Der Vorläufer Jesu Christi

„Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen? Ein Rohr, das vom Wind bewegt wird? Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Menschen, mit weichen Kleidern bekleidet? Siehe, die, die in herrlicher Kleidung und Üppigkeit leben, sind an den Königshöfen! Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, ich sage euch: einen, der mehr ist als ein Prophet! Dieser ist‘s, von dem geschrieben steht: ‚Siehe, ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.‘“ (Lk 7:24b-27).

Hör, wie Christus von Seinem Vorläufer, Johannes dem Täufer, zeugt! Dies sind Worte tiefster Bedeutung und größter Wichtigkeit, sowohl für diejenigen, die sie damals hörten, als auch für uns, die wir sie heute lesen. „Was seid ihr hinausgegangen zu sehen?“ Meintet ihr, einem unbeständigen, allzeit schwankenden, quallenartigen Men-schen in der schroffen Wildnis zu begegnen? Einem Weichling, einem wankelmütigen Menschen, einem Schwächling? Wie absurd! Ihr seid auf einen ganz anderen Men-schen gestoßen. Seine Tracht besteht nicht aus weicher Kleidung, seine Ernährung nicht aus leckerer Speise und die feine Lebensart in den Häusern der Könige lockt ihn nicht, obwohl er an den Toren der Paläste klopft, um – wenn nötig – einen König zu-rechtzuweisen. Er hatte eine „grobe Arbeit“ zu verrichten, verbunden mit einer tadeln-den Botschaft. Schließlich bereitete er, wie jemand es zum Ausdruck brachte, den Weg für den Stein des Anstoßes vor! Demnach wurde Johannes somit sein eigener, rauer Weg auf Grund seiner Berufung zum Vorläufer Christi bestimmt! Genau derjenige, für den er einen Weg bereiten sollte, hatte ihm einen Weg bereitet. Notwendigerweise mussten demnach Christus und sein Vorläufer denselben Weg gehen, denn es war unmöglich, dass der Vorläufer den Weg der Muße und Annehmlichkeit ginge, wenn das Lamm Gottes diesen Pfad niemals betreten würde. Sein Weg war der Weg des Kreuzes, ein Pfad des freiwilligen Leidens und Sterbens. Welche Gemeinschaft, welche Übereinstimmung hat das „alt‘ raue Kreuz“ mit einem Leben der Bequemlichkeit und des Behagens? Keine! Überhaupt keine! Wie lebenswichtig war es doch, dass der Vorläufer den Ernst seiner Berufung erkannte. Gott hatte in Johannes dem Täufer Seinen Erwählten gefunden.

„Jener war die brennende und scheinende Leuchte“, fährt der göttliche Zeuge über denselben Menschen fort (Joh 5:35). „Lediglich zu scheinen ist Nichtigkeit“, schreibt Adam Clarke, „aber wenige scheinen und brennen zugleich“. Wer ist gewillt, um des Reiches Gottes willen verzehrt zu werden? Wer kann sagen: „Indem ich anderen diene, mache ich mich selbst zunichte.“ Sicherlich war sowohl das selbstlose Leben Christi als auch das Seines Vorläufers dieser Art. Indem der Geist des Feuers in ihnen brannte, verkündigten sie „dieselbe Botschaft“ und teilten dieselbe Vision; „sie waren eins“ – Christus und Sein Vorläufer – eins im Leben und eins im Tod, ja, sogar im Märtyrertod. Gott sei gepriesen für „ein(en) Mensch(en) von Gott gesandt“, dessen Name Johannes ist, ein Mann „im Geist und in der Kraft Elias“, ein „Durchgänger“, ein „Bahn ma-chender und Steine wegräumender“ Mann, ein Mensch von überirdischem Mut, ein Mann, geeignet, die herrliche Prophezeiung des Vorläufers vom ersten Kommen Christi zu erfüllen!

Viele Generationen später befindet die Welt sich nun kurz vor dem schockierendsten Ereignis, das jemals stattfinden wird: dem zweiten Kommen Christi, welches den Tag des Gerichts und die Ewigkeit einleitet. Wiederum wurde ein Vorläufer ausgesandt, ein Bote der Endzeit, um den Weg für diesen großen und schrecklichen Tag zu bahnen.

