Heilige die sündigen?

Die Feindschaft der Welt wider Christus und Seiner Religion ist ohne Zweifel die natürliche Folge der allgemeinen Sündhaftigkeit der Menschheit; wie der Apostel Paulus sagt: "Wir waren von Natur Kinder des Zorns." Deswegen ist der natürliche Mensch grundsätzlich uneins mit Gott und Seiner heiligen Religion. Vielen ist eine Form der Religion recht, doch wenn es heißt, die heiligen Grundsätze Gottes in die Tat umzusetzen, werden viele, die einerseits die Formen und Rituale der Religion bewundern, die größten Gegner der praktischen und erfahrungsgemäßen Seiten einer konsequenten Erlösung. Viele möchten eine Religion, solange sich diese nicht in ihr Tun einmischt. Fordert diese keine Disziplin, kein Opfer, keine Unannehmlichkeiten, keine Verpflichtung, dann ist sie wünschenswert. Werden diese Menschen aber damit konfrontiert, konsequent die Grundsätze der göttlichen Wahrheit zu praktizieren, dann sieht die Sache ganz anders aus.

Schon immer hatte "Herr Weltklug" die Art, die Schrift derart zu verleugnen oder zu verdrehen, dass sie das meint, was er glauben möchte, anstatt was er glauben sollte. Es ist tatsächlich tragisch, zu beobachten wie oft das Evangelium, welches die Kraft Gottes zum Heil ist, machtlos gemacht wurde durch die verzweifelten Versuche solcher, die es populär machen möchten. Im allgemeinen müsste man jegliche Verpflichtung zum Gehorsam und zur Opferbereitschaft aufheben, damit das Evangelium bei einer fleischlich gesinnten und die Gnade abweisenden Welt gut ankommt. Dadurch wird es ohne Zweifel beliebt, jedoch auch kraftlos, denn das Evangelium des Neuen Testaments soll "die Kraft Gottes zum Heil" sein, und die Menschheit von den Fesseln und der Knechtschaft der Sünde befreien.

Um den Unterschied zwischen einem Heiligen und einem Sünder festzustellen, und ob Sünde und Heiligkeit miteinander vereinbar sind, müssen wir ein klares Verständnis über die Sünde haben. Viele nehmen eine sehr extreme und unbiblische Haltung ein, wenn sie Sünde definieren. Manche sind der Ansicht, dass jeder Fehler, jedes Versagen und jegliche menschliche Fehlbarkeit Sünde ist. Solche Haltung ist weder vernünftig noch biblisch.

Der Apostel Johannes definiert eindeutig die Sünde in seinem Epistel, wenn er folgendes sagt: "Jeder, der die Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit, und die Sünde ist die Gesetzlosigkeit." Wir wollen an diese Auslegung denken und nun die Frage erörtern, ob Heilige sündigen müssen oder nicht.

Der Schreiber schließt nicht aus, dass man nicht sündigen kann, aber wir glauben, dass der normale Stand eines beständigen Christenlebens ein Leben ist, welches siegreich über jegliche bekannte und bewusste übertretung von einem oder allen Gesetzen Gottes ist. Es mögen Fehler im Leben eines Christen sein, die aber nicht als Sünde gelten sollten. Sie sind die Folge menschlicher Begrenztheit, fehlerhaftes Urteilen und anderem, jedoch nicht ein vorsätzliches übertreten des Gesetzes Gottes. Sollten diese als Sünde bezeichnet werden, dann können weder Heilige noch Sünder recht leben, denn solche Fehler sind das gemeinsame Erbe aller Sterblichen. In aller Demut lehnen wir es ab, solche als Sünden zu bezeichnen. Wenn diesem so wäre, dann wäre die Bibel voller Widersprüche, denn sie sagt: "Das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von jeder Sünde." Werden diese Dinge aber als Sünde bezeichnet, dann reinigt das Blut uns nicht von aller Sünde, denn kein Sterblicher ist fehlerfrei.

