Herrlichkeit der Heiligung, in das völlige Ebenbild der Herrlichkeit des Herrn; von einer Herrlichkeit zu der andern, durch den Geist des Herrn. Dieser Geist ist es, der da heiligt (Röm. 15, 16).

Das Werk der Heiligung bezweckt und wirkt aber auch eine völlige Einheit unter dem Volke Gottes. "Heilige sie in deiner Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit… auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir; dass auch sie in uns eins seien, auf dass die Welt glaube, du habest mich gesandt. Und ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen seien in eins" (Joh. 17, 17. 21 — 23).

"Sintemal sie alle von einem kommen, beide, der da heiligt und die da geheiligt werden. Darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu heißen" (Hebr. 2, 11).

Die fleischliche Gesinnung ist die Wurzel aller Trennungen und alles Sektenwesens, (siehe 1. Kor. 3, 1 — 3). Die Heiligung nimmt diese Wurzel aus unserm Herzen, (siehe Hebr. 12, 15 und Matth. 12, 33), und entfernt dadurch die Ursache der Spaltungen. Das Resultat davon ist, dass Gottes Kinder zusammen kommen in völliger Einheit, und die Frucht dieser Einheit ist: "Ein Herz und eine Seele" (Apg. 4, 31 — 33). "Einerlei Sinn" (2. Kor. 13, 11 und 1. Petr 3, 8). "Einerlei Rede, in einem Sinn und einerlei Meinung" (1. Kor. 1, 10). Alle haben einen Glauben (Eph. 4, 5 und 6); "alle zu einem Geist getränkt" (1. Kor. 12, 13). Alle "stehen in einem Geist und einer Seele, und kämpfen für den Glauben des Evangeliums" (Phil. 1, 27). Sie freuen sich alle miteinander (1. Kor. 12, 26), und "versammeln sich miteinander einträchtiglich" (Hebr. 10, 25; Ps. 133, 1). Sie rühmen miteinander (Jes. 52, 9). Sie gehören alle zu der einen von Gott wohlgeordneten Gemeinde, dem Leib Christi, der Gemeinde des lebendigen Gottes. Man lese Johannes 10, 16; Römer 12, 4 und 5; Epheser 4, 4; Kolosser 1, 24.

Wenn man nun die Heiligungserfahrungen der Sektierer nach diesem Maßstabe göttlichen Wortes misst, so kommen dieselben zu kurz und werden auch am Tage des Gerichts zu kurz kommen. Sie erkennen dies auch selber und um ihre Blöße zu decken, sagen sie: "Wir sind eins im Geiste; innerlich eins, aber äußerlich getrennt." Schande über ein solches Bekenntnis. Sie bekennen, eins im Geiste zu sein, und dennoch äußerlich tragen sie, ihrem eigenen Geständnis nach, die Früchte des Fleisches, "Spaltungen", (Rotten, übersetzt von Luther). Nun erkennt man aber an den Früchten den Baum. Jesus betete für eine solche Einheit unter seinen Jüngern, die äußerlich zu erkennen sei, "auf das die Welt glaube."

Das Geheimnis der Einheit ist: "Gott über euch allen und durch euch alle und in euch allen" und "Gott ist Liebe" (Eph.4, 6; 1. Joh. 4, 8). "Auf dass ihre Herzen ermahnt und zusammengefasst werden in der Liebe" (Kol. 2, 2). "Dabei wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt" (Joh. 13, 35). "Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes?" (Röm. 8, 35).

Wann empfangen wir die Heiligung?

Verschiedene Ansichten und Lehren herrschen in der Welt über den Zeitpunkt dieser Erfahrung. Einige verlegen sie in die Zeit der Wiedergeburt. Dagegen aber tritt das Wort Gottes entschieden auf, in dem es überall das Werk der Rechtfertigung unterscheidet von dem der Heiligung. Auch dadurch, dass es z. B. in 1. Korinther 3, 1 — 3 einige der Korinther hinstellt als junge Kinder in Christo, die noch nicht als Geistliche zu betrachten und zu behandeln sind, sondern als Fleischliche, während er im vorhergehenden Kapitel, die mit dem Heiligen Geist erfüllten als Vollkommene hinstellt. — Um die Korinther zur Vollkommenheit oder zur Vollendung der Heiligung anzuspornen schreibt er ihnen den zweiten Brief. Man lese 2. Korinther 1, 15; 7, 1. Dieselbe Lektion gibt der Apostel in Hebräer 5, 11 — 14; 6, 1 — 3.

Andere verlegen die Heiligung in die Todesstunde, noch andere jenseits des Grabes, und andere wieder in die Zeit der Auferstehung. Da dies eine äußerst wichtige Sache ist, so wollen wir die Schrift darüber genau prüfen. Die Heiligung ist ein Gnadenstand, der einbegriffen ist in dem Erlösungswerk Christi, und Gottes Wort sagt in 2. Korinther 6, 2: "Jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils!" Und in Hebräer 3, 7 und 8: "Heute, so ihr hören werdet seine Stimme, so verstocket eure Herzen nicht." Beide Stellen sind Mahnungen an solche, die schon wiedergeboren sind und in der Rechfertigung stehen, fortzuschreiten und die Heiligung zu ergreifen. Als Jesus um die Heiligung aller Gläubigen betete, sagte er: "Ich bitte nicht, dass du sie von der Welt nehmest, sondern dass du sie bewahrest vor dem übel." Paulus betete: "Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt Seele und Leib müsse bewahrt werden unsträflich auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi" (1. Thess. 5, 23).

Nach 1. Thessalonicher 4, 16 und 17 und Johannes 5, 28 und 29 wird die Zeit der Zukunft unseres Herrn auch die Stunde der allgemeinen Auferstehung der Toten sein. Angesichts dieser Wahrheit können obige Schriftstellen nicht beweisen, dass Heiligung erst im Tod oder erst zur Zeit der Auferstehung gewirkt wird. Im Gegenteil, uns wird darin gelehrt, dass Gott diesen Gnadenstand seinen Kindern hier schenkt, und dass diese Erfahrung sie nach Geist, Seele und Leib vor allem übel bewahrt, bis auf die Zukunft Christi. Natürlich wird uns diese Gnade nur bedingungsweise zuteil. Von unserer Seite wird unbedingter Gehorsam verlangt. Wie wir schon hinreichend bewiesen haben, wird in dem Werke der Heiligung, der Gerechtfertigte von aller angeerbten Bosheit oder Sünde befreit, und wird in das Ebenbild Gottes völlig verklärt.

Jetzt wollen wir sehen, wann kann dies geschehen? Was sagt Gottes Wort? "Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, dass ihr heilig werdet" (Röm. 6, 22). "Denn nun ihr frei geworden seid von der Sünde,

seid ihr Knechte geworden der Gerechtigkeit" (V. 18). "Dieweil wir wissen, dass unser alter Mensch samt ihm gekreuzigt ist, auf dass der sündliche Leib aufhöre, dass wir hinfort der Sünde nicht dienen. Denn wer gestorben ist (d. h. mit Christo V. 8 und 10 und Kol. 3, 3), der ist gerechtfertigt von der Sünde" (V. 6 und 7). "Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind?" (V 2).

"Kindlein, lasset euch niemand verführen! Wer recht tut, der ist gerecht, gleichwie er gerecht ist" (1. Joh.3, 7). Wir fragen, wo und wann ist er so gerecht? Antwort: "Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und züchtigt uns, dass wir sollen verleugnen das ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt" (Tit. 2, 11 und 12). "Und ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reinigt sich, gleichwie er auch rein ist" (1. Joh. 3, 3). Wieder fragen wir, wo und wann? Antwort: "Und Gott, der Herzenskündiger, zeugte über sie und gab ihnen den Heiligen Geist gleichwie auch uns… und reinigte ihre Herzen durch den Glauben" (Apg. 15, 8 und 9), und eine weitere Antwort: "Darin ist die Liebe völlig bei uns, dass wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleichwie er ist, so sind auch wir in dieser Welt" (1. Joh. 4, 17). Und weiter: "Und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, uns zu geben, dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist" (Luk. 1, 73 — 75).

Wir könnten noch viel mehr derartige Stellen anführen, aber wir erachten es für ausreichend. Wir wollen jetzt beweisen, dass die Kinder Gottes in früheren Zeiten diese Erfahrung machten und danach lebten in dieser Welt. Paulus schrieb an die Korinther wie folgt: "Paulus,… der Gemeinde Gottes zu Korinth, den Geheiligten in Christo Jesu, den berufenen Heiligen samt denen, die anrufen den Namen unsers Herrn Jesu Christi" (1. Kor. 1, 1 und 2). Und im selben Brief sagt er: "Aber ihr seid abgewaschen, ihr seid geheiligt, ihr seid gerecht geworden" (6, 11). Während manche unter den Korinthern (nach 1. Kor. 3, 1 — 3) noch fleischlich waren, hatten andere das reinigende Werk der Heiligung erfahren und waren geheiligt.

Judas richtet seine Epistel an die Berufenen, die da geheiligt sind in Gott dem Vater und behalten sind in Christo Jesu. Petrus nennt die Heiligen seiner Zeit "das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk." - Paulus redet die Hebräer an: "Derhalben ihr heiligen Brüder, die ihr mit berufen seid durch den himmlischen Beruf." — "Ich beschwöre euch bei dem Herrn, dass ihr diesen Brief lesen lasset vor allen heiligen Brüdern"(1. Thess.5, 27).

Das Zeugnis des Paulus. "Wie viele nun unser vollkommen sind, die lasset uns also gesinnt sein. Und solltet ihr sonst etwas halten, das lasset euch Gott offenbaren" (Phil. 3, 15). "Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind?"(Röm. 6, 2). Ihr seid "Zeugen und Gott, wie heilig und gerecht und unsträflich wir bei euch, die ihr gläubig waret, gewesen sind" (1. Thess.2, 10). "Ich bin mit Christo gekreuzigt. Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.

Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dargegeben" (Gal.2, 19 und 20).

Gott siehet die Person nicht an. Seine Erlösung ist für alle Menschen. Wir haben das Zeugnis der Schrift, dass Menschen in der Vergangenheit durch den Glauben geheiligt wurden, und einen heiligen, unsträflichen Wandel führten mitten unter dem unschlachtigen Geschlecht ihrer Zeit, und Gott sei Dank, diese Erfahrung kann heute gemacht und gelebt werden: "Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung und aller, die ferne sind, welche Gott, unser Herr, herzurufen wird" (Apg. 2, 39).

Die Heiligung bereitet uns zu für den Himmel

"Jaget nach - dem Frieden gegen jedermann und der Heiligung, ohne welche wird niemand den Herrn sehen" (Hebr. 12, 14). "Dem Frieden jaget nach, und der Heiligung, ohne welche niemand den Herrn sehen wird" (Revidierte, Rotherhams und Interlinear übersetzungen). "Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen" (Matth. 5, 8). "Darin ist die Liebe völlig bei uns, dass wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleichwie er ist, so sind auch wir in dieser Welt" (1.Joh. 4, 17). "Und also wird euch reichlich dargereicht werden der Eingang zu dem ewigen Reich unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi"(2. Petr.1, 11).

Ehe wir dieses Kapitel schließen, glaube ich, dass es zur Ehre Gottes sein wird, einige Fragen zu beantworten, die sehr oft in den Gedanken derer aufkommen, die das wahre Licht suchen.

Frage: Weil kleine Kinder die Erbsünde in ihrem Herzen haben und keine Sünde kann in den Himmel kommen, wie können kleine Kinder wenn sie sterben, gerettet werden?

Antwort: Sie befinden sich im Zustand persönlicher Unschuld, und sind nicht verantwortlich für die Erbsünde in ihnen. Das Blut Jesu Christi redet für sie, und die Kinder haben teil an seiner Herrlichkeit. "Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt." Von solchen Kindern sagt Jesus: "Ihrer ist das Himmelreich."

Frage: Leute, die gerechfertigt sind, und getreu in dem Lichte wandeln; das sie haben, und so, ohne über die Heiligung belehrt gewesen zu sein sterben; sind solche verloren?

Antwort: Sie sind nicht verloren, denn Gott hält den Menschen nur verantwortlich für das Licht, das er hat. "Denn welchem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und welchem viel befohlen ist, von dem wird man viel fordern" (Luk. 12, 48). Kein Mensch, der wiedergeboren ist und im klaren Zustand der Rechtfertigung stirbt, kann verloren gehen, solange er nicht Gelegenheit und Zeit hatte, die Heiligung zu erfahren. Solche Seelen stehen in demselben Verhältnis, wie die Kinder, die sterben.

Frage: Kann jemand im Zustand der Rechfertigung beharren, der, trotz empfangener Belehrung und überzeugung von der Heiligung, dennoch dieselbe weder erfährt noch sucht?

Antwort: Gewiss nicht. "Wandelt, dieweil ihr das Licht habt, dass euch die Finsternis nicht überfalle… Glaubet an das Licht, dieweil ihr's habt, auf dass ihr des Lichtes Kinder seid" (Joh. 12, 35 und 36). "Der Knecht aber, der seines Herrn Willen weiß, und hat sich nicht bereitet, auch nicht nach seinem Willen getan, der wird viel Streiche leiden müssen" (Luk. 12, 47). "Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung" (1. Thess. 4, 3).

In den folgenden Abschnitten wollen wir unter Beweis stellen, dass nach der Schrift sicher und überzeugend die Heiligung ein Werk der Gnade ist und im Herzen des Menschen nachdem er gerechfertigt ist bewirkt oder hervorgebracht wird.

DIE SCHöPFUNG

"Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei. … Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib" (1. Mose 1, 26 und 27). Es war der göttliche Vorsatz vor Erschaffung der Welt ein reines und heiliges Volk zu haben, das ihm hier auf Erden diene. Wir lesen: "Wie er uns denn erwählt hat durch denselben (Christus), ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe" (Eph. 1, 4). Als der Mensch an jenem Schöpfungstage aus der Hand Gottes hervorging, war er rein und heilig, geschaffen nach Gottes Ebenbild. Es war nicht der äußere Mensch- der Leib - welchen Gott nach seinem Bilde schuf, (wie die blinden Adventisten und alle, die dem Menschen die Seele absprechen), sondern es war der innere Mensch, die Seele. Gott ist Geist, Gott ist heilig. Das Bild, nach welchem er den Menschen schuf, so wird uns mitgeteilt, bestand in "rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit" (Kol. 3, 9 und 10 und Eph. 4, 23 und 24). Dieses Ebenbild ging dem Menschen durch den Sündenfall verloren; und es wird uns wieder zuteil durch die Erlösung Jesu Christi (2. Kor. 3,16). So erkennen wir, dass der Mensch am Schöpfungsmorgen rein und heilig war, wie sein Schöpfer. Er wandelte und hatte Gemeinschaft mit Gott.

DER SüNDENFALL UND DESSEN FOLGEN, DIE SüNDE IN ZWEI FORMEN

Der Genuss solch seligen Verhältnisses mit Gott konnte nur unter gewissen Bedingungen ein bleibender sein. Gott gab dem Menschen ein Gebot, welches er halten musste. Die Strafe für das übertreten dieses Gebotes war der Tod und Verlust der Seligkeit, die er im Umgang mit Gott hatte. "Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn baute und bewahrte. Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten; aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben" (1. Mose 2, 15 — 17). Da aber der Mensch den Einflüsterungen des Teufels Gehör gab, ward er ungehorsam und übertrat das Gebot Gottes. Und er starb, gerade wie Gott gesagt hatte. Nicht sofort den Tod des Leibes, sondern den geistlichen Tod. "Welche Seele sündigt, die soll sterben" (Hes. 18, 4 und 20). In dem Augenblick, da der Mensch sündigt, ist er von Gott geschieden und stirbt (den geistlichen Tod).

