Aus Gott geboren

„Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.“ (Joh 1:11-13)

Wäre es nicht in Gottes inspiriertem, unfehlbarem Wort niedergeschrieben worden, wäre es zu schön, um wahr zu sein. Zu herrlich, zu unbegreiflich, einfach zu wundersam, als dass es möglich wäre – dass ein Mensch Kind Gottes genannt werden sollte! Vielleicht gelingt es uns deshalb manchmal nicht, die ganze Bedeutung dieser Schriftstelle zu fassen, und wir unterschätzen die uns zur Verfügung stehende Gnade. Ein solch unfassbares Anrecht – das Anrecht, teilzuhaben an dem Bild Gottes, Ihm ähnlich zu sein – ist ein solches Anrecht für einen sterblichen Menschen überhaupt denkbar?

Bevor Adam fiel, war er im Bild Gottes geschaffen worden. Mit dem Stempelabdruck göttlicher Kunstfertigkeit auf jedem einzelnen Wesenszug des Leibes und der Seele muss er diese Schönheit und Herrlichkeit zur Schau gestellt haben, welche deutlich machten, dass er von göttlichem Geschlecht war (Apg 17:28). Überaus garstig war der Feind, dessen Raffinesse die Rebellion des Menschen förderte und der die auf Grund hereditären Anrechts einst so reine Seele befleckte. Sünde zerstörte das Herz des Menschen, befleckte die Gesinnung und verdrehte seine Zuneigungen. Seine Unschuld ging verloren, und mehr noch als das – auch seine Ähnlichkeit gegenüber seinem Schöpfer. Nicht länger glich der Mensch dem Heiligen. Vielmehr glich er nun dem Teufel, dessen Kind er geworden war (1Joh 3:10).

Gott und der Mensch waren sich nun entfremdet. Ohne Zweifel bekümmerte es Gott, dass der Mensch freiwillig sein göttliches Erbe eingebüßt hatte. Es ist etwas ganz Besonderes, wenn man einen Sohn hat, der einem ähnlich ist; jemand, der dir ähnelt, weil seine Materie von dir stammt. Das Leid, das Gott traf, als Adam sündigte, muss wie das Leid dessen sein, der, indem er seinen Sohn verliert, ein Teil von sich verliert. Doch Gott hatte mit dem Menschen noch nicht abgeschlossen. Obwohl die Kosten, um Sein Eigen wiederherzustellen, ein grenzenloses Opfer bedeutete, war Er bereit, diesen Preis zu zahlen. Die Liebe trieb Ihn bis nach Golgatha, nicht nur, um den Menschen vor seiner Strafe zu verschonen, sondern um den Bund mit der Seele wiederherzustellen, welche es dem Menschen ermöglichen würde, mit Ihm Gemeinschaft in Heiligkeit zu haben. Durch das Wunder des vergossenen Blutes Jesu konnte der Mensch eine neue, göttliche Geburt erfahren. Er konnte das alte Bildnis der Sünde hinwegtun und zu einer neuen Schöpfung in Christus werden (2Kor 5:17).

„Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird“, unterwies Jesus Nikodemus, „ so kann er das Reich Gottes nicht sehen!“ (Joh 3:3). Und wiederum: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen!“ (Joh 3:5). Der Apostel Petrus beschreibt dieselbe neue Geburt. „Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, durch das lebendige Wort Gottes, das in Ewigkeit bleibt.“ (1Pt 1:23). Von Gott geboren zu sein, ist keine Kleinigkeit. Dasselbe Wort und derselbe Geist, welche das Licht aus der Finsternis beriefen und Ordnung im Universum schufen, sind dasselbe Wort und derselbe Geist, welche ihren göttlichen kreativen Einfluss in die Seele eines Kindes Gottes bliesen.

Ein Kind wird aus der Materie seines Vaters geformt. In seinen Gesichtszügen, in seinen Gedankengängen und im Ausdruck seiner Persönlichkeit ähnelt er stark seinem Vater, weil er in seines Vaters Ebenbild geschaffen wurde. Oftmals betrachten wir das Kind und identifizieren den Vater, ohne dass man uns mitteilen muss, wer er sei. Er ähnelt seinem Vater, und diese Ähnlichkeit verrät, wessen Sohn er ist. Im gleichen Maße hat jeder Christ göttliches Leben in sich, welches von Gott entstammt. Er ist göttlicher Natur teilhaftig geworden (2Pt 1:4). Er ist dem Verderben und der Begierde dieser Welt entflohen. Er wandelt in der göttlichen Heiligkeit. Er lebt von der Sünde abgesondert. Dies ist ihm möglich, weil er ein Sohn Gottes ist.

Es ist genauso leicht, ein Kind Gottes zu erkennen, wie man ein Kind des Teufels erkennen kann. „Ihr habt den Teufel zum Vater“, tadelt Jesus die ungläubigen Juden, „und was euer Vater begehrt, wollt ihr tun…Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben.“ (Joh 8:44). Christ zu sein bedeutet nicht, sich einer Reihe von Maßstäben anzupassen (denn auch ein Lügner kann äußerlich gutes Benehmen vortäuschen). Christ zu sein bedeutet, sowohl inwendig als auch äußerlich wie Christus zu sein. Es bedeutet, dass göttliches Leben in Strömen lebendigen Wassers aus der Seele fließt. Es bedeutet, ein Sohn des Lichts zu sein (Eph 5:8), unsträflich und lauter inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts (Phil 2:15). Es bedeutet, die Frucht des Geistes im täglichen Wandel aufzuweisen (Gal 5:19-23).

Im christlichen Leben ist Wachstum vorhanden. Genau wie ein kleines Kind die Interessen des Vaters zwar teilt, jedoch aufgrund seines Mangels an Reife den Hammer noch nicht mit der Genauigkeit seines Vaters zu schwingen vermag, mögen auch wir heute ein geringeres Maß an Geduld und Liebe bei uns feststellen als es morgen der Fall sein wird. Doch selbst wenn diese Gnadengaben noch nicht ausgereift sind, werden sie im Leben eines jeden Christen vorhanden sein, und die Welt wird die Eigenschaften Gottes beim Betrachten ihres Lebens wahrnehmen.

Es wird gesagt, dass wir nicht gerecht zu leben brauchen, um in den Himmel eingehen zu können, da unsere Heilserfahrung bereits die Gerechtigkeit Christi beansprucht. Die zweite Behauptung ist wahr: Unser Heil beansprucht die Gerechtigkeit Christi; jedoch ist es unmöglich, Christi Gerechtigkeit zu beanspruchen, ohne Christi Gerechtigkeit aufzuweisen. Jegliche Beanspruchung der Gerechtigkeit Christi, welche nicht vom Ebenbild Christi unterstützt wird, ist fälschlich, denn „Jeder, der den Namen des Christus nennt, wende sich ab von der Ungerechtigkeit!“ (2Tim 2:19). Ich kann nicht Gott als meinen Vater geltend machen, wenn ich Gott nicht ähnlich bin.

Der Apostel Johannes fasst es in wenigen Worten zusammen: „Kinder, lasst euch von niemand verführen! Wer die Gerechtigkeit übt, der ist gerecht, gleichwie Er gerecht ist. Wer die Sünde tut, der ist aus dem Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang an…Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde; denn Sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.“ (1Joh 3:7-9).

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