Nie sah ich den Gerechten verlassen

Wer lange lebt in dieser Welt, wer seine Augen auftut und um sich schaut, der wird vieles sehen. Viel, viel Elend, viel, viel Herzeleid, ungezählte Tränen, ungestillte Not, Armut und finsteren Tod. Wie geplagt sind doch die armen Menschen unter der strahlenden Sonne, die mit jugendlicher Freude und anmutiger Schönheit jeden Morgen so sorgenfrei und mutig am Himmel heraufsteigt! Sie sind geplagt, die armen Menschen! Sie plagen sich selbst am allermeisten! Sie murren, klagen, seufzen und stöhnen unter ihren Lasten. Sie fluchen in ihrem Herzen dem harten Geschicke, sie zürnen dem Schöpfer, sie beneiden ihre Mitgeschöpfe, die es augenscheinlich leichter und angenehmer haben in dieser Welt.

Und warum sind sie so unglücklich? Warum sind sie in solch großer Not, was tragen sie mit solcher Mühe, wer hat ihnen diese Lasten aufgeladen? O, es ist ihre eigene Schuld, ihre eigene Sünde, ihre Gottlosigkeit, ihr eigener Wille! Die armen Menschen quälen sich selbst! Ist denn keine Hilfe da, keine Erlösung von diesem Elend, keine Freiheit von dieser Sklaverei? O ja, Hilfe ist genug; denn der allmächtige Gott will ja helfen. Die allmächtige Liebe hat sich ja geopfert, um den Menschen zu helfen, um ihn zu retten von allen Feinden und aller Plage. Und täglich ladet diese Liebe ein zu ihrem großen Festmahl, zur Hochzeit des großen Königs! An den Ecken der Straßen und auf den Märkten ruft diese Liebe den armen Menschen zu:„Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben!“ Das meint Hilfe, das ist Erlösung. Viele Hunderte von Jahren schon ertönte dieser Ruf in die Welt hinein aber dennoch ist den Menschen nicht geholfen. Warum ist den Menschen nicht geholfen? O, die Menschen sind so halsstarrig, so verkehrt, dass sie sich nicht helfen lassen wollen. Sie gehen der Hilfe aus dem Wege, laufen der Rettung davon, stoßen die rettende Liebe von sich; sie wollen keine Erlösung. Sie wollen in ihrer Sklaverei weiter leben; sie wollen lieber in Ägypten bleiben und „Gurken, Lauch, Zwiebeln und Knoblauch“ essen in der Sklaverei, als das Manna vom Himmel (4 Mose 11:4). Der Helfer ist der allmächtige Gott, die Hilfe ist ohne Geld und umsonst zu haben – und dennoch nicht erlöst sein! Das verrät eine große Torheit; ja, die Menschen sind eitel Narren und Toren!

Wahrlich, wer in dieser Welt nur Jammer und Elend trägt, nur klagt, jammert, schimpft und flucht, der ist noch nicht erlöst. Und wer trotz des allmächtigen Gottes nicht erlöst ist, der muss entweder nichts von Gott wissen, oder nicht erlöst werden wollen. Wie stumpfsinnig sind doch die Menschen in dieser Welt! Über ihnen wölbt sich der Himmel voller Wunder und verkündigt ihnen die Pracht, Macht und Herrlichkeit des mächtigen Gottes. Die Werke der Schöpfung bezeugen ihnen, dass ein wunderbarer Gott über ihnen waltet. Aber trotz aller Zeichen und Wunder ringsum wollen sie dennoch das Gute nicht haben. Gott haben, das meint das höchste Glück, das größte Gut zu besitzen. Gott allein macht glücklich, Gott macht den ganzen Menschen rein, schön und heilig. So wandelt es sich gut auf Erden. Ja, die Heiligen des Herrn haben es gut!

David sagt: „Ich war jung und bin auch alt geworden, und nie sah ich den Gerechten verlassen, noch seinen Samen nach Brot gehen; den ganzen Tag ist er barmherzig und leiht gerne, und sein Same wird gesegnet sein. Weiche vom Bösen und tue Gutes, und bleibe ewiglich! Denn Jehova liebt das Recht und wird seine Heiligen nicht verlassen; ewig werden sie bewahrt, aber der Same der Gottlosen wird ausgerottet. Die Gerechten werden das Land besitzen und werden darinnen wohnen immerdar“ (Ps 37:25-29).