Alle die Gottes Gesetz übertreten, werden für Tote erklärt: "Und auch euch, da ihr tot waret durch übertretungen und Sünden" (Eph. 2, 1 und 5). So verlor der Mensch das göttliche Bild, nach welchem er geschaffen war und fiel in den Stand des Sünders. Als eine Folge davon sind seit dem Fall Adams, alle Menschen, die in diese Welt gekommen sind, in dem Bild des gefallenen Adams geboren. "Und Adam … zeugte einen Sohn, der seinem Bild ähnlich war" (1. Mose 5, 3). Das will sagen, dass seine gefallene sündliche Natur vom Vater auf den Sohn vererbt wurde, und also das ganze Menschengeschlecht dieser verdorbenen Natur teilhaftig geworden ist.

"Denn das Dichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf" (1. Mose 8, 21). "Siehe, ich bin in sündlichem Wesen geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen" (Ps. 51, 7).

"Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe… Kann wohl ein Reiner kommen von den Unreinen? Auch nicht einer" (Hiob 14, 1 und 4).

"Und waren auch Kinder des Zorns von Natur, gleichwie auch die andern" (Eph.2, 3). Wenn nun der Mensch von seiner Jugend auf, von Geburt an, ja von seiner Empfängnis an sündlich ist, so müssen wir schließen, dass er mit dem Keim der Sünde im Herzen in diese Welt geboren wird.

Es ist seine Natur zu sündigen; nämlich der Hang zur Sünde ist ein Teil seines moralischen Wesens. So denn das ganze menschliche Geschlecht von Geburt an sündlich ist, wo konnte die gefallene Natur wohl ihren Anfang finden, als in dem, der als Haupt und Repräsentant, als erster Mensch verantwortlich wurde für den Zustand seiner Nachkommenschaft? Adam ist es, durch den die Sünde in die Welt gekommen ist.

"Derhalben, wie durch einen Menschen die Sünde ist gekommen in die Welt und der Tod durch die Sünde, und ist also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, dieweil sie alle gesündigt haben" (Röm. 5, 12). "Doch herrschte der Tod von Adam an bis auf Mose auch über die, die nicht gesündigt haben mit gleicher übertretung wie Adam" (V. 14). "An eines Sünde (sind) viele gestorben" (V. 15). "Denn das Urteil ist gekommen aus einer Sünde zur Verdammnis" (V. 16). "Durch eines Menschen Ungehorsam (sind) viele Sünder geworden" (V 19).

Nun betrachte man, dass uns Paulus in 1. Korinther 3, 1 — 3 zeigt, wie die fleischliche Gesinnung (die Adamsnatur) noch nach der Wiedergeburt aus dem Geist im Herzen bleibt, (siehe auch Röm. 7, 17; Gal. 5, 24; Eph. 4, 22; Kol. 3, 9 u. a.). So ist es klar erwiesen, dass dies die angeerbte sündliche Natur ist, denn durch die Rechtfertigung durch den Glauben haben wir die Vergebung aller begangenen Sünden. Die angeerbte sündliche Natur wird in der Schrift gekennzeichnet als "anklebende Sünde" (Hebr. 12, 1); "Leib der Sünde", oder "alter Mensch" (Röm. 6, 6); "Fleisch" (Gal.5, 17 und 18; Röm.8, 7 — 9); "fleischliche Gesinnung" (Röm. 8, 7); "Fleischlichkeit" (1. Kor. 3, 1 — 3); "Werke des Teufels" (1. Joh. 3, 8); "Sünde" in der Einzahl (Röm. 6, 1. 12. 16. 17. 20 und Röm. 7, 7. 8. 11. 13. 14. 17); "Untugend" (1. Joh. 1, 9); "Unreinigkeit" (Sach. 13, 1).

"Sünden" in der Mehrzahl, sind die übeltaten, die übertretungen, welche Menschen begehen von den Jahren ihrer Verantwortlichkeit an. David schrie zum Herrn: "Tilge meine Sünden!" "So wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Untugend." Wir sehen aus dem oben Gesagten, dass Sünde in zweifacher Form besteht: Die angeborene, ererbte Sünde, und die wirkliche, ausgeführte Tatsünde.

DAS SüHN- UND SüNDOPFER JESU

Das Opfer Jesu Christi deckt die Sünde beider Formen. Unter dem Gesetz Moses konnten die Menschen nicht in dem Sinne zur Vollkommenheit gelangen, dass sie von allen Sünden frei wurden, (siehe Hebr. 10, 1 und 2; Pred. 7, 21). Durch die alttestamentlichen Opfer geschah nur ein Gedächtnis der Sünde alle Jahre. "Denn es war unmöglich durch Ochsen- und Bocksblut Sünden wegzunehmen." Der Hohepriester nahm der Tiere Blut und opferte es für seine und des Volkes Versehen (Hebr. 9, 7. 12. 13). "Damit deutete der Heilige Geist, dass noch nicht offenbart wäre der Weg zum Heiligen, solange die vordere Hütte stünde" (Hebr. 9, 8). Der Tiere Blut, gesprengt, heiligte die Unreinen zu der leiblichen Reinigkeit, half ihnen nur von den äußeren, den Tatsünden (Hebr. 9, 13). "Diese alle haben durch den Glauben Zeugnis überkommen und nicht empfangen die Verheißung, darum dass Gott etwas Besseres für uns zuvor ersehen hat, dass sie nicht ohne uns vollendet würden" (Hebr. 11, 39 und 40). "Denn das Gesetz konnte nichts vollkommen machen; und ward eingeführt eine bessere Hoffnung, durch welche wir zu Gott nahen" (wieder in Gemeinschaft mit ihm treten, der göttlichen Natur wieder teilhaftig werden) (Hebr. 7, 19).

Ein Heiland und Erlöser war der Welt verheißen, der die Menschen von der Sünde erlösen sollte (Jes.19, 20). Aller Welt Ende wurde geboten, sich zu ihm zu wenden und sie sollten selig werden von ihren Sünden (Jes. 45, 22). Er kam (Matth. 1, 21; Luk. 2, 8 — 14). Er ist Christus, der Herr, der Sohn Gottes." Denn was dem Gesetz unmöglich war (sintemal es durch das Fleisch geschwächt ward), das tat Gott und sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches und der Sünde halben und verdammte die Sünde im Fleisch", (die innewohnende, angeborene Sünde, den alten Menschen) (Röm. 8, 3).

Dieser aber ist am Ende der Welt "einmal erschienen, durch sein eigen Opfer die Sünde aufzuheben" (Hebr. 9, 26). "Auf dass er von Gottes Gnaden für alle den Tod schmeckte" (Hebr. 2, 9). "(Er ist) durch sein eigen Blut einmal in das Heilige eingegangen und hat eine ewige Erlösung erfunden" (Hebr. 9, 12; 1. Petr. 1, 18 und 19). "Dieser aber, da er hat ein Opfer für die Sünden geopfert, das ewiglich gilt, sitzt er nun zur Rechten Gottes" (Hebr. 10, 12). "Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet die geheiligt werden" (Hebr. 10, 14). So wurde der freie und offene Born geöffnet in dem Hause Davids und den Einwohnern zu Jerusalem, wider die Sünde: Die begangene Tat und wider alle Unreinigkeit, die innewohnende Sünde, durch das Blut, das uns rein macht von aller Sünde.

DAS SüHNOPFER CHRISTI HAT EINE ZWEIFACHE WIRKUNG

Da wir in einem der vorhergehenden Kapitel sahen, dass die Sünde sich in zwei Formen bei uns zeigt, so hat Gott in seiner Gnade für ein zweifaches Mittel wider dieselbe gesorgt. "Für eure Schmach soll Zwiefältiges kommen, und für die Schande sollen sie fröhlich sein auf ihren Ackern; denn sie sollen Zwiefältiges besitzen in ihrem Lande, sie sollen ewige Freude haben" (Jes. 61, 7).

Erstens: Das Blut Christi, wenn es dem Herzen des Sünders nahegebracht wird, wäscht hinweg alle seine Tatsünden.

"Ich habe euch zuvörderst gegeben, was ich auch empfangen habe: dass Christus gestorben sei für unsere Sünden nach der Schrift" (1. Kor. 15, 3). "Das ist mein Blut des neuen Testaments, welches vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden" (Matth. 26, 28). "Denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden" (Matth. 1, 21). "Waschet, reiniget euch, tut euer böses Wesen von meinen Augen, lasst ab vom Bösen. …Wenn eure Sünde gleich blutrot ist, soll sie doch schneeweiß werden; und wenn sie gleich ist wie Scharlach, soll sie doch wie Wolle werden" (Jes. 1, 16 und 18). "Der uns geliebt hat und gewaschen von den Sünden mit seinem Blut" (Offb. 1, 5).

Zweitens: Das Blut Christi, wenn dem Herzen des Gläubigen nahegebracht, reinigt von aller angeborenen Sünde, (Erbsünde), von der fleischlichen Gesinnung, von dem alten Menschen. "Darum hat auch Jesus, auf dass er heiligte das Volk durch sein eigen Blut, gelitten draußen vor dem Tor" (Hebr. 13, 12). "So wir (die Neubekehrten, 1. Joh. 2, 12; Matth. 18, 3) aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde" (1. Joh. 1, 7).

"Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt!" (Joh. 1, 29).

Einige, die der Lehre von einem zweifachen Werk zuwider sind, sagen, dass Gott kein halbes Werk tut, er schafft ein völliges.

Hierauf antworten wir: 1. Die Rechfertigung ist ein Werk der Gnade in unserem Herzen. Wenn Gott einen Sünder ergreift und ihn rechtfertigt, so tut er ein vollkommenes und durchgreifendes Werk der Rechtfertigung. 2. Die Heiligung ist ein Werk der Gnade in dem Herzen, und wenn Gott einen Gläubigen heiligt, so tut er ein vollkommenes und durchgreifendes Werk der Heiligung. In diesem Kapitel werden wir beweisen, dass zwei aufeinander folgende Gnadenwerke im Neuen Testament klar gelehrt werden, und ebenso im Alten Testament durch Prophezeiungen und in Vorbildern angedeutet sind.

Von ägypten nach Kanaan

Israels Knechtschaft in ägypten ist z. B. ein Vorbild auf die Knechtschaft der Sünde. Ihre Befreiung unter Mose (der ein Vorbild auf Christus war), ihr Durchgang durchs rote Meer, ihr Lobgesang, alle deuten auf die herrliche Erfahrung der Sündenvergebung. Ihr Aufenthalt in der Wüste und wunderbare Erhaltung unter Gefahren weisen hin auf das Leben in dem Stand der Rechtfertigung. Die Durchschreitung des Jordans ins gelobte Land zeigt uns das Werk der Heiligung. Das Land Kanaan wird ein Hinweis auf die herrliche Erfahrung der gänzlichen Heiligung, deren wir uns schon hier auf Erden erfreuen. "Denn wir, die wir glauben, gehen ein in die Ruhe." Das ist ein Zustand in der Gegenwart. Die Gläubigen gehen jetzt schon durch den Glauben in dies Kanaan der Ruhe ein.

Das Vorbild war ein Zweifaches. Da der Durchgang durch den Jordan in das Land Kanaan auf das reinigende Blut Christi hinweist, durch welches wir in das Heiligste eingehen — vollkommen heiliget - so ist dies ein anderes herrliches Vorbild. Das Land war voller Kanaaniter. Die waren daselbst geboren und aufgewachsen. Die Kinder Israels sollten sich mit ihnen durchaus nicht einlassen, sondern sollten sie gänzlich zerstören. Dadurch, dass sie alle Kanaaniter, die darin geboren und aufgezogen waren, gänzlich zerstörten, sollten die Kinder Israel das Land besitzen, und von ihren umherwohnenden Feinden Ruhe haben (5. Mose 25, 19). "Er sprach: Mein Angesicht soll vorangehen; damit will ich dich leiten" (2. Mose 33, 14). O welch ein herrliches Vorbild ist dieses von der Fülle der Erlösung, die wir in Christo besitzen! Die verschiedenen Neigungen zum Bösen, der ärger, die Selbstsucht, das Bestreben gelobt zu werden, der Stolz, der Neid, usw. sind uns angeboren. Diese sind die innerlichen Feinde, die gegen das Gesetz Gottes sind, und verursachen dem gerechtfertigten Kinde Gottes viel Leid. Innerliche Kämpfe finden statt. Aber, gelobt sei Gott, Christus kam um die Werke Satans in uns zu zerstören, nämlich uns von unseren Feinden zu erretten (Luk. 1, 74 und 75). Dieses geschieht bei dem herrlichen Werk der Heiligung. Jeder innere Feind wird zerstört, und wir haben "Ruhe"; eine Ruhe, welche uns Frieden und Gewissheit auf immer gibt.

Manche wähnen in ihrer Blindheit, dass mit Kanaan der Himmel gemeint ist, aber dies ist nicht so. Wenn wir einmal im Himmel sind, da gibt es keine Feinde auszutreiben durch Kampf und Streit. Hingegen lässt sich durch viele Schriftstellen beweisen, dass mit Kanaan der Zustand der völligen Heiligung beschrieben wird.

Wir werden hier nur den Bund mit Abraham betrachten. Wir finden ihn in 1.Mose 12, 1 — 7; 13, 14 — 17; 15, 5 und 18; 22, 15 — 18. Lege dieses Büchlein beiseite, und lies diese Schriftstellen zuerst aufmerksam durch. Es war ein wunderbarer Bund. Er enthielt eine Menge Verheißungen. Lasst uns die obigen Schriftstellen noch einmal kurz überprüfen wie Gott die Versprechungen an Abraham auch erfüllte.

1. "Ich will dich zum großen Volke machen", und: "Ich will deinen Samen machen wie den Staub auf Erden, den Sand am Meere und die Sterne am Himmel." "Deinem Samen will ich dies Land geben, von den Wassern ägyptens an bis an das große Wasser Euphrat."

2. "Du sollst ein Vater vieler Völker werden." Und "durch deinen Samen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden." "Und will dir und deinem Samen nach dir geben das Land, darin du ein Fremdling bist, nämlich das ganze Land Kanaan, zu ewiger Besitzung."