Es mag sein, dass Fehler oft Vergehen gegenüber Gott sind, aber sie stammten aus einem reinem Beweggrund und Gott schaut auf die Absicht und das Motiv der Tat. Aus den vielen Ermahnungen der Heiligen Schrift, welche ein Verlassen der Sünde fordern, geht hervor, dass diese Dinge nicht als Sünde betrachtet werden, damit Gott sich nicht äußerst lächerlich machte, indem Er von Seinen Untertanen etwas Unmögliches forderte. Wenn jedes Versagen und alle Fehler der Menschheit als Sünde bezeichnet werden sollten - und es gibt keinen Menschen ohne dieselben - dann müssen wir daraus ziehen, dass Gott keine Kinder hat, außer solche, die dem Teufel angehören, denn "wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel". Um zu sündigen und sich dadurch auch schuldig zu machen, muss man Willens werden, die Dinge zu tun, von denen wir wissen, dass sie gegen Gottes Willen sind, und trotz dieses Wissens bewusst darin weiter beharren. Fahren wir aber fort, gegen besseres Wissen, oder gegen Gottes Willen und Seine Gebote etwas zu tun, dann können wir sicher sein, dass wir gesündigt haben. Niemand kann sich derart benehmen und ein Christ sein. Wenn wir von einem sündenfreien Leben sprechen, dann meinen wir einfach, dass die Religion Jesu Christi beides, willens und fähig ist, es denen, die sie besitzen, durch die Gnade Gottes zu ermöglichen, so zu leben, dass sie nicht mutwillig gegen Gottes Gebote verstoßen, denn "jeder, der die Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit, und die Sünde ist die Gesetzlosigkeit."

Die Ursünde unserer Voreltern war kein Fehler, noch ein fehlerhaftes Urteilen , sondern ein vorsätzlicher Ungehorsam gegen Licht, Wissen und Pflichtbewusstsein. In gleicher Weise ist jede Sünde ein vorsätzlicher Ungehorsam gegen besseres Wissen.

Unter den fehlerhaften Widersprüchen einer bekennenden christlichen Welt, ist keine so tragisch und beklagenswert, wie die einer Religion, die lehrt, dass man sündigen muss. Damit sagen sie, dass sie Christus als ihren Erlöser annehmen aber in der Sünde weiterleben, weil sie es für unmöglich halten, in dieser Zeit anders zu leben. Wird jemand von dieser Idee ergriffen, dann wird er sicherlich jetzt in seinem christlichen Leben unterliegen und später gewogen und zu leicht erfunden werden.

Die Armut unserer Zeit entspringt dem Zweifel, dass Gott völlig von Sünde befreien kann. Viele sind durch einen Wirrwarr widersprüchiger Belehrungen irregeführt worden. Gibt es keinen Weg, wie ein Mensch unfehlbar sicher gehen kann? Gibt es keinen Maßstab, nach dem man wissen kann, ob man den erwünschten Forderungen der göttlichen Autorität nachkommt? Gibt es einen Weg, wie man erkennen kann, ob man auf dem richtigen oder auf dem verkehrten Weg ist? Gott sei Dank, es gibt einen Weg, wie wir mit Sicherheit unseren Lauf feststellen und gewiss sein können, ob wir uns den Forderungen dessen fügen, der unser Schicksal in Seinen Händen trägt. Dieser Weg wird im Worte Gottes geoffenbart.

Wer seine Zuflucht hat bei dem ewigen Gott, und dessen Schild und Schutzwehr Seine Wahrheit ist, wird in den stürmischen Szenen des Endgerichts bestehen und im Hafen der himmlischen Glückseligkeit ankern. Sein Wort ist die einzige zuverläßige Quelle der Information; es offenbart uns die göttlichen Forderungen und Vorkehrungen für einLeben, das uns für das Jenseits vorbereitet. Die Wahrhaftigkeit und Autorität der Worte "So spricht der Herr" kann nicht genug betont werden. Was sagt die Bibel über das Problem der Sünde? Sie ist das Entscheidende in der ganzen Sache.

Das Fundament wahrer Religion wird durch unsere Einstellung zur Sünde bestimmt. Die liberale Theoligie und die wahre Religion treffen und scheiden sich an dem Wegschild, genannt "Sünde". Ein Weg führt zum Kreuz und zur Erlösung, der andere zu verschiedenen menschlichen Erfindungen, Ersetzungen und zur Niederlage. Einer führt zum Himmel, der andere zur Hölle. Wir zweifeln daran, ob jemals ein größerer Fehler der modernen "Kirche" verbreitet wurde, als die Idee, dass für ein Kind Gottes die Sünde unumgänglich ist; aber wir sind gewiss, dass nichts für den geistlichen Fortschritt einen Christen schädlicher ist als diese Theorie.

