Die Fabel von der großen siebenjährigen Drangsal

Die Träumer vom Tausendjährigen Reich nehmen gewöhnlich Bibelstellen aus ihrem Zusammenhang heraus und zwängen sie in ihr Schema vom kommenden ungläubigen Zeitalter. Die Misshandlung von Mt 24:21 und Dan 9:26-27 sind nur Beispiele für ihre Vorgehensweise.

Sie glauben in ihrer Vorstellung, dass die erstere Schriftstelle eine noch kommende siebenjährige Trübsalszeit belegt, während in diesem Text überhaupt nichts von sieben Jahren erwähnt wird. Ihre Visionen sind nicht von Gott, sondern erweisen sich als Produkt ihrer eigenen Erfindung. Sie irren, weil sie die Schriften nicht kennen.

In Mt 24:1 machen die Jünger Jesus auf das Tempelgebäude aufmerksam, worauf Er mit folgenden Worten antwortet: "Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird." Später stellten Ihm die Jünger drei Fragen, von welchen die erste lautete: "Wann wird das sein" (dass das Tempelgebäude abgebrochen wird)? Die in Mt 24:21 erwähnte Trübsal ist Teil Seiner Antwort im Blick auf diese Frage. Sie bezieht sich auf die Tempelzerstörung um 70 n. Chr. durch die römische Armee unter der Befehlsgewalt des Titus.

Josephus, der namhafte Historiker, berichtet über die Erfüllung dieser vorausgesagten großen Trübsal, die durch den unvergleichlichen Zorn Gottes auf über eine Million Juden kam. Diese Christusleugner sind im Zerstörungsprozess ihres irdischen Tempels zusammen mit jedem abgebrochen Stein getötet und geschlachtet worden (Lk 21:23). Es ist erstaunlich, wie Mose in 5Mo 28:49-59 die extremen Verhältnisse und Zustände jener kommenden Drangsal über die Juden zum Ausdruck bringt und wie sehr diese Ausführungen mit der Beschreibung von Josephus übereinstimmen.

Jesus warnte aber auch zuvor in Lk 13:35; 19:41-44; 21:20-23 vor diesem Ereignis. Die bekehrten Juden entgingen diesem Schicksal, weil sie die Vorhersagen Jesu beachteten und Jerusalem verließen. Christi Worte zu verstehen und ihnen Folge zu leisten kann die Rettung deines Lebens sein!

In Mt 24:15 handelt es sich ebenfalls um Anhänger der Lehre des Millenniums. Sie sind erfüllt mit wilden Vorstellungen und errechnen sich die sieben Jahre aus der letzten Woche der von Daniel prophezeiten 70 Wochen oder 490 Jahre und stülpen sie über diese "große Drangsal", an deren zukünftiges Kommen sie noch glauben.

Indem sie das Gesetz der Bibelhermeneutik brechen, bringen sie die Zeitrechnung der 69 Wochen zum Stillstand und "verschieben" die letzte Woche (7 Jahre) einfach in die Zukunft.
Liebe Leser, wenn Gott siebzig Wochen (Dan 9:24) als eine Zeitspanne bestimmt hat, dann meinte Er das auch so: 70 aufeinander folgende Wochen; und nicht erst 69, unterbrochen von etwa 2000 Jahren, um die letzte noch nachträglich anzuhängen! Und ganz gewiss hat Gott es sich nicht nachträglich noch anders überlegt und Seine Prophetie geändert!

Der erste Teil von Dan 9:26-27 spricht von dem Kommen Christi und Seinem Opfer auf Golgatha. Mitten in die 70. Woche fallen das dreieinhalbjährige öffentliche Wirken Jesu und die Ereignisse Seiner Kreuzigung und Auferstehung, wodurch Er uns eine von Sünden befreiende Erlösung erwirkt hatte. Damit haben auch die buchstäblichen alttestamentlichen Opfergaben ihr Ende gefunden, da sie auf Grund der Erfüllung des Schattenbildes durch Christus nicht mehr benötigt werden. Ihm sei die Ehre dafür gebracht!

Der zweite Teil der Verse 26-27 in Dan 9 bezieht sich auf die Zerstörung Jerusalems um 70 n. Chr. Mit dem Volk eines kommenden Fürsten, das die Stadt und das Heiligtum zerstören und Gräuel im übermaß verüben und es verwüsten wird, ist das römische Heer unter der Führung des Titus gemeint. Diese prophetischen Worte sind bereits erfüllt worden! Sie haben absolut nichts mit den vom Teufel eingegebenen Träumen vom unsinnigen Antichristen zu tun, der einen "wiederhergestellten" Tempelgottesdienst (das sei ferne!) mitten in irgendwelchen, in der Zukunft liegenden sieben Trübsalsjahren durch sein Auftreten zum Erliegen bringen würde, indem er sich als Gott ausgeben und Anbetung fordern würde!

Ich gebe H. C. Heffren vollkommen Recht, wenn er schreibt: "Es ist einfach unvorstellbar, dass jemand das inspirierte Wort Gottes noch mehr Seiner Autorität berauben oder die Prophetie in größerem Maße degradieren könnte, als durch die Behauptung, Gott hätte siebzig 'unbestimmte' Wochen bestimmt."

Diese Fabel-spinnenden Vertreter des Tausendjährigen Reiches würden gern "Schlachtopfer, … die niemals Sünden hinwegnehmen können", wieder einsetzen, da sie den Sohn Gottes mit Füßen treten, der für immer Sein eigenes Fleisch und Blut als "ein Schlachtopfer für Sünden dargebracht" hatte (Heb 10:11.29.12).

Susan Mutch