Es gibt eine Hölle

Was sollte als erstes unternommen werden, wenn ein Haus in Flammen steht? Wir sollten den Alarm auslösen und die Bewohner wecken. Das ist wahre Nächstenliebe. Lieber Leser, ich liebe deine Seele und wünschte, dass sie gerettet wird. Deshalb werde ich dich etwas über die Hölle aufklären. Es gibt eine Hölle. Lass dich von niemandem mit leeren Worten verführen! Was Menschen nicht mögen, versuchen sie mit aller Kraft zu leugnen. Wenn der Herr Jesus Christus wiederkommt, um die Welt zu richten, wird Er alle, die nicht Seine Jünger sind, fürchterlich bestrafen. Alle, die Er reuelos und ungläubig vorfindet; alle, die an der Sünde und Welt festgehalten und ihre Zuneigung auf Dinge hier unten gerichtet haben; alle, die ohne Christus sind; all diese werden ein furchtbares Ende erleben. Jeder, der nicht in dem Buch des Lebens geschrieben steht, wird „in den Feuersee geworfen“ (Offb 20:15).

Die Strafe der Hölle wird äußerst schlimm sein. Es gibt keinen Schmerz wie den des Verbrennens. Feuer ist das höchst vernichtende und verzehrende aller Elemente. Von allen Elementen ist das Feuer dem Leben am meisten entgegengesetzt. Lebewesen können in der Luft, auf der Erde und im Wasser leben, aber nichts kann im Feuer leben. Und doch ist das Feuer das Los, welches die, die ohne Christus sind, und die Ungläubigen empfangen werden. Sie werden „in den Feuersee geworfen“.

Die Strafe der Hölle wird ewig sein. Millionen von Jahren werden vergehen und das Feuer wird weder schwächer noch matter werden, sondern mit „unauslöschlichem Feuer“ brennen. O Leser, das sind traurige und schmerzhafte Gesprächsthemen. Jedoch sind sie ein Teil der Schrift, der nützlich ist und gehört werden sollte. Wie schmerzhaft das Thema der Hölle auch sei, ich wage mich nicht, noch kann oder darf ich darüber schweigen.

Wer würde über das Höllenfeuer sprechen wollen, wenn Gott nicht darüber gesprochen hätte? Wenn Gott darüber so klar gesprochen hat, wer kann dann unbesorgt schweigen? Ich traue mich nicht, meine Augen vor der Tatsache zu verschließen, dass ein tief verwurzelter Unglaube in dem Verstand der Menschen zum Thema Hölle sein Unwesen treibt. Ich sehe, wie er in äußerster Gleichgültigkeit aus einigen hervorquillt. Sie essen, trinken und schlafen, als gäbe es keinen kommenden Zorn. Ich sehe die Kälte weiter schleichen, die andere gegenüber der Seele ihres Nächsten haben. Sie zeigen wenig Besorgnis, die Unbekehrten zu wecken und Brandscheite aus dem Feuer herauszureißen. Ich will solche Untreue mit aller Kraft verurteilen. Ich glaube daran, „dass der Herr zu fürchten ist“ und dass es „eine große Belohnung“ gibt.

Ich appelliere an alle, die vorgeben, der Bibel zu glauben, auf der Hut zu sein. Ich weiß, dass manche überhaupt nicht an eine Hölle glauben. Sie halten es für unmöglich, dass es solch einen Ort geben kann. Sie bezeichnen es als unvereinbar mit der Barmherzigkeit Gottes. Sie sagen, es sei zu furchtbar, um wirklich wahr zu sein. Natürlich frohlockt der Teufel über die Ansichten solcher Menschen. Sie leisten seinem Königreich mit aller Macht Hilfe. Sie fahren fort, seine uralte Lieblingslehre zu verkündigen: „Keineswegs werdet ihr sterben!“.

Außerdem weiß ich, dass einige nicht daran glauben, dass die Hölle ewig ist. Sie sagen, es ist unglaublich, dass ein mitleidiger Gott die Menschen ewig strafen wird. Sicherlich wird Er die Gefängnistüren letztendlich öffnen. Auch dies trägt gewaltig zur Unterstützung der Absicht des Teufels bei. „Immer mit der Ruhe“, flüstert er den Sündern zu, „selbst wenn dir ein Fehler unterläuft, macht dies nichts, denn es ist nicht für immer.“