Indem wir die vielen sichtbaren Zukurzkommen bekennender Christen zugeben, sind wir aber nicht willig zuzugeben, dass unser Pflichtbewusstsein auf dem unbeständigen Leben dieser gegründet ist, sondern aus den Worten "So spricht der Herr" stammen und nicht aus dem Leben derer, die die Vorrechte der neutestamentlichen Christen durch ihre Niederlage und Demütigung im Kampf falsch darstellen. Zu viele bekennende Christen sind es nur dem Namen nach, und geben sich wenig oder überhaupt keine Mühe, so zu leben, wie es einem wahren Christen geziemt.

Starb Christus tatsächlich für nichts besseres, als dass wir weiter sündigen sollten? Der Apostel Paulus stellte dieselbe Frage. "Was sollen wir nun sagen? Sollten wir in der Sünde verharren?" Und sofort gibt er ganz eindeutig die Antwort: "Das sei ferne! Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollten wir noch in ihr leben?" Oh, dass die bekennende christliche Welt von der Sündhaftigkeit der Sünde, sowie von der gewaltigen Macht Jesu Christi zu erlösen, überzeugt wäre. Mögen wir es nie aus dem Auge verlieren, dass eine Religion, die uns hier nicht von Sünde erlösen kann, nicht genügen wird, uns hernach von der Strafe der Sünde zu befreien.

Der Gnadenstand kennt keine Neutralität (Matt 12:30). Wird die Seele von Gott regiert, dann muss die Sünde weichen. Regiert der Satan, entfernt sich Gott. Wir können nicht zwei Herren dienen (Matt 6:24). Deswegen "wem ihr euch zur Verfügung stellt als Sklaven zum Gehorsam, dessen Sklaven seid ihr, dem ihr gehorcht" (Röm 6:16). Niemand lasse sich verführen und meine, er wäre ein Christ, wenn er ein Sklave der Sünde ist, denn ein siegreiches Leben ist ein markantes Merkmal der Jüngerschaft Jesu. "Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel" (1Joh 3:8). "Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde"(1 Joh 3:9). "Hieran sind offenbar die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels" (1Joh 3:10). Worin? In dem, dass der eine sündigt und der andere nicht. Der, der Sünde tut, gehört dem Teufel, während der, der Gott angehört, nicht sündigt. Wenn aus diesem Wortlaut nicht hervorgeht, dass zwischen einem Kind Gottes und einem Kind des Teufel unterschieden wird, weil das eine sündigt und das andere nicht, ist es dem Leser dann möglich, eine andere Sprache zu erfinden, die diesen Gedanken hervorbringt? Die geistliche Geburt setzt dem Sündigen ein Ende.

Es wäre unvernünftig anzunehmen, dass Gott in Seinem Erlösungsplan eine Religion vorgesehen hat, die das Sündigen duldet. Das ist nicht Gott ähnlich und für den Menschen unzureichend. Wer kann sich vorstellen, dass ein Gott, dessen Erlösung grenzenlos ist, der die Sünde mit einem verzehrenden Hass verabscheut, Seinen Sohn nach Golgatha schickte, nur damit die Menschheit in ihrer Sünde beharrt? Wer könnte sich vorstellen, dass Gott, der die Bedürfnisse der Menschheit kennt, in Seiner Weisheit einen Erlösungsplan hervorbringt, der dort versagt, wo er am meisten nötig wäre? Einen Gott, der Seinen Sohn in die Welt schickt, um " Sein Volk zu erretten von ihren Sünden" und es ihnen nur ermöglicht, in ihren Sünden weiter zu beharren? Gott sei Dank, dies ist nicht das Evangelium, welches der Apostel Paulus den Heiden verkündigen sollte, denn als er sich vor Agrippa verantwortete, nahm er Bezug auf seine Berufung indem er sagte, dass er gesandt wurde "ihre Augen aufzutun, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Macht Satans zu Gott." Hier ist von der Befreiung aus der Macht Satans die Rede.

