Sieh uns an!

"Da blickte ihn Petrus zusammen mit Johannes an und sprach: Sieh uns an!" (Apg 3:4).

Während George Whitefield eine seiner, einem Wirbelsturm gleichenden, Predigtreisen durch Nordamerika machte, wurden Tausende durch sein Predigen für das Heil erweckt. Er predigte voller Autorität, ganz ungleich der Mehrzahl trockener, krächzender Prediger jener Tage. Als er zum ersten Mal nach Boston kam, begegnete ihm auf der Straße ein sehr unfreundlicher und formeller Prediger. "Es tut mir leid, dass du gekommen bist", sagte der Prediger dreist zum großen Evangelisten. Whitefield antwortete (genauso dreist): "Dem Teufel auch!"

Genau dies wollen wir. Genau dieses braucht die Welt: Eine Predigerschaft ohne Illusionen darüber, was ihre Berufung betrifft; eine furchtlose Predigerschaft, eine, die weiß, wo sie in Bezug auf Gott und den Teufel steht, und die Letzterem und all seinen Verstecken mutig den Krieg erklärt; eine Predigerschaft, die vor einer verlorenen und bedürftigen Generation stehen kann und mit Petrus und Johannes verkündigt: "Sieh uns an!"

Dies ist der Ruf der Predigerschaft dieser gegenwärtigen Wiederherstellung. Mit Paulus sieht sie ihre Berufung darin, die Weisen und das Starke zuschanden zu machen und zunichte zu machen das, was etwas ist (1Kor 1:26-28). Obwohl sie aufgrund ihrer eigenen Unzulänglichkeit bebt, verlässt sie sich auf Gott und versäumt es nicht, dem Volk den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen (2Kor 3:5; Apg 20:27).

Eine solche Haltung ist in unserer Zeit nicht sehr beliebt. Es wurde gesagt, dass die heutige Generation mit Skepsis auf "traditionelle" Leitungsstrukturen blickt. Stattdessen schätzen sie den "dienstbaren Leiter", der auf derselben Stufe mit ihnen steht, der sich darüber freut, an den Tischen zu dienen und ihr Kumpel zu sein. Wenn er das Fußballspiel mit ihnen anschaut und mit ihnen zelten geht, dann hören sie ihm gerne zu, wenn er sonntags zu ihnen "spricht" oder ihnen "etwas mitzuteilen hat". Noch viel besser ist es, wenn er Jeans oder legere Kleidung hinter der Kanzel trägt, da sich dann jedermann "willkommen" und "behaglich" fühlt. Wenn es seinen Predigten an moralischer Courage fehlt (weil sie keine radikale Hingabe vom Hörer fordern), dann ist dies ein Plus, denn Fanatismus ist unangenehm. Und jeder weiß: Gesetzmäßigkeit ist tabu.

So tief ist das Niveau des Predigtdienstes gesunken. Dies ist allerdings nicht das Merkmal eines wahren Predigers.

Wahre Prediger wissen, dass sie das haben, was die Welt braucht. Sie nehmen die Haltung eines Petrus und Johannes und die Sicherheit Whitefields ein. Sie geben sich nicht damit zufrieden, das Wort Gottes zu vernachlässigen, um an den Tischen zu dienen. Ein wahrer Prediger ist untadelig und unschuldig wie ein Sohn Gottes, freundlich und liebenswürdig zu Seelen und unterweist mit Sanftmut diejenigen, die sich ihm entgegenstellen. Andererseits tritt er gegen Sünde und alle Ungerechtigkeit mutig wie ein Löwe auf. Und weil wahre Prediger genau wissen, wo sie sich in der Schrift und Prophetie wiederfinden, können sie sagen: "Folgt mir nach, wie ich Jesus nachfolge!" und es auch meinen. Ihr heiliges Vorbild und ihre brennende Liebe zu Gott und den Menschen gebieten und fordern, dass wir ihnen nachfolgen.