Die erste dieser Verheißungen bezog sich buchstäblich auf die Nachkommen Abrahams, die Verheißung ihn "zum großen Volk zu machen" aus seiner Familie; während die zweite sich auf den Messias und seine Familie bezog, die im Geiste der Same Abrahams ist. Diese Verheißungen die erste für ein Volk, die zweite — für alle Völker; die erste für fleischliche und zeitliche, die zweite für geistliche und ewige Segnungen; erste für eine Zeit, die die zweite für alle Zeiten, und auch für die Ewigkeit - enthalten die zukünftigen Schicksale der Menschheit. Sie sind die Hauptquellen zweier Ströme Prophezeiungen und Verheißungen, welche sich durch alle Zeiten hindurchschlängeln, münden endlich in den und unendlichen Ozean der Ewigkeit. Der Unterschied zwischen Israel und den Heiden wird in diesen Verheißungen bemerkt. Israel bezieht sich auf das Volk Abrahams; der Heide ist ein Weltbürger, ein zu irgendeiner Nation Gehöriger. Israel auf der einen Seite, und der Heide auf der anderen, werden hier zuerst als Gegensatz dargestellt. Obgleich sie auf ein langes Zeitalter durch besondere Fürsorge getrennt waren, vereinigen sie sich wieder beide in dem Messias - werden in einen Leib durch das Kreuz vereinigt — in welchem kein Unterschied ist zwischen Jude noch Grieche, Gebundene noch Freie, Mann noch Weib, sondern alle sind eins in Christo Jesu. Zwei Testamente, auch zwei Bünde oft genannt "der alte und der neue", "das erste und das andere" - wurden auf diese Verheißungen gegründet. Der sinaitische Bund (das Gesetz) war auf der ersten Verheißung gegründet, während das neue Testament auf der zweiten gegründet ist. Der Apostel zeigt uns, dass die Verheißungen auf welche das Neue Testament errichtet ist, besser waren als die auf welche das Alte Testament errichtet war (Hebr. 8, 6). In der Tat, geliebter Leser, wuchs die ganze jüdische Nation mit all ihren Eigentümlichkeiten aus der ersten, und die ganze christliche Gemeinde aus der zweiten. Wenn du vorsichtig die folgenden Schriftstellen liest, wirst du sehen, dass die ersten Verheißungen, welche sich buchstäblich auf den Samen Abrahams bezogen, alle ihre Erfüllung unter dem Gesetz fanden (5. Mose 1, 7 — 11; 10, 22; Hebr.11, 21; 5. Mose 34, 1 — 4; Josua 13. vom bis zum 20. Kapitel; Ps.105, 42- 44; Neh. 9, 23 — 25). Die zweiten Verheißungen, welche sich auf den Messias und sein Volk bezogen (welche verheißenen Segnungen geistlich und ewig sein sollten), erreichten nie ihre Erfüllung unter dem Gesetz. Paulus da er von der Menge von guten Menschen redete, die unter dem Gesetz lebten, sagt: "Diese alle haben durch den Glauben Zeugnis überkommen und nicht empfangen die Verheißung" (Hebr. 11, 39). Aber er sagt weiter, "dass Gott etwas Besseres" nämlich die herrliche Erfüllung dieser Verheißung — "für uns", die wir in der Dispensation des Evangeliums leben; "zuvor ersehen hat" (V. 40). "Diese Seligkeit, geht sie über die Beschnittenen oder auch über die Unbeschnittenen? … Denn die Verheißung, dass er sollte sein der Welt Erbe, ist nicht geschehen Abraham oder seinem Samen durchs Gesetz, sondern durch die Gerechtigkeit des Glaubens. Denn wo die vom Gesetz Erben sind, so ist der Glaube nichts, und die Verheißung ist abgetan.… Derhalben muss die Gerechtigkeit durch den Glauben kommen, auf dass sie sei aus Gnaden und die Verheißung fest bleibe allem Samen, nicht dem allein, der unter dem Gesetz ist, sondern auch dem, der des Glaubens Abrahams ist, welcher ist unser aller Vater (wie geschrieben steht: "Ich habe dich gesetzt zum Vater vieler Völker") (Röm. 4, 9 — 17). Das Vorhergehende ist sehr deutlich. Die Massen der Völker, die durch den Glauben, unter dem strahlenden Licht des Evangeliums in die Herde Christi gebracht wurden und werden, sind der geistliche Same Abrahams, dem die Verheißung gegeben wurde." So erkennet ihr ja, dass, die des Glaubens sind, das sind Abrahams Kinder" (Gal. 3, 7). "Denn ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christum Jesum" (V. 26). "Seid ihr aber Christi, so seid ihr ja Abrahams Same und nach der Verheißung Erben" (V. 29).

Der Leser wird bemerken, dass während die Kinder des Glaubens Abrahams Samen sind, die die Verheißung erhalten sollten, gibt es einen Samen, durch welche die Verheißung gegeben werden sollte; denn Gott sagte zu Abraham, "durch deinen Samen sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden" (1. Mose 22, 18). Wer ist der Same? Antwort: "Er spricht nicht: "durch die Samen", als durch viele, sondern als durch einen: "durch deinen Samen", welcher ist Christus" (Gal. 3, 16)." Auf dass der Segen Abrahams unter die Heiden käme in Christo Jesu" (Gal. 3, 14). Christus ist also der Same, durch welchen der Segen kommen sollte. Nun lasst uns sehen was verheißen war. "Und ich will dir und deinem Samen nach dir geben,… das ganze Land Kanaan, zu ewiger Besitzung." Siehe die Erfüllung dieser Verheißung: "Christus aber hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, da er ward ein Fluch für uns (denn es steht geschrieben: "Verflucht ist jedermann, der am Holz hängt!"), auf dass der Segen Abrahams unter die Heiden käme in Christo Jesu und wir also den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben" (Gal. 3, 13 und 14). "Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung und aller, die ferne sind, welche Gott, unser Herr, herzurufen wird" (Apg. 2, 39).

Christus sagte seinen Jüngern, sie sollten warten zu Jerusalem, auf "die Verheißung des Vaters", nämlich auf "die Taufe mit dem Heiligen Geist und mit Feuer." Man lese Lukas 24, 29 und Apostelgeschichte 1, 4 und 5. Sie gehorchten und empfingen die Verheißung (Apg. 2, 1 — 4. 32 und 33; 5, 32).

Dieser Heilige Geist ist es, der uns heiligt. "Auf dass die Heiden ein Opfer werden, Gott angenehm, geheiligt durch den Heiligen Geist" (Röm. 15, 16). "Und nun, liebe Brüder, ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen und zu geben das Erbe unter allen, die geheiligt werden" (Apg. 20, 32). "Zu empfangen Vergebung der Sünden und das Erbe samt denen, die geheiligt werden durch den Glauben an mich" (Apg. 26, 18). "Und (die) Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern und gedächte an seinen heiligen Bund (1. Mose 17, 7 und 8) und an den Eid, den er geschworen unserm Vater Abraham, hat uns zu geben, dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist" (Luk. 1, 72 — 75).

Diese Stellen machen es ganz klar, um was es sich handelt. Die Erfahrung der gänzlichen Heiligung oder die völlige Heiligkeit ist das geistliche Kanaan, das Land der noch vorhandenen Ruhe, in welches diejenigen eingehen, "die da glauben." Lasst uns noch einmal einen überblick auf die erwähnten Schriftstellen nehmen, auf die dem Abraham, als dem Vater der Gläubigen, gegebenen Verheißungen und auf die Erfüllung.

1. Gott gab dem Abraham eine Verheißung, dass sein Same das Land Kanaan einnehmen solle um es ewig zu besitzen.

2. Dies erfüllte sich nicht buchstäblich. Die jüdische Nation, hat unter dem Gesetz Mose die Verheißung nicht erfahren (noch wird es einer erfahren, der sich mit dem Gesetz Mose befasst).

3. Der verheißene Segen kam durch Christus.

4. Durch die Wiedergeburt und dem Glauben an Christus werden Menschen zu Kindern Gottes.

5. Alle Kinder Gottes aus den Juden und Heiden in neutestamentlicher Zeit sind der Same Abrahams. Als solche sind sie Erben der Verheißung, sie sind Gottes Erben und Miterben Jesu Christi.

6. Dieses Erbteil wird uns ganz klar beschrieben als bestehend "in der Taufe mit dem Heiligen Geist", als "Heiligung", oder "völlige Heiligkeit." Alle diese Ausdrücke bezeichnen ein und dieselbe Erfahrung.

7. Diese Erfahrung machen wir nicht erst im Tod; nein schon hier auf Erden. Sie wird bezeichnet als ein "Gestorben sein und einem verborgenen Leben mit Christo in Gott", als "ein Wandel im Himmel", als ein "Versetzt sein in himmlische Plätze mit Christo Jesu." Sie wird empfangen durch den Glauben und kann gelebt und genossen werden "alle Tage unseres Lebens."

In dem oben Gesagten haben wir hinreichenden Beweis, dass die zwei Werke Rechtfertigung und Heiligung in dem Gnadenratschluss Gottes in der Erlösungstat Christi eingeschlossen sind, und dass sie im Glauben erfasst und erfahren werden können.

Die jüdische Stiftshütte

Die Stiftshütte war der Ort, wo die Kinder Israel während der Wüstenwanderung ihre gottesdienstlichen Handlungen verrichteten, ihre Opfer brachten und Gott anbeteten. Eine Beschreibung derselben findet man in 2. Mose im 26. und 27. Kapitel und in Hebräer 9, 1 — 7. Die Hütte war von einem Vorhof umgeben und hatte zwei Abteilungen, die erste wurde "das Heilige" genannt; oder auch "das Heiligtum." Die zweite wurde "das Allerheiligste" genannt. Ein Vorhang von reich gesticktem Stoff teilte das Heilige vom Allerheiligen.

Diese Hütte war ein Vorbild auf die Gemeinde Gottes, welches ist die Behausung Gottes im Geist (Eph. 2, 22), ein Vorbild auf die größere und vollkommenere Hütte, die nicht, wie die erste, von Menschenhand gebaut ist (Hebr. 9, 7 — 11; 1. Tim. 3, 15). Die zweifache Abteilung und der verschiedenartige Gottesdienst in den beiden deuten hin auf die zwei verschiedenen Gnadenerweisungen Gottes im Herzen derer, die sich als lebendige Steine einfügen lassen in den Tempel Gottes (Gemeinde).

Vor dem Eingang in das Heiligtum, aber innerhalb des Vorhofes (welcher den Zustand des bußfertigen, reumütigen, nach Gott suchenden Sünders darstellt), stand der eherne Altar (2. Mose 27, 1 — 8), und zwischen dem Altar und der Tür stand das Waschbecken, auch das Handfass, auch "das Meer" genannt (2. Mose 30, 17 — 21; 1. Kön. 8, 23 — 26). Der Altar zeigt auf Christus hin, der für unsere Sünden starb.

Zu diesem Altar (Christus) kommen wir und opfern uns, tot in Sünden und übertretungen: Christus vergibt uns dort, und führt uns durch das Bad der Wiedergeburt (Tit. 3, 5), durch das Becken vorgebildet, oder auch das Wasserbad im Wort genannt (Eph. 5, 26), zum neuen göttlichen Leben ein. Durch den Glauben an ihn, der nach Johannes 10, 7 und 9 die Tür ist, gehen wir in den Stand der Rechtfertigung ein (Röm. 5, 1).

Vor dem oben erwähnten Vorhang der das Heilige und Allerheiligste trennte, stand der zweite, der goldene Altar (2. Mose 30, 1 — 10). (In Hebräer 9, 4 wird derselbe das güldne Rauchfass genannt und als zum Allerheiligsten gehörend bezeichnet). Dieser Altar musste vom Hohenpriester, alljährlich ehe er in das Allerheiligste eingehen konnte, mit dem Blut des Opfertieres besprengt werden (Hebr. 9, 7; 2. Mose 30, 10). Diese eigentümliche Forderung deutet hin auf ein zweites Opfer, das wir bringen müssen, ehe wir die Fülle der Gnade und die Gabe zur Gerechtigkeit erlangen können, von der in Römer 5, 17 die Rede ist, und die uns als ein volles Heil in der Schrift bezeichnet wird.

Untersuchen wir jetzt in richtiger Folge die nachfolgenden verzeichneten Schriftstellen, so wird man bald überzeugt, dass Jesus selber der Altar ist, der inmitten seiner Gemeinde alle heiligt, die zu ihm kommen (Hebr. 13, 10 — 12; Matth. 23, 19; 5, 23 und 24; Hebr. 2, 11; Jes. 56, 5 — 7; Ps. 46, 5 und 6; Matth. 18, 20; 1. Joh. 1, 7).

Wir haben schon früher nachgewiesen, dass trotz der Erfahrung der Rechtfertigung von unseren Tatsünden, wir dennoch die Erbsünde in uns behalten. Darum werden wir in der Schrift aufgefordert "zur Vollkommenheit" zu fahren; "hinter den Vorhang" einzudringen:"… seine Heiligung erlangen". Es wird uns gesagt, dass unsere Heiligung sein Wille ist. Aber ehe wir diese glorreiche Erfahrung machen können, müssen wir uns ein zweites Mal opfern auf dem goldnen Altar, der auch "Christus" ist.

Im Römerbrief mahnt Paulus die Brüder in Rom, welche schon im Stande der Rechtfertigung waren: "Auch begebet nicht der Sünde eure Glieder zu Waffen der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott, als die da aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit" (Röm. 6, 13). "… also begebet auch nun eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden" (Röm. 6, 19). "Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber begebet zum Opfer das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellet euch nicht dieser Welt gleich, sondern verändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen möget, welches da sei der gute, wohlgefällige und vollkommene Gotteswille" (Röm. 12, 1 und 2).

Nicht an Sünder, sondern an Brüder werden diese Forderungen zu einem neuen Opfer gestellt; an solche, die aus den Toten lebendig sind, die also wiedergeboren sind zu einem neuen Leben. Solche sind es, denen hier die Kunde gegeben wird, dass, um geheiligt zu werden, sie sich Gott als ein lebendiges Opfer hingeben müssen. Dies darf nicht aufgeschoben werden bis zur Sterbestunde, sondern soll wirklich jetzt geschehen.

Solch ein Opfer schließt die folgenden Stücke ein: Es ist eine völlige Weihe, aus tiefstem Herzen, des ganzen Wesens und Lebens für Gott; es ist eine Kreuzigung alles eigenen Wesens; ein Töten des Fleisches, des Eigenwillens und Ansehen bei dem Menschen. Es muss ein Durchforschen stattfinden unseres ganzen Seins im Lichte des Wortes Gottes (Hebr. 4, 12 und 13). Wir müssen einen Stand gegen uns selbst einnehmen, uns überführen lassen durch den Geist Gottes, bis wir alle "Götzen", denen wir noch huldigen, erkannt und abgesagt haben, bis unser ganzes Innere, der tiefste Grund unseres Willens von der göttlichen Wahrheit durchdrungen und durchleuchtet ist.

Sind wir aufrichtig und entschieden bei einer solchen Selbstdurchforschung, so werden wir manches Wesen gewahr, welches uns bisher verborgen war, z. B. Stolz, Selbstsucht, Liebe zum Beifall der Menschen, Zorn, Eigenwille, falsche Demut, Argwohn, übertreibung, Unglaube, Entmutigung, Selbsterhebung, Unsanftheit, Furcht, Heuchelei, Eifersucht, fleischliche Lust und Formalität (äußeres Wesen, ohne dass das Herz dabei ist). Alles dies sind Kundgebungen des inneren Verderbens "der alte Mensch" genannt. "Und ist keine Kreatur vor ihm unsichtbar, es ist aber alles bloß und entdeckt vor seinen Augen, von dem reden wir."

Diese inneren Feinde betteln jetzt um die Bewahrung ihres Lebens, aber wir müssen unerbittlich bleiben, unsere Ohren schließen gegen ihren Schrei und unsern alten Menschen ans Kreuz bringen, um dort gekreuzigt, getötet und zur gänzlichen Vernichtung gebracht zu werden. Natürlich geht das nicht ohne tiefe Seelenschmerzen ab. Der alte Mensch stirbt ungern. Es ist, als ob das rechte Auge ausgepflückt, der rechte Arm ausgerissen würde. Niemand der nicht schon diese Herzensdurchforschung und Kreuzigung erfahren hat, kann sich eine Vorstellung davon machen, wie tief und völlig die übergabe sein muss, bis das Ende des eigenen Wesens erreicht ist; aber das wahre Absterben dieses alten Adams in uns ist der einzige Weg zum dauernden Sieg.

Manche machen eine übergabe und werden ermahnt, alles auf den Alter zu legen, die noch nie die Tiefe des Verderbens ihrer eignen Natur erkannt haben. Sie erfahren daher auch nicht das Absterben des eigenen Wesens und der fleischlichen Gesinnung. Wahrscheinlich wird ihnen, da sie sich Gott soweit übergeben, wie sie Licht haben, auch ein Maß von Segen zuteil, aber sie sind noch nicht auf den Grund gegangen, und empfangen daher nicht die wahre Taufe mit dem Heiligen Geist und mit Feuer. Züge der fleischlichen Gesinnung werden sich noch kundgeben ihrem in Leben, den Gesprächen usw. Solche werden viele Schwierigkeiten in ihrer Erfahrung haben.

Es bezahlt sich, "tief zu graben." Wenn das Ende des eigenen Wesens völlig erreicht ist, kann der Glaube sich zu Gott hinaufschwingen, erfasst das Opfer Christi, durch welches Gott alle die vollendet, die geheiligt werden (Hebr. 10, 14). Gott sendet das Feuer, mit dem das Opfer gesalzen werden muss (Mark. 9, 49), das Feuer des Goldschmieds reinigt und läutert von allen noch anklebenden Unreinigkeiten (Mal. 3, 2 und 3; Jes.1, 25), und der Altar welcher ist Christus, heiligt uns durch sein Blut (Matth. 23, 19; Hebr.13, 10 — 12). In diesem Augenblick der völligen übergabe wird der "Leib der Sünde" zerstört (Röm. 6, 6), und mit aufgedecktem Angesicht spiegelt sich in uns des Herrn Klarheit, und wir werden verklärt in dasselbige Bild von einer Klarheit (der Rechfertigung) zu der andern (der Heiligung) als vom Herrn, der der Geist ist (2. Kor. 3, 18).