Lasst uns daran denken, dass niemand, der mit Gott nicht im Einklang steht, eine Hoffnung auf den Himmel haben kann, außer einer falschen Hoffnung. Desgleichen kann niemand mit Gott im Einklang stehen, der das liebt, was Gott hasst, und hasst, was Gott liebt. Sünde ist für Gott überaus abscheulich und es entspricht Seiner Intelligenz, Seiner Macht und Seinem Charakter, dass in Seinem Erlösungsplan keine andere Vorkehrung getroffen worden ist, außer der, völlig von Sünde zu befreien. Diener der Sünde können durch keine Einbildung Diener Gottes werden, denn Jesus ist Anfänger einer ewigen Erlösung denen, die Ihm gehorchen. Zählt der Leser sich zu denen, die jeden Tag sündigen, in Gedanken, Wort oder Tat? Dann zähle dich nicht zu denen, die wiedergeboren sind, denn "wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel" und "jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde," denn "wem ihr euch zur Verfügung stellt als Sklaven zum Gehorsam, … dessen Sklaven (ihr) seid, dem ihr gehorcht" und "niemand kann zwei Herren dienen". Können wir Diener der Sünde und Kinder Gottes sein? Die Sünde disqualifiziert uns, ein Kind Gottes zu sein.

Viele haben keine höhere Vorstellung vom Erlösungsplan, als dass dem Sünder zwar vergeben wurde, er aber noch im gewissen Sinne von der Sünde gefesselt bleibt. Daher reden sie viel darüber, dass sie "begnadigte Sünder" sind und meinen dabei, dass sie durch die Gnade errettet sind, aber dennoch sündigen. Tatsache aber ist, dass wir nie durch die Gnade errettet werden, bis wir die Sünde aufgeben und ihr den Rücken kehren und der Vergebung eine Umwandlung folgt. Sünder werden nicht in ihren Sünden errettet, sondern von ihren Sünden. Paulus sagt: "Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes" (Röm 8:2).

Hatte Christus ausgerufen: "Es ist vollbracht", um später festzustellen, dass der Erlösungsplan noch nicht verwirklicht wurde und eine Erlösung doch unmöglich wäre? Wenn im gegenwärtigen Evangeliumsplan keine erlösende Kraft wäre, dann wäre er unvollkommen. Soll das christliche Leben nur ein tägliches Sündigen und Buße-tun sein? Solch ein "Evangelium" ist so viel wert, wie ein Krankenhaus, das nie einen Kranken heilt. Ist dieses das Ergebnis von Golgatha? Gibt es keine Erlösung , die von den Fesseln der Sünde befreit?

Die Sünde ist mächtig, aber Christus ist allmächtig. Der Apostel bezeugt: "Die Sünde wird nicht über euch herrschen." Das ist eine wunderbare Verheißung des Allmächtigen, wenn Er sagt: "Er wird Sein Volk erretten von ihren Sünden." Welch eine aufregende Kunde brachte der Täufer, als er sagte: "Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt." Es bleibt in den Worten des Paulus kein Raum zur Debatte, ob man sündigen muss oder nicht, wenn er folgendes sagt: "Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes." Wie kann ein Mensch behaupten, sündigen zu müssen, wenn er folgende Schriftstellen liest: " … der sich selbst für unsere Sünden hingegeben hat, damit er uns herausreiße aus der gegenwärtigen bösen Welt nach dem Willen unseres Gottes und Vaters" (Gal 1:4). "Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen, und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf" (Titus 2:11-12). "Frei gemacht aber von der Sünde, seid ihr Sklaven der Gerechtigkeit geworden" (Röm 6:18). " … stellt auch nicht eure Glieder der Sünde zur Verfügung als Werkzeuge der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Lebende aus den Toten und eure Glieder Gott zu Werkzeugen der Gerechtigkeit. Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade" (Röm 6: 13-14). "Denn ihr seid teuer erkauft; darum so preiset Gott an eurem Leibe und in eurem Geiste, welche sind Gottes" (1Kor 6:20 - Luth. üs.). "Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein" (Joh 8:36).

Diese und viele andere Schriftstellen sollten sogar einen religiösen Menschen, der da sündigt, überzeugen, dass er nicht im Einklang mit Gottes Wort steht. Leuchtet es nicht jedem Menschen ein, dass man nicht "verkehrt" leben kann und dann "recht" sterben? Auch wenn du die Sünde zudeckst und sie als angenehm und zulässig darstellst, bleibt sie doch Gottes Widersacher und des Menschen Erzfeind.