Sektiererische Prediger fürchten sich davor, solche schriftgemäßen Aussagen zu machen. Warum? Die Antwort ist ganz einfach. Sie folgen Christus nicht nach. Folglich haben sie keine Autorität, biblischen Gehorsam in denjenigen hervorzurufen, zu denen sie predigen. Sie gebrauchen wohllautende, jedoch inhaltslose Redewendungen, um Menschen davon abzuhalten, ihnen nachzufolgen. "Schaut auf Jesus!", sagen sie, "Schaut nicht auf mich!" Was sie damit sagen wollen ist, dass sie keine wahre Berufung haben, kein Wort vom Herrn. Im Gegensatz zu Johannes haben sie das Silber und das Gold. Sie können dir ein paar Münzen aus ihrem Missionsfond zuwerfen, um dir zu helfen, und meinen dann, barmherzige Samariter zu sein. Die geistliche Not jedoch beheben sie nicht.

Weil es denen, die dieses biblische Amt für sich beanspruchen, an göttlicher Autorität fehlt, ersinnen sie sich selbst geschaffenen Ersatz und machen viele Erfindungen ausfindig, um ihrer schwachen Stellung den Rücken zu stärken.

Manche sonnen sich im Ruhm vergangener Zeitalter. Sie zitieren Wesley und Finney, Fletcher und Warner. Ihre Reden sind reichlich mit Anekdoten berühmter Männer und Frauen versehen, traurigerweise mangelt es jedoch an persönlichem Zeugnis und an Kraft. Diese sind die neuzeitlichen Söhne des Skevas, welche, selbst keine Herrlichkeit besitzend, danach ausschauen, auf Vertrauenswürdigkeit anderer die Mächte der Finsternis zu bekämpfen und die geistlichen Bedürfnisse der Menschheit zu erfüllen. über solche lacht der Teufel und fragt: "Wer seid ihr?" Und zu solchen schauen die Lahmen am Tor erwartungsvoll auf und werden enttäuscht.
Der Teufel fürchtet sich nicht länger vor Wesley oder Warner. Sie sind nicht mehr hier und können ihm nicht schaden. Die Allgemeinheit kennt sie auch kaum. Ihre Sorge gilt nicht den Verstorbenen, sondern den unmittelbareren Problemen. Obwohl sie um Almosen bitten, erwarten sie mehr als das Silber und Gold eines so genannten "sozialen Evangeliums". Vor einem lebendigen, brennenden und strahlenden Licht wird der Teufel erzittern, und Menschen werden darauf reagieren. Das ist das Bild eines wahren Predigers.

Wir danken und preisen den allmächtigen Gott, dass Er Sich selbst in dieser Endzeit nicht unbezeugt gelassen hat. Auch wenn falsche Prediger reichlich vorhanden sind, so hat Er sich eine Predigerschaft erweckt, die mehr besitzt als Silber und Gold - heilige Männer und Frauen mit Unterscheidungsvermögen, ausgerüstet mit der Gabe, den geistlichen Bedürfnissen der Menschheit gerecht zu werden. Weil sie sagen: "Sieh uns an!", werden sie von sektiererischen Predigern als stolz und exklusiv abgestempelt. Weil sie sich ganz sicher sind und geistliche Autorität besitzen, nennt man sie "Fanatiker", "Päpste" und "Herren über Gottes Erbe" (1Pt 5:3). Der Teufel - ein ausgesprochener Feigling - muss sich damit abfinden, von Ferne zu stehen; von dort aus versucht er diese Lieben mit Schimpfnamen zu bewerfen (wehe ihm, wenn er zu nahe kommt). Aber die Weisheit wird gerechtfertigt von ihren Kindern. Es gibt eine ganze Schar ehemals Lahmer, die jetzt laufen, springen und Gott loben. Zweifelst du daran, dann komm und sieh!

Br. Daniel Eichelberger