Dies ist die Erfahrung, welche wir machen müssen, ehe das Wort des Apostels in Kolosser 3, 3 anwendbar auf uns ist: "Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christo in Gott." "So wir denn nun haben, liebe Brüder, die Freudigkeit zum Eingang in das Heilige (sollte heißen das "Allerheiligste" in richtiger übersetzung) durch das Blut Jesu, welchen er uns bereitet hat zum neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang, das ist durch sein Fleisch, und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes: "So lasset uns hinzu gehen mit wahrhaftigem Herzen in völligem Glauben, besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leibe mit reinem "Wasser" (Hebr. 10, 19 — 22). Hier sind "Brüder" ermahnt, dessen Herzen besprengt und los von dem bösen Gewissen sind, als solche, die die Erfahrung der Wiedergeburt schon gemacht haben. Solche sind ermahnt freudig einzugehen durch das Blut Jesu in das Allerheiligste, dort wo allein Gott sich in seiner ganzen Herrlichkeit offenbart. Kann menschliche Sprache auf klarere Weise ein zweites Gnadenwerk lehren?

Titus 3, 5 und 6. "Nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die wir getan hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns selig durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, welchen er ausgegossen hat über uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Heiland." Dies stellt uns die Sache klar vor Augen. Die Erlösung bis aufs äußerste wird erlangt nicht durch Werke der Gerechtigkeit, die wir tun können, sondern durch Werke der Gnade, die Gott in uns zustande bringt. Der Apostel nennt sie hier 1. Das Bad der Wiedergeburt. 2. Die Erneuerung des Heiligen Geistes, über uns ausgegossen. Dies ist ein positiver Beweis.

"Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade" (Joh. 1, 16). Christus verhieß den Seinen, das heißt seiner Gemeinde, eine Fülle der Freude, (Joh. 15, 11 und 16, 23 und 24; Joh. 17, 23), und der obige Text zeugt davon, dass diese Fülle gefunden wird in einer zweiten Gnadenmitteilung, "Gnade auf Gnade" ist es von manchen übersetzt. Dies macht es noch augenscheinlicher, dass es sich hier um zwei aufeinander folgende Gnadenwerke des Herrn in uns handelt.

"Dieweil wir nun solche Verheißung haben, meine Liebsten, so lasset uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen, und fortfahren mit der Heiligung in der Furcht Gottes" (2. Kor. 7, 1). Die Brüder in Korinth waren schon in Christo (1. Kor. 1, 30); darum, gerechfertigt; aber die Mehrzahl von ihnen, waren noch nicht gänzlich geheiligt. Sie hatten die fleischliche Gesinnung (1. Kor. 3, 1 — 3). Der vorhergehende Text zeigt ihnen ihren wahren Zustand, und ermahnt sie nach der völligen Heiligung zu streben. Die hier Angeredeten waren keine Sünder, sondern "meine Liebsten", also Kinder Gottes, die die Heiligung besaßen, doch noch nicht die völlige Heiligung. Das Reinigen" des Fleisches und des Geistes" hat Bezug auf die verdorbene Natur, und die Brüder bedurften der Reinigung von dieser Natur. Dies ist ein deutlicher Beweis einer zweiten Reinigung.

Römer 5, 1 — 5: "Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus, durch welchen wir auch den Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darin wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll.…Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben ist." Wieder fragen wir, kann etwas klarer sein?

1. Rechtfertigung. (siehe Seite 5)

2. Ein anderer Gnadenstand, in dem wir stehen, oder befestigt sind — völlige Heiligung. "Gestärkt… und unsträflich… in der Heiligkeit vor Gott" (1. Thess. 3, 13). Jeder dieser zwei Gnadenstände wird erlangt durch den Glauben. In der zweiten Erfahrung wird uns der Heilige Geist gegeben als der "Tröster", der bei uns bleiben wird. Will man diese Erfahrung eins machen mit der im ersten Vers beschriebenen, so würde dann die Rechtfertigung erlangt durch zwei aufeinander folgende übungen des Glaubens. Muss man daher nicht schließen, dass die Gnade, in der wir stehen, einen andern Zustand bezeichnet, als den der Rechtfertigung? "Nun wir denn sind gerecht geworden… durch welchen wir auch den Zugang haben zu dieser Gnade, in der wir stehen." In diesem zweiten Zustande ist alle fleischliche Gesinnung ausgerottet, und "die Liebe Gottes ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist." Dies ist die Erfahrung der völligen Liebe, von welcher in 1. Johannes 4, 17 und 18 die Rede ist. Sie wird beschrieben im 13. Kapitel des ersten Korintherbriefes.

"Die Liebe ist langmütig und freundlich."

Sie ist nicht voreilig, sondern geduldig mit allen Menschen, selbst mit Heuchlern und Verfolgern, indem sie daran denkt, dass auch sie Seelen haben, die zu retten sind. Ja, die Liebe wendet sich auch von den bittersten Feinden nicht mit kurzen, bissigen Antworten auf ihre wiederholten Fragen, sondern unterweist sie mit Sanftmut und beweist wahre Lindigkeit und Geduld gegen solche, die widerspenstig und zänkisch sind. Beharrlich hofft und betet die Liebe, ob Gott ihnen nicht dermal einst Buße gebe, dass sie die Wahrheit erkennen mögen. Sie erweist Geduld gegen solche, die die Wahrheit nur langsam erfassen. Auch trägt sie die Schwachheiten der Kinder Gottes.

Manche ertragen schon in Geduld, bleiben aber nicht freundlich. Die Liebe erfüllt dich mit der liebenswürdigsten Sanftmut und heißester und zärtlichster Zuneigung gegen solche, die dich absichtlich beleidigen, und bei allen Unbilden wirst du einen milden, zarten und langmütigen Geist in allen deinen Gebärden, Handlungen und in deiner Stimme gegen den Beleidiger fühlen und erweisen. Tust du dies immer? Nimmst du Tadel, Vorwürfe, ja Widerspruch und Missdeutungen auf, ohne irgendein Gefühl der Rache oder Abwehr? Gedenke, die Liebe ist langmütig und freundlich.

"Die Liebe eifert nicht."

Sie neidet den Nächsten nicht, weil es ihm besser geht. Fühlst du dich hier und da zurückgesetzt, wenn ein anderer dir vorgezogen oder wenn er mehr beachtet wird? Die völlige Liebe lässt es nicht zu, dass dergleichen Gefühle bei dir aufsteigen.

"Die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie blähet sich nicht."

Die Liebe redet nicht von sich selber, sie prahlt nicht mit ihrer guten Erziehung, natürlichen Gaben, Erfolgen usw. Erwähnst du in deinen Gesprächen mit andern die erfolgreichsten Versammlungen, die du abgehalten hast, um den Eindruck zu machen, dass du ein auserlesenes Werkzeug in den Händen Gottes warst, um so die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf dich zu ziehen? Versuchst du es, einen bessern Eindruck von dir zurückzulassen, denn es in Wirklichkeit wahr ist? Die völlige Liebe befähigt dich, dich dennoch zu freuen, wenn man deiner gar nicht achtet, und anderen viel Ehre erwiesen wird. Nein sie blähet sich nicht. Der in der Liebe Stehende wähnt nicht etwas zu sein, so er doch nichts ist. Wenn ein solcher große Fortschritte macht in seinem geistlichen Leben und viel von Gott gebraucht wird, wird er andere höher achten, denn sich selbst, und das Gefühl hegen, dass er der Geringste ist unter den Kindern Gottes. Geht es dir so? Oder bist du geschmeichelt, wenn gelobt, wenn du hörst, dass andere gut von dir sprechen. Liebst du den Beifall anderer mehr, denn ihren Tadel? Liebst du, von anderen beachtet werden? In deinem Schreiben, Zwiegespräch, Gebet, Zeugnis, Ermahnung, Predigen und dergleichen, suchst du die Ehre, die von Gott allein kommt? Denke ernstlich und gebetsvoll nach über diese Sache.

"Sie stellet sich nicht ungebärdig."

Die Liebe trachtet nicht nach bloß äußerlichen Beweisen der göttlichen Kraft, indem sie Leute hinfallen lässt unter dem Einfluss des "Geistes", sich auf der Erde wälzen lässt und mit Fäusten und Füßen schlägt; noch schreit und ruft sie sich heiser, noch hört sie inmitten einer Predigt auf, um über die Kanzel zu springen und etliche Male durch das Versammlungshaus zu laufen unter allerlei Art von Lärm; noch lässt sie sich verleiten zu ungebührlichem Betragen gegen das andere Geschlecht durch Umarmungen und Küssen. Alle diese Dinge kommen vor bei solchen, die meinen unter dem Einfluss des göttlichen Geistes zu stehen, während sie betrogen sind, und im falschen Wahn sich ereifern. Es bleibt wahr, Gottes Volk ergeht sich in Lobpreisungen Gottes und freut sich mit lautem Schalle, aber es geht immer anständig und ordentlich zu.

"Die Liebe sucht nicht das Ihre."

Sie ist nicht selbstsüchtig, sondern sucht das Wohl anderer. Sie sucht oft andern zu helfen auf Kosten des eigenen Nachteils, selbst da, wo man es nicht anerkennt. Wenn ein anderer bevorzugt wird und für dieselbe Arbeit, die du tust, doppelten Lohn

empfängt, kannst du das ertragen? Oder wenn du als Prediger mit einem andern reisest und dein Kamerad bekommt fünf oder zehn Dollar, und du nichts, bleibst du freundlich dabei?

"Sie lässt sich nicht erbittern."

Nein, sie wird nicht einmal nervös oder gar erzürnt, wenn alles verkehrt geht. Wenn die Kinder den Tisch umstoßen und die Schüsseln zerbrechen, so wirst du nicht erbittert und fängst nicht an zu schelten oder drein zu schlagen. Nein, du wirst im Herzen keinen Zorn spüren. War es so mit dir unter Versuchungen der Art? Wenn du in Eile bist und andere hindern dich durch Trägheit oder Eigensinn, bist du dann aufgeregt oder verletzt? Kannst du es ertragen, wenn man deine Ansichten, Pläne und überzeugungen missachtet, selbst wenn du weißt, dass du recht hast?

"Sie rechnet das Böse nicht zu." (eigentlich: Sie denkt nichts Arges.)

Sie hegt keinen lieblosen Argwohn. Sie gibt keinen Raum den Anklagen wider den Bruder und entscheidet nicht wider ihn bis sie beide Seiten gehört hat und ein volles Verständnis über die Sachlage gewinnt. Leser, bildest du dir auch hier und da ein, dass etwas verkehrt stehe mit deinem Bruder oder einer Schwester, wenn du keine bestimmten Beweise dafür hast?

"Sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aber der Wahrheit."

Die Liebe leistet allen Geboten Gottes freudig Gehorsam. Sie schreckt nicht zurück, wenn das Wort Gottes in seiner richtenden Schärfe über sie ergeht, wie Hagelwetter, nicht einem Gebote des Herrn weicht sie aus.

"Sie verträgt alles, sie glaubet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles."

Mein Bruder, hast du diese Liebe? Alles andere hört auf; aber die Liebe "höret nimmer auf."

Römer 1, 16 und 17. "Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben.…Sintemal darin offenbart wird die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben. "Nämlich aus der ersten Frucht "der Rechtfertigung" zu der zweiten, der "Fülle der Gnade und der Gabe zur Gerechtigkeit" (Röm. 5, 1. 2. 17). "Zu demselben teuren Glauben mit uns" "euren allerheiligsten Glauben."

"Und auch euch, da ihr tot waret durch übertretungen und Sünden… da wir tot waren in den Sünden, hat er uns samt Christo lebendig gemacht (denn aus Gnade seid ihr selig geworden) und hat uns samt ihm auferweckt und samt ihm in das himmlische Wesen gesetzt in Christo Jesu" (Eph. 2, 1. 5 und 6). Zuerst, wie wir sehen, werden Sünder auferweckt, lebendig gemacht; sie werden wiedergeboren. Dann werden die neugeborenen Kindlein, versetzt durch eine zweite Gnadenerweisung in das himmlische Wesen, in die völlige Heiligung. Von da an leben sie in der Herrlichkeit, ja sie sind erfüllt mit ewiger Herrlichkeit (Joh. 17, 22; 1. Petr. 4, 14; 2. Kor. 3, 18). "Die Heiligen sollen fröhlich sein und preisen und rühmen auf ihren Lagern" (Ps. 149, 5). Diejenigen, welche dieses zweite Gnadenwerk erfahren haben; sitzen in himmlischen Plätzen in Christo Jesu. Hallelujah.

Im vorher gehenden sehen wir eine zweifache Auferstehung. Dieses Zweifache wird in anderen Texten deutlich gezeigt. Zweifacher Tod und zweifaches Leben. "Was wollen wir hierzu sagen? Sollen wir denn in der Sünde beharren, auf das die Gnade

Desto mächtiger werde? Das sei ferne! Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind? Wisset ihr nicht, dass alle, die wir in Jesum Christum getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, gleichwie Christus ist auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber samt ihm gepflanzt werden zu gleichem Tode, so werden wir auch seiner Auferstehung gleich sein, dieweil wir wissen, dass unser alter Mensch samt ihm gekreuzigt ist, auf dass der sündliche Leib aufhöre, dass wir hinfort der Sünde nicht dienen" (Röm. 6, 1 — 6). Hiermit haben wir zwei Taufen. Die erste versetzt uns in Christo hinein. Sie ist geistlich. "Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leibe getauft" (1. Kor. 12, 13). Dieses bezieht sich deutlich auf die Wiedergeburt. In der zweiten werden wir durch Jesum Christum in dem Heiligen Geist getauft, welches die genaue übersetzung von Matthäus 3, 11 ist. Dieses ist die Taufe des Heiligen Geistes. Es wird nötig sein zu bemerken, dass beide dieser Taufen in den Tod führen. Es muss also ein Tod stattfinden, wenn wir in Christo versetzt werden, und auch ein Tod, wenn wir mit dem Heiligen Geist getauft werden. Das Resultat ist, dass der alte Mensch gekreuzigt wird, und der Leib der Sünde, (der Leib des "Todes" Röm. 7, 24) wird zerstört.

Der Leib der Sünde bezieht sich nur allein auf die angeborene Verderbtheit. Ein Leib besteht aus verschiedenen Gliedern. So auch der Leib der Sünde. Seine Glieder sind Stolz, ärger, Selbstsucht, Betrug, Menschenfurcht, usw. Der "alte Mensch" ist beides, das sündige Leben und die sündige Natur. Bei der Rechtfertigung wird das Leben und "die Werke" des alten Menschen abgetan, aber bei der Heiligung wird die sündige Natur, die inwendig in uns ist, zerstört. Bei der Rechfertigung wird das Leben des neuen Menschen - Jesus Christus — angetan; aber bei der Heiligung werden wir seiner göttlichen Natur teilhaftig; nämlich, wir werden teilhaftig "seiner Heiligkeit." Dann erst sind wir im vollen Sinne eine neue Kreatur in Christo. "Das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden." "Wir sind sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken" (Eph. 2, 10). Bei der Rechtfertigung sterben wir unseren Lieblingssünden, und in Wahrheit allen unseren Sünden ab, so wie auch der Welt, unsern besten Freunden, dem Gerede der Menschen über uns, unserem guten Ruf, und unserer Achtung in der Welt, allem diesem sterben wir ab. Bei der Heiligung lassen wir die gänzliche Zerstörung und den Tod aller Kreaturen der verderbten Natur zu - unsre inneren Feinde, die in uns sind.