Im Geiste hören wir Jesus dieselbe Frage stellen, die Er einst bezüglich Johannes des Täufers stellte: „Was seid ihr in die Wüste hinausgegangen zu sehen?“ Einen ver-weiblichten Menschen mit Haaren wie Frauenhaare (Offb 9:8)? Einen Menschen, der mit der Sünde liebäugelt, so gut wie alles toleriert und für nichts eintritt? Einen seine Überzeugungen einsteckenden Menschen, der sich allezeit davor fürchtet, Schmach zu tragen? Ein religiöser „guter Gott, geliebter Mammon“ Fan, der unaufhörlich umhergeworfen ist in seiner Gesinnung, seinem Herzen und seinen Zuneigungen? Ein solcher Mensch hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit Johannes dem Täufer noch mit Elia, dem Tisbiter. Das ist das Bild eines falschen Propheten, angetan mit seiner wei-bischen Weichheit und seinem kompromittierenden Geist, indem er „Seelen am Le-ben“ erhält, „die nicht leben sollten“, und wobei er solche, die aufs Fleisch säen, die Kinobesucher, die „Richtet nicht!“ Kräher und die Besserwisser fördert. Er ist in der Tat eine große Schmach für die Sache Christi, indem er Scharen dazu veranlasst, zu stolpern und nie den Weg des Herrn zu finden.

Oder was seid ihr hinausgegangen zu hören? Worte, nach denen die Ohren jucken? „Friede, Friede, wo kein Frieden ist“? „Weiche Lügen“ anstelle von „harter Wahrheit“? Ach, zu einem solchen kommt das Wort des Herrn nicht, denn er ist kein Mann Gottes! Er ist nicht vom Himmel gesandt! Doch Gott sei Dank, es GIBT einen mächtigen Boten, den Engel der siebten Posaune, vom Himmel gesandt (Offb 10), mit dem feier-lichen Auftrag, die letzten „sieben Plagen“ und die letzten „Äußerungen“ des Gerichtes Gottes auszugießen, nicht nur von der Kanzel, sondern in jedem Bereich des täglichen Lebens. Seine laute, donnernde Stimme trägt dieselbe „Feuer-und-Schwefel“ Botschaft des ersten Vorläufers. „Tut Buße … Schlangenbrut! Wer hat euch unterwiesen, dem kommenden Zorn zu entfliehen?“ „Es ist aber auch schon die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt.“ Furchtlos und unbeeinflusst von Herodes und den Landsleuten seiner Zeit setzt er seinen rechten, einer Feuersäule gleichenden, Fuß auf das Meer und seinen linken auf die Erde (Offb 10:1-2; Erde und Meer symbolisieren die Menschen) und lässt ihre Götzen, Traditionen und Meinungen in Flammen aufgehen und bahnt dadurch einen geraden, biblischen Weg, auf dem Seelen wandeln können.

Dieser Vorläufer ist in dieser Zeit der Ernte und der Wiederherstellung vollkommen eins mit Christus. Auf den Befehl Gottes hin sendet er seine Sichel aus, um „den Weinstock der Erde“ (die Sünder) abzuschneiden … und „die Trauben in die große Kelter des Zornes Gottes“ (das Wort Gottes) zu werfen; er bindet das Unkraut (Menschen, die Anstoß erregen und Missetaten verüben) und wirft sie in das Feuer des Wortes Gottes; er sammelt allen Weizen (Kinder Gottes) in die Scheune Christi (Seine Gemeinde); er gießt seine Schale in die Luft (geistliche Atmosphäre) aus, wodurch „Stimmen, Donner und Blitze“ verursacht werden, die das große Erdbeben, welches gerade die Sünder und Gemeindeheuchler in diesen letzten „Tagen der Rache“ gegen Babylon erschüttert, zur Folge hat. Die Zeit der Wiederherstellung aller Dinge ist gekommen, und Gott hat Seinen Erwählten gefunden! Folglich geht er einher „im Geist und in der Kraft Elias“, mit einem Auftrag von unbeschreiblichem Ausmaß: der Berufung, einen Weg zu bahnen, damit Seelen, die auf die Ewigkeit zusteuern, sich vorbereiten mögen, ihrem Gott zu begegnen. O, welch schwerwiegende Berufung! Gott segne ihn, indem er auszieht, um die glorreiche, endzeitliche Prophezeiung als Vorläufer des zweiten Kommens Christi auszuführen!

„Und der Engel, den ich auf dem Meer und auf der Erde stehen sah, erhob seine Hand zum Himmel und schwor bei dem, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, der den Himmel geschaffen hat und was darauf ist, und das Meer und was darin ist: Es wird keine Zeit mehr sein; sondern in den Tagen der Stimme des siebten Engels, wenn er in die Posaune stoßen wird, soll das Geheimnis Gottes vollendet werden, wie er es den Knechten, den Propheten, als Heilsbotschaft verkündet hat.“ (Offb 10:5-7).