Wenn die Gemeinde ein Deckmantel für sektiererische Abtrünnige sein soll, welche die Form eines gottseligen Lebens haben, aber ihre Kraft verleugnen, dann kann die Lehre "ohne Sünde kann man nicht leben" Erfolg haben. Soll aber die Gemeinde dem Volk Gottes ein Zuhause sein, den Bedürfnissen der Menschheit dienen und den Allmächtigen und Seine Kraft, zu erlösen, verherrlichen, dann sollte diese Lehre zurück zur Hölle verbannt werden, von wo sie kommt. Gottes gnädige Verheißung lautet: "Keine Versuchung hat euch ergriffen als nur eine menschliche; Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen wird, so dass ihr sie ertragen könnt" (1Kor 10:13).

Jesus selbst bezeugt: "Mir ist gegeben alle Gewalt, im Himmel und auf Erden." Meinte Er dabei alle Gewalt, außer der Gewalt, von Sünde zu erlösen? Sagte Er, dass Ihm alle Gewalt auf Erden gegeben wurde, außer die Gewalt, genau das zu tun, wozu Er auf diese Welt kam (1Joh 3:8)? Zu viele verlassen sich auf die Barmherzigkeit Gottes, dass diese sie in der Stunde des Gerichts erretten wird, und richten sich nicht nach den Bedingungen, diese Barmherzigkeit in Anspruch nehmen zu können.

Manche Menschen haben keine höhere Vorstellung über die Gnade, als die, dass sie täglich in Gedanken, Wort und Tat sündigen müssen, um dann am Abend wieder alles gut zu machen. Solch ein Verständnis des Christentums bietet dem Christen wenige Vorteile über dem Sünder, nur ein Bekenntnis. Wenn beide, der Christ sowie der Sünder, Sklaven der Sünde sind, wie kann der Christ dann mehr, oder eine bessere Hoffnung haben? Wenn Jesus Christus nicht die Kraft Gottes zum Heil ist, dann wäre das Christentum nicht besser als die heidnischen Religionen der Welt. Solch eine Auffassung macht Jesus nicht zu einem Erlöser, sondern zu jemanden, der Ablass erteilt, der nicht von dem Ausüben der Sünde befreit, sondern von der Strafe. Berechtigt uns das Sich-Fügen in bestimmte religiöse Ordnungen zu einem Sonderrecht, ungehorsam und untreu zu sein; zu einem Sonderrecht, uns zu rühmen, nicht recht vor Gott zu leben und dennoch Sein Wohlgefallen zu haben? Wenn ein Gemeindemitglied, das sündigt, in den Himmel kommt, was kann dann jeden Sünder davon abhalten? Wie kann Gott den Menschen von der Hölle erlösen, außer dass Er ihn von seiner Sünde erlöst? Wenn ein Mensch jeden Tag in Gedanken, Wort und Tat sündigen kann, was muss er dann tun, um Gottes Missfallen zu haben und verdammt zu werden?

Können wir uns als Christen bezeichnen und täglich sündigen? Wenn die Befreiung von der Sünde den Christen vom Sünder nicht unterscheidete, wo haben wir dann den Unterschied zu suchen?

Wie der Allmächtige mit Wohlwollen auf solchem Hohn im Namen Seiner heiligen Religion herabschauen kann, übersteigt unser Verständnis. Es ist uns unvorstellbar, wie man sich für eine solche Religion begeistern kann. Sich zu entschuldigen und wieder zu unterliegen gehört nicht zum Verhalten eines neutestamentlichen Christen. Jemand mag unterliegen, darüber Buße tun und wieder zu Gott kehren, aber wenn jemand für die gleichen Dinge Woche für Woche um Verzeihung bitten muss, dann ist er entweder ein armer, unwissender Schwächling, oder ein absichtlicher und unaufrichtiger Heuchler. Gehorsam ist besser denn Opfer und dadurch wird Gott immer erfreut. Der Sieg ist das rechte Erbe eines jeden aus dem Geist geborenen Kind Gottes. Gott sei Dank, das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus kann dich frei machen von dem Gesetz der Sünde und des Todes.