Auch weiß ich, dass manche zwar an eine Hölle glauben, jedoch nicht anerkennen, dass irgendjemand dort hinkommt. Sobald sie sterben, sind die Menschen gut; alle waren aufrichtig, alle hatten gute Absichten und alle – so hoffen sie – sind in den Himmel gekommen. Ach, welch eine weitverbreitete Illusion! Auch weiß ich sehr wohl, dass manche glauben, es gäbe eine Hölle, aber es nicht gerne hören, wenn man darüber spricht. Ihrer Meinung nach sollte über dieses Thema geschwiegen werden. Sie sehen keinen Nutzen darin, es ans Licht zu bringen, und sind eher geschockt, wenn man es erwähnt. Auch das bietet dem Teufel eine enorme Hilfe. „Still! Still!“, sagt Satan, „Erwähne die Hölle nicht!“ Der Vogelfänger wünscht, dass keine Geräusche gemacht werden, wenn er seine Fallen gestellt hat. Der Wolf möchte, dass der Hirte schläft, während er um die Herde herumschleicht. Der Teufel frohlockt, wenn Christen über die Hölle schweigen.

Lieber Leser, all diese Ansichten sind Menschenmeinungen. Was bedeutet es dir und mir, was Menschen über Religion denken? Nicht Menschen werden uns am Jüngsten Tag richten. Eines jedoch ist ausschlaggebend: Was sagt das Wort Gottes dazu? Glaubst du der Bibel? Dann verlass dich darauf, dass die Hölle eine tatsächliche Wirklichkeit ist. Sie ist so wirklich wie der Himmel, so echt wie die Rechtfertigung durch den Glauben, so real wie die Tatsache, dass Christus am Kreuz gestorben ist. Es gibt keine Tatsache oder Lehre, die du nicht rechtmäßig anzweifeln könntest, wenn du an der Hölle zweifelst. Glaube nicht an die Hölle und du löst, verwirrst und bringst die ganze Schrift aus dem Gleichgewicht. Dann kannst du deine Bibel gleich beiseite legen. Von „keine Hölle“ sind es nur wenige Schritte zu „kein Gott“. Glaubst du der Bibel? Dann kannst du dich darauf verlassen, dass die Hölle bewohnt sein wird. Die Bösen werden gewiss in die Hölle einkehren und all die Menschen, die Gott vergessen. Derselbe Erlöser, der nun auf dem Thron der Gnade sitzt, wird eines Tages auf einem Richterstuhl sitzen, und die Menschheit wird erkennen müssen, dass es so etwas wie den „Zorn des Lammes“ gibt. Dieselben Lippen, die heute sagen: „Kommt her zu mir“, werden eines Tages sagen: „Geht hinweg … ihr Verfluchten“. Ach! Wie schrecklich der Gedanke, von Christus selbst verdammt, vom Erlöser gerichtet und vom Lamm zu Qualen verurteilt zu sein! Glaubst du der Bibel? Dann verlasse dich darauf, dass die Hölle ein heftiges und unveränderliches Wehe sein wird.

Es ist vergeblich, über all die Begriffe als über bloße Ausdrücke zu sprechen – das Gefängnis, der Wurm, das Feuer, der Durst, das Dunkel, die Finsternis, das Heulen, das Zähneknirschen, der zweite Tod – all diese mögen deiner Meinung nach lediglich Ausdrücke sein; jedoch besteht kein Zweifel darin, dass die Bilder, die in der Bibel gebraucht werden, von Bedeutung sind; und hier stehen sie für etwas, was der menschliche Verstand nie völlig erfassen kann.

O Leser, die Qualen der Seele und des Gewissens sind weit schlimmer als die des Leibes. Das ganze Ausmaß der Hölle, das Leid der Gegenwart, die bittere Erinnerung an die Vergangenheit und die hoffnungslose Aussicht der Zukunft werden niemals völlig erfasst werden, außer von denen, die dort hingelangen. Glaubst du der Bibel? Dann kannst du dich darauf verlassen, dass die Hölle ewig ist. Sie muss ewig sein, sonst haben Worte keinerlei Bedeutung. „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“, „ewig“, „unauslöschlich“, „nicht erlischt“ – all dies sind Ausdrücke, die im Zusammenhang mit der Hölle gebraucht werden und nicht hinweg erklärt werden können. Sie muss ewig sein, sonst sind die Grundfesten des Himmels zerstört. Wenn die Hölle ein Ende hätte, dann hätte der Himmel auch ein Ende. Sie stehen oder fallen gemeinsam. Die Hölle muss ewig sein, sonst ist jede Lehre des Evangeliums untergraben.