In Verbindung mit dem Obigen wollen wir nun das zweifache Leben betrachten. Der Sündenfall Adams brachte den Tod auf die ganze Menschheit; ja, tat sie in den Tod. "Derhalben, wie durch einen Menschen die Sünde ist gekommen in die Welt und der Tod durch die Sünde" (Röm. 5, 12). Nicht nur kam der Tod als ein Resultat der Tatsünden, sondern die Bestandteile des Todes wurden von unseren Voreltern geerbt; sie wurden in die Herzen der Menschen hineingepflanzt. Das Wort lehrt deutlich, dass der Tod über die ganze Menschheit von Adam bis auf Christus herrschte. Aber hören wir Jesus, wie er der Welt die frohe Botschaft bringt: "Ich bin gekommen, dass sie das Leben und volle Genüge haben sollen" (Joh. 10, 11). Hier haben wir nun "das Leben und volle Genüge" oder nach engl. übersetzung: "Das Leben und das völligere Leben." In der Wiedergeburt werden wir zum geistlichen Leben erweckt, sind vom Tode zum Leben eingegangen. Aber, während dieses der Fall ist, befinden sich doch noch die Elemente des Todes in unseren Herzen. Diese werden in der Heiligung aus dem Herzen entfernt, und dann erhalten wir das völligere Leben.

Apostelgeschichte 19, 2. "Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, seit ihr gläubig geworden seid (engl. übersetzung)?" Dieser Text beweist klar, dass der Heilige Geist empfangen wird, nachdem Menschen gläubig geworden und von Gott geboren sind. Epheser 1, 13. "In welchem, sage ich, nachdem ihr auch gläubig geworden, versiegelt worden seid, mit dem Heiligen Geist der Verheißung" (engl. und Von der Heydt's deutsche übersetzung).

1. Sie wurden gläubig. Jetzt lasst das Wort Gottes uns zeigen, was geschieht wenn wir gläubig werden. "Denn so man von Herzen glaubt, so wird man gerecht" (Röm. 10, 10). "Wer da glaubt, dass Jesus sei der Christus, der ist von Gott geboren" (1. Joh. 5, 1). "Wer da glaubt an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugnis bei sich" (1. Joh. 5, 10). "Wer aber an diesen glaubt, der ist gerecht" (Apg. 13, 39).

2. Nachdem sie glaubten, (nicht, da sie glaubten), zur Rechtfertigung ihrer Seelen wurden sie versiegelt mit dem Heiligen Geist der Verheißung. Er ist es der da heiligt (Röm. 15, 16). Wir fragen im Namen Jesu was kann noch deutlicher sein? Erst glaubten sie, dann wurden sie wiedergeboren und gerechtfertigt. Späterhin, wurden sie versiegelt mit dem Heiligen Geist, sie wurden geheiligt. "Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Strafe, zur Besserung, zur Züchtigung in der Gerechtigkeit, dass ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt" (2. Tim. 16 und 17). Hier sehen wir, dass die Erfahrung der Vollkommenheit mitgeteilt wird, nachdem wir "Menschen Gottes" geworden, also wiedergeboren, gerecht gemacht sind. Darum muss ein zweites Gnadenwerk sein.

Epheser 4, 11 — 13. "Und er hat etliche zu Aposteln gesetzt, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern, dass die Heiligen zugerichtet (vollkommen gemacht) werden zum Werk des Dienstes, dadurch der Leib Christi erbaut werde, bis dass wir alle hinan kommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes und ein vollkommener Mann werden, der da sei im Maße des vollkommenen Alters Christi."

Wenn Sünder zu Gott kommen, und den Forderungen der Schrift über wahre Buße nachkommen, so vergibt er ihnen und nimmt sie als Glieder in seine Familie auf. So werden sie Heilige. Diese Heiligen werden darnach vollkommen gemacht, und hierzu hat er das Predigtamt eingesetzt. Sein Wille ist es, dass ein jeder der Heiligen dahingelange, die Erfahrung der Vollkommenheit zu machen, ja soweit, dass er in dem Maße des vollen Alters in Christo sei.

Apostelgeschichte 26, 17 und 18. "Und (ich) will dich erretten von dem Volk und von den Heiden, unter welche ich dich jetzt sende, aufzutun ihre Augen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zu dem Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, zu

Empfangen Vergebung der Sünden und das Erbe samt denen, die geheiligt werden durch den Glauben an mich." Wer, dessen Augen nicht verblendet sind durch den Gott dieser Welt, kann nicht erkennen, dass dieser Text von zwei unterschiedlichen Gnadenwerken redet? Durch die Erleuchtung des Evangeliums sollten sie empfangen 1. die Vergebung der Sünden, und 2. das Erbteil samt denen die geheiligt werden.

Apostelgeschichte 20, 32. "Und nun, liebe Brüder, ich befehle euch Gott und dem Wort seiner Gnade, der da mächtig ist, euch zu erbauen und zu geben das Erbe unter allen, die geheiligt werden." Hier wird es klar ausgesprochen, dass die Heiligen ein Erbteil empfangen durch die Heiligung, das sie aber ohne die Heiligung nicht besitzen. Was das Erbteil ist wird uns in Galater 3, 14 beschrieben als der "verheißene Geist", der uns heiligt. Die lieben Brüder in Ephesus, zu denen der Apostel spricht, sollten es erst noch empfangen, wenigstens hatten sie es noch nicht alle. Es steht hier nicht beschrieben als ein Resultat des Wachstums sondern als etwas, das ihnen gegeben werden sollte, in vorletzter Schriftstelle "durch den Glauben", hier durch "das Wort der Gnade." Erinnert uns dies nicht an das Wort des Herrn für seine noch ungeheiligten Jünger: "Heilige sie in deiner Wahrheit dien Wort ist Wahrheit?"

Johannes 15, 1 — 11. "Ich bin der rechte Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jegliche Rebe an mir, die nicht Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jegliche, die da Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. … Bleibet in mir, und ich in euch. Gleichwie die Rebe kann keine Frucht bringen von ihr selber, sie bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.… Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und müssen brennen.… Darin wird mein Vater geehrt, dass ihr viel Frucht bringet und werdet meine Jünger (so werdet ihr meine Jünger sein, engl. übersetzung).… Solches rede ich zu euch, auf dass meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde."

Auch hier sind zwei Gnadenwerke klar beschrieben.

Erstens: Wir sind Reben an Christus, dem rechten Weinstock geworden, indem wir aus dem wilden ölbaum - dem Reich Satans — in den guten gepfropft worden sind (Röm. 11, 24; Kol. 1, 13). Diese übertragung in Jesum Christum wird in Epheser 2, 10 als eine Neuerschaffung beschrieben. "Darum, ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden" (2. Kor. 5, 17). "So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind" (Röm. 8, 1). Solche müssen nun in Christo Jesu bleiben, oder sie werden weggenommen und in das höllische Feuer geworfen (V. 6). Die Bedingungen des Bleibens in Christo sind: 1. Ein Wandel ohne Sünde (1. Joh. 2, 6; 3, 6). 2. Das Fruchtbringen, nämlich die Frucht der Heiligung (Röm. 6, 22), die Früchte des Geistes (Gal. 5, 22 und 23). Diese Neuerschaffung, diese Versetzung in Christus ist durchweg das Werk Gottes (2. Kor. 5, 18).

Es ist wohl hier zu bemerken, dass Paulus in Römer 11, 24 deutlich zeigt was dieses in Christo Hineinpfropfen "wider die Natur" ist. Wenn ein Ableger eingepfropft ist, enthält er immer den Saft und die Natur des Baumes von dem er entnommen war. Z. B. man nimmt einen Ableger aus einem sauren Apfelbaum, und pfropft ihn in einen süßen Apfelbaum hinein, so wird er des Lebens und dem Saft des süßen Baumes teilhaftig, und wird doch die saure Natur behalten. Natürlich wird er saure äpfel nach seiner Art tragen, obgleich das süße Leben in ihm fließt. Er wird nie süße Frucht tragen. Aber bei uns ist es "wider die Natur." Während wir noch die saure Natur enthalten, nachdem wir in Christus übertragen sind, hilft uns das süße Leben süße Frucht hervorzubringen; denn "die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit." "Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen."

Zweitens: Solche, die in Christo bleiben und Früchte bringen, die reinigt der Vater, dass sie mehr Frucht bringen. Das griechische Wort, hier mit reinigen übersetzt, ist dasselbe, das Johannes gebraucht in 1. Johannes 1, 7. "Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde." Dass es also eine innere, moralische, eine Herzensreinigung ist, von der in beiden Texten die Rede ist, muss uns dadurch klar sein. Also wiederum ein zweites, von aller Sünde reinigendes, ein durch und durch heiligendes Werk der Gnade Gottes.

Wenn ein Zweig eingepfropft wird, enthält er immer noch den Saft und die Natur des Baumes, von dem er genommen ist; damit vermengt sich der Saft des Baumes, auf den er gepfropft wird. Also bedarf der Pfröpfling ehe er durch und durch die Natur des Stammes an sich nehmen kann, noch einer Reinigung von allen Elementen der eigenen Natur. So bringen wir die Natur, das Wesen Adams, den alten Menschen mit uns. Die neugeborenen Kindlein in Christo haben dieses fleischliche Wesen noch an sich, (siehe 1. Kor. 3, 1 — 3). Aber unsere Aufgabe ist es, durch den Geist des Fleisches Geschäfte zu töten (Röm. 8, 13) als solche, die Christo angehören, das Fleisch samt den Lüsten und Begierden zu kreuzigen (Gal. 5, 24). Den alten Menschen auszuziehen und den neuen anzuziehen" (Eph. 4, 22 — 24). Da wir aber nichts tun können in eigner Kraft, müssen wir in Jesu Namen zum Vater kommen, und so wir Frucht bringen, so reinigt uns der Vater von diesem fleischlichen Wesen.

Es geschieht hier kein äußeres Werk, in eigener Kraft, wie manche wähnen, sondern ein inneres Werk der Reinigung von der Erbsünde. Nicht durch Wachstum geschieht es, sondern durch die Wirkung des Blutes Jesu Christi. "Wider die Natur" Adams, bringen die wahrhaft Wiedergeborenen schon Früchte des Geistes unvermischt, und damit sie mehr Früchte derselben Art bringen, reinigt der Vater sie gänzlich.

BIBLISCHE BEISPIELE DER ZWEI WERKE

Die Frage mag aufsteigen bei einigen Lesern: War denn jemand erlöst durch zwei aufeinander folgende Werke? In diesem Kapitel werden wir einige solche Beispiele anführen.

Die Apostel

Einige halten dafür, dass dieselben nicht bekehrt wurden bis zum Pfingsttag; und wiederum andere lehren, dass sie sowohl gerechtfertigt als geheiligt waren vor jenem Tag. Zu so entgegen gesetzten Schlüssen sehen sich solche getrieben, die der Lehre von zwei Gnadenwerken zuwider sind. Nun "zu dem Gesetz und Zeugnis." Waren die Apostel wiedergeboren oder wahrhaft bekehrt vor dem Pfingstfest? Das Wort Gottes bejaht diese Frage entschieden.

1. Christus in seiner persönlichen Gegenwart auf Erden besaß die Macht zu rechtfertigen und Sünden zu vergeben. In Lukas 7, 37 — 50 haben wir den Bericht von einem Weibe, das eine Sünderin war. Sie kam weinend zu Jesus und er sagte ihr: "Dir sind deine Sünden vergeben,… dein Glaube hat dir geholfen. Gehe hin mit Frieden." Dem Pharisäer in dessen Haus Jesus war, sagte er: "Ihr sind viele Sünden vergeben." Und die mit ihm zu Tische saßen, begannen bei sich selbst zu sprechen: "Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt?"

Wiederum Matthäus 9, 2 — 6: "Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gichtbrüchigen: "Sei getrost, mein Sohn; deine Sünden sind dir vergeben." Er sprach diese Worte, auf das sie wissen möchten, dass des Menschen Sohn Macht habe auf Erden, die Sünden zu vergeben.

Vergab nun Christus diesen ihre Sünden, so folgt daraus, dass er seinen Jüngern, die alles verlassen hatten, um ihm nachzufolgen, die Sünden vergeben hatte. Seine Einladung erging an alle, die mühselig und beladen waren, mit dem Versprechen: Ich will euch erquicken (neu beleben). Die Jünger empfingen das neue Leben. Als Jesus sie einst fragte, ob sie ihn auch verlassen wollten, wie andere, antwortete ihm Simon Petrus: "Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens."

2. Sie glaubten an ihn. "Und seine Jünger glaubten an ihn" (Joh. 2, 11). "Und wir haben geglaubt und erkannt, dass du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes" (Joh.6, 69). Was aber hat Gott verheißen denen, die da glauben?" Wer da glaubet… der wird selig" (Mark. 16, 16). "Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du und dein Haus selig" (Apg. 16, 31). "Von diesem zeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen" (Apg. 10, 43). "Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben" (Joh. 3, 16). Was für eine Wirkung hat der Glaube auf den Menschen? "Wer da glaubt, dass Jesus sei der Christus, der ist von Gott geboren" (1. Joh. 5, 1). "Wer da glaubt an den Sohn Gottes, der hat solches Zeugnis bei sich"(1. Joh. 5, 10). "Wer aber an diesen glaubt, der ist gerecht" (Apg. 13, 39). "Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben" (Joh. 3, 36). "Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben"(Joh. 1, 12).

Aus dem Munde zweier Zeugen soll alle Sache fest werden. Wir sehen die Jünger waren von "Gott geboren", hatten "Sündenvergebung", waren "gerechtfertigt", hatten "das Zeugnis" des Geistes und waren "Gottes Kinder", alles vor Pfingsten. So sagt Gottes Wort: dass Gott wahrhaftig ist und alle Menschen Lügner sind (Röm. 3, 4).

3. Sie waren wiedergeboren. "Jesus sprach zu ihnen: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid in der Wiedergeburt." Was bedeutet die Wiedergeburt? Sie ist eine Wirkung der erneuernden Gnade Gottes; sie ist die Veränderung, durch welche der Wille und die natürliche Feindschaft des Menschen gegen Gott und sein heiliges Gesetz überwältigt werden, und das Prinzip der Liebe zu Gott und seinen Forderungen, oder mit anderen Worten, heilige Triebe in sein Herz gepflanzt werden.

Christus erkannte sie an als solche, die gleich ihm, den Willen des Vaters taten, und nannte sie seine Brüder. "Wer sind meine Brüder? Und reckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und meine Brüder! Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mein Bruder, Schwester und Mutter" (Matth. 12, 48 — 50).

4. Ihre Namen waren im Himmel geschrieben. "Doch darin freuet euch nicht, dass euch die Geister untertan sind. Freuet euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind" (Luk. 10, 20). Tatsache ist, dass ihre Namen in dem Buche des Lebens eingetragen waren, und dass sie ihrem damaligen Bekenntnis gemäß, frei von Sünden lebten, denn Gott hatte gesagt: "Ich will den aus meinem Buch tilgen, der an mir sündigt" (2. Mose 32, 33).

5. Sie hatten den Geist Gottes als Geist der Kindschaft, und empfingen besondere Ausrüstungen zu besonderem Werk. "Wenn sie euch nun überantworten werden, so sorget nicht, wie oder was ihr reden sollt. Denn ihr seid es nicht, die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet" (Matth. 10, 19 und 20),

(lies Joh. 20, 22 und 23). Schon im Besitz des Geistes Gottes zu sein und Gott als Vater zu haben, folgert von Gott geboren zu sein!

6. Christus erwählte sie und sandte sie aus, das Evangelium zu predigen. Er gab ihnen den folgenden Auftrag und die Vollmacht: "Machet die Kranken gesund, reiniget die Aussätzigen, wecket die Toten auf, treibet die Teufel aus!" Es wäre verwunderlich, wenn diese Menschen noch unbekehrte Leute gewesen sein sollten, aber nein: "Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe" (Matth. 10, 1 — 16).

7. Sie hatten sein Wort aufgenommen. "Ich habe deinen Namen offenbart den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort behalten" (Joh. 17, 6). "Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben; und sie haben's angenommen" (V. 8). "Und nehmet das Wort an mit Sanftmut, das in euch gepflanzt ist, welches kann eure Seelen selig machen" (Jak. 1, 21).