Nichts ist zu diesem Zeitpunkt notwendiger, als eine klare überzeugung der Sünde, sowie eine Entrüstung über dieselbe. Sie wird viel zu viel belächelt und entschuldigt. Versäumt die Gemeinde, eine kompromisslose Haltung gegenüber der Sünde einzunehmen, dann wird sie auch ihren bestimmten Zweck in dieser Welt versäumen.

Wenn Christus nicht die "Gemeinde" von den Banden der Sünde und von den Lockungen der Welt befreien kann, wie können wir Sünder dazu ermuntern, diese Dinge zu verlassen? "Hierzu ist der Sohn Gottes geoffenbart worden, damit er die Werke des Teufels vernichte (d.h. dich davon befreie)." Wenn dieses nicht zustande kommen kann, dann scheitert der Plan gerade dort, wo er am nötigsten ist.

Wenn die Einstellung des Schreibers in dieser Sache als zu extrem betrachtet wird, dann hätte Johannes, als er sagte: "Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde", hinzufügen müssen: "Glaubt diesem nicht, es ist blanker Fanatismus, denn niemand kann in dieser Welt leben, ohne täglich in Gedanken, Wort und Tat zu sündigen."

Wenn kein anderes Evangelium gepredigt werden kann, außer dem, dass man sündigen muss, dann ist es besser, gar keins zu predigen. Es wäre besser, dass Menschen für sich selbst lesen, denn wie unwissend sie auch sein mögen, sie könnten die Wahrheit kaum mehr zu ihrem eignen Verderben verdrehen, als wie es durch solche Lehren von der Kanzel geschieht. Das ist gefährlich, sagst du? Gefährlich, Befreiung von der Sklaverei und Macht der Sünde zu lehren? Gefährlich, ein siegreiches Leben zu lehren? Wenn wir dieses nicht lehren können, bitte schön, was ist der Zweck des Evangeliums und welchen Wert hat es? War Paulus ein gefährlicher Lehrer, als er sagte: "Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes"?

War Jesus ein gefährlicher Lehrer und ein Förderer des Fanatismus, als Er der Frau sagte: "Gehe hin und sündige nicht mehr"? Oder meinte Er: "Gehe hin und sündige nicht mehr ganz so viel"? Wenn wir nicht die Befreiung von Sünde durch unseren Herrn Jesus Christus lehren können, warum sollten wir das Evangelium verkündigen? Sicherlich muss das Evangelium, welches eine"gute Kunde" bringt, auch die Nachricht einer Befreiung bringen. Wenn der "Weg des übertreters hart ist", und "der Lohn der Sünde der Tod" ist, und "die Seele, die da sündigt, sterben muss", dann ist es alles andere, als eine gute Kunde, zu erkennen, dass keiner so leben kann. Weg mit solch einem Hohn auf das Evangelium Jesu Christi! Weg mit solch einem Unsinn, denn das Evangelium ist die Kraft Gottes zum Heil.

Sieg über die Sünde ist die Regel christlichen Handelns. Die Regel eines christlichen Lebens ist die des Sieges und nicht der Niederlage. Das ist Gottes Plan, dazu hat Er Vorkehrungen getroffen und nun erwartet Er es von uns. Sündigt jemand, dann kommt er diesem Vorrecht und der Erwartung Gottes an ihn zu kurz. Versäumt er es, seine übertretung einzusehen, Buße zu tun und dieselbe dann zu verlassen, mit der Absicht, sie nicht zu wiederholen, wird er sein Kindschaftsrecht und seine Gemeinschaft mit Gott einbüßen.

Christus in dir, die Hoffnung der Herrlichkeit, ist das Geheimnis des überwinderlebens, "weil der, welcher in euch ist, größer ist als der, welcher in der Welt ist". Das ist die Regel eines neutestamentlichen christlichen Leben, "damit ihr nicht sündigt".

Wenn die Frage gestellt wird, wie es oft im Spott geschieht: "Wer in dieser Welt lebt ohne Sünde?", dann mögen wir mit den Worten Johannes antworten: "Wer aus Gott geboren ist." Oder der Apostel Paulus kann die Frage für uns beantworten: "Also gibt es jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes." Der Apostel Johannes sagt: "Und hieran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben: wenn wir seine Gebote halten." Wie viel derber könnte es noch zum Ausdruck gebracht werden, als mit den Worten dieses Apostels: "Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in dem ist nicht die Wahrheit" (1Joh 2:4).

H. Sweeten