Erbauliche Rede

Für eine fruchtbringende Zunge ist ein wohl ausstaffierter Geist, ein heiliges Herz und ein heiliger Wandel mit Gott von größter Wichtigkeit, denn wovon das Herz voll ist, davon wird der Mund reden. Womit du am meisten angefüllt bist, das wird am ehesten hervorkommen.

1. Schone dich nicht darin, göttliche Dinge zu erforschen und Verständnis darüber zu erhalten. Es ist ermüdend, zu hören, wie Menschen über irgendwelche Dinge törichte Gespräche führen; ganz besonders, wenn es um göttliche und himmlische Dinge geht. Ein weiser Christ, im Reich Gottes unterrichtet, hat in seiner Gesinnung eine Schatzkammer, aus der er Neues und Altes hervorholen kann (Mt 13:52). "Geh weg von dem dummen Menschen! Du hörst doch nichts Gescheites von ihm." (Spr 14:7).

2. Werde selbst mit all der Heiligkeit erfüllt, von der du andere überzeugen möchtest. Es liegt eine seltsame Macht in der Natur, dass ein jedes Lebewesen wieder seinesgleichen hervorbringt. Bildung und die Gabe, sich gut ausdrücken zu können, sind sehr hilfreich, jedoch ist es Heiligkeit, die sich am besten dazu eignet, Heiligkeit in anderen zu erzeugen. Worte, die aus der Liebe Gottes und einer wahrhaft himmlischen Gesinnung hervorgehen, neigen am stärksten dazu, in anderen dieselbe göttliche Liebe und himmlische Gesinnung hervorzurufen.

3. Praktiziere das, was du von deinem Nächsten erwartest! Jemand, der innerlich erwärmt vom heiligen Meditieren oder vom ernsten Gebet aufsteht, dessen Herz ist erfüllt mit einem aufrichtigen Verlangen und einer Tauglichkeit, dieses Gut, welches er selbst empfangen hat, anderen zu vermitteln.

Sprich hauptsächlich über bedeutende Dinge (die Torheit der Sünde, die Eitelkeit der Welt, die Gewissheit und das Nahen des Todes und Gerichts, die unermessliche Bedeutung der Ewigkeit, die Notwendigkeit der Heiligkeit, das Werk der Erlösung, usw.) und erwähle nicht die geringeren Themen des Glaubens, mit denen du deine Zeit verbringst (außer ein ganz bestimmter Grund liegt dafür vor). Bei den guten Menschen, die ihre Zeit nicht mit Eitlem vergeuden, gewinnt der Teufel zu oft die Oberhand durch solch religiöse Gespräche, die kaum zur Erbauung dienen, und bedeutende Themen verdrängen. Paulus bezeichnet das als unnützes Geschwätz; ein Kranksein an Streitfragen, die Zwietracht bewirken und nicht zur göttlichen Erbauung dienen; wenn sie beispielsweise über verschiedene Meinungen oder Parteiungen sprechen oder einen Prediger oder eine Person mit jemand anderem vergleichen; diese Art von Gesprächen trägt wenig dazu bei, dass die Zuhörer weiser, heiliger oder himmlischer werden.

Sprich niemals ohne die größte Ehrerbietung und Ernsthaftigkeit über heilige Dinge! Sowohl die Art und Weise als auch der Inhalt sind ausschlaggebend für die Effektivität. über Sünde und Bekehrung, Gott und die Ewigkeit ständig in einer gewöhnlichen und leichtsinnigen Weise zu reden, wie man über Menschen und irdische Angelegenheiten spricht, ist viel schlimmer als zu schweigen; es verdirbt die Zuhörer viel mehr und löst eine Geringschätzung gegenüber Gott und Heiligkeit aus.

Ich erinnere mich, als ich noch jung war, dass ich irgendwann in Begleitung eines sehr alten, gottesfürchtigen Predigers war, der nicht so intellektuell war wie manch ein anderer; von ihm hatte ich jedoch mehr Nutzen als von den meisten anderen. Im Gebet oder im Gespräch sprach er niemals von Gott oder dem zukünftigen Leben ohne eine solch erstaunliche Ernsthaftigkeit und Ehrerbietung, als hätte er selbst die Majestät und Herrlichkeit gesehen, von der er sprach.

Richard Baxter