8. Sie waren nicht von der Welt. "Ich habe ihnen gegeben dein Wort, und die Welt hasste sie; denn sie sind nicht von der Welt, wie denn auch ich nicht von der Welt bin" (Joh. 17, 14). "Dieweil ich bei ihnen war (also vor dem Pfingstfest, ja vor der Kreuzigung) in der Welt, erhielt ich sie in deinem Namen. Die du mir gegeben hast, die habe ich bewahrt, und ist keiner von ihnen verloren, als das verlorene Kind, dass die Schrift erfüllet würde" (Joh. 17, 12).

9. Sie waren in Christo. "Bleibet in mir, und ich in euch. Gleichwie die Rebe kann keine Frucht bringen von ihr selber, sie bleibe denn am Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in mir. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben" (Joh. 15, 4 und 5). Wir wollen uns hier zwei Fragen stellen:

l. Wie gelangen Menschen in Christus? (Es sagt: "Bleibet in mir").

A. Wir sind sein (Gottes) Werk, geschaffen in Christo Jesu; also durch die Neugeburt (Eph.2, 1 — 10).

B. Wir sind versöhnt in Christo Jesu (Eph. 2, 14 — 16).

C. Wir sind durch den Geist in Christum Jesum getauft (1. Kor. 12, 12 und 13).

D. Wir sind in Jesus eingepfropft (Röm. 11, 24).

2. Was ist die Erfahrung der Menschen die in Christo sind?

A. Sie sind dadurch neue Kreaturen (2. Kor. 5, 17).

B. Es ist nichts Verdammliches in ihnen (Röm. 8, 1).

C. Sie leben in Christo ohne Sünde (1. Joh. 3, 6).

Wir haben hiermit hinreichend Beweise geliefert, um irgendeinen vernünftig Denkenden zu überzeugen, dass die Jünger völlig bekehrt waren vor dem Pfingsttage. Aber welche Einwendung machen Irrlehrer gegen so ausführliche Wahrheitsbeweise?

10. Eine Einwendung untersucht. Christi Bemerkung zu Petrus in Lukas 22, 32: "Wenn du dermaleinst dich bekehrst", wird als Grund zur Behauptung angeführt, dass die Jünger noch nicht bekehrt waren. Lasst uns in aller Kürze die Stelle im Zusammenhang prüfen! "Der Herr aber sprach: Simon, Simon, siehe, der Satanas hat euer begehrt, dass er euch möchte sichten wie den Weizen; ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dermaleinst dich bekehrst - so stärke deine Brüder." Hieraus leuchten die uns folgenden Tatsachen entgegen:

1. Dass Petrus dem Satan nicht angehörte, denn er begehrte noch ihn zu haben. Satan hat kein Verlangen noch das zu sichten, was ihm schon gehört.

2. Petrus hatte Glauben; denn Jesus betete, dass sein Glaube (den er also schon hatte) nicht aufhöre unter dem Anlauf Satans. Auch hörte sein Glaube nicht auf, wohl aber seine Entschiedenheit und sein Mut.

3. Petrus verstand gar wohl, dass Jesus hier andeutete, dass bei einer nahen bevorstehenden Versuchung Satan ihn überwinden, und von Jesu abwendig machen werde; aber sich auf seine Liebe zum Herrn und seine eigene Kraft verlassend, wurde er durch diese Mitteilung überrascht, und erwiderte: "Herr ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen."

4. Jesus teilte ihm mit, dass er fallen werde durch Verleugnung seines Herrn, aber fügte hinzu: "Wenn du dermaleinst dich bekehrest (zurückkehrest) so stärke deine Brüder." "Wenn du dich wieder zu ihm gewandt hast", übersetzung von Kingsdorf.

Dies beweist, dass die Bekehrung des Petrus, von der der Herr hier redet, die ist, die nach seinem Fall statt gefunden hat. Wir lesen, dass nach seiner Verleugnung er dieser Worte eingedenk wurde, und hinausging und bitterlich weinte. Nach seiner Auferstehung stellte Jesus den Petrus auf die Probe wie folgt: "Simon Jona, hast du mich lieber, denn mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht er zu ihm: Weide meine Lämmer!" Dies wurde dreimal wiederholt. Das beweist, dass Petrus schon wieder in der Gnadestand. Unwiderleg- bar ist also der Beweis, dass die Jünger gerechtfertigt waren vor dem Pfingstfest, ja schon vor der Kreuzigung. Daher ist es eine Tatsache, dass Christus sie auf die Erfüllung mit dem Heiligen Geist als auf eine innere Erfahrung hinwies, verschieden von der Rechtfertigung, nämlich auf die Heiligung; wie folgt:

11. Die Erfahrung der völligen Heiligung lag noch vor ihnen. Trotz erfahrener Rechfertigung zeigte sich bei ihnen noch die fleischliche Gesinnung in Beweisung von Ehrgeiz (Mark. 9, 33 und 34), in Racheeifer (Luk. 9, 51 — 56), in Furcht (Luk. 8, 23 — 25; Matth. 26, 56; 1. Joh. 4, 18). Darum betete Jesus für sie: "Heilige sie in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Ich heilige mich selbst für sie, auf dass auch sie geheiligt seien in der Wahrheit" (Joh. 17, 19). Hieraus sehen wir, dass ihre Heiligung noch vor ihnen lag. Mancher möchte vielleicht fragen, in wie fern sich Jesus selbst heiligte, so sagen wir: Durch sein Leiden, Blutvergießen und seinen Tod, eine rechtsgültige Heiligung, durch die der Vater ihm Macht gab, uns völlig zu erlösen. So wurde er uns ein vollkommener Herzog unserer Seligkeit (Hebr. 2, 10 und 5, 8 und 9).

Christus verhieß seinen Jüngern einen anderen Tröster, das persönliche Innewohnen des Heiligen Geistes, den die Welt nicht empfangen kann, der sie alles lehren und sie in alle Wahrheit leiten sollte (Joh. 14, 15 — 17. 26; 15, 26; 16, 13 und 14). Er verhieß ihnen auch völlige Freude, die ihnen in der Zukunft noch werden sollte (Joh. 15, 11; 16, 24; 17, 13). Dies alles hatte Bezug auf die gänzliche Heiligung. Vor seiner Himmelfahrt gebot er ihnen zurück zu gehen nach Jerusalem und dort zu bleiben, bis sie mit dem Heiligen Geist getauft würden und mit Kraft aus der Höhe angetan seien, (lies Luk. 24, 49 und Apg. 1, 4. 5. 8).

12. Die Apostel machten eine zweite Erfahrung in der Erlösungsgnade. Dem Gebot des Herrn gehorsam, beteten sie ihn an und kehrten nach Jerusalem zurück mit großer Freude und waren allewege im Tempel, priesen und lobten Gott (Luk. 24, 52 und 53). Dies war bestimmt keine Zusammenkunft von unbekehrten Leuten.

"Und als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle einmütig beieinander. Und es geschah schnell ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes und erfüllte das ganze Haus, da sie saßen… und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes und fingen an, zu predigen mit andern Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen" (Apg. 2, 1 — 4). "… auf dass die Heiden ein Opfer werden, Gott angenehm, geheiligt durch den Heiligen Geist" Röm. 15, 16). "Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet die geheiligt werden. Es bezeugt uns aber das auch der

Heilige Geist" (Hebr. 10, 14 und 15). Hier sehen wir, dass die Apostel geheiligt und vollkommen gemacht wurden nach der Zeit ihrer Rechtfertigung. Diese Erfahrung kam nicht als ein allmähliches Resultat des Wachstums, sondern war eine plötzliche, gewaltige Tat Gottes.

Vergleichen wir nun den Wandel dieser Jünger nach ihrer Ausrüstung mit dem Heiligen Geist mit dem, der uns zuvor von ihnen aufgezeichnet ist; so sehen wir, dass eine gewaltige innere Veränderung mit ihnen vorgegangen sein muss durch diese Taufe. Anstatt noch einander zu beneiden und danach zu trachten, der Vornehmste zu sein, bemühte sich jeder, dem anderen untertan zu sein und waren eines Herzens und eines Sinnes. Anstatt noch von Menschenfurcht erfüllt zu sein, wie ehemals so oft, verkündigten sie das Wort Gottes ohne Scheu, nicht irgend jemandes Angesicht fürchtend.

Einige behaupten, dass diese Erfahrung allein den Aposteln galt; aber es waren ja nach Gottes Wort hundertundzwanzig der versammelten Jünger, und wir lesen, dass Gott über die Heiden zeugte "und gab ihnen den Heiligen Geist gleichwie auch uns und machte keinen Unterschied zwischen uns und ihnen" (Apg. 15, 8 und 9). Und wiederum: "Denn euer und eurer Kinder ist diese Verheißung und aller, die ferne sind, welche Gott, unser Herr, herzu rufen wird" (Apg. 2, 38 und 39).

Die Samariter (Apg. 8, 5 — 17)

Ihre Bekehrung. "Philippus aber kam hinab in eine Stadt in Samarien und predigte ihnen von Christo. Das Volk aber hörte einmütig und fleißig zu, was Philippus sagte, und sah die Zeichen, die er tat. Denn die unsaubern Geister fuhren aus vielen Besessenen mit großem Geschrei; auch viele Gichtbrüchige und Lahme wurden gesund gemacht. Und es ward eine große Freude in derselben Stadt. Da sie aber den Predigten des Philippus glaubten von dem Reich Gottes und von dem Namen Jesu Christi, ließen sich taufen Männer und Weiber" (Apg. 8, 5 — 8. 12). Gewisslich wird hier niemand leugnen, dass hier eine große Erweckung stattfand, in welcher viele Seelen zu Gott bekehrt wurden.

1. Sie nahmen das Wort Gottes an (Vers 14). "Nehmet das Wort an mit Sanftmut, welches eure Seelen selig machen kann." "Als die da wiedergeboren sind, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewiglich bleibt" (1. Petr. 1, 23).

2. Sie hörten fleißig zu, was Philippus sagte.

3. Sie glaubten. "Wer da glaubt, dass Jesus sei der Christus, der ist von Gott geboren" (1. Joh. 5, 1). "Wer aber an diesen glaubt, der ist gerecht" (Apg. 13, 37).

4. Ihre Bekehrung verursachte eine große Freude in dieser Stadt.

5. Die Bekehrten wurden getauft, beide Männer und Weiber.

Ihre Heiligung. "Da aber die Apostel hörten zu Jerusalem, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, sandten sie zu ihnen Petrus und Johannes, welche, da sie hinab kamen, beteten sie über sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. (Denn er war noch auf keinen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen Christi Jesu). Da legten sie die Hände auf sie, und sie empfingen den Heiligen Geist" (Apg. 8, 14 — 17). "… auf dass die Heiden ein Opfer werden, Gott angenehm, geheiligt durch den Heiligen Geist" (Röm. 15, 16). "Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet die geheiligt werden" (Hebr. 10, 14).

Die Epheser(Apg.19, 1 — 6)

Sie waren gerechtfertigt. "Es geschah aber, da Apollos zu Korinth war, dass Paulus durchwandelte die oberen Länder und kam gen Ephesus und fand etliche Jünger; zu denen sprach er: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, (seitdem) ihr gläubig da wurdet?" (V. 1 und 2).

1. Sie waren Jünger. Lasst uns sehen was mit der Jüngerschaft gemeint ist: "Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.… Also auch ein jeglicher unter euch, der nicht absagt allem, was er hat, kann nicht mein Jünger sein" (Luk. 14, 27 und 33). "Dabei wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt" (Joh. 13, 35). "Darin wird mein Vater geehrt, dass ihr viel Frucht bringet und werdet meine Jünger" (Joh. 15, 8).

2. Sie glaubten. Somit waren sie von Gott geboren (1. Joh. 5, 1). Sie waren gerechtfertigt (Apg. 13, 39). Da es nun bewiesen ist, dass diese Epheser durch den Glauben die Rechtfertigung erlangt hatten, ehe Paulus sie fand, werden wir es klar machen, dass sie nunmehr geheiligt wurden, nachdem er sie fand. Ihre Heiligung. Nachdem Paulus sie unterrichtet hatte und sie getauft waren im Namen Jesu, "legte er ihnen die Hände auf, und der Heilige Geist kam auf sie und sie sprachen mit Zungen und weissagten." Etwa acht Jahre später schrieb Paulus in einem Brief an diese Jünger: "Durch welchen ihr gehört habt das Wort der Wahrheit, nämlich das Evangelium von eurer Seligkeit; durch welchen auch ihr, nachdem ihr glaubtet, versiegelt worden seid mit dem Heiligen Geist" (Eph. 1, 13 engl. übers.).

Kornelius, der Hauptmann (Apg. 10)

Er war gerechtfertigt, ehe Petrus zu ihm kam.

1. Er war "gottselig" (V. 2). Unbekehrte Menschen sind nicht gottselig.

2. Er war "gottesfürchtig samt seinem ganzen Hause" (V. 2). "Die Furcht des Herrn hasst das Arge" (Spr. 8, 13). "Durch die Furcht des Herrn meidet man das Böse" (Spr. 16, 6). "Nun erfahre ich mit der Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm" (Apg. 10, 34 und 35). "Der Engel des Herrn lagert sich um die her, so ihn fürchten, und hilft ihnen aus.… Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel" (Ps. 34, 8 und 10). Welch ein Kranz himmlischer Wahrheiten! Wer diese Schriftstellen aufmerksam liest und dennoch behauptet, dass Kornelius und seine Hausgenossen unbekehrt waren, als Petrus zu ihnen einging, macht Gott zum Lügner und deckt seine eigne Blindheit auf.

3. Er war ein frommer Mann (V. 22). Das Wort fromm oder gottselig wird einem Menschen beigelegt, der seine Pflichten Gott gegenüber mit strenger Gewissenhaftigkeit erfüllt, der sich in der Gottseligkeit übt. Die Gerechten üben sich in der Gottseligkeit, nicht aber die Sünder." (Der) Gerechten Weg ist schlicht; den Steig des Gerechten machst du richtig" (Jes. 26, 7). "Der Herr hat … Wohlgefallen an den Frommen" (Spr. 11, 20). "Gerechte, die der Buße nicht bedürfen" (Luk. 15, 7). "Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht, das immer heller leuchtet bis auf den vollen Tag" (Spr. 4, 18). "Das Haus der Gerechten wird gesegnet" (3, 33).

4. Seine Gebete kamen vor Gott. Es ist uns mitgeteilt, dass Kornelius viel Almosen gab und betete immer zu Gott. Wahrlich hierin leuchtete er als ein Beispiel manchen, die heute bekennen geheiligt zu sein. "(Er) betete immer zu Gott." Seine Gebete waren nicht dürre und leblos; denn der Engel sprach zu ihm: "Deine Gebete und deine Almosen sind hinaufgekommen ins Gedächtnis vor Gott" (V. 4 und 31).

Seine Gebete kamen vor Gott und seiner wurde gedacht von Gott. Leser, erwäge dies. War er ein noch unbekehrter in Sünden lebender Mensch? Lass das Wort Gottes antworten: "Wir wissen aber, dass Gott die Sünder nicht hört; sondern so jemand gottesfürchtig ist und tut seinen Willen, den hört er" (Joh. 9, 31). "Der Herr ist fern von den Gottlosen; aber der Gerechten Gebet erhört er" (Spr. 15, 29). Diese Kette von Zeugnissen beweist so klar, dass Kornelius im gerechtfertigten Zustand war, als Petrus zu ihm kam, das kann man nicht leugnen. Zunächst nun wollen wir sehen, wie er eine zweite Erfahrung der Erlösungsgnade machte, als Petrus kam, nämlich:

Seine völlige Heiligung. Lasst uns bedenken, dass wir erlöst werden durch das Bad der Wiedergeburt, und Erneuerung des Heiligen Geistes. Kornelius hatte die erste Erfahrung gemacht, war wiedergeboren, aber hatte noch nicht die Erneuerung oder die Taufe des Heiligen Geistes empfangen. Er hatte noch nicht die Fülle empfangen, das verheißene Erbteil aller Gläubigen, (siehe Apg. 11, 13 — 16; 20, 32; Gal. 3, 14). Dazu wurde Petrus von Gott zu Kornelius gesandt "da er noch redete, fiel der Heilige Geist und auf alle, die dem Wort zuhörten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, die mit Petrus gekommen waren, entsetzten sich, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen war. Denn sie hörten, dass sie mit Zungen redeten und Gott hoch priesen" (V. 44 — 48). "Die Heiden ein Opfer, … Gott angenehm, geheiligt durch den Heiligen Geist" (Röm. 15, 16).

