Das Ende des modernen Predigers (Gedicht)

Der Prediger hat weit geirrt, der sich zu den Modernen hält.
Zwar wurde er schon ordiniert, doch gleicht er Menschen dieser Welt.
Wie gerne steht er hinter’m Pult und lockt die Menschenmassen an,
Mit seinen Reden hoch geschult. Er ist ein angeseh’ner Mann.
Er redet gern von dem Gesang der Vögel in dem grünen Wald.
Wie liebt er das Geklimper der Münzen, die man ihm bezahlt.

Er predigt Lehre, die verführt, und lässt die Sünde zugedeckt.
Und sieht er jemanden gerührt, dann lacht er dessen Tränen weg.
Der Anzug, der ihn prächtig schmückt, ist nicht von ehrlichem Erwerb;
Er weiß genau, wie man betrügt, so dass es niemand um ihn merkt.
Er öffnet oft die Heil’ge Schrift, doch predigt nur um sie herum.
„Das meiste uns nicht mehr betrifft“, versichert er dem Publikum.

Wonach den Ohren kitzelt, geht nur leicht aus seinem Mund hervor.
Den Weg zum Heil er nicht verrät, und macht dabei sich selbst zum Tor.
„Es war einmal...nun legen wir auf Menschenweisheit größ’ren Wert.
Wir haben nicht umsonst studiert, wir sind dafür zu hoch gelehrt.“
„Der Glaube wie zu Jesu Zeit“, sagt er, „reicht heute nicht mehr aus.
In Krankheit, Schmerzen und in Leid, da eilt man schnell ins Krankenhaus.

Und sonntags nach dem Gottesdienst zählt er die Menschen in dem Saal;
Es geht dabei um sein’n Verdienst; wer füllt denn sonst die Opferschal’?
Kaum Kinder sieht man in dem Saal, zu Haus’ es ihnen mehr gefällt.
Und so schlimm sei das gar nicht mal, von diesen kriege man kein Geld.
Er predigt viel, doch leider nur zu einer toten Hörerschaft.
Von Wahrheit somit keine Spur, man fühlte sich ja sonst bestraft.

Für ihn auch trifft die Stunde ein, in der er schließlich sterben muss.
Er übergibt der Ortsgemeind’ zuvor noch einen Abschiedsgruß.
Er hat die Augen zugemacht; man ruft den Weinenden noch zu:
„Er hat sein großes Werk vollbracht, und nun genießt er süße Ruh’!“
Da liegt sein Körper regungslos, sein Predigtamt ist nun vorbei.
Man hofft ihn in des Abrahams Schoß, und sagt, dass er im Himmel sei.

Der Prediger sich nicht mehr rührt, als in das Grab man ihn dann legt.
Die Zunge, die das Volk verführt, ist nun auf immer stillgelegt.
Da ruht sein Sarg am stillen Ort, in dem so schön geschmückten Grab.
Er selber aber ist nicht dort, wohin man ihn gepredigt hat.
Ein’n Grabstein richtet man ihm auf – man liest: „Der Abschied ist nicht leicht.
Nach langem, hartem Pilgerlauf hat er das Himmelsziel erreicht.“

Doch weder Predigt noch das Wort, das jenen teuren Grabstein ziert,
Bestimmen ihm den ew’gen Ort, an dem er sich befinden wird.
Zwar ist er tot, man hört ihn nicht, man sieht von ihm nichts weit und breit,
Die Seele dieses Mannes lebt jedoch in alle Ewigkeit.
Für einen kurzen Augenblick bleibt er am Höllenabgrund steh’n,
Späht in die Tiefe und erblickt Gesichter, die er früh’r geseh’n.

Er hört den lauten Hilfeschrei von Menschen, die er selbst gekannt.
Sie wohnten der Versammlung bei, in der er an der Kanzel stand.
Auch sie erkennen ihn sofort und geben ihm die Schuld dafür:
„Wir glaubten deinem Predigtwort, nun leiden wir auf ewig hier.
O Prediger, du hast versagt, zu predigen uns Gottes Wort!
Nun werden ewig wir geplagt; wir leiden Pein an diesem Ort.

Ach, hätten wir dir nicht geglaubt, dann könnten wir beim Heiland sein.
Du hast den Himmel uns geraubt, nie werden wir dort gehen ein.
Dort, wo die Engel singen schön und wo auf ewig Ruhe ist,
Wo frische Himmelsbrisen weh’n und keine einz’ge Träne fließt.
Wir sind am Ort der ew’gen Qual, dem keine Seele mehr entrinnt.
Man schreit vor Schmerzen überall, die nicht mehr auszuhalten sind.

Ein Tropfen Wasser gib uns nur, damit die Zunge kühlen wir!
Wir finden keine Linderung in diesen heißen Flammen hier.“
Ein Schaudern überkommt ihn bald, der Anblick ist zu grauenhaft,
Er kennt den schlimmen Aufenthalt – die Sünder werden dort bestraft.
Er wendet sich von jenem Ort, entfliehen will er diesem Bild.
Der Teufel jedoch trifft ihn dort, dem er bis jetzt so treu gedient.

Er fühlt die Macht des Satans sehr, die ihn zur Hölle runter zieht.
Auf ewig keine Hoffnung mehr, dem Ort der Qual er nicht entflieht.
Auch er muss leiden und man hört sein Stöhnen, Ächzen und den Schrei.
Nun betet er, doch Gott nicht hört. Die Gnadenzeit ist jetzt vorbei.
Und seine alte, falsche Lehr’, die er bis jetzt gepredigt hat,
An diese glaubt er jetzt nicht mehr; kein Lachen mehr im Höllenbad.

nach Oscar C. Eliason