Ein himmlisches Leben

Wem ist es nicht bekannt, dass es besser ist, rein und heilig zu sein als lediglich über Reinheit und Heiligkeit zu reden? Wer weiß nicht, dass ein Mensch nicht als rein, heilig oder gerecht gelten sollte, es sei denn er ist im alltäglichen Lauf seines Lebens rein, heilig und gerecht? Wenn dieses eindeutig ist, dann ist es ebenso verständlich, dass es besser ist, heilig zu sein als heilige Gebete aufzusagen.

Jeder besonnene Leser wird ohne Probleme erkennen, dass ich nicht beabsichtige, den wahren und hohen Wert der Gebete ob in der öffentlichkeit oder im Privaten zu mindern, sondern dass ich lediglich zeigen möchte, dass diese im Vergleich zu einem geweihten Leben nur einen geringen Teil der Hingabe ausmachen.

Gebeugte Knie, während du mit Stolz umkleidet bist; himmlische Gebete, während du dir Schätze auf Erden ansammelst; heilige Andachten, während du in den Torheiten der Welt wandelst; Gebete voller Demut und Liebe, während dein Herz der Thron der Bosheit und der Missgunst ist; stundenlange Gebete, während du deine Tage und Jahre mit Zeitvertreib, belanglosen Besuchen und törichten Vergnügungen vergeudest, sind genau solche sinnlosen, unzulässigen Gottesdienste vor Gott, wie diverse Formen der Danksagung von einer Person, die in Missmut und Unzufriedenheit lebt.

Es sei denn, dass unser alltäglicher Wandel dem allgemeinen Geist unserer Gebete entspricht, sind unsere Gebete weit entfernt von dem wahren oder ausreichenden Maß der Hingabe und werden zu einem leeren Lippenbekenntnis oder was noch schlimmer ist zu einer notorischen Heuchelei.

Dies sollte uns davon überzeugen, dass alle Menschen sich bemühen und darum bestrebt sein sollten, nach dieser äußersten Vollkommenheit eines christlichen Lebens zu trachten.

So wie es deshalb feststeht, dass dieselbe Heiligkeit der Gebete auch dieselbe Heiligkeit des Lebens voraussetzt, so gewiss ist es auch, dass alle Christen zu demselben heiligen Wandel berufen sind.

Ein Geschäftsmann ist nicht dazu berufen, das Evangelium zu predigen; jedoch muss sich jeder Geschäftsmann ebenso sehr dazu verpflichtet fühlen, ergeben, demütig, heilig und himmlisch gesinnt zu sein in allen Bereichen seines alltäglichen Lebens, wie auch ein Geistlicher verpflichtet ist, eifrig, treu und arbeitsam in allen Bereichen seines Berufes zu sein.

Alle Christen haben als Christen ein und dieselbe Berufung, nämlich entsprechend der Vortrefflichkeit der christlichen Wesensart zu leben und die erhabenen Grundsätze des Evangeliums zur Richtschnur und zum Maßstab ihres alltäglichen Lebens zu machen. Was für den einen nötig ist, muss auch für jeden anderen von Bedeutung sein.

Der Sohn Gottes kam nicht vom Himmel herab, um zu den einzelnen Lebensweisen, die es bereits in der Welt gibt, eine äußerliche Form des Gottdienens hinzuzufügen, und die Menschen so leben zu lassen, wie sie es zuvor taten, in ihren Launen und Vergnügungen, die von der Mode und dem Geist der Welt gutgeheißen werden. Als Er vollkommen göttlich und himmlisch in Seinem ganzen Wesen vom Himmel herabkam, geschah dies, um die Menschheit zu einem göttlichen und himmlischen Leben zu berufen; zu einer vollkommenen Umwandlung ihres ganzen Wesens und Temperaments; um vom Heiligen Geist neu geboren zu werden; um in der Weisheit, dem Licht und der Liebe Gottes zu wandeln und Ihm mit all ihrer Kraft ähnlich zu sein; um all den plausiblen Wegen der Welt sowie ihrer Größe, Geschäftigkeit oder ihrem Vergnügen zu entsagen, damit ihre angenehmsten Leidenschaften zunichte gemacht werden, und sie in solch einem Maße der Weisheit, Reinheit und Heiligkeit leben, um in alle Ewigkeit die Freude des Herrn glorreich genießen zu können.

Daher sollte nichts Törichtes, Unsinniges, Eitles, Weltliches oder Lüsternes im Leben eines Christen vorhanden sein. Das wären Flecken und Verunreinigungen, die mit Tränen der Buße weggewaschen werden müssten. Wenn sich also irgendetwas dieser Art im Laufe unseres Lebens zeigt und wir uns in Dinge einlassen, die entweder eitel, töricht oder lüstern sind, wird unser Bekenntnis dadurch vereitelt.

So gewiss, wie Jesus Christus Weisheit und Heiligkeit war, und wie Er kam, um uns Ihm ähnlich zu machen und mit Seinem Geist zu taufen, so sicher ist es auch, dass keiner seine christliche Berufung bewahren kann, es sei denn, dass er mit aller Macht ein weises, heiliges und himmlisches Leben führt. Dies und nur dies allein ist wahres Christentum; eine universale Heiligkeit in jedem Bereich des Lebens und himmlische Weisheit in all unseren Handlungen, die sich dem Geist und den Launen der Welt nicht anpassen.

William Law