Paulus

Paulus war zu einer Zeit ein Feind der Religion Jesu. Er war "ein Lästerer… ein Verfolger und ein Schmäher." Auf diese Zeit weist er hin, wenn er sich den vornehmsten unter den Sündern heißt, (siehe 1. Tim. 1, 13 — 15). "Denn ihr habt ja wohl gehört… wie ich über die Maßen die Gemeinde Gottes verfolgte und sie verstörte." "Aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan im Unglauben" (Gal. 1, 13; 1. Tim 1, 13). Einmal bekam er Briefe vom Hohenpriester nach Damaskus, um dort gefangen zu nehmen alle Männer und Frauen, die des Glaubens an Jesus waren, und sie gebunden nach Jerusalem zu führen. So trat er seine Reise an.

Seine Bekehrung. Kurz zuvor hatte er zu dem Tod des Stephanus eingewilligt. Er hatte die Rede des Stephanus vor dem Rat mit angehört, die ihnen allen ins Herz schnitt. Er stand als Augenzeuge dabei als sie diesen heiligen Mann zu Tode steinigten, der doch voll des Heiligen Geistes war. Er hörte sein feuriges Zeugnis, dass er den Himmel offen sah und des Menschensohn stehend zu der Rechten Gottes. Er hörte sein liebevolles Gebet, das er im Sterben noch empor sandte: "Herr behalte ihnen diese Sünde nicht."

Gewisslich machten diese Ereignisse einen Eindruck auf sein Herz, und zweifellos wurde die Erinnerung daran wach, als er seine Straße zog nach Damaskus. Mir wenigstens scheint es, als er darüber nachsann, begann sein Herz zu erwachen. Doch sei dem, wie es will, da er nahe bei Damaskus war "umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der Herr sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Es wird dir schwer werden, wider den Stachel zu lecken. Und er sprach mit Zittern und Zagen: Herr, was willst du, dass ich tun soll?" (Apg. 9, 1 — 6).

Einige halten dafür, dass dies nur seine Erweckung gewesen sei, aber wir behaupten, dass das nicht stichhaltig ist. In demselben Augenblick, als Paulus seine Lage und seinen Zustand entdeckte, gab er seine Rebellion auf, und übergab sich ohne weiteres dem Herrn, indem er sagte: Was willst du, dass ich tun soll? Er war bekannt mit der Lehre Johannes über Buße; er war ebenso bekannt mit dem Leben und Sterben und der Lehre Jesu und hatte nun die überzeugung seiner glorreichen Auferstehung, (siehe 1. Kor. 15, 8). Da war es nicht schwierig zu glauben, und seine sofortige Unterwerfung unter den Auferstandenen brachte ihm Vergebung seiner Sünden. Saulus wurde von Ananias anerkannt als ein lieber Bruder. Die Herrlichkeit des Lichtes, das in sein Herz fiel (2. Kor. 4, 6) und ihn umleuchtete, blendete seine Augen (Apg. 22, 11).

Ein anderer Beweis seiner Bekehrung zu dieser Zeit ist sein eigener Bericht, dass ihm gerade hier die Berufung und der Auftrag gegeben wurde, das Evangelium der Erlösung den Heiden zu verkünden, "aufzutun ihre Augen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zu dem Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott, zu empfangen Vergebung der Sünden und das Erbe samt denen, die geheiligt werden durch den Glauben" (Apg. 26, 18). Würde Gott solch einen wichtigen Ruf und Auftrag jemanden geben, der noch unbekehrt ist? Das wäre widersinnig.

Seine Heiligung. Drei Tage nachdem Paulus bekehrt war, kam ein Jünger des Herrn Namens Ananias in das Haus, wo er sich aufhielt, "und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt (der dir erschienen ist auf dem

Wege, da du her kamst), dass du wieder sehend und mit dem Heiligen Geist erfüllet werdest. Und also bald fiel es von seinen Augen wie Schuppen, er ward wieder sehend" (Apg. 9, 17 und 18). Hier empfing Paulus den Heiligen Geist, das heißt, er wurde geheiligt. "Saulus aber, der auch Paulus heißt, voll Heiligen Geistes, sah ihn an" (Apg. 13, 9). Paulus wurde bekehrt und geheiligt im Jahr des Herrn 35. Jetzt wollen wir Paulus selber auf den Zeugenstand führen und seine Aussagen anhören über seinen Wandel in der Heiligung:

54 n. Chr. "Des seid ihr Zeugen und Gott, wie heilig und gerecht und unsträflich wir bei euch, die ihr gläubig waret, gewesen sind" (1. Thess. 2, 10).

58 n. Chr. "Ich bin mit Christo gekreuzigt. Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich in dem Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dargegeben" (Gal.2, 19 und 20).

59 n. Chr. "Seid meine Nachfolger, gleichwie ich Christi" (1. Kor. 11, 1).

60 n. Chr. "Ich habe mit allem guten Gewissen gewandelt vor Gott bis auf diesen Tag" (Apg. 23, 1). Leser kannst du das sagen? Aber höre weiter: "Dabei aber übe ich mich, zu haben ein unverletzt Gewissen allenthalben, gegen Gott und die Menschen" (Apg. 24, 16). "Wie sollten wir in der Sünde wollen leben, der wir abgestorben sind?" (Röm. 6, 2). "Dieweil wir wissen, dass unser alter Mensch samt ihm gekreuzigt ist" (Röm. 6, 6). Hier zeugt Paulus, dass er der Sünde abgestorben sei und nicht länger darin lebe; das heißt, nicht länger sündige. Dies ist, warum er allezeit ein gutes Gewissen bewahrte. Er zeugt ebenso, dass auch bei ihm der alte Mensch, die fleischliche Gesinnung, gekreuzigt und im Tod sei.

64 n. Chr. "Wie viele nun unser vollkommen sind, die lasset uns also gesinnt sein" (Phil. 3, 15). Hier zeugt Paulus von seiner Erfahrung der Vollkommenheit. Er machte dieselbe, als er geheiligt wurde (Hebr. 10, 14 und 15). Was war seine Hoffnung für die Zukunft mit einer solchen Erfahrung im Herzen? "Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. … Ich habe Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein, welches auch viel besser wäre" (Phil. 1, 21 — 23). Nun sein letztes Zeugnis:

66 n. Chr. "Denn ich werde schon geopfert, und die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden. Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten; hinfort ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr an jenem Tage, der gerechte Richter, geben wird, nicht mir aber allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung liebhaben" (2. Tim. 4, 6 — 8).

Das Leben des Paulus war wahrlich ein Beispiel biblischer Heiligkeit. Aber dennoch gibt es Menschen, die all diesem Zeugnis zum Trotz, die Kühnheit haben zu behaupten, dass Paulus die ganze Zeit seines Lebens ein elender Sünder gewesen sei; und die meisten Gegner der Heiligungslehre beziehen sich auf Paulus als Beweis, dass wir in diesem Leben nicht heilig gemacht werden können. Gewöhnlich führen sie das 7. Kapitel des Römerbriefes an und sagen, Paulus beschrieb seinen Herzenszustand darin, wie er war als er diesen Brief schrieb. Darin verdrehen sie die Schrift nicht nur zu ihrer eigenen Verdammnis, sondern leiten auch andere in die Irre.

"Ihr seid nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade." Das war der Gegenstand, den Paulus beleuchten wollte. Es scheint, als ob einige der Gemeinden über diesen Punkt in Verwirrung waren, neben dem Evangelium noch das Gesetz Moses zu halten. Paulus wollte die Römer hierüber aufklären, und um dies umso besser tun zu können, vergleicht er die Wirkung der völligen Erlösung durch das Evangelium der Gnade mit der Rechtfertigung durch das Gesetz. Die Wirkung des Evangeliums stellt er uns vor das Gemüt im 6. Kapitel des Römerbriefes. Er zeigt hier, dass unter demselben eine Erfahrung und ein Zustand bewirkt wird, in welchem wir der Sünde abgestorben, ihr frei geworden sind; von ein Stand, in dem wir Gott dienen können in Heiligkeit und Gerechtigkeit.

Bitte lege diese Schrift beiseite und lies Römer Kapitel 6 sehr sorgfältig. Dann untersuche das 7. Kapitel und siehe wie er die Rechtfertigung, die der Israelit unter dem Gesetz erlangte, damit vergleicht. Schon im ersten Vers sagt er: "Ich rede mit solchen, die das Gesetz wissen." Welches Gesetz? Aus den Versen 2 — 7 sieht man, dass es das durch Christus erfüllte und abgeschaffte Gesetz der zehn Gebote ist. So beschreibt er uns in folgenden Versen nur die Erfahrung derer, die das Gesetz wissen, und unter dem Gesetz sind. Gott aber sei Dank, wir sind befreit von dem Gesetz, ihm abgestorben, und unter einem besseren Testament, dem Bund der Gnade.

Paulus war unter dem Gesetz geboren und erzogen und lebte unter demselben bis zur Zeit seiner Bekehrung. In den Versen 7 bis 11 beschreibt er seinen Zustand in den Jahren seiner Unmündigkeit, und wie er in das Bewusstsein seiner Verdammungswürdigkeit geriet, als er in das Alter der Verantwortlichkeit und der Erkenntnis des Gesetzes kam. In den Versen 14 — 23 beschreibt er seine Erfahrung unter dem Gesetz. Wahrlich, es ist ein dunkles Gemälde. Es zeigt uns, dass während er ein Verlangen hatte, das Gute zu tun, er doch nicht die dazu nötige Gnade durch das Gesetz bekam, und sich getrieben fühlte wider besseres Erkennen den Lüsten des Fleisches nachzugeben, welchen Zustand er als das Gesetz der Sünde kennzeichnet. (Man lese zu noch besserem Verständnis auch Hebr. 7, 19; 9, 7 — 10. 13; 10, 1 — 4. 11). Aber wir wollen Paulus selber erklären lassen. In Römer 7, 24 ruft er aus: "Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von dem Leibe dieses Todes?" Höre seine Antwort: "Ich danke Gott durch Jesum Christum, unsern Herrn." Eine genauere übersetzung lautet: "Ich danke Gott, dass ich erlöst bin durch Jesum Christum, unsern Herrn." Hier sehen wir, dass er klar aussagt, dass er aus dem in den Versen 14 — 23 beschriebenen elenden Zustand erlöst ist. Aber man lese noch Kapitel 8, 1 — 4: "So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. Denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn was dem Gesetz unmöglich war (sintemal es durch das Fleisch geschwächt ward), das tat Gott und sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches und der Sünde halben und verdammte die Sünde im Fleisch, auf dass die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde, die wir nun (seit wir erlöst sind) nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geist." Dies macht uns alles klar. Das Gesetz der Sünde, das den Tod wirkte in Paulus (Röm. 7, 13 — 23.) und von dem der Mensch durch das Gesetz des alten Testamentes nicht befreit werden konnte (Röm. 8, 3 und 4), ist nun von ihm genommen. Er ist frei gemacht worden davon durch Jesus Christus. Hier stellt er das Gesetz des Geistes der lebendig macht, das im neuen Testament enthalten ist, an die Stelle des alten (Joh. 8, 36; 6, 68). "Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesum Christum geworden" (Joh. 1, 17). "Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade." "Viel mehr werden die, so da empfangen die Fülle der Gnade und der Gabe zur Gerechtigkeit, herrschen im Leben durch einen Jesum Christum" (Röm. 5, 17).

DIE APOSTEL DRäNGEN DIE GLäUBIGEN ZUR ERFAHRUNG DES ZWEITEN GNADENWERKES

Die Römer

Niemand wird in Frage stellen wollen, dass die Römer zurzeit als Paulus an sie schrieb, nicht Kinder Gottes waren. Sie werden dort genannt "Berufene in Christo Jesu", "Liebste Gottes", "Heilige", und von ihrem Glauben wurde in der ganzen Welt gesagt (Röm. 1, 6 — 8). Aber sie waren noch nicht gegründet (Röm. 1, 11), "vollbereitet, gestärkt, gekräftigt, gegründet", wie Petrus diesen Zustand beschreibt (1. Petr. 5, 10). Paulus ist bemüht zu zeigen, dass dieser Zustand durch den Glauben erreicht wird; Röm. 1, 17 und besonders in dem Folgenden:" Nun wir denn sind gerecht geworden durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus, durch welchen wir auch den Zugang haben im Glauben zu dieser Gnade, darin wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben soll" (Röm. 5, 1 und 2).

Gerechtfertigt durch den Glauben, besaßen sie Frieden mit Gott, aber sie waren noch nicht gegründet in der gänzlichen Heiligung. Er zeigte ihnen, dass ihnen außer der Rechtfertigung noch eine andere Erfahrung vorliege. Durch den Zugang im Glauben zu der bleibenden Gnade der Befestigung, Gründung, und durch Christus allein gelangten sie dazu, dass sie nicht nur der zukünftigen Herrlichkeit, sondern sich auch der Trübsale rühmen könnten. "Nicht aber allein das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale!"

Und Paulus ermahnt in Römer 6, 13 ff in diesen Stand einzudringen: "Begebet euch selbst Gott, als die da aus den Toten lebendig sind, und eure Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit." ("Stellet euch Gott dar" Elberf. übersetzung). Ebenso in Kapitel 12 Vers 1. "Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber begebet zum Opfer, das da lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei, welches sei euer vernünftiger Gottesdienst… auf dass ihr prüfen möget, welches da sei der gute, wohlgefällige und vollkommene Gotteswille." "Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung" (1. Thess. 4, 3). "Also begebet auch nun eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, dass sie heilig werden" (Rom. 6, 19). Sollte wörtlich heißen: So übergebet nun eure Glieder der Gerechtigkeit zu Knechten zur Heiligung.

Will man es noch klarer gelehrt sehen? Die Brüder zu Rom waren wiedergeboren, vom Tode zum Leben hindurchgedrungen, aus den Toten lebendig geworden, und jetzt gebietet Paulus ihnen, ihre Leiber zum Opfer darzustellen, zur Heiligung. Dies sollte nicht in der Todesstunde erst geschehen, sondern "nun", das heißt: In der Gegenwart.

Die Korinther

Paulus nennt die Korinther "Brüder", die "Gemeinde Gottes", "Gottes Ackerwerk", "Gottes Gebäude", "von ihm seid ihr in Christo Jesu", "Kindlein in Christo." Sie hatten geglaubt, sie waren getauft (Apg. 18, 8, 1. Kor. 3, 5). Dies ist hinreichend um zu beweisen, dass sie keine Abgefallenen waren, als Paulus an sie schrieb. Einige hatten die Gnade der Heiligung erlangt (1. Kor. 1, 2; 6, 11); aber die meisten waren noch fleischlich (1. Kor. 3, 1 — 3), das beweist nicht, dass sie die Gnade Gottes verloren hatten, sondern sie waren noch fleischlich, das heißt sie waren noch nicht aus dem Zustand der jungen Kinder vorangeschritten zu dem Zustand, wo die fleischliche Gesinnung abgestreift ist und die geistliche Natur allein herrscht, (siehe Gal. 5, 24 und 25).

Diese Brüder wurden von Paulus ermahnt zur Vollkommenheit in der Heiligung voranzuschreiten. "Zuletzt, liebe Brüder,… seid vollkommen!" "Und dasselbe wünschen wir auch, nämlich eure Vollkommenheit" (2. Kor. 13, 9 und 11). "Dieweil wir nun solche Verheißungen haben, meine Liebsten, so lasset uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen und fortfahren mit der Heiligung in der Furcht Gottes." Sie sollen vollenden die Heiligung (2. Kor. 7, 1). "Und auf solch Vertrauen gedachte ich jenes Mal zu euch zu kommen, auf da ihr abermals eine Wohltat empfinget" (2. Kor. 1, 15). (Andere übersetzungen: "Damit ihr eine zweite Gnade haben möchtet" Von der Heydt; "damit ihr eine zweite Gnade empfinget" Ringsdorf; "auf dass ihr eine zweite Gnade hättet" Elberfeld.). Hier sehen wir das Verlangen des Paulus ausgedrückt, selber zu ihnen kommen zu dürfen, um sie in diese Erfahrung hineinzuführen.