Noch nie hatte David den Gerechten verlassen oder seine Kinder Brot betteln sehen. So etwas kommt nicht vor. Die Gottlosen mögen betteln, die Gottlosen mögen geplagt sein; aber die Heiligen Jehovas werden niemals verlassen. Gott hält seine Kinder wie Seine eigene Ehre, die Er nicht schänden lässt. Es wäre eine Schande für Gott, wenn Seine Kinder betteln sollten; das würde Ihn darstellen als einen armen Vater, der Seine Familie nicht ernähren und versorgen könnte. Nein, unser Gott ist reich, unser Gott kann und will helfen. Er gibt den Seinen reichlich allerlei Gutes zu genießen. In Seiner Liebe ruht sich‘s gut, an Seiner Vaterhand ersteigt man Fels und Berg, an Seinem Tisch ist Freude und Jauchzen wegen der Fülle der Güte und Gnade Gottes. Es ist lieblich und schön, ein Kind des allmächtigen Gottes zu sein. Alle Seine Heiligen sind in Seiner Hand!

Die seufzenden, murrenden, klagenden, hadernden, geplagten Mund bekenner des Christentums gehören sicherlich nicht zu den Gerechten, die ewiglich nicht verlassen sind. Wo der Bettelsack im Hause hängt, da wohnt sicherlich nicht der Gott, von dem David hier redet. Wo Menschen in Tierhöhlen, schmutzigen Löchern und abscheulichen Wohnungen wohnen und einhergehen in zerlumpten Fetzen, da regiert sicherlich nicht der Geist Gottes, der das prächtige Himmelszelt über die Erde spannte.

Jesus war arm; aber Er war weder ein Bettler noch ging Er in schmutziger, unanständiger Kleidung umher. Er herrschte wie ein König, er speiste Tausende von Menschen, Er hatte stets für Seine Arbeiter zu sorgen. Von Ihm galt es ganz besonders: „ ... den ganzen Tag ist er barmherzig und leiht gerne.“ Sicherlich, Gott gibt Seinen Kindern so viel, dass sie den ganzen Tag an andere austeilen können. Gott öffnet ihnen Seine Schatzhäuser und macht sie zu Seinen Haushaltern. Welch herrlicher Stand ist es doch, ein Gerechter, ein Heiliger Jehovas zu sein!

Lieber Leser, du hältst dich für ein Kind Gottes, aber stimmt dein Zustand, deine Erfahrung, dein Leben mit dem Worte Gottes in diesem Psalm? Segnet dich Gott so reichlich, dass du immerdar eine offene Hand hast zum Leihen und Austeilen? Du meinst jedenfalls an den lebendigen Gott zu glauben; aber was für einen Nutzen bringt dein Glaube der Menschheit? Wenn du nur für dich allein, für deine Familie, für deine Verwandten lebst, so ist es mit deinem Glauben nicht weither. So glauben auch viele Nationen. Sie leben auch nur ganz allein für ihre eigenen Interessen. Wenn die Armut und der Bettelsack allezeit in deinem Hause sind, so dass du nicht auch für deine Mitmenschen etwas übrig hast, so ist dein Glaube nicht der, von dem die Bibel spricht. Wenn du immer mit Sorgen in die Zukunft blickst und um der kommenden Jahre willen keine Opfergabe bringen kannst für das Werk des Herrn, so tue Buße für deinen Unglauben, für deine Habsucht und deinen Geiz und bitte Gott, dass Er dich zu Seinem gerechten und heiligen Kinde mache.

Der Gerechte grünt wie ein Palmbaum, er bringt seine Frucht zur rechten Zeit. Kein Gutes mangelt denen, die auf den Herrn vertrauen; aber den Gottlosen und Geizigen kommt die Teuerung mitten in der Ernte. Beten und Geben macht die Heiligen Jehovas reich. Gelobet sei Sein heiliger Name!


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