Der endgültige Zorn der Seele

„Und die vorangingen, geboten ihm, er solle schweigen; er aber rief noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich über mich!“ (Lk 18:39).

Sobald eine Seele anfängt, Gott zu suchen, tritt heftiger Widerstand auf. Kein Schritt in Richtung Wahrheit bleibt unangefochten, kein Zentimeter Land unverteidigt. Der kleinste Schritt in Richtung Gott hallt schallend in den Gängen des Königreiches Beelzebuls wider, und treibt ihn zu fieberhaften Maßnahmen an. Augenblicklich werden alle Dämonen alarmiert und zum Kampf beordert, denn eine Seele steht auf dem Spiel!

Umgehend werden unzählige Barrikaden und Straßenblockaden errichtet. Schau! Da kommen auch schon seine Freunde. Horch! Jetzt klingelt das Telefon. Es hagelt nur so Beleidigungen herab. Wie heftig wird gedroht! Seine einstige Loyalität den sündigen Wegen gegenüber wird ihm vor Augen gehalten. So mancher nennt ihn „niederträchtig“ und „herzlos“, da er nun all die jahrelangen weltlichen Freundschaften beendet. Er wird des Fanatismus bezichtigt; seine engsten Freunde erklären ihn für verrückt. Beschmutzt durch Schmähungen und Kränkungen, narbenbedeckt von den Wunden falscher Freunde, dringt er weiter voran. Die Sticheleien und das höhnische Gelächter der Spötter stoßen auf taube Ohren, denn er hat sich – gleich Christ aus Bunyans Pilgerreise – die Finger in die Ohren gesteckt und ruft: „Leben! Leben! Ewiges Leben!“

Gemeinsam mit dem Jakob vergangener Zeiten hat auch er nur eine Antwort: „Ich lasse dich nicht, es sein denn, du segnest mich!“ Er ist verzweifelt und kümmert sich daher wenig um Korrektheit oder Professionalität. Das eine maßgebliche Motto treibt ihn an: „Was auch immer.“ Sieh, wie er auf den Stein fällt und zerschmettert wird! Sieh ihn rückhaltlos sein Leben verlieren in der Hoffnung, es wiederzufinden!

Sieh ihn nun in der Stunde bevor er durch die Krisenerfahrung der Erlösung bricht. Jegliches Ärgernis ist jetzt überwunden, jeder Stolperstein bezwungen, jedes harte Wort ausgestanden. Er hat die welterfahrene Logik seiner „erleuchteten“ Freunde von sich gewiesen und sich geweigert, den Drohungen seiner Verwandten Beachtung zu schenken. Er ist durch Fluten der Kritik gewatet, hat Stürme der Wut ausgestanden, und hat Brandungen der Schande und Scham gemeistert. Mit Naeman hat er menschliche Weisheit abgedrängt und sich siebenmal im trüben Jordan untergetaucht. Um Jesus zu sehen, verschmähte er seine eigene Würde, indem er wie Zachäus den Maulbeerbaum bestieg. Zusammen mit der kanaanäischen Frau wurde auch er nicht beachtet, er erlebte die Demütigung, ein Hund genannt zu werden, und ertrug die offensichtliche Infragestellung seiner Intelligenz. Angesichts seines Feindes, der ausruft: „Das geht zu weit! Gib auf!“ hat er seine Fäuste geballt, sich auf die Zunge gebissen und sich behauptet. Endlose Hindernisse – die alle im ersten Augenblick unpassierbar erschienen – wurden überwunden.

Unter diesen Umständen bricht er endlich zum herrlichen Sonnenlicht der Erlösung durch und erlangt seinen langersehnten Frieden mit Gott. Sieh ihn an, den Veteran des Kampfes ums ewige Leben! Er hat den endgültigen Zorn der Seele überstanden – und gesiegt!

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