Die Thessalonicher

1. Die Thessalonicher waren wahrhaft bekehrt. Paulus schreibt an sie als die Gemeinde in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesu Christo. Er sagt weiter: "Wir danken Gott allezeit für euch alle … und denken an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung.… Denn, liebe Brüder, von Gott geliebt, wir wissen, wie ihr auserwählt seid, dass unser Evangelium ist bei euch gewesen nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewissheit; wie ihr denn wisset, welcherlei wir gewesen sind unter euch um euretwillen; und ihr seid unsre Nachfolger geworden und des Herrn und habt das Wort aufgenommen unter vielen Trübsalen mit Freuden im Heiligen Geist, also dass ihr geworden seid ein Vorbild allen Gläubigen in Mazedonien und Achaja. Denn von euch ist auserschollen das Wort des Herrn; nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern in allen Orten ist auch euer Glaube an Gott bekannt geworden… denn sie selbst verkündigen… wie ihr bekehrt seid zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott" (1. Thess. 1, 1 — 9). Weitere Beweise für ihre Bekehrung braucht es nicht.

2. Auch waren sie nicht zurückgefallen. Paulus war zu Athen und sandte Timotheus zu ihnen, um sie zu stärken und zu ermahnen in ihrem Glauben (1. Thess. 3, 1 und 2). Timotheus kam zurück zu Paulus und verkündigte ihren Glauben und ihre Liebe, da ist er getröstet worden an ihnen in aller Trübsal und Not durch ihren Glauben (1. Thess. 3, 6 und 7). Hier sehen wir, dass Timotheus dem Paulus einen befriedigenden Bericht über ihren geistlichen Zustand überbrachte. Während sie also recht standen in der Rechfertigung durch den Glauben, was mangelte ihnen noch?

3. "Wir bitten Tag und Nacht gar sehr, dass wir sehen mögen euer Angesicht und erstatten, so etwas mangelt an eurem Glauben" (1. Thess. 3, 10). Luther wusste nichts von dieser Erfahrung und übersetzte diesen Vers mangelhaft. Ringsdorf: "Und das was an eurem Glauben fehlt, ergänzen zu dürfen." Elberfelder Bibel: "… und vollenden mögen, was an eurem Glauben mangelt." Von der Heydt: "… und was noch an eurem Glauben fehlt, zurechtbringen."

4. Was mangelte oder fehlte?" Dass eure Herzen gestärkt werden und unsträflich seien in der Heiligkeit vor Gott" (1. Thess. 3, 13). "Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung" (4, 3). "Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung" (4, 7). "Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt Seele und Leib müsse be- wahrt werden unsträflich auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Christi. Getreu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun" (1. Thess. 5, 23 und 24). "Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Argen" (2. Thess. 3, 3). ("Der wird euch befestigen", u. s. f. Elberfelder und Ringsdorf auch englische übersetzungen).

Die Hebräer

Man wird nicht leugnen können, dass diese Leute zurzeit, da Paulus an sie schrieb, Kinder Gottes waren. Er nannte sie "heilige Brüder" (3, 1). Sie waren Kindlein, die der Milch bedürftig waren (Hebr. 5, 12 und 13) gerade wie Petrus sie nennt: Die jetzt geborenen Kindlein, die nach der lautern Milch begierig sein sollen, dass sie durch dieselbe zunehmen möchten (1. Petr. 2, 2). Durch die Bekehrung kamen sie in diesen Zustand (Matth. 18, 3). Der Apostel sagt weiter aus von den Hebräern: "Ihr seid gekommen zu dem Berge Zion … zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind …und zu dem Mittler des neuen Testaments, Jesus, und zu dem Blut der Besprengung" (Hebr. 12, 12 — 24). Noch wohnte aber in ihnen die alte Natur, die fleischliche Gesinnung. Paulus nennt es im Hebräerbrief die Sünde, die uns so fest umschließt, (einem Gürtel gleich, übersetzung durch Wilson in seiner wortgetreuen Diaglotte) die so leicht umstrickende Sünde (von der Heydt und Elberfelder übersetzung). Die lutherische übersetzung: "die Sünde, so uns immer anklebt" ist augenscheinlich nicht richtig, denn wenn sie uns immer anklebt, kann man sie nicht ablegen, wo wir doch zur Ablegung derselben aufs ernstlichste ermahnt sind. Durch seine Abhandlung zeigt Paulus diesen bereits heiligen Brüdern, dass noch eine Erfahrung vor ihnen liegt, die ihnen bisher fremd war. In den Kapiteln drei und vier dieses Briefes macht Paulus einen Vergleich zwischen den Kindern Israel in der Wüstenerfahrung und den Kindern Gottes im neuen Bund, die noch nicht völlig erlöst sind; ebenso zwischen Kanaan, als dem Ziel ihrer Wanderschaft und der geistlichen Ruhe in welche die eingehen, welche nach Paulus in Römer 1, 17; 5, 2 aus Glauben in Glauben die Gerechtigkeit erlangen, die durch Jesus Christus erworben ist für sein Volk. Gott hatte den Kindern Israel, welche auszogen aus ägypten, den Eintritt in die Ruhe im Lande Kanaan zugesagt. Das ausziehende Geschlecht aber ging nicht ein "um ihres Unglaubens willen." "Welchen schwur er aber, dass sie nicht zu seiner Ruhe kommen sollten, wenn nicht den Ungläubigen? Und wir sehen, dass sie nicht haben können hinein kommen um des Unglaubens willen" (3, 18 und 19).

Wir haben schon früher in dieser Abhandlung gesehen, dass das zeitliche Kanaan ein Vorbild der Erfahrung des vollen Heils ist. Gott hatte durch Mose gesagt, dass der Herr ihr Gott sie zur Ruhe bringen wolle von allen Feinden um ihnen her im Lande (5. Mose 25, 19). "Mein Angesicht soll vorangehen; damit will ich dich leiten" (2. Mose 33, 14). Durch die Ausrottung aller eingeborenen und ansässigen Kanaaniter, sollten sie das Land einnehmen und "Ruhe" finden.

Wie klar stellt dies den Zustand der völligen Erlösung dar, die wir in Jesu haben. Die verschiedenen üblen Neigungen — Hochmut, Eigensinn, Eifersucht, Eigenliebe, Furcht, Geiz, Zorn, Lust und dergleichen sind uns angeboren und sind innerliche Feinde. Christus aber hat die "Sünde im Fleisch" verdammt und die Werke des Teufels zerstört, indem er sie auf sich nahm und uns durch seinen Tod davon befreite (Röm. 6, 6 — 14; 8, 1 — 9). So erfüllte er das Wort in Lukas 1, 74 und 75 "…dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang in Heiligkeit und Gerechtigkeit, die ihm gefällig ist." Nicht ein einziger dieser Feinde darf in dem Herzen sich verbergen, das dem Herrn völlig ergeben ist. Völlige Liebe treibt die Furcht aus und die Seele versinkt in vollkommenen Frieden, einen Hafen der Ruhe, eine Ruhe von der Jesaja weissagte: "Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Gerechtigkeit Nutzen wird ewige Stille und Sicherheit sein, dass mein Volk in Häusern des Friedens wohnen wird, in sicheren Wohnungen und in stolzer Ruhe" (Jes. 32, 17 und 18).

Dies ist das Land "Beulah" oder "Buhleland" Jesaja 62, 4; in dem Jesus der Bräutigam der völlig erlösten Seele ist. Hier fließt der Friede wie ein Strom und die Freude währet immerdar und man kann allezeit dankbar sein; selbst in Zeiten der Anfechtung, Widerwärtigkeiten, Täuschungen, des Widerstandes, und der Missverständnisse, ja auch unter Verfolgungen. Hier hält die Seele ein fettes Mahl und ist befriedigt. Dies geht so weit über die Erfahrungen der gegenwärtigen sogenannten Christenbekenner, dass sie zu dem Schluss kommen, dass es so werden wird in einem noch zukünftigen tausendjährigen Reich oder erst nach dem Tod. Gott aber sei Dank, die wahrhaft Erlösten finden es bestätigt in gegenwärtiger Erfahrung. "Wir, die wir geglaubt haben, gehen (gegenwärtige Zeitform) ein zu unserer Ruhe." Hallelujah! So sieht man, diesen Ruhestand erlangt man durch den Glauben.

Die Hebräerbrüder, obwohl sie schon bekehrt waren, hatten diese Erfahrung noch nicht gemacht. Deshalb warnt Paulus und spornt sie an mit folgenden Worten: "So lasset uns nun Fleiß tun, einzukommen zu dieser Ruhe, auf dass nicht jemand falle in dasselbe Beispiel des Unglaubens" (4, 11). "Darum wollen wir … zur Vollkommenheit fahren" (6, 1). "So wir denn nun haben, liebe Brüder, die Freudigkeit zum Eingang in das Heilige durch das Blut Jesu, welchen er uns bereitet hat zum neuen und lebendigen Wege durch den Vorhang, das ist durch sein Fleisch,… so lasset uns hinzugehen mit wahrhaftigem Herzen in völligem Glauben, besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen" (10, 19 — 22).

Diese "Brüder" waren in ihren Herzen schon "los von dem bösen Gewissen", das heißt sie waren bekehrt und ihre Sünden waren ihnen vergeben; und jetzt mahnt der Apostel sie, doch hinter den Vorhang in das Allerheiligste der Hütte einzudringen, also völlig geheiligt zu werden. Dies sollte geschehen nicht durch Versetzung von der Erde in den Himmel, nicht durch den Tod, sondern "durch das Blut Jesu." "Der Gott aber des Friedens,…durch das Blut…der mache euch fertig (vollkommen)" (13, 20 und 21). "Denn mit einem Opfer hat er in Ewigkeit vollendet die geheiligt werden" (10, 14).

Auch belehrte Paulus sie, dass der himmlische Vater sie als "Söhne" "züchtigen" und "strafen" wolle; nämlich sie durch die innere Ertötung zur Kreuzigung des eigenen Wesens, des alten Menschen, bringen (Hebr. 12, 5 — 9) und ihnen ihr verderbtes Innere aufdecken wolle mit dem scharfen Schwert des göttlichen Wortes (Hebr. 4, 12 und 13). Diese Züchtigung und Tötung des Eigenwillens, guten Ansehens bei den Menschen usw. würde ihnen aber, wenn sie da sei, nicht Freude, sondern Traurigkeit sein; doch würde es ihnen zum Nutzen, auf dass sie seine Heiligung erlangten (12, 10 und 11), "ohne welche wird niemand den Herrn sehen" (V 14).

Der Brief des Johannes

Johannes richtet seinen ersten Brief an die lieben Kindlein, deren Sünden vergeben waren (2, 12). Sie waren Kinder Gottes (3, 1 und 2). Der besondere Zweck seines Briefes war, "dass auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsre Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und solches schreiben wir euch, auf dass eure Freude völlig sei" (1, 3 und 4). Also er war besorgt, dass auch sie dieselbe herrliche Fülle der Freude genießen möchten, die sein Teil war, also dass ihre Gemeinschaft auch vollkommen sein möge. Man sieht also, dass sie noch nicht geheiligt waren.

Aber wie schildert er ihnen den Zustand der Rechtfertigung, in welchem sie sich zu der Zeit befanden? Höret doch alle ihr, die ihr der Sünde das Wort redet. "Und nun, Kindlein, bleibet bei (in) ihm" (2, 28). "Wer da sagt, dass er in ihm bleibt, der soll auch wandeln, gleichwie er gewandelt hat" (2, 6): "Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, auf dass ihr nicht sündiget" (2, 1). "Kindlein, lasset euch niemand verführen! … Wer Sünde tut, der ist vom Teufel; … daran wird's offenbar welche die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels sind" (3, 7 — 10). "Wir wissen, dass, wer von Gott geboren ist, der sündigt nicht" (5, 18).

Dies ist der biblische Maßstab der Rechtfertigung und in diesem Zustand müssen Bekehrte leben, um in Christo bleiben zu können. Aber nun sollten sie dahin geführt werden, dass sie, die ohne Tatsünde lebten, auch von der Erbsünde frei werden, indem er schreibt: "So wir sagen, wir haben keine Sünde, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns" (1, 8). Wären sie von diesem inneren Feind schon befreit in dem von ihnen genossenen Stand der Rechfertigung, so wäre ihre Freude ja schon völlig gewesen, und ebenso ihre Gemeinschaft. Aber Johannes zeigt den Kindlein auch einen Weg, wie sie von diesem inneren Feind, der innewohnenden Sünde, befreit werden können: "So wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Untugend" (1, 9). (Wieder sehen wir hier die Doppelkur für die Sünde. 1. Vergebung. 2. Unter derselben Bedingung des Eingeständnisses unserer sündlichen Natur reinigt uns das Blut Jesu Christi" von aller Untugend").

"So wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde" (1, 7).

Während also der Apostel die Kindlein, die erst neu Bekehrten in Vers 8 vor dem Irrtum warnt, dass "sie keine Sünde haben", so lehrt er ganz entschieden Vers 7 und 9, dass wenn sie mit in einem aufrichtigen Bekenntnis ihres Zustandes zu Gott kommen, und der gestellten Bedingung des Wandels im Licht nachkommen, das Blut Jesu Christi sie reinigen wird von aller Unreinigkeit, von aller Untugend. "Und ein jeglicher, der solche Hoffnung hat zu ihm, der reinigt sich gleichwie er auch rein ist" (3, 3) und wird aus göttlicher Gnadenmacht gerecht gemacht, gleich wie er gerecht ist (3, 7).

Aber hat Gott uns diese Erfahrung zugedacht für die gegenwärtige Zeit? "Darinnen ist die Liebe völlig bei uns, dass wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts; denn gleich wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt" (4, 17).

SCHLUSS

"Herr, lass mir deine Gnade widerfahren, deine Hilfe nach deinem Wort" (Ps.119, 41).

Teurer Leser, halte ein wenig inne; du bist auf dem Weg zur Ewigkeit. Die Zeit trägt dich mit Riesenschritten unaufhaltsam deiner Zukunft entgegen. Alles hängt davon ab, dass der Stand deiner Erlösung im Einklang mit Gottes Wort steht und du jetzt dieselbe genießest. In diesen "letzten Tagen" ist der Betrug Satans schrecklich. Tausende von Seelen hören auf die betrügerischen Lehren der Teufel und folgen Irrgeistern. Bedenke, deine Erlösung muss dem Worte Gottes gemäß sein. In dieser Schrift haben wir uns bemüht, Gottes Plan der Erlösung kurz und bündig darzulegen. "So jemand anders lehrt und bleibt nicht bei den heilsamen Worten unsers Herrn Jesu Christi und bei der Lehre, die gemäß ist der Gottseligkeit, der ist aufgeblasen und weiß nichts.… Tue dich von solchen" (1. Tim. 6, 3 — 5).

So du unbekehrt bist, so tue Buße und bekehre dich, dass deine Sünden getilgt werden mögen. Es sei denn, dass du Buße tust, sonst wirst du gleicherweise umkommen.

Bist du aber ein Gläubiger und hast noch Kämpfe mit der fleischlichen Gesinnung, erfülle die Bedingungen, die Gottes Wort dir stellt in einer Kreuzigung des Fleisches samt seinen Lüsten und Begierden der Sünde, und sterbe dir selber ab, bringe dich Gott dar zur Reinigung und der Gott des Friedens heiligt dich durch und durch.

"Dem aber, der euch kann behüten ohne Fehl und stellen vor das Angesicht seiner Herrlichkeit unsträflich mit Freuden, dem Gott, der allein weise ist, unserm Heiland, sei Ehre und Majestät und Gewalt und Macht nun und zu aller Ewigkeit! Amen" (Jud. 24 und 25).