Wenn ein Mensch der Hölle letztendlich entkommen könnte, ohne Glauben an Christus oder Heiligung des Geistes zu haben, dann wäre die Sünde kein grenzenloses Übel mehr, und es hätte für Christus keine solch große Notwendigkeit bestanden, eine Sühnung zu erwirken. Und wo ist die Garantie, anzunehmen, dass die Hölle ein Herz jemals verändern oder für den Himmel passend machen könnte? Sie muss ewig sein, sonst würde die Hölle aufhören, ganz und gar eine Hölle zu sein. Gib dem Menschen Hoffnung, und er wird alles ertragen. Gewähre eine Hoffnung auf Befreiung, wie fern sie auch sein mag, und die Hölle ist lediglich ein Tropfen Wasser.

Glaubst du der Bibel? Dann kannst du dich darauf verlassen, dass die Hölle ein Thema ist, das niemandem vorenthalten werden sollte. Die Feststellung ist auffallend, dass niemand so viel darüber spricht wie unser Herr Jesus Christus, der gnädige und barmherzige Heiland, und der Apostel Johannes, dessen Herz voller Liebe zu sein schien. Es mag wohl wahrlich angezweifelt werden, ob wir Prediger so viel darüber reden wie wir sollten. Ich kann die Worte eines sterbenden Zuhörers des Herrn Newton nicht vergessen: „Mein Herr, Sie haben mir oft von Christus und der Erlösung erzählt, aber warum haben Sie mich nicht an die Hölle und an die Gefahr erinnert?“ Lass andere über die Hölle schweigen, wenn sie wollen; ich traue mich nicht, dies zu tun. Ich sehe sie deutlich in der Schrift und ich muss über sie sprechen. Ich befürchte, dass Tausende auf dem breiten Weg sind, der dahin führt und ich möchte sie gern wachrütteln, damit sie die Gefahr, die vor ihnen liegt, wahrnehmen.

Was würdest du von dem Menschen halten, der das Haus seines Nächsten sieht, das in der Gefahr steht, niederzubrennen, aber nicht „Feuer!“ ruft? Was sollte von uns als Predigern gesagt werden, wenn wir uns „Wächter der Seelen“ nennen und dabei das Feuer der Hölle in der Ferne wüten sehen und nicht Alarm schlagen? Du magst es „geschmacklos“ nennen, über die Hölle zu sprechen. Nenne es „Nächstenliebe“, um die Sache angenehmer zu machen und rede sanft darüber und beruhige die Menschen mit einem ständigen Wiegenlied des Friedens. Ich habe jedoch meine Bibel gelesen! Meine Vorstellung von Nächstenliebe ist, die Menschen einfach vor der Gefahr zu warnen. Meine Vorstellung von Geschmack im Predigtdienst ist, den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen.

Wenn ich nie von der Hölle redete, sollte ich meinen, ich hätte etwas vorenthalten, das nützlich wäre, und ich sollte mich als einen Genossen des Teufels betrachten. Lieber Leser, ich ermahne dich in aller Liebe, hüte dich vor falschen Ansichten über das Thema, auf das ich näher eingegangen bin! Nimm dich in Acht vor neuen und seltsamen Lehren über die Hölle und Ewigkeit der Strafe! Hüte dich davor, dir einen eigenen Gott herzustellen; einen Gott, der voller Barmherzigkeit ist, aber nicht gerecht; einen Gott, der voller Liebe ist, aber nicht heilig; einen Gott, der für alle einen Himmel hat, aber für niemanden eine Hölle. Solch ein Gott ist dein eigener Götze, genau solch ein Götze wie eine Schlange oder ein Krokodil in ägyptischen Tempeln. Die Hände deiner eigenen Einbildung und Sentimentalität haben ihn geschaffen. Er ist nicht der Gott der Bibel, und außer dem Gott der Bibel gibt es überhaupt keinen Gott!

Ach Leser, es gibt eine Hölle! Es gibt ein Feuer! Habe Acht, damit du es nicht zu spät auf eigene Kosten feststellst! Hüte dich davor, klüger zu sein als das, was geschrieben steht! Hüte dich davor, dir eigene fantasiereiche Theorien zu bilden und dann zu versuchen, die Bibel an diese anzupassen! Hüte dich davor, einen Abschnitt deiner Bibel deinem Geschmack anzupassen! Wage es nicht, zu sagen: „Ich glaube diesem Vers, weil er mir gefällt. Ich lehne jenen ab, denn er vereinbart sich nicht mit meinen Ansichten.“ Nein! Wer bist du denn, o Mensch, dass du dich gegen Gott auflehnst? Es wäre sicherlich besser, über jedem Kapitel des Wortes zu sagen: „Rede, Herr, denn dein Knecht hört!“. Ach, wenn Menschen das tun würden, würden sie das unauslöschliche Feuer nicht leugnen.

J. C. Ryle (verkürzt)